Öko gibt es nicht nur auf dem Gemüsehof. Auch Autohersteller setzen als Kaufargument auf ein gutes Umweltgewissen. AUTO BILD hat fünf kompakte CO2-Zwerge mit Diesel getestet: Können
Opel Astra,
Seat Leon,
Skoda Octavia,
Ford Focus und
VW Golf (von links) ihr Verbrauchsversprechen halten?
Platz fünf mit 321 von 500 Punkten: Als Econetic fehlt dem
Ford Focus die gewohnte Harmonie. Beim Sparen ganz vorn, werfen ihn der raue, nur Euro-4-taugliche Diesel und die unausgewogenen Fahreigenschaften zurück.
Auf seine alten Tage wird der Focus noch zum Geizhals. Für 500 Euro Aufpreis helfen ihm dabei eine Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rrückgewinnung (Rekuperation). Dennoch schafft der Econetic nur Euro 4, ...
... ein Focus mit Standard-TDCi hingegen Euro 5. Immerhin, das Sparversprechen löst der Oldie ein: Mit 4,5 Litern Testverbrauch und 3,9 Litern auf der Sparrunde zieht er mit dem modernen Golf BlueMotion gleich, verfehlt die Werksangabe nur um ein Zehntel – Bravo!
Keinen Applaus bekommt der 1,6 Liter große Selbstzünder (109 PS, 240 Nm) für seine ungehobelten Manieren. Er lärmt und vibriert, ...
... mitunter ruckelt er sogar beim Beschleunigen, dreht überdies nur zäh. Den Sprint auf Tempo 100 absolviert der Focus in 11,9 Sekunden, maximal sind 191 km/h drin. Was das Sprintvermögen angeht, ist nur der Opel langsamer.
Unausgewogen das Fahrverhalten: Die Energiesparreifen des Econetic harmonieren nicht mit dem Focus, wimmern bereits bei moderatem Kurventempo um Gnade. Wo die Konkurrenten noch lässig den Radius halten, muss das Ford-ESP schon Schwerarbeit verrichten. Dabei gehen Lenkpräzision und Agilität, sonst die Stärken des Focus, verloren.
Außerdem sabotieren straffere Federelemente spürbar den Komfort. Noch unangenehmer: Beim Bremsen verschenkt der Econetic wertvolle Meter. Und das alles für ein paar Zehntel weniger beim Verbrauch? Nein, mit so einem Geizhals macht sich Ford keine Freunde – letzter Platz.
Typisch
Ford: klar gestalteter, bedienungsfreundlicher Arbeitsplatz. Silberfarbene Plastikblenden bringen ein wenig Glanz in das nüchterne Ambiente.
Innen wirkt der Focus luftig. Die ordentlich stützenden Sitze platzieren Große allerdings etwas zu hoch.
Konventionelles Getriebe: Fünf Gänge müssen dem Econetic reichen.
Mit 396 Litern bietet der Focus-Kofferraum das zweitgrößte Minimalvolumen. Liegt alles flach, passen 1258 Liter hinter die Heckklappe.
Mit 22.625 Euro (inklusive Start-Stopp-Paket) kostet der Ford Focus 1.6 TDCi Econetic exakt so viel wie der VW Golf – die beiden teuersten Autos dieses Vergleichs.
Mit dem 1.6 TDI von VW und Skoda ist auch der
Seat Leon gut motorisiert. Der agile Spanier ist jedoch relativ eng, außerdem verschreckt der Sparer mit seiner strammen Federung. So reicht es nur zu 322 Punkten, einem hauchdünnen Vorsprung auf den Ford und Platz vier.
Seat mag es feurig statt fad. Selbst wenn es ums Knausern geht. Beim Leon Ecomotive haben die Spanier daher kräftig nachgewürzt, damit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt. Mit straffer Federung, ...
... direkter Lenkung und fein regelndem ESP pfeffert der
Seat so flink um die Ecken wie kein anderer hier, wankt selbst bei schnellen Richtungswechseln kaum. Auf holprigem Asphalt ist aber Schluss mit lustig, ...
... die trocken durchkommenden Tritte stoßen auf Dauer selbst Chilli-Liebhabern unangenehm auf. Nur gut, ...
... dass die bequemen, etwas hoch positionierten Sessel das Gröbste abfedern. Sogar hinten lässt es sich aushalten, obwohl kleine Fenster und weit heruntergezogene Dachholme den Leon gefühlt zur engen Höhle machen. In der es zudem ganz schön lärmt, ...
... was aber nicht am lebendigen 1.6 TDI von VW liegt, der im Leon Ecomotive aus aerodynamischen Gründen hinter einem geschlossenen Kühlergrill arbeitet. Angenehm laufruhig entwickelt die Maschine 105 PS und 250 Nm Drehmoment.
Im langen fünften Gang tritt der Seat verhaltener an als die Konzernbrüder, braucht für den Standardsprint 11,8 Sekunden und schafft maximal 190 km/h, ...
... aber er gibt sich ähnlich knauserig: Im Test schluckt er 4,8 Liter, Gaspedalstreichler schaffen sogar sechs Zehntel weniger. Nicht jedoch die versprochenen 3,8 Liter, ...
... trotz der serienmäßigen Start-Stopp-Automatik.
Silberstreif am Horizont: Die helle Cockpit-Abdeckung spiegelt sich in der Scheibe. Die Verarbeitung ist sauber, die Materialien wirken allerdings nicht sehr hochwertig.
Am meisten beim Gepäck beschränken, müssen sich die Passagiere im Seat Leon: Der kleinste Kofferraum im Vergleich verpackt zwischen 341 und 1166 Liter.
Spanischer Sparer: Mit einem Preis von 21.190 Euro ist der Seat Leon 1.6 TDI in der Ausstattungslinie "Reference" das zweitgünstigste Angebot in diesem Vergleich.
Von wegen Öko – der kleine Diesel ist mit dem hohen Gewicht völlig überfordert und schluckt am meisten. Komfort und die Top-Langstreckenqualitäten kommen so kaum zur Geltung. Am Ende landet der
Opel Astra mit 324 Punkten aber immerhin auf Platz drei.
Opel macht dem Astra das Sparen verdammt schwer. Der schwindsüchtige 1,3-Liter-Diesel (95 PS, 190 Nm) hat es hier mit feisten 1450 Kilo zu tun, muss zudem ohne Start-Stopp-System auskommen. Keine glückliche Kombination, ...
... denn schon zum Anfahren braucht es eine schleifende Kupplung. Wer zügig vorankommen will, muss fleißig im kurz übersetzten Fünfganggetriebe rühren ...
... und den Selbstzünder regelrecht ausquetschen. Dennoch hechelt der Opel der Konkurrenz mit 14,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 175 km/h Spitze hoffnungslos hinterher. An der Tankstelle ...
... rächt sich das hohe Drehzahlniveau: Im Schnitt fließen fünf Liter durch die Common-Rail-Einspritzung, selbst bei zurückhaltendster Fahrweise sind es noch 4,4 Liter – mehr als bei allen anderen. Klar, dass dabei nicht nur der Fahrspaß auf der Strecke bleibt, ...
... sondern auch die vorzüglichen Langstrecken-Qualitäten nicht so recht zur Geltung kommen. Beispielsweise der hervorragende Federungskomfort. Oder die ausgesprochen bequemen Sitzpositionen vorn, ...
... dazu fährt der Astra sehr sicher, bremst gut und ist ordentlich gedämmt. Weniger gefallen ...
... die gefühllose, spitz ansprechende Lenkung und das Platzangebot im Fond. Das sind jedoch Peanuts im Vergleich zum überforderten Motor. Keine Frage: Als Öko-Modell liegt der Astra mit diesem Antrieb schwer daneben.
Echte Herausforderung: Der Tasten-Sammlung in der Mittelkonsole verwirrt den Astra-Neuling. Leicht ablesbar sind dafür die klar gestalteten Instrumente im Cockpit.
Mittelmaß: Der Astra-Kofferraum fasst zwischen 370 und 1235 Liter.
Trotz des schwachen Motors wird der Opel Astra 1.3 CDTI EcoFlex in der Ausstattung "Selection" Preis-Leistungs-Sieger – 19.390 Euro Grundpreis sind einfach nicht zu schlagen.
Geht es allein ums Sparen, ist der
VW Golf BlueMotion ganz vorn dabei. Doch der Wolfsburger hat weniger Ausstattung und Kofferraum als der ebenfalls ausgewogene Skoda. Und ist spürbar teurer. In der Endabrechnung bedeutet das 357 Punkte und eine ...
... Überraschung: Der Golf nur auf Platz zwei! Nicht schlimm für den
VW, der Sieg bleibt ja in der Familie. Was nichts daran ändert, dass auch der BlueMotion mit perfekter Ergonomie, ...
... bequemen Sitzen, Top-Verarbeitung und wertigen Materialien überzeugt. Außerdem fährt er leise wie eine Oberklasse-Limousine.
Beim Federungskomfort erreicht der BlueMotion – im Gegensatz zu den normalen Varianten – dieses Niveau nicht ganz. Mit Sportfahrwerk und hart aufgepumpten Energiesparreifen rollt der Geiz-Golf spürbar straffer ab, ...
... Kanten und Frostaufbrüche kommen trockener durch. Die Komforteinbußen halten sich freilich im Rahmen. Und werden vom agilen, sicheren Fahrverhalten und der feinfühligen Lenkung mehr als ausgeglichen. Tatsächlich ist Fahrspaß hier kein Fremdwort.
Trotz längster Übersetzung wirkt der 105-PS-TDI jederzeit souverän, tritt kräftig an (11,3 s von 0 auf Tempo 100) und dreht willig. Bei Tacho 200 (Vmax: 190 km/h) schnurrt der kultivierte 1,6-Liter im fünften Gang ...
... mit lässigen 3400 Touren dahin. Der Lohn: problemlos erreichbare 4,5 Liter. Bei der Sparfahrt verfehlte der BlueMotion – wie der subjektiv zähe Ford – die Vorgabe von 3,8 Litern auf 100 Kilometer nur um ein Zehntel.
Hier sitzt Deutschland am liebsten: Der aufgeräumte und praktisch selbsterklärende Arbeitsplatz des BlueMotion unterscheidet sich nicht von dem des normalen Golf.
Vorbildlich: Die Öltemperaturanzeige im Zentraldisplay dürfen sich die Konkurrenten gern abschauen.
Sparkonzept: Neben aerodynamischem Feinschliff wie dem verschlossenen Kühlergrill, setzt auch der Golf BlueMotion auf eine Start-Stopp-Automatik.
Mit 350 Litern bei fünfsitziger Konfiguration ist das Platzangebot des Kofferraums vergleichsweise klein. 1305 Liter maximales Fassungsvermögen bedeuten für das Gepäckabteil des Golf aber Platz zwei.
Mit 22.625 Euro muss die Genügsamkeit eines viertürigen Golf 1.6 TDI BlueMotion teuer erkauft werden. Aber das ist bei VW keine Überraschung.
Der geräumige
Skoda Octavia fährt mit 357 Punkten ganz nach vorne, weil er sich – ganz in Golf-Manier – kaum Schwächen leistet. Mit kürzerer Übersetzung fährt er von allen Knauser-Dieseln am harmonischsten.
Kein Start-Stopp-System, mehr als 100 Gramm CO2 pro Kilometer – dennoch ist der Octavia Greenline der Sieger in unserem Sparvergleich. Sein Erfolgsrezept: sparen ohne Verzicht. Das macht ihn im Alltag zum angenehmsten Begleiter.
Weil die Tschechen erst gar nicht auf unrealistische CO2-Werte schielen, kombinieren sie den 1.6 TDI (105 PS, 250 Nm) aus dem Golf beispielsweise mit einem kürzer übersetzten und harmonischer gestuften Getriebe. Damit lässt sich ...
... der ausladende 4,57-Meter-Skoda im Alltag entspannter bewegen. Wo die langen Übersetzungen bei VW und Seat immer wieder zum Runterschalten zwingen, zieht der Octavia zügig im fünften Gang durch. Dennoch liegt der
Skoda mit seinem Sparverbrauch ...
... von 4,1 Litern auch ohne Start-Stopp-Automatik gut im Rennen. Selbst der Testschnitt von fünf Litern geht in Anbetracht der harmonischen Antriebseinheit in Ordnung.
Wenn es gefordert ist, sprintet der Octavia in 11,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht 191 km/h Spitze. Die Federung ist kommod.
Unverkennbar: Die verwandtschaftliche Nähe ist nicht zu übersehen. Verarbeitung und Bedienung des Skoda-Cockpits sind tadellos und nah dran am Golf.
Üppig dimensioniert: Sind alle Plätze belegt, fasst das gigantische Gepäckabteil 585 Liter. Maximal passen 1450 Liter rein.
Respektabstand zum VW hält der Skoda Octavia 1.6 TDI Greenline am Ende nur beim Preis: Mit 21.840 Euro ist er in der Anschaffung günstiger als sein Wolfsburger Bruder.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth: "Wer es darauf anlegt, kommt mit diesen Spar-Dieseln bei Schleichfahrt tatsächlich den Werksangaben nahe. Im realen Verkehrsgeschehen ...
... liegen sie jedoch mehr oder weniger deutlich darüber. Viel ärgerlicher sind im Alltag aber die Komforteinbußen durch die straffen Federelemente der tiefergelegten Karosserien. Außerdem stören die lang übersetzten Getriebe, beim Hochschalten plumpst der Motor immer wieder ins Turboloch. Die jeweiligen Diesel-Varianten ...
... ohne 99-Gramm-Versprechen fahren nicht nur komfortabler, sondern meist auch harmonischer. Sie sind deshalb meine Empfehlung, auch für Sparfüchse. Denn für ein paar Zehntel weniger will ich – wie auch die Motoren – nicht ständig getreten werden."
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