Exotischer geht es kaum: Der kantige
Nissan Cube ist klar an jugendliche Käufer gerichtet. Optisch wirkt er wie ...
... eine Tafel Ritter Sport unter lauter Pralinen. Eine völlig andere Geschmacksrichtung, dieser Mode-Japaner. In seiner Heimat ist er angesagt wie ein iPod. Kann der Cube auch deutsche Van-Fans begeistern?
Der Cube hängt lebendig am Gas und schafft Tempo 175. Doch so schnell will man gar nicht werden. Schon ab 80 km/h nervt der Nissan mit Windgeräuschen. Auf kurvigen Straßen fährt er, wie er aussieht: eckig. Nur in der Stadt macht er seine Sache gut, federt prima, schaltet ordentlich und lenkt präzise ein.
Kein Kostverächter: Der getestete 1,6-Liter-Benziner genehmigte sich im Schnitt 8,3 Liter Super. Schuld ist die kastige Karosserieform des Cube. Im Innenraum ...
... erwarten Cube-Kunden weiche Sofasitze, bunte Instrumente, ein riesiges Panoramadach mit Reispapierrollo, ...
... Flokati-Matte auf dem Armaturenträger und zwölf Cupholder. Der Cube ist eine
Lounge auf Rädern.
Und dann dieses Raumgefühl: riesig wie eine Hallendisko. Die Party kann beginnen, da ist sogar seine große Schwenktür cool. Die ist zwar nicht wirklich praktisch, aber welches andere Autoheck sieht dafür so konsequent nach Kühlschrank aus? Doch nach der Feier ...
... kommt der Kater. Stramme 18.000 Euro verlangt
Nissan für den Cube. Mindestens. Stauvolumen (260 Liter), Zuladung (440 Kilo) und Variabilität (nur Lehnen klappbar) hinterlassen einen ähnlich schalen Nachgeschmack wie eine Überdosis Weinbrandbohnen. Bei geklappten Lehnen entsteht eine hohe Stufe, dennoch bleiben 1563 Liter Platz.
Der Cube plädiert für Entschleunigung. Er will eine Lounge sein und keine graue Maus. Das ist gelungen. Der Typ fällt auf und erfrischt den Alltag. Nett, aber auch sehr teuer. Für mehr als Platz fünf reicht es im Test leider nicht.
Wer Picasso heißt, strebt nach oben. Beim C3 gilt das wörtlich. Mit 1,63 Metern ist der
Citroën nach dem Cube (1,67) das höchste Leckerli unserer Pralinenschachtel.
Stilistisch fällt der Picasso vollkommen aus dem Rahmen: Neben seiner eigenwilligen Front fällt der Franzose ...
... durch seine hochgesetzten Rückleuchten auf. Das ist zumindest anders. Aber nicht unbedingt gut: Objektiv bleibt eine teigige Lenkung und eine Schaltführung, die ungenauer kaum sein kann. Auch beim Fahrwerk keine Spur von Cremigkeit: Auf schlechten Straßen und bei Minusgraden bringt der Franzose seine Passagiere aus der Ruhe.
Die getestete Version VTI 95 mit 1,4 Litern Hubraum beschleunigt den Citroën in 12,5 Sekunden auf Tempo 100, maximal schafft der Picasso 178 km/h. Durchschnittlicher Testverbrauch: 7,8 Liter.
Das Cockpit überzeugt mit guter Verarbeitung und coolem Design. Große Fenster lassen viel Licht ins Innere. Das Display in der Mittelkonsole ist schwer abzulesen.
Punkten kann der
Picasso mit seinem großen Kofferraum (1506 Liter). Die Rückbank hat sich Citroën offenbar beim Jazz abgeguckt: verschiebbar, mit einem Handgriff im Wagenboden wegzuklappen. Praktischer geht es nicht. Sie macht den C3 ...
... zum Allrounder, er taugt ebenso als Kindertransporter wie als Hobby-Mobil. Sein Nutzwert ist zwar okay, die Fahrdynamik aber nur Durchschnitt. Zudem muss für die 95-PS-Variante tief in die Tasche gegriffen werden: Mehr als 17.000 Euro, und das bei eher mäßiger Ausstattung. Platz vier für den C3 Picasso.
16 Zentimeter trennen den
Renault Grand Modus vom kleineren
Modus. Sagen wir mal, die längste Praline der Welt. Seit Renault die Stretch-Version anbietet, ...
... gehört der kompakte Van zu den Leckerbissen im Modellprogramm. 45 Prozent der deutschen Käufer greifen zum Grand Modus, denn zur vollwertigen Familienkutsche wird er erst in der Langversion. Dazu kommen ...
... angenehme Federung, ordentliche Lenkung und ein niedriges Geräuschniveau. Der kleine 1,2-Liter-Turbo ...
... bietet viel Drehmoment bei niedrigen Touren und beschleunigt den
Renault in 11,5 Sekunden auf 100 km/h. Auch schaltfaules Fahren im fünften Gang ist möglich. Und das mit vertretbarem Testverbrauch von 7,5 Litern.
Typisch französisch: Wo eigentlich der Tacho hingehört, schluckt beim Grand Modus ein Ablagefach den Kleinkram. Man kann sich dran gewöhnen, ...
... nur die winzigen Radioknöpfe liegen zu tief.
Abstriche gibt es bei der Variabilität: Die Rückbank ...
... klappt in zwei Arbeitsschritten nach vorn und macht Platz für bis zu 1454 Liter Stauraum. Allerdings nur dann, ...
... wenn die Vordersitze ebenfalls nach vorne rutschen, was die erste Sitzreihe für Große reichlich eng macht. Das geht intelligenter.
Gute Mittel-Größe: Der Grand Modus ist der Sympathieträger in Renaults Van-Familie. Nicht zu groß, nicht zu klein und mit lebendigem Turbomotor ein Typ für alle Fälle. Nur der Glamour fehlt. Platz drei für den Renault.
Schon mal Chili-Schokolade probiert? Hier ist sie. Der
Honda Jazz ist das schärfste Angebot im Feld. Keiner federt straffer und fährt wendiger.
Ein typischer
Honda eben. Das gilt auch für Lenkung und Schaltung, beide arbeiten trocken und präzise. Den kleinen Jazz zu fahren, weckt sportliche Gefühle. In der Stadt profitiert der Pilot von einem zehn Meter kleinen Wendekreis, die anderen brauchen gut einen Meter mehr.
Mit 3,90 Meter Länge ist der Honda kürzer, dazu deutlich flacher als der Rest. Er ist weniger Van, mehr Sportkombi. Wenig sportlich ist der Bremsweg des Japaners, der mit rund 40 Metern zu lang ausfällt. Bei niedrigen Drehzahlen ...
... wirkt der Jazz zudem fade wie alte Schokolade: Erst ab 4500 U/min wird der drehzahlhungrige Motor zum Appetitanreger, der den Honda kraftvoll vorwärtszieht: trotz einfacher Technik mit nur einer Nockenwelle ein Top-Aggregat. Das zeigt auch der Testverbrauch von sechs Litern.
Das Jazz-Cockpit ist modern gestaltet, klar zu bedienen und vermittelt üppiges Raumgefühl, aber die Verarbeitung könnte hochwertiger sein.
Ab 14.890 Euro kostet der Jazz mit 90 PS starkem 1,2-Liter-Benziner in der Ausstattung "Trend". Damit ist der Honda Günstigster im Test. Manuelle Klimaanlage und CD-Radio gibt es serienmäßig, ein Automatikgetriebe oder Sitzheizung dagegen nicht mal gegen Aufpreis.
Der Kofferraum erreicht mit 375 Litern ...
... bis 1341 Litern sogar einen Bestwert, und der Klappmechanismus im Jazz setzt nach wie vor Maßstäbe.
Platz zwei geht an den Honda Jazz. Als 2002 die erste Generation kam, wurde er zum Inbegriff des cleveren Stadtwagens. Das gilt auch noch heute. Raumkonzept, Wendigkeit und ein fairer Preis sind nach wie vor gute Argumente.
Hoppla, das muss man erst mal verdauen: Der
Kia Venga gewinnt den Vergleich in einer Domäne der Japaner und Franzosen. Aber kein Wunder: Die ehrgeizigen Koreaner ...
... haben bei den etablierten Konkurrenten genau hingeschaut, bieten deren Vorteile, machten Stardesigner Peter Schreyer (früher
Audi) fürs Styling verantwortlich, ...
... und werben mit einem günstigen Preis. Den
Kia gibt es ab 13.990 Euro, dann allerdings ziemlich nackt. 17.375 Euro kostet der getestete "Spirit" mit üppigem Verwöhn-Paket, ...
... was ihn zum zweitteuersten Auto im Vergleich macht. Dafür protzt Kia aber auch mit sieben Jahren Garantie.
Motorisch wirkt der Venga eher träge, punktet aber mit EU 5 (hat sonst nur der Cube) und Start-Stopp-System (300 Euro Aufpreis). Der Motorabsteller funktioniert tadellos und drückt den Spritverbrauch auf 7,1 Liter.
Seine Schokoladenseite ist der Innenraum. Viel Platz vorn wie hinten, große Sitze und prima Übersicht. Das Kia-Cockpit ...
... hat viel Ähnlichkeit mit dem des Honda Jazz. Passagiere sitzen bequem und entspannt, alles ist sehr leicht bedienbar. Ein Highlight ist die ...
... in den Innenspiegel integrierte Kamera. Gibt es allerdings nur im Paket (610 Euro).
Sehr nützlich: Kofferraum mit doppeltem Boden und vielfach verstellbarer Rückbank. Mit 422 Litern hat der Venga die größte Klappe im Test, bei umgelegter Rückbank ...
... passen bis zu 1341 Liter in den Koreaner.
Fazit von Jörg Maltzan: Mit dem Venga hat Kia viel richtig und wenig falsch gemacht. Kias Neuer passt in die Zeit, sieht schick aus, bietet Nutzwert und ordentliche Fahrleistungen. Wer einen kleinen Alleskönner sucht, ist mit ihm gut beraten. Aber langsam drehen die Koreaner auch an der Preisschraube.
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