Davon träumen nicht nur Vertreter: ausgewachsene Kombis der Mittelklasse. AUTO BILD hat den neuen Herausforderer Skoda Superb Combi mit seinen wichtigsten Konkurrenten verglichen: Honda Accord Tourer, VW Passat Variant, Ford Mondeo Turnier und Toyota Avensis Combi (von links).
Die Motorisierung der Wahl ist bei den fünf Testkanditen der Diesel, die Leistungsspanne reicht von 140 bis 150 PS. Ob der
Skoda Superb am Ende wie auf dem Bild nicht nur seinem Konzernbruder Passat, sondern auch dem Rest des Testfeldes davonfährt?
Platz fünf für den
Honda Accord mit 334 von 500 Punkten. Er macht was her, und seine Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Sie rechtfertigt auch den etwas höheren Preis. Aber als Kombi ist der Tourer eine Enttäuschung.
Innen erwartet den Fahrer eine verwirrende Schalter-Sammlung, dafür sitzt er ausgesprochen kommod. Den Fondpassagieren ergeht es schlechter: Der Einstieg erfordert Gelenkigkeit, der Sitzkomfort ist bescheiden, und ...
... viel Gepäck kann auch nicht mit: Der Laderaum (406–1252 Liter) fällt knapp aus, die Zuladung (390 Kilogramm) lächerlich gering. Kein echter Familienkombi also. Da hilft es auch nicht, ...
... dass man die Heckklappe vom Fahrersitz aus per Knopfdruck öffnen kann.
Unterwegs suggeriert der Honda dem Fahrer Sportlichkeit. Er federt ruppig, besonders bei kurzen Stößen, sein Schaltstummel arbeitet auf kurzen Wegen wie bei einem alten englischen Sportwagen.
Kurven, auch enge, nimmt er willig, die ESP-Zügel kommen spät, aber dann heftig. Allerdings erinnert das synthetische Lenkgefühl an eine Spielkonsole, und das Bremsgefühl ist auch nicht präziser. Außerdem drückt das hohe Gewicht aufs Temperament, sodass sich der Vorteil der Mehr-PS in Luft auflöst.
Zugegeben, mit 35.690 Euro ist der Accord Tourer nicht ganz billig. Aber dafür hat er das Wunschlosglücklich-Paket. Elektrische Sitzverstellung, Leder, Glasschiebedach, Xenon – beim Executive, so wie ihn uns Honda geschickt hat, ist alles drin. Obendrein sieht er wirklich flott aus – flach und breit – und ist mit 150 PS üppig motorisiert.
Auf den vierten Platz fährt mit 343 Punkten der zweite Japaner im Vergleich, der am Ende keine berühmte Vorstellung abgibt. Aber zumindest der Preis macht Laune beim
Toyota Avensis. 28.950 Euro für einen großen Kombi mit Klimaautomatik, CD-Radio, dazu drei Jahre Garantie, und ...
... Platz hat er auch: Mit 543 bis 1690 Litern nicht besonders üppig, aber ausreichend, ...
... nette Details wie die Durchlademöglichkeit erhöhen die Alltagstauglichkeit. Die erlaubte Zuladung von 553 Kilogramm langt zum Vollladen, er bremst gut, und ...
... sein 150-PS-Diesel sorgt für satten Vortrieb, ohne die Ohren zu strapazieren. Zum Gähnen sieht der Avensis in seiner jüngsten Form ebenfalls nicht aus. So weit, so gut. Weniger attraktiv gestalten sich dann die Fahreindrücke. Dynamisch ist hier nur der Motor, ansonsten wirkt der Umgang mit dem Toyota eher so erfrischend ...
... wie lauwarmes Badewasser. Die Schaltung hakelt, die Lenkung fühlt sich an, als wäre sie in Teig gebettet, und in Kurven versteht die ESP-Regelung keinerlei Spaß – verständlich, so nachdrücklich wie die Avensis-Nase nach außen drängt. Wer nun ersatzweise gesteigerten Komfort erwartet, ...
... ist hier leider ebenfalls auf dem falschen Dampfer. Die Sitzgarnitur sieht bequemer aus, als sie sich anfühlt, und auf welligen Straßen teilt das Fahrwerk gern mal Stöße aus. Obendrein müssen die Insassen mit einem Zweck-Ambiente vorliebnehmen, das wenig Lust zum Verweilen macht. Da tröstet auch nicht der Preis-Leistungs-Sieg in diesem Vergleich.
Mit 359 Punkten fährt der Kombi aus Köln auf den dritten Rang. So ein
Ford Mondeo macht munter – zumindest Menschen, die gern Auto fahren. Sie schätzen das agile Kurvenverhalten sowie die zielgenaue und ...
... nicht im Geringsten nervöse Lenkung, die in dieser Klasse noch immer der Maßstab ist. Sein Dieselmotor (140 PS) geht untenherum stramm zur Sache, knurrt dabei aber vernehmlich, was ihn etwas verstaubt wirken lässt. Das gilt auch für die hakelige Schaltung, da fehlt der Feinschliff.
Ähnliches lässt sich der Inneneinrichtung nachsagen: Es mangelt nicht an Ausstattungsfülle, wohl aber an Gediegenheit. Man merkt, dass es nicht viel kosten durfte, und die knalligen, plastikverzierten Instrumente erinnern an einen Spielsalon.
Zeitgeist: Der Dieselmotor im Bug wird bei Ford per Knopfdruck zum Leben erweckt.
In den Primärtugenden gibt sich der Ford keine Blößen. Er bietet bequeme Sitze und reichlich Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen. Sein Laderaum (554–1745 Liter) ist eines echten Kombis würdig, die Zuladung (569 Kilogramm) ausreichend.
Auf Reisen erfreut der Mondeo Turnier die Insassen mit seiner straff gedämpften, aber komfortablen Federung. Sie beweist, dass sich auch ohne verstellbare Stoßdämpfer (auf Wunsch lieferbar) sehr gute Ergebnisse erzielen lassen.
Preislich im Mittelfeld: Für den Mondeo Turnier 2.0 TDCi verlangt Ford 33.150 Euro. Das Titanium-Paket für 2000 Euro ist bereits eingerechnet.
Mit 373 Punkten muss sich der
Passat Variant 2.0 BlueTDI knapp geschlagen geben und mit dem zweiten Platz begnügen. Bei den Motoren ist VW aber zurzeit Spielführer: Der Diesel schafft den Hattrick, er hat mit 143 PS drei PS mehr als der TDI ohne "Blue", packt als Erster die Euro-6- Abgasnorm und ...
... verbraucht auch noch am wenigsten. Einsame Spitze also. Dass er nicht der Durchzugsstärkste ist, liegt vor allem an der drehzahlschonenden Getriebeauslegung. Die nützt dem Verbrauch, aber nicht dem Temperament.
Dafür verwöhnt der VW-Diesel mit hoher Laufkultur, die ausgezeichnet zum Gesamtcharakter des Passat passt. Denn der Fahrkomfort ist seine Paradedisziplin. Er federt geschmeidig, wobei das verstellbare DCC-Fahrwerk wertvolle Hilfe leistet.
Außerdem sitzt es sich gut, Platz gibt es in Hülle und Fülle. Allenfalls das leichte Stuckern der Vorderachse beim Überfahren von Querrillen und die nachgiebigen Sitzflächen (vorn) kann man ihm ankreiden, ansonsten beherrscht Behaglichkeit die Szene. Dass er dennoch in der Komfortwertung nicht brilliert, ...
... liegt an der dürftigen Ausstattung. Auch wenn es solche Annehmlichkeiten wie eine 230-Volt-Steckdose gibt.
Der Griff zur Tankklappenentriegelung ist im Passat am seltensten nötig: Er begnügt sich mit 6,3 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt. Am häufigsten muss der Mondeo bei einem Testverbrauch 6,9 l/100 km an die Zapfsäule. Der Rest des Testfeldes liegt zwischen den beiden.
Nicht schlecht: gut nutzbarer Raum, aber etwas schmaler als im Mondeo. Volumen von 588 bis 1716 Liter, dazu die gewaltige Zuladung von 618 Kilo.
Kaum zu glauben: Mit 32.995 Euro (inklusive adaptiver Fahrwerkregelung für 1045 Euro) ist der VW Passat Variant 2.0 BlueTDI das zweitgünstigste Auto in diesem Vergleich.
Mit 376 hat es der Skoda Superb also geschafft. Er hat ihn vom Thron gestoßen, den erfolgsverwöhnten Konzernbruder Passat. Nur knapp, aber immerhin. Und warum? Weil er einfach mehr bietet fürs Geld – viel mehr Ausstattung und noch mehr Raum.
Einen geräumigeren Mittelklassekombi als den Skoda Superb gibt es nicht. Das gilt für den Laderaum (603–1835 Liter, 550 Kilo Zuladung) ebenso wie für die Rücksitze. Mittelgroße Mitfahrer fühlen sich im riesigen Fond geradezu verloren.
Wer im Skoda immer noch den Billigheimer sieht, dürfte sich wundern. Bei der Qualität sehen wir zwischen dem Superb und einem Passat kaum einen Unterschied. Sicher, über das Plastikholz lässt sich streiten. Aber die Hochwertigkeit des übersichtlichen Skoda-Cockpits können die Talmi-Zierleisten kaum schmälern.
Schönes Spielzeug für Kinder, aber auch sinnvolles Extra: Die Taschenlampe lädt in der Bordwand auf.
Das hat der Superb beim englischen Auto-Adel abgeschaut: Einen Regenschirm, griffgünstig in der Türverkleidung platziert, gibt es auch bei Rolls-Royce.
Er ist ein höchst angenehmer Reisebegleiter, der Skoda. Da beschränken sich die Nachteile gegenüber dem VW auf Nuancen. Die Federung wirkt etwas stößiger (DCC-Dämpfer bleiben Skoda vorenthalten), Abrollgeräusche dringen deutlicher nach innen, ...
... die Vordersitze sind nicht ganz so bequem, und der Diesel (140 PS) nagelt vernehmlicher. Hier fehlt es trotz moderner Common-Rail-Einspritzung gegenüber dem Passat an Geräuschdämmung. In den Fahreigenschaften kann der Skoda es mit dem VW ohne Einschränkungen aufnehmen. Unterm Strich heißt das: Platz eins.
Mit der umfangreichen "Elegance"-Ausstattung kostet der Skoda Superb Combi 33.550 Euro. In der Ausstattungslinie "Comfort" ist er ab 26.850 Euro zu haben.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Was sich VW von Skoda alles bieten lässt. Jetzt rücken die Tschechen auch noch dem Passat auf die Pelle und bauen den besseren Kombi. Sicher, der VW hat noch seine Vorzüge, ...
... aber der Superb ist ganz klar das attraktivere Angebot. Der Ford bleibt, was er immer war: eine echte Passat-Alternative, nicht so hochwertig, aber dafür vergnüglicher zu fahren. Der Toyota Avensis ...
... punktet beim Preis und hat beim Sprint die Nase vorn. Ansonsten aber kann er wenig glänzen. Der Honda Accord zeigt Charakter, aber als Kombi steht er hier auf verlorenem Posten."
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