Fünf starke Roadster im Vergleich: Der neue BMW Z4 fordert erstmals seine ärgsten Konkurrenten heraus. Kann sich die Münchner Windmaschine gegen Porsche Boxster, Mercedes SLK 350, Audi TTS und Nissan 350Z durchsetzen?
Die Ruhe vor dem Turm: Im Stand recht friedlich, brennen die fünf Kontrahenten bei Vollgas ein echtes Fahrspaßfeuerwerk ab. Kein Wunder, hier stecken insgesamt 1451 PS unter den Hauben. Dem Testfeld ein wenig hinterher ...
... fährt der Nissan – mit 261 von 500 möglichen Punkten landet er auf Platz fünf. Der 350Z ist zwar ein ganzer Kerl, ...
... er klingt rauchig, hat die meisten Muskeln. Aber das reicht der Macho-Maschine nicht für einen Platz weiter vorne.
Mehr Pferde traben bei keinem anderen Motor dieses Vergleichs von der Kurbelwelle: Der Nissan holt aus seinem 3,5 Liter großen V6 313 PS und 358 Nm Drehmoment. Die durstige Maschine (12,3 Liter Super Plus auf 100 Kilometer) ...
... mag keine Drehzahlen, klingt nur bis in mittlere Tourenregionen angenehm kernig. Mit 6,2 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 ist der Nissan der Langsamste, ...
... befindet sich mit 250 km/h Spitze aber auf Augenhöhe mit drei weiteren Autos im Test. In Sachen Fahrwerk fehlt eine ausgewogene Abstimmung: Zu zickig schreitet das ESP ein, ...
... wenn der Zweisitzer beim Lastwechsel das Heck ausscheren lässt. Auch der Federung fehlt Feinschliff. Weich arbeitende Stoßdämpfer ...
... treffen auf hart stauchende Federn – das passt nicht. So rumpelt der Japaner regelrecht über schlechte Straßen.
Italienisches Erbe: die Brembo-Bremse mit vergleichsweise mäßiger Leistung. Nach 35,9 Metern bringt sie den 350Z aus Tempo 100 zum Stehen, ...
... sie hat aber auch mit 1634 Kilogramm Fahrzeuggewicht zu kämpfen. Der Nissan ist der schwerste Roadster dieses Vergleichs.
Ruhig ist anders: Das ungefütterte Verdeck übertönt bei zügiger Fahrt Unterhaltungen, der Wind rüttelt laut zischend am Stoff. Die Mischung aus ...
... Handarbeit und E-Antrieb bei der Öffnungsprozedur klappt allerdings gut, auch wenn der Nissan dabei auf der Stelle stehen muss. Entriegeln, ...
... Abdeckung öffnen, nach hinten klappen und ...
... Abdeckung wieder auf dem zusammengelegten Verdeck ablegen – das funktioniert beim Japaner in 17 Sekunden.
Die Sitze sind bequem, der Fahrer hat viel Platz im Fußraum, sitzt dennoch mäßig, ...
... weil das Lenkrad sich nicht längs justieren lässt. Wird es in der Höhe verstellt, ...
... wandern die drei Rundinstrumente mit – eine interessante Eigenart des Nissan. Neben den Uhren im Cockpit ...
... gibt es auch noch drei weitere auf der Mittelkonsole. In der linken Anzeige lassen sich Schaltempfehlung und Maximaldrehzahl einstellen.
Suchspiel: Die Tasten für Verdecköffnung und ESP liegen tief links unten versteckt.
Hübsches Detail: Gläsernes Windschott mit "Z"-Logo.
Wenig Platz: Unter den Heckdeckel passen maximal 130 Liter Gepäckvolumen – egal ob der Wagen offen oder geschlossen ist.
Wer möglichst wenig investieren will, kommt am Nissan nicht vorbei: Die Preisliste des 350Z Roadster beginnt bei in diesem Vergleich unschlagbaren 40.890 Euro. Für den Preis-Leistungs-Sieg reicht das trotzdem nicht.
Das Fazit: "Das Kraftpaket münzt den Leistungsvorteil nicht um, zu kernig tritt er auf. So bleibt nur Platz fünf. Aber: Der Nachfolger fährt sich schon warm ..."
Mit deutlichem Abstand zum Nissan 350Z landet der Mercedes SLK 350 auf dem vierten Platz. Der Reise-Roadster gibt eher den freundlichen Ausflugs-Begleiter als den Sportler – das reicht für 330 Punkte.
Versteckspiel: Früher gab's wenigstens noch angedeutete Ansaugrohre, heute nur noch flächiges Plastik. Darunter versteckt sich ein 3,5 Liter großer V6 mit 305 PS und 360 Nm Drehmoment. Die mächtige Maschine prägt den Charakter des SLK. Ständig zu hören, ...
... immer zu spüren. Und zwar im Rücken – der 3,5-Liter presst mit sattem Schub, dreht lässig bis in den roten Bereich, hängt gierig am Gas – erstklassig. So sprintet er in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und damit sämtlichen Konkurrenten davon.
Etwas unsportliches Handling: Der 1484 Kilogramm schwere Mercedes neigt sich in Kurven, gibt sich kopflastig den Fliehkräften hin und ...
... kappt mit frühem ESP-Einsatz jeden sportlichen Anflug. Dazu spiegelt die direkte, aber nicht ausreichend gefühlvolle Lenkung mehr Agilität vor, als das Auto tatsächlich verträgt.
Beim forcierten Cruisen ein Großer: Der SLK federt passabel, knistert nicht, bietet besten Windschutz bei geöffnetem Dach.
Die beste Bremse des Vergleichs wartet hinter den 18-Zöllern des Mercedes auf ihren Einsatz. Nach 33,7 Metern zwingt sie den Stuttgarter Roadster aus Tempo 100 in den Stillstand. Das Plus an Sicherheit gibt es für 3000 Euro Aufpreis.
Die aufwendigste Dachkonstruktion lässt sich am meisten Zeit: In 22 Sekunden ...
... öffnet der SLK seinen Deckel. Das E-Variodach ...
... kann auch per Fernbedienung zum Rückzug in den Kofferraum überredet werden, aber ...
... der Wagen muss für den Striptease stehen. Ist das Dach eingepackt, ...
... raubt es satte 92 Liter Kofferraumvolumen – aus 300 werden dann plötzlich nur noch 208 Liter.
Sind für längere Strecken gut: die Sportsitze des SLK. Rote Gurte gibt es mit der Lederausstattung.
Nur ganz vorsichtig betont Mercedes den Sportsgeist des SLK – durch feine rote Ziernähte, Alu-Andeutungen und ...
... den großen Drehzahlmesser. Im Tachometer erreicht der Zeiger bei voller Fahrt fast das Ende der Skala. Es ginge sogar noch mehr, aber die Elektronik bremst den Vorwärtsdrang des Mercedes bei 250 km/h.
Der Weg zum Cabrio-Glück: der Knopf für die Dachöffnungsprozedur auf dem Mitteltunnel des SLK.
Teurer geht es in diesem Vergleich nicht: Mercedes verlangt für den SLK 350 Sportmotor 51.032 Euro. Eingerechnet sind allerdings schon die Direktlenkung für 321 Euro und das Sportpaket inklusive Lederausstattung und Sitzheizung für 3022 Euro.
Das Fazit: "Die Maschine allein macht es nicht – dem SLK fehlt Biss zu einer besseren Platzierung. Immerhin: Der Mercedes punktet mit seinem passablen Testverbrauch von 10,8 Litern auf 100 Kilometer."
Das Renn-Cabrio: Der Porsche Boxster erzielt 334 Punkte, die für den untersten Platz auf dem Siegerpodest reichen. Der Wagen ist ein Muster an Agilität, der Motor ist erste Sahne.
Schade: Mehr als die Einfüllstutzen für Wasser und Öl ist vom Sechszylinder-Boxer nicht zu sehen. Der haust irgendwo unterhalb der Serviceklappe und holt aus 2,9 Litern Hubraum 255 PS und 290 Nm Drehmoment. Das nominell schwächste Aggregat im Vergleich ...
... schiebt den offenen Zuffenhauser in 5,8 Sekunden aus der Parkposition auf Landstraßentempo. Hier sind zwei andere besser, aber bei der Höchstgeschwindigkeit von 263 km/h kann in diesem Test niemand mehr folgen.
Der kleine Porsche macht süchtig: Tolle Balance, viel Grip, erstklassiges Einlenkverhalten und die gefühlvollste Lenkung der Klasse ...
... summieren sich im Boxster zu reinstem Sportwagen-Fahrgefühl. Besser geht es nicht. Dazu der Motor: eine spritzige, schnelle, starke Maschine ...
... mit rassigem Sound. Wäre er doch nur nicht so nervtötend laut. Dass der Wind verhalten am Verdeck zerrt, können wir verschmerzen. Nein, Motor und Reifen machen die Musik, ...
... die 18-Zöller rollen hörbar rauschend ab. Komfort ist sowieso nicht die Schokoladenseite des Porsche. Denn der Boxster schmälert die Fahrfreude nicht nur durch den Lärmpegel. Auch die stramme Federung rüttelt an den Nerven.
Packend: Wer im Porsche in die Eisen steigt, bleibt aus 100 km/h nach 33,9 Metern stehen – 20 Zentimeter später als im Mercedes.
Die beste Oben-ohne-Show liefert der Boxster: Der Porsche ...
... wirft das Verdeck in der Rekordzeit ...
... von rund zwölf Sekunden zurück. Um das elektromechanische Ballett, das bis Tempo 50 funktioniert, in Gang zu setzen, ...
... reicht ein Griff an den Auslöseknopf neben der Handbremse.
Ein Porsche, wie man ihn kennt (und mögen muss): Zündschlüssel natürlich links, ...
... verschachtelt angeordnete Uhren mit großem Drehzahlmesser in der Mitte im Blickfeld des Fahrers.
Beruhigend: Die Sitze stützen erstklassig, sind langstreckentauglich gepolstert.
Frisurenschutz nach Porsche-Art: Das gläserne Windschott wird zwischen den beiden Überrollbügeln platziert. Es steht mit 417 Euro in der Aufpreisliste.
Aufpreispflichtige Spielerei für Renn-Fans: Die hübsche Stoppuhr mit ihrer feinen Anzeige verteuert den Boxster um 797 Euro.
Geteilter Laderaum: Der Porsche verpackt insgesamt 280 Liter – 150 im Bug und 130 im Heck.
Für einen Porsche Boxster werden 49.897 Euro fällig. Zu dem Preis sind ein adaptives Fahrwerk (1547 Euro), 18-Zoll-Bereifung (1077 Euro) und Sperrdifferenzial (1131 Euro) mit an Bord.
Das Fazit: "Weniger PS-Leistung, höherer Preis: Doch dieses Porsche-Rezept geht auf – das Handlingwunder schafft es knapp vor den Mercedes."
Der zweite Platz geht mit 343 Punkten an den Wonne-Wagen aus München: Schnell, fahraktiv und sicher ist der BMW Z4, aber seine sportliche Härte muss man mögen.
Druck wie ein (großer) Diesel, spritzig wie ein Rennmotor: der drei Liter große Sechszylinder mit Turbo. 306 PS und pfundige 400 Newtonmeter sind eine Sache – dazu liegt der Bums ...
... bei rekordverdächtig niedrigen 1300 Touren an. Lässiger schüttelt keiner so viel Kraft aus sechs Zylindern. Aber was hilft so viel Mumm, wenn (im Vergleich zu Audi) gelegentlich der Grip fehlt, ...
... wenn am Kurvenausgang ein leichter Heckschwenk nicht zu vermeiden ist? Dazu kommt, dass der Z4 mit fast 1,6 Tonnen Leergewicht ein dicker Klops ist – der wirft sich etwas schwerer in Kurven. Dennoch: Sein fein regelndes ESP und ein tadellos stabiles Fahrverhalten mit Tendenz zum Untersteuern (!) ...
... lassen auf unserem Testparcours ein enormes Tempo zu. Der Z4 ist schlicht eine – sorry – geile Fahrmaschine. Diese sportliche Grundeinstellung hat natürlich Nachteile. Über schlechte Straßen rollt der BMW hektisch bebend, ...
... Bodenwellen quittiert er mit lautem Rums im Gebälk. Dafür läuft er auf der Autobahn geschmeidiger und leise.
Der Fahrspaß in Zahlen: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Bayer in 5,6 Sekunden, maximal sind 250 Sachen drin.
Die Anker des BMW hinter den aufpreispflichtigen 19-Zöllern bringen den Wagen aus Tempo 100 nach 34,8 Metern zum Stehen – Platz drei in der Bremswertung.
Der jüngste Z4 setzt erstmals auf Stahl- statt auf Stoffdach. Wird der Knopf zum Öffnen oder die Fernbedienung bemüht, dann ...
... baut sich der Z4 in etwa 20 Sekunden zum Cabrio um. Das dauert gefühlt sehr lange und ...
... funktioniert auch nur, wenn der Wagen steht.
Lass' die Sonne rein: Helle Farben unterstützen den edlen Anspruch, glänzende Applikationen verstärken das Premium-Gefühl noch.
Hinter der sehr schräg stehenden Frontscheibe ist man bei niedrigem Tempo gut geschützt, dann fächelt eine Brise sanft ins Cockpit. Doch kommt der Dreiliter in Schwung,
... brandet der Fahrtwind heftig ins Cockpit. Ein wenig Abhilfe schafft das 270 Euro teure Windschott.
Münchner Cockpit-Design: Hauptinformationsquellen für den Z4-Piloten sind zwei große Rundinstrumente und ein kleines Display dazwischen.
Giftiger auf Knopfdruck: Die Sport-Taste reizt Fahrwerk und Motor aus, Sport plus schärft das ESP.
Der Lademeister des Vergleichs: Bleibt das Dach über den Passagieren, schluckt das Gepäckabteil des BMW 310 Liter. Im Cabrio-Modus bleiben 180 Liter übrig.
Bloß nicht täuschen lassen: Die 35 in der Modellbezeichnung bezieht sich nicht auf den Hubraum.
Wer offenes Fahrvergnügen in einem Z4 sDrive 35i genießen will, muss 50.32 Euro an BMW überweisen. Der Preis lässt sich locker unterschreiten, wenn man das das adaptive Fahrwerk für 1230 Euro und die 19-Zöller für 1440 Euro nicht mitbestellt.
Das Fazit: "Der Sahnemotor und ein fein geschliffenes Fahrwerk bringen den neuen Z4 nach vorne. Zum Audi fehlt Komfort-Talent – und leichter sollte er sein."
Platz eins geht mit 351 von 500 möglichen Punkten an den Ingolstädter Kurven-Streber: Der Audi TTS stürmt ...
... mit nur zwei Litern Hubraum und vier Zylindern, aber mit 272 PS, 350 Nm Drehmoment und Allradantrieb an die Spitze. Schwerer quattro-Antrieb, ...
... bescheidener Zwoliter – kann das Spaß machen? Und wie! In glatten sechs Sekunden ist der giftige Ringträger auf Tempo 100, erreicht maximal 250 km/h und ...
... hört sich dabei an wie ein ganz Großer. Dazu kommt die Kraft stets schlupffrei auf die Straße. Überhaupt liegt der TTS beeindruckend spurstabil, ...
... hält sich auch in Extremsituationen aufrecht, wird von einer präzisen Lenkung unterstützt. Ähnlich zuvorkommend arbeitet das ESP. Es raubt nie Tempo, ...
... hält den Roadster erstklassig auf der Bahn. Dass der Audi mit über 1,5 Tonnen zu den Schwergewichten zählt – es fällt nicht auf.
Pro Zylinder ein Endrohr: Der Auspuff sieht nach deutlich mehr als nach einem Zweiliter-Motor aus.
Der Audi entblättert sich fast so schnell wie der Porsche, ...
.. schickt sein Verdeck in rund 14 Sekunden ...
... in die Ruheposition im Heck. Leider fehlt die Fernbedienung, dafür gelingt die Offenbahrung für Frischluft-Fans auch bis Tempo 50.
Herrlich: Tolle Verarbeitung, präzise Schaltung und feine Details wie das unten abgeflachte Lenkrad. Aber im Fußraum kostet die sehr weit hinten angesetzte Fußstütze Platz.
Gut gemacht: Zupackende Sitze, passgenaue Ergonomie, dazu ein sehr leises Verdeck, das schnell schließt.
Zwei große Uhren informieren den Fahrer. Das maximale Drehmoment des Turbomotors liegt bei 2500 Touren verhältnismäßig früh an.
Getarnte Lösung: Das sperrige Widschott wirkt wie ein Zubehörteil. Tatsächlich verschwindet es (elektrisch) im Schacht. Und kostet keinen Cent Aufpreis.
Blöd platziert: Beim Schalten erwischt der TTS-Pilot aus Versehen schnell eine Taste.
Egal ob das Dach offen oder geschlossen ist: In den Kofferraum des TTS passen immer 250 Liter.
Am meisten fürs Geld gibt es beim Audi TTS Roadster: Der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs kostet 48,745 Euro. Im Preis schon eingerechnet sind die 195 Euro für die Schaltwegeverkürzung.
"Eine Fahrmaschine mit Hang zu Höherem: Sein problemloses Handling und der starke Motor hieven den TTS auf Platz eins. Obwohl er so teuer ist."
Das Test-Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Von wegen Sommerfrische – die fünf Roadster entfachen einen Frühlingssturm. Allen voran der perfekt abgestimmte, schnelle und ...
... fein verarbeitete Audi. Der faszinierend geschmeidige BMW landet deshalb trotz Hurrikan-Maschine und tollem Fahrverhalten nur auf Platz zwei. Achtbar: Mit rund 50 PS weniger ...
... belegt Porsche den dritten Platz. Mercedes fehlt in dieser Version der Sportgeist (den hat nur sein V6), Nissan der moderne Schliff."
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