Sie sind schnell und sparsam. AUTO BILD SPORTSCARS hat fünf der sportlichsten Kompaktfahrzeuge mit Dieselmotor auf den Nürburgring gelassen. Audi, BMW, Renault, Seat oder VW: Welcher ist der Schnellste?
Erster am Start: der Audi A3 Sportback 2.0 TDI. Der wirkt auf den ersten Blick eher bieder, und auch der zweite Augenkontakt lässt weder innen noch außen sportliche Details erkennen. Doch beim Starten ist es vorbei mit der Gediegenheit. Das 170 PS starke Pumpe-Düse-Aggregat ...
... rappelt derart laut vor sich hin, dass man sich fragt, ob bei der Montage nicht Dämm-Material vergessen wurde. Die Antwort lautet nein. Um es vorwegzunehmen: Die baugleichen Triebwerke von Seat Leon und VW Golf bieten die gleiche Geräuschkulisse.
Egal wie laut der Motor auch sein mag – die Leistungsentfaltung ist beeindruckend. Nach einem kleinen Turboloch scheint die Leistung förmlich zu explodieren, bereits bei 1750 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 350 Nm an. Die wurden vom A3 ...
... trotz deaktiviertem ESP erstaunlich gut auf die pitschnasse Piste gebracht. Egal wo und wann – wer fleißig schaltet, hat Schub in allen Lagen. Die Lenkung reagierte schön direkt, könnte jedoch ein bisschen mehr Gefühl vermitteln. Dank des Audi-typischen straffen Serienfahrwerks ...
... ließ sich der Sportback wunderbar um den Kurs zirkeln. Das Handling erwies sich dabei als einfach und stets kontrollierbar. Am Ende des Tages erreichte der Audi eine Rundenzeit von 2:09,34 Minuten.
2.0 TDI - das sieht schnarchig aus, macht aber eine Menge Spaß. Und kostet stolze 26.300 Euro.
Die Ausgeh-Schuhe poliert: Serienmäßig ist der Audi mit 16-Zoll-Alufelgen ausgestattet, zum Test erschien der Ingolstädter jedoch mit 17-Zöllern.
Gerade weg: Die Zeiten des nach unten gebogenen Diesel-Auspuffs sind auch bei Audi längst vorbei.
Klassische Rundinstrumente, edle Materialien, feinste Verarbeitung. Das Cockpit des A3 ist so, wie man es von Audi kennt.
Auch Sportler müssen gelegentlich praktisch sein. Der Audi ist es bedingt: 367 bis 1116 Liter Gepäck können mit.
Als Zweiter rollt der BMW 120d (27.700 Euro) zum Start. Als einziges Modell in der Kompaktklasse hat er Hinterradantrieb und bietet mit dem 177 PS starken Common-Rail-Aggregat zugleich den stärksten Motor im Test. Der Innenraum des Bajuwaren ...
... lässt sportliche Fahrer jubeln. Wie beim Audi sind Materialien und Verarbeitung top, das Cockpit ist noch fahrerorientierter ausgelegt. Doch trotz seines Heckantriebs, der gefühlvollen Lenkung und der gleichmäßigeren Leistungsentfaltung des modernsten Motors im Vergleich ...
... fährt der 1er dem Audi nicht davon. Das liegt zum einen daran, dass das Fahrwerk untersteuernder ausgelegt ist, als man es von einem BMW erwartet. Zum anderen kommen die beim 1er serienmäßig verbauten ...
... Bridgestone-Reifen mit Notlaufeigenschaften nicht auf Temperatur. Die Ursache: Die Reifenschultern sind sehr steif und erlauben einfach zu wenig Walkarbeit. So bleibt die Stoppuhr ...
... am Ende bei einer Rundenzeit von 2:09,36 Minuten stehen - zwei Sekunden mehr als beim A3.
A bisserl mehr: Mit 177 PS ist der Münchner einen Hauch stärker als die Konkurrenten (170 bzw. 173 PS). Beim Sprint macht sich das bemerkbar: In 7,7 Sekunden geht es auf 100, schneller ist keiner. Auch in Sachen Höchstgeschwindigkeit ...
... ist der 1er Top: Die Tachonadel bleibt bei 227 km/h stehen.
Dickes Ding: Hier bläst der BMW seine Abgase raus.
Dritter auf der Spur war der Renault Mégane Sport. Er sorgte mit der langsamsten Zeit überhaupt für die größte Enttäuschung in diesem Vergleich. Schließlich machte der Franzose ...
... mit seinem Spoilerpaket, den mittigen Auspuffrohren und den innen wie außen äußerst spendabel verteilten Sport-Schriftzügen optisch die große Welle. Doch obwohl der ...
... kultivierte Common-Rail-Turbodiesel mit 173 PS und 360 Newtonmeter maximales Drehmoment auf dem Papier einen kräftigen Eindruck macht, wirkt der Mégane auf der Strecke etwas schwachbrüstig. Was wirklich schade ist, denn das ...
... straffe Sportfahrwerk und die Bremse gehören zum Besten in diesem Vergleich. Letztere stammen von Brembo, ließen sich schwer dosieren, sorgten aber für die eindrucksvollste Verzögerung. Die im Vergleich zu den anderen Teilnehmern indirektere Lenkung ...
... und die Tatsache, dass sich das ESP nicht vollständig abschalten ließ, kosteten weitere wertvolle Sekunden. Am Ende erreichte der auffällige Renault eine Rundenzeit von 2:09,44 Minuten.
Optisch bequem: Die Sitze des Renault sehen zwar gut aus, der Seitenhalt und die Oberschenkelauflage kommen jedoch zu kurz.
Blender: Trotz der Alu-Blenden kann das Renault-Cockpit in Sachen Verarbeitungsqualität nicht mit den Konkurrenten mithalten, die Radio-Bedienung verwirrt.
Sieht schnell aus, ist es aber nur bedingt: 220 km/h Spitzengeschwindigkeit ist sicherlich nicht übel. 9,9 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h sind aber für einen Sportler nicht so dolle.
Heck-Eck: Der Popo des 26.700 Euro teuren Franzosen polarisiert.
Rein optisch spielt der Seat Leon FR in der gleichen Liga: Wie der Renault hält auch der Spanier eher wenig von Understatement. Knallrot lackiert, adrett bespoilert und ...
... mit üppigen Rädern im 18-Zoll-Format sieht der Seat sauschnell aus. Der Blick in den Innenraum ...
... unterstreicht diesen Eindruck. Die serienmäßigen Sportsitze bieten im Vergleich am meisten Seitenhalt, dazu kommen ...
... weiß hinterlegte Instrumente und ein schickes Sportlenkrad. Weniger schön: Der wohl klobigste Schalthebel aller Zeiten, der weder gut in der Hand liegt noch schön aussieht.
Kommen wir zum Herzstück: Akustik und Kraftentfaltung des Motors sind identisch mit denen des Audi - er ist laut, und er beißt ordentlich. Das straffe Sportfahrwerk, die direktere Lenkung sowie ...
... das um 60 Kilogramm geringere Leergewicht lassen den Seat aber deutlich schneller um den Kurs pfeifen. Das Resultat ...
... ist eine Rundenzeit von 2:07,06 Minuten. Damit ist der Seat über zwei Sekunden flotter als Audi, BMW und Renault.
Auch hier: gerade Auspuffrohre. Daran erkennen Sie den Diesel nicht!
Grrrr... Böse sieht er aus, der Spanier. Dabei ist er eigentlich ein Lieber: Mit 26.190 Euro ist er das günstigste Auto im Vergleich. Doch genügt das zusammen mit den guten Fahrwerten, um auch den letzten Konkurrenten, den Golf GT, zu schlagen? Die Antwort lautet ...
... nein. Mit einer Rundenzeit von 2:06,48 Minuten ist der Volkswagen an diesem Nachmittag der Schnellste auf dem Kurs. Das liegt vornehmlich an seinem wunderbar einfachen und narrensicheren Handling. Des Weiteren ...
... kann man den VW durch leichte Lastwechsel elegant in die Kurve drehen. Doch warum ist der Golf trotz identischer Motorisierung und gleicher Getriebeübersetzung wie Audi und Seat so viel schneller? Mögliche Gründe: das mit 1410 Kilogramm niedrigste Leergewicht und die ...
... auf Nässe exzellenten Dunlop-Reifen. Darüber hinaus ist das Sportfahrwerk deutlich harmonischer abgestimmt als bei Seat - besonders Querfugen überrollt der Golf deutlich geschmeidiger als sein Konzernbruder.
Noch ein kurzes Wort zum Cockpit. Alle Schalter sitzen dort, wo man sie vermutet; Material- und Verarbeitungsqualität liegen auf hohem Niveau. Sportliche Details wie bei Seat und Renault ...
... sucht man bis auf die serienmäßigen Sportsitze jedoch vergebens.
Schnörkelfrei und gut ablesbar: die VW-Uhren.
Wie bei Seat und Audi: 2,0-Liter-TDI-Motor, 170 PS, 350 Newtonmeter maximales Drehmoment. Und eine ziemliche Geräuschkulisse.
Auch wenn's eine sportliche Variante ist: Ein Golf bleibt ein Golf und damit auch ein praktisches Alltagsauto. Dementsprechend das Kofferraumvolumen: 338 bis 1296 Liter gehen hinein.
Am Ende gewinnt der VW den Vergleich ziemlich souverän. Das liegt nicht nur an der schnellsten Rundenzeit. Er bietet einfach den besten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Der Seat landet ganz knapp dahinter auf dem zweiten Platz. Platz drei bis fünf ...
... gehen an Audi, BMW und Renault. Doch egal ob erster, zweiter oder fünfter Platz. Die Fahrzeuge in diesem Vergleich bieten allesamt überdurchschnittliche Fahrleistungen bei durchaus geringem Verbrauch.
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