Im November 2001 erschien der Ford Fiesta in der sechsten Generation, werksinterne Bezeichnung JH1. Der als Drei- und Fünftürer angebotene Fiesta wurde bis September 2008 angeboten, seit Oktober 2008 ist der Nachfolger im Handel. Der alte Fiesta gelangt verstärkt in den Gebrauchtwagenhandel und wird günstiger.
Der Ford Fiesta war als Neuwagen stets günstiger als die Konkurrenz von Opel und VW, obwohl er beim TÜV sogar besser abschneidet: Bei der ersten Hauptuntersuchung nach drei Jahren landet der Fiesta auf Platz 13 des AUTO BILD TÜV-Reports 2008, der Corsa auf 45 gefolgt vom Polo auf Rang 61.
Auch der Dreitürer bietet im Gegensatz zum Vorgänger ausreichend Platz für vier Passagiere. Wer häufig Langstrecken fährt, sollte sich den 1,4-Liter-Motor mit 80 PS gönnen, denn der 1,3-Liter mit 60 PS gelangt bei einem Leergewicht von mindestens 1100 kg schnell an seine Grenzen.
Der Fünftürer ist familientauglich, das Kofferraumvolumen liegt mit 284 Litern fast auf Kompaktklasse-Niveau. Zuverlässigkeit ist eine Stärke des Fiesta, vorausgesetzt, man lässt die Finger von den empfindlichen Dieseln.
Der Fiesta liebt Kurven, liegt gut, ist straff gedämpft und folgt präzise jeder Lenkbewegung. Die Kehrseite: Der Federungskomfort auf schlechten Wegen ist eingeschränkt.
Das Fiesta-Cockpit ist übersichtlich, jeder findet sich hier ohne Betriebsanleitung auf Anhieb zurecht. Die Hartplastik-Armaturentafel ist leicht zu reinigen, fällt jedoch bei der Wertanmutung hinter den Polo zurück.
Für einen Kleinwagen von 3,92 Meter Außenlänge bietet der Fiesta einen ordentlichen Kofferraum. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen bietet er immerhin eine Tiefe von 1,23 Meter und 1,01 Meter Breite.
In der Basisversion werden die Fenster noch gekurbelt. Das spart Gewicht, ist zuverlässiger, funktioniert ohne Zündschlüssel und hält die Armmuskulatur fit!
Leider hat Ford beim Fiesta ein Druckschloß am Kofferraumdeckel eingespart. Ohne Schlüssel ist der Kofferraum von außen nicht zu öffnen.
Als kleines Trostpflaster hat Ford dem Fiesta eine elektrische Entriegelung des Kofferraums mit auf den Weg gegeben.
Auch beim Tankdeckel hat Ford gespart: Er ist nicht an die Zentralverriegelung angeschlossen und muss separat mit dem Zündschlüssel geöffnet werden.
Angegammelt: An Schnittkanten und Trägern zeigt der Fiesta schon nach wenigen Jahren erste Rostspuren. Das ist für den TÜV noch nicht relevant, wer seinen Fiesta jedoch lange fahren möchte, dem sei eine nachträgliche Hohlraumkonservierung empfohlen.
Auch an den Querträgern an der Vorderachse hat sich bei unserem Test-Fiesta (Baujahr 2005, 35.500 km) etwas Rost gebildet. Das ist jedoch völlig harmlos und nur ein optischer Makel, da der Querlenker sehr massiv ist.
Typische Schwäche vieler Kleinwagen, die überwiegend im Kurzstreckenverkehr gefahren werden: schnell rostende Endschalldämpfer. Der Endtopf wird auf kurzen Strecken nicht warm, die heißen Abgase kondensieren dort, eine aggessive Flüssigkeit sammelt sich. Folge: Rost.
Solide: Die Vorderachse des Fiesta bleibt beim TÜV unauffällig. Beim Kauf trotzdem kontrollieren: die Manschetten der Antriebswellen und Spiel in den Spurstangen.
Der Ford Fusion ist technisch identisch mit dem Fiesta, bietet aber mehr Platz und eine erhöhte Sitzposition. Der seit 2002 angebotene Fusion wird mit Motoren von 68 PS (1.4 TDCi) bis 100 PS (1.6) angeboten und überzeugt durch sehr gute Noten beim TÜV.
Der von 2003 bis 2007 angebotene Mazda2 entstand auch auf der Plattform des Fiesta. Technisch unterscheiden sich Mazda2 und Fiesta kaum voneinander, optisch geht der Mazda jedoch eigene Wege. Etwas kleinerer Kofferraum, aber noch bessere TÜV-Ergebnisse.
Die von 1989 bis 2001 gebauten Fiesta-Typen (Baureihen GFJ, JAS, JBS) sind heute mit Vorsicht zu genießen und empfehlen sich eher für Bastler: Besonders die bis 1995 gebauten Fiesta sind rostanfällig, Rost am Tankdeckel und an den hinteren Radläufen ist eher die Regel als die Ausnahme.
Für Bastler ist der alte Fiesta hingegen ein Tipp: Bei Autoverwertungen finden sich zahlreiche Ersatzteile, die simple Technik lässt sich einfach instandsetzen. Preiswerter kann man nicht Autofahren.
Empfehlenswert sind nur rostfreie Exemplare der letzten beiden Baujahre (1999 bis 2001) aus erster Hand mit geringer Kilometerlaufleistung. Beste Motorisierung: der 1,25-Liter-Motor mit 75 PS. Mit einer Laufleistung von unter 100.000 km für rund 3000 Euro erhältlich.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.