2001 stieg Mercedes-Benz mit dem Vaneo in den Markt der Kompaktvans ein. Mit mäßigem Erfolg: Bis Sommer 2005 produzierte Daimler 55.000 Exemplare, geplant waren 50.000 – pro Jahr. Der Vaneo wurde ohne Nachfolger eingestellt.
Als Gebrauchtwagen ist der Vaneo jedoch sehr beliebt, ein CDI mit guter Ausstattung steht nach Angaben eines Hamburger Mercedes-Händlers maximal zwei Wochen. Käufer können wählen zwischen drei Getriebe-Varianten, drei Benzinern (82 bis 125 PS), zwei Dieseln (75 bis 91 PS) und drei Ausstattungen.
Gründe für die späte Karriere des Vaneo: Bei kompakten Außenmaßen (Länge 4,19 Meter) bietet der Mercedes ein konkurrenzloses Innenraumangebot. Dank der von der A-Klasse übernommenen Sandwich-Bauweise beträgt das Ladevolumen bis zu 3000 Liter.
Der Vaneo hat serienmäßig zwei praktische Schiebetüren. Die zweite Sitzreihe ist höhergelegt – ideal für kleine Kinder, die so immer die Übersicht behalten.
Das Design des Vaneo war von Anfang an umstritten – zu kastenförmig, zu wenig Markenidentität, Transporter-Ambiente. Kein Wunder – der Vaneo wurde schließlich von der Nutzfahrzeug-Abteilung entwickelt und auch im Lkw-Werk in Ludwigsfelde gebaut.
Bei der Sicherheit schlägt die Stunde des Vaneo: Serienmäßig ESP, ABS, BAS, ASR und vier Airbags. Ein fahrdynamisches Wunder ist der Vaneo sicherlich nicht, durch den hohen Aufbau neigt er bei flott durchfahrenen Kurven zu Wankbewegungen. Das ESP greift jedoch früh ein, das Fahrverhalten bleibt jederzeit unkritisch.
Die zwei weit öffnenden Schiebetüren garantieren ein bequemes Ein- und Aussteigen auch in engen Parklücken. Gegen Aufpreis gab es den Vaneo auch mit einer zweiten Sitzbank im Laderaum. Damit wurde der Vaneo zum Siebensitzer.
Auch die Armaturenanlage kommt aus der A-Klasse (modellgepflegte Version ab 2001). Mercedes lieferte drei Ausstattungslinien (Trend, Family, Ambiente) und fünf nach Bedarf geschnürte Zubehörpakete (Snow, Bike, Surf, Dog, Carry).
In der Version Ambiente gab es serienmäßig Wurzelholz. Gegen Aufpreis ließ sich der Vaneo mit zahlreichen Extras aufrüsten: Bedien- und Anzeigesystem Comand, Sitzheizung, Parktronic, Automatik, Tempomat – der Gegenwert einer neuen C-Klasse war schnell erreicht.
Lederpolsterung gefällig? Bei der ellenlangen Aufpreisliste des Vaneo kein Problem, nahezu jeder Wunsch ließ sich erfüllen. Auch die Modell- und Ausstattungsvielfalt macht den Vaneo heute so beliebt als Gebrauchtwagen.
Der Vaneo Family bietet serienmäßig integrierte Kindersitze, Klapptische und einen ausziehbaren Ladeboden.
Im Innenraum bietet der Vaneo unschlagbare Variabilität: die Sitze sind umlegbar und einzeln herausnehmbar. Gegen Aufpreis ließ sich sogar der Beifahrersitz ausbauen.
Ist alles demontiert, entsteht ein Ladevolumen von 3000 Litern. Zudem ist der Ladeboden sehr gut nutzbar: Dank der Sandwich-Bauweise gibt es weder Kardantunnel noch störende Mulden, der Boden ist eben.
Der Vaneo wird auch gern von Gewerbetreibenden gefahren, die das üppige Laderaumangebot bei kompakten Außenmaßen schätzen.
Die Sicherungen und die Fahrzeugbatterie sind im Beifahrerfußraum untergebracht. Vorteil: gute Raumausnutzung, Unterbringung im aufprallgeschützten Bereich, leichte Erreichbarkeit.
Wie bei der A-Klasse ist der Motor des Vaneo schräg eingebaut. Bei einem Frontalaufprall schieben sich die Aggregate unter den Fahrgastraum und dringen nicht in den Innenraum ein.
Die Vorderachse des Vaneo ist solide, Traggelenke, Spurstangenköpfe und Antriebswellen sind haltbar. Bei Exemplaren mit hoher Laufleistung immer die Achsmanschetten kontrollieren, die im Alter einreißen können. Weiterhin möglich: poröse Bremsschläuche.
Einzige Schwäche der Vorderachse: Die Koppelstangen des Stabilisators schlagen aus und verursachen beim Ein- und Ausfedern Klappergeräusche.
Die Auspuffanlage des Vaneo ist sehr haltbar, selbst 2001er Fahrzeuge mit weit über 100.000 km fahren noch mit der originalen Abgasanlage. Wenn sie zu rosten beginnt, dann zuerst am Halteband des Endschalldämpfers (im Bild rechts unten).
Absolut problemlos: Die Motoren des Vaneo sind sehr zuverlässig und langlebig. Der Nockenwellenantrieb erfolgt über eine Steuerkette, teure Zahnriemenwechsel entfallen. Die Antriebseinheit ist sehr raumsparend montiert, von daher ergibt sich der Nachteil, dass bei aufwendigeren Reparaturarbeiten der komplette Motor abgesenkt werden muss.
Typischer Mangel bei A-Klasse und Vaneo: ausgeschlagene Lager der Hinterachsschwingen. Daimler tauschte die Lager bei betroffenen Fahrzeugen im Rahmen der Kulanz aus. Gelegentlich brechen die Federn der Hinterachse.
Und hier die Konkurrenten des Vaneo. Der Citroën Berlingo kam 1996, empfehlenswert ist die überarbeitete Version ab Okober 2002, die ab 6500 Euro zu haben ist. Vorteile: komfortabel ansprechende Federung, viel Platz, günstig. Nachteile: mäßige Verarbeitung, schnell rostenede Endschalldämpfer, laute Fahrgeräusche, verschleißanfällige Bremsanlage.
Der Fiat Doblo wird seit 2001 in der Türkei gebaut. Vorteile: Lademeister mit Platz für zwei Fahrräder, schon ab rund 5000 Euro zu haben. Nachteil: Schon bei Dreijährigen moniert der TÜV doppelt so viele Mängel wie beim Durchschnitt, zahlreiche Motorschäden, Elektronik-Probleme, Ölverlust.
Der Ford Tourneo Connect ist seit 2003 mit kurzem und langem Radstand auf dem Markt. Als Gebrauchter ab 7300 Euro zu haben. Gut: 530 kg hohe Zuladung, zuverlässige Fiesta-Großserientechnik, gute TÜV-Bilanz. Schlecht: spröde Innenraum-Atmosphäre, optisch nah am Handwerker-Hobel.
Ende 2002 kam der Opel Combo auf Basis des Corsa C als Hochdachkombi und Kastenwagen. Die Preise für den Kombi starten bei 7000 Euro. Vorteil: problemlose Corsa-Technik, handlich zu fahren, Interieur wohnlich. Nachteil: Auspuffanlage rostet schnell, Manschetten der Antriebswellen porös.
Den ersten Opel Zafira gab es von 1999 bis 2005, besonders empfehlenswert ist die modellgepflegte Version ab 2003 (ab 8500 Euro). Plus: sieben Sitze, im Kofferraum versenkbare dritte Sitzreihe, komfortabel, gutes Raumangebot. Minus: TÜV bemängelt häufig zu großes Lenkspiel und marode Auspuffanlagen.
Der Peugeot Partner ist bis auf das Markenlogo baugleich mit dem Citroën Berlingo. Preise für empfehlenswerte Modelle ab 2002: ab 6200 Euro. Plus: großzügiges Raumangebot, günstiger Einstandspreis (Klimaanlage nicht serienmäßig). Nachteile: wie Berlingo, am Markt dominieren Lieferwagen.
Die erste Generation des Renault Kangoo kam 1998 und wurde bis 2007 gebaut. Empfehlenswert sind die modellgepflegten Modelle ab Baujahr 2003 (ab 6300 Euro). Gut: sympathisches Design, riesiges Platzangebot, komfortable Federung. Schlecht: miese Qualität, chronischer Ölverlust, Bremsen vorn mangelhaft, Kantenrost.
Der Renault Scénic vom Typ JA wurde von 1996 bis 2003 gefertigt. Späte Modelle mit weniger als 100.000 km beginnen bei 5300 Euro. Gut: variabler Innenraum mit einzeln verschieb- und demontierbaren Rücksitzen. Schlecht: Ölverlust, ältere Modelle mit Rost, reißende Zahnriemen, verschleißanfällige Bremsen und Endschalldämpfer.
Der VW Caddy Life kam 2004 als "Touran für Anspruchslose". Der teuerste unter den Kastenwagen beginnt ab 7500 Euro, auch eine Ergas-Variante ist lieferbar. Gut: komfortables Fahrwerk, gute Verarbeitung, hochwertiges Interieur. Schlecht: hohe Gebrauchtwagen-Preise, gelegentlich undichte Manschetten der Antriebswellen.
Den klassischen Kompaktvan VW Touran gibt es seit 2003, die Gebrauchtpreise starten bei rund 10.000 Euro. Zwei Sitze im Kofferraum gegen Aufpreis. Gut: hochwertige Material- und Verarbeitungsqualität, flexibler Innenraum mit bis zu 39 Ablagen. Schlecht: klemmendes Heckklappen-Schloss, häufig versagende Luftmassenmesser.
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