Ein wahres Super-Schnäppchen: Insgesamt 250 Euro hat dieser VW Golf Variant Baujahr 1995 gekostet – inklusive zwei Jahren TÜV! Hier erzählt Schrauber Michael aus Oberaula die Geschichte von seiner gebrauchten Familienkutsche.
Der Verkäufer wollte zunächst 200 Euro für den TÜV-losen Golf Variant. Doch sechs Vorbesitzer, 233.342 Kilometer und etliche Rostlöcher in den Schwellern waren gute Argumente, um den Kaufpreis auf 100 Euro zu drücken.
Für jemanden, der nicht selbst schrauben und schweißen kann, wäre dieser Golf III Variant ein finanzielles Fiasko. Doch mit etwas Zeit und Geschick ist Autofahren zu Fahrradtarifen möglich!
So spart man heute! Mechaniker Michael sagt: "Jeder, der fit im Schweißen und Schrauben ist, kann so billig Auto fahren." Am besten mit einem Massenprodukt wie
Golf,
Astra oder
Focus, um günstig und schnell Teile vom Autoverwerter zu bekommen.
Von wegen ausgeleierte Schrott-Schleuder: Der Golf geht nicht nur prima ums Eck, es klappert auch nichts und nicht mal das Lenkrad vibriert. Das Fahrwerk ist dank neuer Lager an der Vorderachse schön straff.
Für seine 233.342 Kilometer ist der Familien-Golf noch gut in Schuss. Investitionskosten nach dem Kauf: 94,50 Euro für TÜV und AU, 16,05 Euro für Aluräder von ebay, 9,07 Euro für einen Mitteltopf (ebay), 10,08 Euro für zwei Traggelenke (ebay) und 18,37 Euro für einen Querlenker (ebay), macht inklusive Kaufsumme 248,07 Euro. Unglaublich!
Der 44-jährige Sparfuchs denkt sogar noch weiter: Für gerade einmal 168 Euro hat er sich eine Autogasanlage ersteigert. Dieses Projekt will er als nächstes angehen.
Diesen Satz Aluräder hat Michael seinem Billigauto spendiert. Gerade einmal 16,05 Euro hat er für die vier Gummis samt Felgen bei Ebay bezahlt.
Unglaublich, was ein paar Eimer Wasser, ein Staubsauger und Cockpitpflege ausmachen: Der Golf glänzt und ist auch innen picobello. Die Lüftungsschlitze und Schalter sehen aus, als wäre einer der sechs Vorbesitzer Sammelbesteller bei
D&W gewesen. Die Sitze sind top, der Stoff nirgends abgewetzt.
233.342 km stehen auf dem Tacho. Nicht gerade wenig, doch man sieht es dem weißen Kombi nicht an.
Ein Blick in den Motorraum des 75-PS-Golf wirft auch keine Überraschungen auf: Michael hat sich vorbildlich um den VW gekümmert. AUTO-BILD-Redakteur Andreas May hat nichts zu beanstanden.
Ebay war eine echte Fundgrube für Schrauber Michael: Den nagelneuen Auspuff-Mitteltopf hat der 44-Jährige für lächerliche 9,07 Euro ersteigert.
Rostig: Viele Golf III sind löchrig wie ein Käse. So auch die Schweller des Golf III Variant von Michael und Carmen. Deshalb war das Beschaffen und Zurechtschneiden von Reparatur-Blechen eine der ersten Aufgaben des Mechanikers.
Zum Glück besitzt der Hesse gute Schweißkenntnisse. Anschließend sieht dieser Schweller zwar aus wie ein Flickenteppich, bleibt vom TÜV aber unbeanstandet.
Unter den schwarzen Radhausverkleidungen nistet sich gern der Rost ein.
Brüchig: Schrauben am Katalysator brechen, Flex-Rohre reißen. Schrauber Michael erklärt AUTO-BILD-Redakteur Andreas May die Golf-Problemzonen.
Verschleiß an der Vorderachse: Diese Traggelenke sind neu. Für 10,08 Euro waren sie bei ebay zu ersteigern. Nach dem Einbau muss die Spur neu vermessen werden.
Trocken: Getriebe und Motor halten dicht. Das ist absolut unüblich für einen Golf III. Fast liegt die Vermutung nahe, dass gar kein Öl in den Aggregaten wäre. Doch natürlich hat sich der Hobbyschrauber auch darum gekümmert.
Hier kann es schnell gefährlich werden: Beim Golf III Variant brechen häufig die Federn an der Hinterachse. Passiert dies während der Fahrt, kann es zu einem schweren Unfall kommen.
Der Tank hält. Noch ... Denn wenn der Tank auf die Straße fällt, könnte das an rostigen Bändern liegen, die den Kraftstoffbehälter am Fahrzeug fixieren.
Der Rost blüht an allen Ecken und Enden. Noch ist er zwar nicht gravierend. Aber bis zum nächsten TÜV-Termin muss ihn der Hobby-Mechaniker auf jeden Fall im Auge behalten und im Zweifel wieder schweißen.
Ein typisches Golf-III-Problem ist die braune Pest: Überall, wo VW Gummipfropfen verbaut hat, gammelt es. Der TÜV ließ das durchgehen – noch. Rostende
Golf III sind keine Seltenheit. Kaum ein Teil am Dreier-Golf, das nicht kaputtgeht.
Der Gammel nistet sich gern an der Heckklappe ein, unter den seitlichen Schutzleisten blüht die braune Pest ebenso gern. Die Verarbeitung ist nicht langzeitstabil, mit der Zeit wird der Golf III zur Klapperkiste. Von der Langzeitqualität des
Golf II ist er weit entfernt.
Problemfall Türgriff: im Alter Tendenz zu Schwergängigkeit und hakelnden Schließzylindern. Hängende Türen sind die spezielle Schwäche des Zweitürers, die Scharniere sind offensichtlich zu schwach ausgelegt für die schweren Türen.
Der Zahnriemen sollen alle 30.000 km auf Spannung und Zustand geprüft werden. Ist er zu lose, springt er über. Folge: Motor-Totalschaden. TDI-Problem: Oft löst sich das Zahnriemenrad auf der Kurbelwelle. Wird das dabei entstehende Klappern ignoriert – weil kaum vom Dieseltackern zu unterscheiden –, schlägt die Verzahnung aus, die Kurbelwelle ist hin.
Ölverlust gehört zu den chronischen Schwächen von VW-Motoren. Das Schmiermittel kriecht aus Wellendichtringen, Ölwannendichtung (Bild) und der Ventildeckeldichtung, in seltenen Fällen wird auch der Öl-Wasser-Wärmetauscher undicht.
Kabelstecker: Gelegentlicher Ausfall von Elektrik-Komponenten durch korrodierte Verbindungen.
Massekabel: Gerade die am Motorblock haben oft Kontaktprobleme. Gelegentlich mit Kriechöl einsprühen!
Auspuff-Entkopplungsgelenk: Neigung zur Rissbildung, beim TDI besonders frühzeitig.
Die Gummilager der Hinterachse verschleißen schnell. Bei der Gelegenheit gilt es, gleich die Trommelbremsen zu prüfen, deren Wirkung im Alter stark nachlässt. Ungleichmäßige Bremswirkung hinten ist das Resultat eines rigiden Bremskraftreglers, der bei niedriger Achslast kaum Bremsdruck an die Hinterräder lässt - die Bremse rostet ein.
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