Dem Heavy Mover auf Augenhöhe zu begegnen, heißt schwarzsehen. Die sechs XXL-Reifen und der unbeladene Rahmen sind 1,92 Meter hoch.
Jeder Normalgewachsene steht also vor einer Wand. Wer mehr sehen will, muss sich ein paar gehörige Schritte vom 570-PS-Riesen entfernen.
Erst dann sind seine gigantischen Ausmaße in Gänze zu erfassen: Knapp 4,10 Meter hoch, 3,50 Meter breit und ...
... 12,30 Meter lang, bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 80 Tonnen.
Fünf Leitersprossen und ein Laufsteg müssen überwunden werden, bevor ...
... es ins stahlgefederte Fahrerhaus mit Komfortbett und Klimaanlage geht. Wir reden immer noch von einem Lkw, nicht von einem Haus und auch nicht von einem Schiff.
Mit derartigen Ausmaßen fällt der 6x6 Heavy Mover aus dem Rahmen, übertrifft sogar noch die Abmessungen anderer Schwerlastzug-Maschinen, wie die des Z 80 609 der Firma Titan Nutzfahrzeuge. Der ist immerhin 4,0 Meter hoch, 10,0 Meter lang und 3,50 Meter breit.
Aber wozu der ganze Gigantismus? Damit Neureiche prahlen können, sie hätten den größten Lkw? Sicherlich nicht: Der Heavy Mover bekommt nicht mal eine Straßenzulassung. Alleine für seine Weltpremiere auf der Nutzfahrzeug IAA 2012 in Hannover musste der Laster mit Übergröße auf einem speziellen Tiefbettaufleger aus seiner Heimat Passau mit großem Aufwand chauffiert werden.
Was also hat die Jungs von Paul Nutzfahrzeuge dazu getrieben, einen
Mercedes Actros in ihren werkseigenen Topf mit Zaubertrank zu werfen? Die Antwort liegt im fernen Süden und Osten. Denn dort soll der deutsche Riese in Minen und Ölfeldern seinen Zweck erfüllen.
Was ihn als Nischenprodukt so attraktiv macht, ist die Tatsache, dass er trotz Mutation immer noch vom Mercedes-Nutzfahrzeuge-Service verarztet werden kann. Das spart Zeit und Geld gegenüber den üblichen Dumpern, die in den Minen arbeiten.
Noch ein Vorteil ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Ein Dumper mit 240 Tonnen Nutzlast kostet zwei Millionen Euro. Fällt dieser aus, geht jede ausgefallene Stunde richtig ins Geld. Für zwei Millionen können allerdings auch fünf Heavy Mover geordert werde, ...
... die haben alle zusammen so viel Nutzlast wie ein Dumper. Sollte einer streiken, können immerhin noch vier weitermachen. Der Verlust für den Betreiber wäre viel geringer. Das gleiche Spiel gilt für Ölfelder, wo der Mover zerlegte Plattformen transportieren soll.
Abseits der Wüsten und Minen gibt's noch andere Trucks im XXL-Format. Dazu gehören die fetten Ami-Trucks von Freightliner. Die Marke zählt zum Daimler-Konzern und bietet in den USA als Topmodell den schnittigen Cascadia an.
Im Cascadia kommt ein 14,8 Liter großer Reihensechser zum Einsatz, der 567 PS und 2550 Newtonmeter auf die Hinterräder loslässt.
Peterbilt 389 – der Klassiker, wie wir ihn aus unzähligen Hollywoodstreifen kennen. Lange Schnauze, üppiger Chromschmuck und 590 PS aus 14,9 Litern machen ihn zum König der Highways.
Kenworth W900: Ebenfalls ein stattlicher Langhauber, der mit Dieselmotoren von Caterpillar oder Cummins bis 15 Liter Hubraum und Leistungen bis 577 PS angeboten wird.
Truckhersteller Western Star zählt zum Daimler-Konzern und fährt mit dem 4900 EX schweres Geschütz auf: Reihensechszylinder, 15,2 Liter, 633 PS.
Noch ein dicker Brummer aus Übersee: International Trucks trumpft mit dem Spitzenmodell 9900 ix auf: 633 PS stark, 14,9 Liter Hubraum, zulässiges Gesamtgewicht inklusive Auflieger bis zu 63 Tonnen.
Sein Name ist Programm: Titan heißt der fetteste Truck aus dem Hause Mack. Der mächtige Sattelschlepper glänzt mit viel Chrom um die Schnauze ...
... und zieht mit seinen 582 Pferden aus 16 Litern Hubraum ordentlich was weg.
Bei den europäischen Herstellern mischt
VW-Tochter Scania ganz vorne mit: Das Modell R 730 …
… ist mit 730 PS und 3500 Newtonmetern Drehmoment der Traum aller Brummifahrer. Ein V8-Turbodiesel mit opulenten 16,4 Litern Hubraum spendiert dem Schweden-Schlepper Kraft im Überfluss.
Tritt ebenfalls mit acht Zylindern an: MAN TGX V8 – das Topmodell des bayerischen Traditionsunternehmens.
Der TGX V8 schöpft seine Power aus 16,2 Litern Hubraum. Dazu kommen zwei Turbolader und eine Common-Rail-Einspritzung. Das Resultat sind amtliche 680 PS und 3000 Newtonmeter Drehmoment.
Sternen-Kreuzer: An der Spitze der
Mercedes-Nutzfahrzeuge steht die Actros-Baureihe.
Mit 510 PS aus sechs Zylindern, 12,8 Litern Hubraum und 2800 Newtonmetern ist das Topmodell üppig motorisiert. Die schwächeren Varianten setzen auf V6-Maschinen. Schon die Einstiegsversion ist mit 238 PS nicht gerade schwach auf der Brust.
Dick, dicker, DAF: Der niederländische Lkw-Fabrikant (Van Doornes Aanhangwagen Fabrieken) ist heute Teil des US-Konzerns Paccar und schmückt sich mit der XF-Baureihe als Spitzenmodell.
DAF setzt im XF 105 auf einen Reihensechszylinder, Turbo und 12,9 Liter Hubraum. 510 PS und 2500 Newtonmeter sollten für jeden Wohnwagen im Schlepptau mehr als ausreichend sein.
Sechs Zylinder in Reihe, verteilt auf 16 Liter Hubraum: Der 700 PS starke
Volvo FH16 galt bei seiner Vorstellung 2009 als stärkste Zugmaschine der Welt, inzwischen ...
... haben die Schweden sogar noch 50 Mehr-PS nachgelegt. Die 3550 Newtonmeter des FH16 machen jede Autobahnsteigung zum Kinderspiel.
Klar, dass auch der
Fiat-Konzern bei den schweren Jungs mitmischt: Nutzfahrzeug-Tochter Iveco hat den Stralis im Programm. Unter dem Fahrerhaus verrichtet ein Reihensechser mit 12,9 Litern Hubraum und 560 PS seine Arbeit.
Gestatten: Magnum (Lateinisch: "der Große"). Gemeint ist hier allerdings kein Lecker-Schlecker-Eis und auch kein schnäuzbärtiger Detektiv im roten
Ferrari, sondern
Renaults größter Sattelschlepper.
Für Vortrieb sorgt im Renault Magnum ein 12,8 Liter großer Reihensechszylinder mit 520 PS und 2550 Newtonmetern.
Jetzt wird's schon exotischer: Der britische Nutzfahrzeug-Fabrikant Dennis Eagle bietet mit dem Elite 2 einen recht tief gelagerten Sattelschlepper an, motorsiert von einem 12,9-Liter-Sechszylinder mit 324 PS.
In Brasilien zeigt Volkswagen wahre Größe mit dem Super-Truck "Constellation Titan". Das stärkste Modell ist mit einem 9,35 Liter großen Reihensechszylinder bestückt und leistet 370 PS. Die südamerikanische Lkw-Sparte VW Trucks and Buses wurde 2009 an MAN verkauft.
Auf nach Fernost! Was die asiatischen Hersteller auf dem Nutzfahrzeugmarkt zu bieten haben, zeigen die folgenden Bilder. Los geht's mit Mitsubishi Fuso (Daimler), die ihr Dickschiff nicht ganz unbescheiden auf den Namen "Super Great" getauft haben. Leistung: vergleichsweise bescheidene 300 PS aus acht Zylindern und 16 Litern.
Natürlich ist auch
Hyundai mit von der Partie. Hierzulande nahezu unbekannt, setzen die Koreaner auf dem fernöstlichen Markt durchaus schweres Gerät ein – zum Beispiel den HD 1000 mit sechs Zylindern, 12,3 Litern Hubraum und 410 PS.
Hino ist die asiatische Nutzfahrzeugsparte von
Toyota. Das Topmodell der 700er-Serie hört auf die kryptische Bezeichnung SV1EMVA-VRP. Ungewöhnlich: Unterm Fahrerhaus steckt nur ein Vierzylinder, der seine 450 PS allerdings aus 12,9 Litern Hubraum holt. Da hört man jeden Kolben stampfen ...
Sechs Töpfe in einer Reihe stellt
Isuzu im Truck der C&E-Serie auf: 14,3 Liter Hubraum, 390 PS und ein maximales Drehmoment von 1883 Newtonmetern sind ein guter Durchschnitt.
Und was machen die Chinesen? Wieder eine plumpe Kopie westlicher Markenprodukte? Nein, der FAW CA6DN1-42E3 (R6, 12,2 Liter, 420 PS) ist zwar an europäisches Lkw-Design angelehnt, wirkt aber dennoch recht eigenständig und schaut grimmig aus seinen Schlitzaugen-Scheinwerfen.
Auch im einstigen Ostblock laufen schwere Brocken vom Band: KrAZ (Krementschuker Automobilwerke) heißt der Hersteller dieses Ungetüms. Der ukrainische Betrieb fertigt Nutzfahrzeuge für militärische und zivile Zwecke. Dieser schwere Sattelschlepper mit V8-Diesel und 14,9 Litern Hubraum leistet 400 PS.
Acht Zylinder, acht angetriebene Räder, 405 PS: Der weißrussische Betrieb MZKT (Minski Sawod Koljosnych Tjagatschei, zu deutsch: Minsker Fabrik für Radschlepper) produziert diese schwere Zugmaschine mit der Modellbezeichnung 7401.
Truck-Power aus Rumänien: Die Firma Roman produziert in Brasov Sattelschlepper auf MAN-Basis, außerdem werden Busse, Spezialfahrzeuge und diverse Fahrzeugteile hergestellt. Flaggschiff im Bereich Zugmaschinen ist das Modell 26.460 DFS (R6, 12,8 Liter, 460 PS).
Der tschechische Traditionsbetrieb Tatra zählt zu den ältesten Automobilherstellern. Während die Pkw-Produktion eingestellt wurde, sind Tatra-Lkw gerade wegen ihrer Geländegängigkeit und Robustheit äußerst beliebt. Eine Besonderheit sind die luftgekühlten V8-Diesel wie bei diesem TERRNo.1 (12,7 Liter, 442 PS).
Beim Moskauer Hersteller ZiL mochte man es schon immer etwas größer: Der Traditionsbetrieb fertigt nicht nur Lkw, sondern auch schwere Luxuslimousinen wie die frühere
ZiL-117. Exotisch: Diese Zugmaschine (ZiL 4421690) fährt tatsächlich mit Benzinmotor (V8, sechs Liter, Vergaser, 150 PS).
Hersteller Kamaz residiert in der russischen Industriestadt Nabereschnyje Tschelny und baut Lkw, Busse und Militärfahrzeuge. Das Flaggschiff 65226 fährt mit Allradantrieb und holt seine 544 PS aus einem 15,9 Liter großen V8 der Marke Deutz.
GAZ Ural 63674: schwerer Sattelschlepper mit V6-Turbodiesel, 11,2 Liter Hubraum und 300 PS. Das Unternehmen GAZ (Gorkowski Awtomobilny Zawod) aus dem russischen Nischni Nowgorod fertigt neben Nutzfahrzeugen auch Geländewagen und Pkw, darunter die in Russland beliebte Wolga-Limousine.
Dieses Zugpferd stammt aus der Türkei und wird bei BMC am Standort Izmir gefertigt. Das ehemals britische Unternehmen baut Lkw, Busse und Motoren. Das Topmodell der Sattelschlepper "Professional 1142 ACB" fährt mit Reihensechszylinder, 10,8 Liter Hubraum und 410 PS.
Ebenfalls türkischer Herkunft ist der AS 32.300 LN der Firma Askam Kamyon. Die Maschine (6,9 Liter, R6) leistet 292 PS und stammt von MAN.
Der Name Leyland wird Lkw-Fans sicher ein Begriff sein. Inzwischen ist die britische Firma Geschichte, in Indien werden unter dem Label Ashok Leyland aber weiter Nutzfahrzeuge produziert. Besitzer ist die indische Hinduja-Gruppe. Das Lkw-Topmodell 4921 TT bringt es auf 205 PS und 700 Newtonmeter.
Eicher Goodearth 40.40: Leistet bescheidene 182 PS aus 7,3 Litern Hubraum, stammt komplett aus indischer Produktion. Goodearth fertigte früher Nutzfahrzeuge in Zusammenarbeit mit dem deutschen Traktorenhersteller Eicher, mittlerweile existiert nur noch dessen Name in der Firmenbezeichnung.
Tata treibt es bunt! Hierzulande kennt man den indischen Autobauer nur vom Billig-Vehikel
Nano, der künftig auch in Europa für etwa 5000 Euro angeboten werden soll. Für den indischen Markt produziert der Konzern aber auch schwere Lkw wie den LPS 4923 (R6, 5,9 Liter, 230 PS).
Und das ist der neue "World Truck" aus dem Hause Tata: Die Baureihe Prima umfasst Sattelschlepper, Kipplader, Baustellen- und Kranfahrzeuge. Die Teile stammen aus der ganzen Welt: Karosserien aus Mexiko, Motoren (bis 560 PS) aus den USA, deutsche Getriebe, italienisches Design.
Die Firma Mahindra & Mahindra aus dem indischen Mumbai gehört zum US-Konzern Navistar und produziert Sattelschlepper. Der MN 49 (V8, 7,2 Liter) ist mit 260 PS der stärkste davon.
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