Winterspiele der ganz eigenen Art: Der Raupen-Hummer auf dem tief verschneiten Nürburgring. Ist mit ihm eine neue Trendsportart geboren?
Das Raupen-System stammt von der Firma Mattracks. Die Montage gelingt fast so flink wie ein Radwechsel, einige 4x4-Autos müssen zuvor aber höhergelegt werden.
Die vier Raupen sorgen für eine Auflagefläche von 2,4 m². Zum Vergleich: Standardreifen müssen auf der Straße mit knapp 0,2 m² Auflagefläche auskommen.
Obenrum ist der Hummer H3 serienmäßig. V8-Benziner, 5,3 Liter und 305 PS, Vierstufenautomatik.
Schwer in Form: Der 2400 Kilogramm wiegende Hummer H3 wird durch die massigen Raupensätze zum glatten Dreitonner.
Los geht's. Der Raupen-Rambo hält Wort: Ein Gasstoß, schon ...
... verbeißen sich die Gummiketten im weichen Schnee.
Schlupffrei stürmt der SUV voran. Kein Wunder, denn gegen übliche Offroad-Reifen wirkt diese Extrembesohlung wie Wanderstiefel neben High Heels.
Die Lenkung gibt sich weniger herzhaft. Mit zunehmender Geschwindkeit verkommt der Einschlag am Steuer zur vagen Fahrtrichtungsempfehlung.
Gas weg, das fühlt sich schon eher nach Wunschkurve als nach ungestümem Schub über die Vorderfüße an.
Der Tiefschnee-Titan lässt sich ähnlich manövrieren wie ein Snowmobil, oder bei entsprechender Kurvenlage wie ein Motorboot.
Den Neigungen entsprechend surft der Raupen-Hummer durch die Steilkurve des berühmten Karussels.
Der Nordschleifenrekord für straßenzugelassene Fahrzeuge liegt bei 7:12 Minuten. Der Raupen-Hummer braucht mit 45 Minuten etwas länger, aber dafür eröffnet er eine neue Spaßdimension.
Schneegekühlt sind die Gummiraupen echte Dauerläufer. Ab 26 Grad Celsius und auf Asphalt werden sie so heiß, dass nach 22 Kilometern eine Pause fällig ist.
Bauarbeiter an der Strecke glotzen den Hummer H3 an, als sei er ein Ufo, das soeben gelandet ist. Dabei unterscheidet er sich doch optisch gar nicht so sehr vom H3 auf Rädern.
Geschwindigkeit, Asphalt-Farbe und spritzende Flocken: Heute ist alles anders auf dem Nürburgring.
Privatfahrer drehen hier etwa 300.000 Ring-Runden pro Jahr. Bei Minus 5 Grad Celsius ist aber niemand sonst da.
Ob Nordic Schleifing sich als neue Trendsportart durchsetzen kann?
Nach dem Galgenkopf geht es auf die lange Zielgerade. Maximalgeschwindigkeit: 65 km/h, mehr erlauben die Raupen nicht. Auf Standardrädern wird der Hummer bei 158 km/h abgeregelt.
Happy End des einsamen Wintermärchens. Im März 2010 soll die Nordschleife wieder für Publikumsfahrten und für Testrunden der Industrie geöffnet werden.
Die von Geiger verbauten Raupensätze sind europaweit für alle 4x4-Autos erhältlich. Eine Straßenzulassung befindet sich in Vorbereitung.
Danke, lieber Karl Geiger, für dieses unglaubliche Gefährt.
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