Scheich müsste man sein. Dann könnte man sich den Sprit gleich aus der hauseigenen Quelle zapfen und statt biederer Diesel-Kutschen was richtig Feines fahren.
Bentley zum Beispiel. Redakteur Martin Puthz hat sich schon mal das passende Outfit besorgt und mit dem neuen
Continental GT eine Ausfahrt im Oman gemacht.
Was trägt der Mann von Geld? Eine Dishdasha, die blütenweiße Kreuzung aus Bettlaken und Beduinenzelt. Endlich mal den Edel-Araber spielen – mit Goldklunkern und Brilli-Uhr! Offiziell gibt's den neuen Continental erst ab Februar 2011, aber als Scheich bekommt man schon vorab eine Probefahrt.
Komisch: Obwohl angeblich kein Blechteil unverändert blieb, sieht der Conti aus wie früher. Was neu ist, entdeckt erst der zweite Blick. Den markentypischen Barock zerschneiden jetzt scharfe Bügelfalten. "Superforming" nennt man das Verfahren, mit dem die Engländer die Alu-Bleche pressen.
Der Muskel-Wagen von der Insel kann sich das figurbetonte Outfit leisten. Zwar geben Bentleys Entwickler voller Stolz zu Protokoll, ihren GT um 65 Kilo abgespeckt zu haben. Das ist aber nur ...
... ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn erschreckende 2,3 Tonnen sind immer noch übrig. So viel wiegen sonst nur die Gelände-Großkaliber, mit denen omanische Scheichs von Düne zu Düne hüpfen.
Langsam wirds heiß unter dem Scheich-Gewand. Also nichts wie rein in die gekühlte Lack-und-Leder-Lounge. Schlüssel rum – und los! Der Zwölfzylinder hustet angriffslustig; Ein Gasstoß lässt die Wüstenmäuse angsterfüllt zurück in ihre Löcher flitzen.
Die 21-Zoll-Walzen geben einen kurzen Warnpfiff von sich, dann reißen 700 Newtonmeter an den Antriebswellen und katapultieren den Bentley mit der Schubkraft einer Lok gen Horizont. Die Endrohr-Ellipsen entfesseln derweil ein Klanggewitter, bei dem die Jagdfalken des Nachbarscheichs erschrocken von der Stange fallen.
Nach zwei Wimpernschlägen fliegt die Tachonadel über die Zahl 100. Und nur eine knappe halbe Minute später wäre die Höchstgeschwindigkeit erreicht.
Innen bekommt man davon lediglich ein leises Murmeln mit. Sanft wie Scheherazade flüstern die zwölf Kolben ein Märchen aus Tausendundeiner Motoren-Nacht. Sie erzählen vom
VW-Triebwerk, das von den Briten in den Adelsstand erhoben wurde. Und jetzt noch mehr Power hat. 15 Pferdestärken, um genau zu sein.
575 Rösser legen sich beim neuen Conti in die Zügel. Es müssen zur Hälfte Brauereigäule sein. Und zur Hälfte Araberhengste. Lässig-ansatzlosen Anfahr-Bums vereint der Zwölfzylinder mit turbinenartigem Drehwillen und eleganter Spurtkraft. Taucht der Scheich seinen rechten Fuß in den hochflorigen Lammfellteppich, bebt der Asphalt.
Dank verstellbarer Dämpfer schwebt der Bentley über den Asphalt wie ein fliegender Teppich.
Tausendundeine Pracht: Scheichs mit Mut zur Farbe schwelgen in knalligem "Hotspur". Den Luxuskokon tapezieren die handschuhweichen Häute von acht glücklichen Kühen, ...
... für die Holzvertäfelungen müssen hektarweise Wälder gerodet worden sein. Eingebettet in poliertes Walnussholz, verrät ein Breitling-Chronometer, ob der Muezzin vom Minarett pünktlich ruft.
Selbst Details wie der Schalthebel sind bei Bentley aus dem Vollen geschnitzt.
Ölscheichs Schmuckschatulle: Für Britanniens Kronjuwelen ist sie zu klein, als Reise-Etui für das Geschmeide arabischer Potentaten eignet sich die Bentley-Box jedoch perfekt.
Auch den Autoschlüssel ziert das legendäre "Flying B".
Der Sechsliter-W12 aus dem VW-Konzernregal ist kein Kostverächter. Sechzehneinhalb Liter? Die offizielle Verbrauchsangabe verbuchen wir mal unter "britischer Humor". Aber geschenkt. Da der Sprit im Wüstenstaat Oman fast gratis aus den Schläuchen sprudelt, ...
... darf sich der Conti hier ruhig ein Extra-Schlückchen gönnen. Kein Witz: Volltanken (90 Liter Super) kostet im Oman umgerechnet 18 Euro. Da tut's nicht weh, wenn der Zwölfzylinder 25 Liter säuft.
Ehrensache, dass man ihn im Orient mit richtigem Benzin betankt. Zwar verträgt der Bentley neuerdings auch Alkohol. Aber der ist in Arabien sowieso tabu. Sollen doch die Ökos in Europa klimafreundlichen E85-Sprit einfüllen. Das Wort "CO2-Abdruck" halten Wüstensöhne für eine Sandalenspur in der Oase.
Außerdem gehört der Kampf gegen den Treibhauseffekt nicht zu den vordringlichen Lebenszielen eines Scheichs. Genauso wenig wie das Wort "downsizing" in seinem Sprachschatz vorkommt. Bentley-Boys drehen eben gern ...
... am großen Rad. In diesem Fall handelt es sich um eine formschöne 21-Zoll-Felge ...
... vom hauseigenen Veredler. Trotz der flachschultrigen Riesenräder rollt der Continental flüsterleise ab und federt wie auf Wolken.
Bleibt die Frage nach dem Preis für so viel Luxus. Palastdiener, reich' die Portokasse!
Zwei Kamele für den Bentley? Das wäre ein schlechter Tausch. 15 ist er wert – jedenfalls in omanischer Wüsten-Währung. Oder 184.000 Euro. Otto Normalverdiener muss sich bei solchen Tarifen natürlich erst einmal eine Beruhigungs-Shisha anzünden.
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