Als 1995 die E-Klasse mit runden Scheinwerfern und sogenanntem Vieraugengesicht auf den Markt kam, traf konservative Stern-Deuter fast der Schlag. Mit dem W212 wird es jetzt wieder eckiger, aber ...
... das Vieraugengesicht bleibt. Zum Glück. Denn die neue E-Klasse wirkt aus so vielen scharf geschnittenen Kanten, Linien und Sicken zusammengefügt, dass man um die Doppelscheinwerfer froh sein muss – ohne sie würde manch einer seine E-Klasse womöglich nicht wiedererkennen.
Ohne eine LED-Lichtleiste geht es heute kaum noch. Diese sitzt beim W 212 in der Frontschürze und ist Bestandteil des Lichtpakets.
Neue Ästhetik: Wo früher geschmeidig fließende Linien eher Frauenkörpern oder Dünenlandschaften nachempfunden schienen, herrscht jetzt kühl-kantige Eleganz wie in Frankfurter Bankentürmen vor. Der 4,87 Meter lange Mercedes wirkt so stattlicher als zuvor, ...
... obwohl er gegenüber seinem Vorgänger nur 16 Millimeter in der Länge zugelegt hat. Auf ein Wett-Wachsen mit dem noch größeren Audi A6 verzichteten die Mercedes-Leute bewusst.
Neue Form: Die eckigen Auspuffblenden kennzeichnen den E 500 und die V6-Benziner mit AMG-Paket.
Die weit ums Heck gezogenen Rückleuchten in LED-Technik werden eingefleischte Mercedes-Fans vermutlich in zwei Lager spalten. Erste Reaktionen: zu beliebig, verwechselbar. Serienmäßig ist das adaptive Bremslicht, das bei einer Notbremsung blinkt.
Für zackige Richtungswechsel: betont dynamisches Blinkerdesign im Außenspiegel.
Hübsch, aber teuer: Das große Glasdach mit außen laufendem Schiebedach kostet knapp 2000 Euro Aufpreis.
Vom alten Mercedes-Styling ist innen so wenig geblieben wie außen. Wo das Auge früher über weiche Rundungen glitt, folgt es jetzt den zeitgeistigen Linien strenger Sachlichkeit. Die Ellenbogenfreiheit ist noch fürstlicher als zuvor, ...
... die Sitze sind ähnlich aufwendig gepolstert und bequem wie immer. Elektrische Höhen- und Lehneneinstellung gibt es ab Werk, eine Massagefunktion gegen Aufpreis.
Man sitzt gut im Fond, von fürstlichem Knieraum kann aber kaum die Rede sein. Auf Wunsch baut Mercedes jetzt in die E-Klasse ein Fondkomfortpaket mit zwei Einzelsitzen wie im CLS ein. Das bietet statt des Notsitzplatzes in der Mitte eine dicke, sesselartige Armlehne mit großem Ablagefach. Preis: gepfefferte 3719 Euro.
Ausreichend geräumig wirkt der Kofferraum, mit 540 Litern erreicht er das Volumen des Vorgängers. Wie bei diesem kommt der recht hohe Wert zustande, weil Mercedes die große Reserveradwanne mitzählt. Serienmäßig ist die leer, für 83 Euro Aufpreis legen die Monteure im Werk ein Notrad hinein. Dann schrumpft ...
... natürlich das Kofferraumvolumen. Für 518 Euro gibt es eine umklappbare Rückbank mit dem schicken Namen "Easy Pack", die sich per Hebel im Kofferraum entriegeln lässt. "Leichtes Verstauen" trifft beim Benz-Kofferraum aber nur bedingt zu: Die Klappe ist schmal, ...
... das Ladeabteil tief – wer Kleinkram aus dem letzten Winkel fischt, fühlt sich fast wie ein Höhlenforscher. Nicht optimal gelöst ist die Konstruktion des Heckdeckelscharniers: Das Teil schwingt unverkleidet in den Kofferraum. Immerhin gibt es gegen 196 Euro Aufpreis Praktisches wie diese ausziehbare Schublade für Kleinkram.
Zurück an den Arbeitsplatz: Bei den V6- und V8-Motorisierungen bedient man das Automatikgetriebe bequem am Lenkrad, ...
... ansonsten gibt es den klassischen Wählhebel auf der Mittelkonsole.
Für Assistenz-Systeme und andere relevante Fahrzeug-Funktionen: der Regler des Command-Systems.
Der Dosenhalter trägt seinen Namen zu Unrecht: Kleine Glasflaschen passen auch hinein.
Sicherheit an Bord wird dank zahlreicher Assistenz-System groß geschrieben. Die "PreSafe Bremse" stoppt den Wagen bei gefährlich geringem Sicherheitsabstand automatisch.
Das Abstandsradar wahrt die nötige Distanz zum Vordermann. Es funktioniert bis 200 km/h.
Der Spurhalte-Assistent: Beim Überfahren von Markierungen ohne zu Blinken vibriert die Lenkung.
Wenn Sensoren unkonzentrierten, unruhigen Fahrstil signalisieren, warnt der Attention Assist. Zeit für eine Kaffeepause!
Nicht schneller als die Straßenverkehrsordnung erlaubt: Auf Wunsch bremst die E-Klasse ihren Piloten automatisch ein. Das Fahrassistenzpaket gibt es für 2558 Euro, aber ...
... nur in Verbindung mit Automatik und Navigationssystem. Und das macht es deutlich teurer.
Wer noch mehr will, dem hilft vor allem bei Dunkelheit der "Nachtassistent Plus". Das aus der S-Klasse bekannte System tastet mit weitreichendem Infrarotlicht die Straße ab und ...
... zeigt entsprechende Bilder auf dem Monitor im Cockpit. Fußgänger werden optisch betont. Aufpreis: 1488 Euro.
Ein bisschen Schwund ist immer: Die Basisversion verliert die Bezeichnung "Classic", heißt jetzt schlicht E-Klasse. Serienmäßige Extras gibt es weiterhin reichlich: zum Beispiel ...
... sieben Airbags, CD-Radio, Tempomat, Zweizonen-Klimaautomatik, Farbdisplay im Cockpit, Holzeinlagen und Aluräder. Die Elegance-Version kostet 1922 Euro mehr und bietet dafür vor allem optischen Mehrwert wie ...
... exklusivere Leichtmetallräder und mehr Holz. Ähnliches gilt für den 3362 Euro teureren Avantgarde. Neben sportlich betonter Optik (245er-Reifen, Tieferlegung) ...
... gehört das Lichtpaket mit Xenon-Scheinwerfern dazu. Bestandteil dieses 1690 Euro teuren Pakets ...
... ist das "Intelligent Light System", das die Lichtverteilung abhängig von der Fahrsituation regelt. Ab 90 km/h leuchtet es relativ weit nach vorn, ...
... in Kurven oder bei Nebel dagegen mehr zur Seite. Zum Paket gehört auch der adaptive Fernlichtassistent, der beleuchteten Gegenverkehr erkennt und stets die maximal mögliche blendfreie Scheinwerferreichweite einstellt.
Egal welche Ausstattungslinie auch geordert wird, den Stern trägt die neue E-Klasse stets auf und nicht im Kühlergrill.
Die neue E-Klasse hat bisher (Stand: April 2009) den Euro-NCAP-Crashtest noch nicht absolviert. Für eine Bestnote dürften aber alle Voraussetzungen gegeben sein. Während der Entwicklung ...
... musste der Mercedes 150 Crashtests in rund 40 verschiedenen Aufprallkonfigurationen über sich ergehen lassen. 17.000 Tests fanden im Computer statt.
Das Fahrwerk der E-Klasse trägt jetzt den Beinamen adaptiv – wegen der Stoßdämpfer, die ihre Dämpferkräfte abhängig von der Fahrsituation regeln – das tun sie ohne Elektronik, ...
... aber sehr effektiv: Der Benz rollt geschmeidig ab. Mit der Luftfederung (1999 Euro, Serie beim V8) schwebt der Mercedes-Fahrer über den Wolken. Neu in der E-Klasse ...
... ist die Direktlenkung (Serie bei V6 und V8, sonst 315 Euro Aufpreis). Sie stammt aus dem SL, bietet eine vom Lenkwinkel abhängige Übersetzung. Damit flitzt der schwere Benz flotter um die Kurven als je zuvor.
Die neue E-Klasse ist Ende März 2009 mit sehcs Motoren von 204 bis 388 PS gestartet, auf das Einstiegsmodell müssen die Kunden ...
... noch bis Ende September 2009 warten. Der Preis steht auch noch nicht fest. Orientiert man sich aber am alten 200 CDI, dürfte ein Betrag von rund 39.000 Euro zu erwarten sein.
Mit 136 PS gehört der 200er zwar nicht zu den Heißspornen, doch mit seinen immerhin 360 Newtonmetern Drehmoment hat er den über 1,6 Tonnen Leergewicht ausreichend (kultivierte) Kraft entgegenzusetzen. Dank der Durchzugsstärke ...
... fühlt man sich subjektiv nicht untermotorisiert – man ist es auch objektiv nicht. Der Einsteiger-Benz geht immerhin maximal 215 km/h. Ob man allerdings je mit den angegebenen 5,3 Liter Diesel 100 Kilometer weit kommt, muss ein Test zeigen.
Den gleichen Verbrauch wie beim 200er nennt das Datenblatt für den 220 CDI, obwohl der mit 170 PS, 400 Newtonmetern und 231 km/h Spitze noch weniger zu spritsparendem Schneckentempo herausfordert. Der Diesel gehört ...
... zur neuen Common-Rail-Generation von Mercedes, die mit Einspritzdrücken von bis zu 2000 Bar arbeitet. Anders als beim 200 CDI kommt beim 220er (und 250er) zudem ...
... eine zweistufige Turboaufladung zum Einsatz: Bei niedrigen Drehzahlen sorgt ein kleiner Lader für optimales Ansprechverhalten. Bei höheren Drehzahlen schaltet sich ein größerer Lader hinzu. Der Preis für den 220 CDI: ab 41.591 Euro.
Wozu die neue Dieseltechnik imstande ist, demonstriert der E 250 CDI: Aus dem gleichen Hubraum wie 200 und 220 CDI produziert sie 204 PS und sagenhafte 500 Newtonmeter Drehmoment. Entsprechend brachial ...
... kommt der Diesel zur Sache, kann so fast schon mit dem Sechszylinder konkurrieren. An dessen Laufkultur reicht er freilich nicht heran, ...
... über das dezente Brummen aus dem Motorraum muss sich aber keiner beklagen. Das gilt schon eher für den Preis: Obwohl technisch weitgehend identisch mit dem 220er, ist der E 250 CDI mit 44.506 Euro fast 3000 Euro teurer.
Mit fast 6500 Euro ist der Preissprung vom 250 auf den 350 CDI noch größer. Allerdings mit Recht: Schließlich handelt es sich um einen immerhin drei Liter großen Sechszylinder mit serienmäßiger Siebenstufenautomatik. Der 231 PS starke Superdiesel ...
... stemmt gewaltige 540 Newtonmeter, die das Getriebe sanft kontrolliert. Der V6 wirft den Benz leise säuselnd und so machtvoll nach vorn, dass nur noch eine Frage bleibt: Wozu brauchen wir noch den V6-Benziner? Einziger Nachteil des dicken Diesels: das hohe Gewicht, das den Mercedes recht schwerfällig um die Kurven schwenken lässt.
Wem die Umwelt so am Herzen liegt wie der Antriebskomfort, der kann den 350er ab Herbst 2009 als Blue Tec bestellen: Seine Harnstoffeinspritzung schafft schärfste Emissionsvorschriften, auch die zukünftige Abgasnorm Euro 6. Nachteile des Blue Tec: 20 PS weniger Leistung und ein mit 53.372 Euro deutlich höherer Preis.
Kommen wir nun zu den Benzinern: Wie der 250 CGI kommt der E 200 mit 1,8 Liter Hubraum, aber auf 184 Turbo-PS gedrosselt – das macht bei den Fahrleistungen in der Praxis keinen großen Unterschied. Und im Normverbrauch ...
... ist der 200er einen halben Liter sparsamer. So gesehen spricht alles für die billigere Alternative bei den Vierzylinder-Benzinern, auch wenn der genaue Preis noch nicht feststeht. Zu haben ist der E 200 CGI ab September 2009.
Der Kompressor ist bei den neuen Direkteinspritzer-Benzinern out. So auch beim 250-CGI-Vierzylinder, der eigentlich ein 1,8-Liter ist. Mit Turbolader schafft er 204 PS – genug, um trotz knapp 1,7 Tonnen Gewicht ...
... flott unterwegs zu sein. Nur bei niedrigen Drehzahlen lässt er sich Zeit, was bisweilen auch auf die Arbeit der serienmäßigen Fünfstufenautomatik (mit konventionellem Wählhebel) zutrifft. Er läuft ...
... hörbar kerniger als der V6, wenngleich keineswegs laut. Für Dieselverächter eine akzeptable Alternative zum Preis des 250 CDI mit Schaltgetriebe (44.506 Euro).
Beim E 350 CGI stimmen Modellbezeichnung und Hubraum überein: Es kommt ein 3,5-Liter-V6 mit 292 PS zum Einsatz, eine spontan und unauffällig schaltende Siebenstufenautomatik mit Lenkradschaltung ...
... gehört wie beim V8 zur Basisausstattung. Der V6 hängt gut am Gas, ist drehfreudig und kultiviert. Es fehlt aber die Durchzugskraft eines Turboladers.
Nur für Leute mit einem etwas dickeren Konto: Für einen E 350 CGI müssen mindestens 51.944 Euro an Mercedes-Benz überwiesen werden.
Die Luxus-E-Klasse heißt E 500 – V8, 388 PS, Luftfederung. Teuer (67.533 Euro), aber perfekt. Wie der 5,5-Liter-Motor (noch ohne Direkteinspritzung) loshämmert, sogar sportwagenverdächtig, ...
... auch dank der Fortschritte im Handling. Aber zugleich taugt der 500 als Wellnesslimousine, denn er steckt große Unebenheiten im Komfortmodus noch gelassener weg ...
... als die stahlgefederte E-Klasse. Ein selten gelungener Kompromiss. Interessant am Rande: Zumindest bei niedrigen Drehzahlen wirkt der 250 CDI ebenso stark.
Das Fazit von AUTO TEST-Redakteur Detlev Hammermeister: "Mercedes-Kunden kennen sich offenbar aus: Meistverkauftes Modell war bisher der E 220 CDI – die richtige Entscheidung auch für die neue E-Klasse, ...
... bietet der 220 CDI doch Oberklasse-Komfort bei Kompaktwagen-Verbrauch. Auch der Einstiegspreis ist mit 41.591 Euro erträglich."
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