Kompakt-Vans sind die wahren Helden des Alltags. Sie bieten angenehmen Komfort, viel Platz für Familie und Freizeit und schleppen bei Bedarf auch Sperriges.
Im AUTO BILD-Vergleichstest treten drei Modelle mit sparsamen Dieselmotoren an: Renault Scénic dCi 130, Mercedes B 200 CDI und Ford C-Max 2.0 TDCi.
Platz drei für die B-Klasse: Der Mercedes muss sich in diesem Test seinen Konkurrenten geschlagen geben.
Mit Sport hat die B-Klasse wenig am Hut, sie lenkt recht träge ein und umrundet Kurven mit spürbarer, wenngleich in stabiler Seitenlage. Außerdem ...
... vermittelt die teigige Lenkung zu wenig Gefühl. Kreuzen Bodenwellen die Bahn, reagiert der Benz ähnlich bockig wie Ulla Schmidt auf Rücktrittsforderungen. Enttäuschend schwach: die Bremsen.
Dafür ist die Sechsgang-Box des Mercedes kürzer gestuft, harmoniert gut mit dem munteren 140-PS-Diesel.
Mercedes-typische Laufkultur bietet der raue und brummige Zweiliter jedoch nicht. Dafür verbraucht er im Schnitt nur 6,1 Liter auf 100 Kilometer und hängt gut am Gas.
In puncto Verarbeitung macht den Stuttgartern keiner was vor. Mit den hochwertigen Materialien können die beiden anderen Testkandidaten nicht mithalten.
Gewöhnungsbedürftig dagegen die Position hinterm großen Mercedes-Lenkrad. Der Pilot hockt wegen des Sandwich-Bodens recht hoch, aber wie im Sportwagen mit weit ausgestreckten Beinen.
Das Cockpit im Benz ist schlicht, gibt aber keine Rätsel auf. Der Motor dreht munter bis in den roten Bereich.
Bequem: Haben die Mitfahrer erst einmal den engen Einstieg überwunden, sitzen sie erstaunlich kommod. Die schmale Bank ist aber kein Fall für drei.
Der Kofferraum des Benz fasst 544 Liter, mit umgeklappter Rückbank 1530. Gegen Aufpreis (298 Euro) lassen sich die Rücksitze auch komplett ausbauen.
Der Mercedes B 200 CDI kommt – wir ahnen es schon – mit Abstand am teuersten. Bereits der Grundpreis knackt die 30.000-Euro-Schallmauer.
Mit den aufpreispflichtigen 17-Zoll-Alurädern stehen 31.487 Euro auf der Rechnung. Kleiner Trost: Auch der Wiederverkauf fällt beim Stern wesentlich höher aus als bei den Konkurrenten.
Platz zwei für den C-Max: Der Kölner ist ein alter Bekannter und bereits seit 2003 auf dem Markt.
Ford und Sport, das passt. Auch beim C-Max: Beeindruckend, wie selbstverständlich er in Kurven mit seiner präzisen Lenkung die anvisierte Linie trifft, ...
... kaum wankt und dennoch den Komfort nicht vernachlässigt.
Der lebendige Zweiliter-Diesel mit 136 PS ist kein Spielverderber, ...
... leistet sich aber eine Anfahrschwäche, bevor er kräftig zubeißt. Durchschnittlich sechs Liter Verbrauch sind okay, hier hilft dem C-Max eine lange Getriebeübersetzung.
Vorn haben wir im Ford nichts zu meckern. Im Gegenteil, auf den gut konturierten Sesseln lässt es sich wirklich lange aushalten.
Sachlich trotz silbernem Plastik-Blendwerk: ordentlich verarbeitetes Cockpit im typischen Ford-Stil.
Praktisch: Über der Mittekonsole bietet der C-Max ein kleines Staufach für Kleinkram.
Bitte nicht ausstrecken: Hier wird’s eng! Man muss wirklich keine 1,90 Meter groß sein, um mit den Rückenlehnen und dem Dach zu kollidieren.
Beim Ford lassen sich die Fondsitze ebenfalls ausbauen oder nach hinten verschieben. Dort fühlen sich aber nur Kinder wohl. Das Gepäckabteil fasst 473 bis 1633 Liter.
In der Version Style+ kostet der C-Max 25.815 Euro. Allein die 17-Zöller ...
... schlagen mit satten 1115 Euro zu Buche, eine Einparkhilfe gibt's für 400 Euro extra, der Tempomat kostet 360 Euro.
Der Testsieger: Renault Scénic. In dritter Generation ist der Franzose der Souverän unter den Kompakt-Vans. Vor allem sein Fahrverhalten ...
... gefällt uns viel besser als früher. Er fährt präziser, federt anständig und bremst sicher. Dass der Scénic mit seinem Schmuse-Fahrwerk ...
... auf langen Wellen schon mal nachschwingt und in schnell gefahrenen Kurven das Bein hebt wie Hasso beim Gassigehen, ändert nichts am sicheren Fahrverhalten, das ESP hat alles im Griff.
Der kultivierte 1,9-Liter-Diesel mit 130 PS passt ausgezeichnet zum komfortablen Franzosen. Der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro 5, läuft sehr geschmeidig und packt schon im Drehzahlkeller kräftig zu.
Im oberen Bereich wirkt der Zweiventiler allerdings etwas kurzatmig. Außerdem genehmigt er sich mit 6,5 Litern im Testschnitt einen Extra-Schluck, was angesichts der längeren Übersetzung und der passend gestuften Sechsgang-Box aber akzeptabel ist.
Weich gepolsterte Sitze, jetzt mit einem sehr großen Verstellbereich. Der Seitenhalt könnte allerdings besser sein.
Cockpit mit Schwung: Die sauber verarbeitete Armaturentafel ist einfach zu bedienen, ...
.. das farbige Zentraldisplay leicht ablesbar. Zudem befriedigt das Mäusekino mit seinen sechs wählbaren Anzeigedarstellungen auch den kindlichen Spieltrieb.
Großes Kino auch die drei erhöhten Einzelsitze im Fond, sie sich separat verschieben, umklappen oder ganz herausnehmen lassen. Trotz hoher Sitzposition sitzen auch Große entspannt, der Renault hat im Fond überall genügend Luft.
Bis zu 1,64 Meter lange Gegenstände passen in den rekordverdächtig großen Stauraum. Maximal 1870 Liter gehen rein. Von allen Kandidaten hat der Scénic das üppigste Platzangebot, zudem bietet er zahlreiche Staufächer mit insgesamt 86 Liter Volumen.
Der Scénic überrascht mit einem besonders attraktiven Preis. Als Dynamique hat er unter anderem bereits Klima, Einparkhilfe, CD-Radio, Tempomat ...
... und 17-Zoll-Alus an Bord, kostet dennoch faire 23.400 Euro – das sind 2200 Euro weniger als beim Vorgänger.
Der Renault gewinnt diesen Vergleich mit deutlichem Vorsprung. Er punktet überall dort, wo es bei einem kompakten Van darauf ankommt: bei Platz, Variabilität und Komfort. Dazu besitzt der Scénic einen geschmeidigen Motor und ist mit Abstand am günstigsten.
Ford folgt auf Rang zwei. Fahrdynamisch ist der C-Max eine Klasse für sich, auch der Komfort passt. Doch für einen Van knausert er beim Raumangebot zu sehr. Letzter wird der sehr teure Mercedes, der zwar viel Platz und eine gute Verarbeitung bietet, aber wenig Komfort und nur mäßigen Fahrspaß.
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