AUTO BILD SPORTSCARS bat sechs drehmomentstarke Diesel zum Test auf den Sachsenring. Welcher Wagen meistert den Spagat zwischen Alltgstauglichkeit und sportlichem Fahrspaß am besten?
Trotz Biedermannhülle würzen
Giulietta, Leon und
1er den Alltag mit einer sanften Prise Emotion.
Golf,
Astra und
Mazda bleiben durch und durch nüchtern.
Das Triebwerk des Opel Astra 2.0 CDTI (26.584 Euro) ist kräftig, läuft vibrationsarm und schiebt die Tachonadel bei entsprechendem Anlauf auf 240 km/h. Dennoch fühlt sich der
Opel immer eine Spur zu träge an.
Souverän und gelassen arbeitet dafür das optionale FlexRide-Fahrwerk (930 Euro). Der Sport-Modus strafft die Kennlinien merklich, der Rüsselsheimer lässt sich dann mit weichen Lenkimpulsen verblüffend sicher am Limit bewegen.
Waschechte Opelaner runzeln hingegen die Stirn: Wie konnten es die Rüsselsheimer nur schaffen, ihrem neuen
Astra einen derart massigen Hüftspeck ins Chassis pflanzen? Der
Opel ist...
... mit 1564 Kilogramm der mit Abstand schwerste Teilnehmer und hat in nahezu allen Disziplinen schwer daran zu schleppen. Deshalb reicht es in diesem Vergleich nur zum sechsten und damit letztem Platz.
Der 160-PS-Diesel kann sich trotz langer Übersetzung gut in Szene setzen. Freund hoher Drehzahlen ist aber auch er nicht.
Auf die 17-Zöller spannt Opel 225er-Leichtlaufreifen.
Die Mittelkonsole des Astra-Cockpits wirkt auf den ersten Blick überladen, lässt sich aber gut bedienen.
Schnelle Kurven meistert die
Giulietta (28.150 Euro) vorbildlich. Das D.N.A.-System (Dynamic, Normal, All Weather) zieht per Schalter nicht nur die Lenkung stramm, es polt auch Gasannahme, elektronische ...
... Differenzialsperre und die Stabilitätskontrolle VDC auf schnelle Fortbewegung. Weiterer Pluspunkt des neuen
Alfa ist der 170 PS starke Diesel.
Formschöner Hintern mit zwei dezenten Endrohren und serienmäßigen LED-Rückleuchten. Der Öffnungsmechanismus für die Heckklappe versteckt sich wie gewohnt im
Alfa-Romeo-Emblem.
Alfa verbaut einen sehr genügsamen 170 PS starken Selbstzünder mit guten Manieren und homogener Leistungsabgabe.
Bis auf den ausfahrbaren Bildschirm hinterlässt das individuell gestylte Cockpit einen soliden Eindruck. Der Mix aus unterschiedlichsten Bedienelementen ist anfangs gewöhnungsbedürftig.
Gegen Aufpreis sitzen hinter den 18-Zöllern Brembo-Stopper. Fazit: Auch wenn die Giulietta emotional ganz vorne liegt, eine echte Sportlerin ist sie nicht. Macht Platz fünf.
Hohe Kurvengeschwindigkeiten münden beim
Mazda3 (27.890 Euro) relativ schnell in stupides Untersteuern. Nur wenn man den Japaner mittels Gas und Lenkung triezt, geht das Heck auf leichte Wanderschaft.
Die zierliche Seitenlinie täuscht. Der
Mazda ist 4,49 Meter lang.
Der
Mazda weckt durch sein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis Begehrlichkeiten. Auch das Sprintkapitel bewältigt er auf Augenhöhe mit dem
BMW.
Mazda setzt den mit Abstand kräftigsten Ölbrenner ein. 185 PS und 400 Nm lassen der Konkurrenz beim Durchzug keine Chance.
Schick ist irgendwie anders: Cockpit-Ästheten werden sich kaum um den Aufenthalt im
Mazda3 schlagen. Dafür ist beim Japaner bis auf Navigation und Leder jede Annehmlichkeit serienmäßig an Bord.
Schmale 205er-Reifen müssen die 185 PS auf die Straße bringen. Trotz des relativ niedrigen Preises (27.890 Euro) schafft es der Mazda "nur" auf Platz vier.
Er läuft kultiviert, dreht linear aus und spricht ab mittleren Drehzahlen flott an. Dennoch wirkt die
Golf-GTD-Maschine mit 350 Nm und 170 PS im Vergleich eine Spur verhaltener. Doch ...
... dieser Umstand trübt die höchst ausgewogene Performance des GTD (29.830 Euro) nur minimal. Er liefert auch den besten Kompromiss zwischen Agilität und Komfort.
Komfortabel, agil, satt, leichtfüßig: Das GTD-Handling beherrscht fast jede Facette. Provoziertes Lastwechselübersteuern lässt der
VW allerdings nur in politisch korrektem Maße zu.
Kein anderer Selbstzünder läuft so kultiviert wie der
VW-Diesel. Beim Ausdrehen fühlt er sich aber etwas schläfrig an.
Neben dem
BMW bietet der
Golf die beste Verarbeitungsqualität. Bei der Materialanmutung landet er dank zahlreicher Zierblenden sogar vor dem Bayern. Die Ergonomie ist hingegen nicht ganz auf 120d-Niveau.
Auch beim
VW messen die Reifen 225 Millimeter in der Breite.
Der BMW 120d Edition Sport (3700 Euro Aufpreis) bietet nicht nur passabel abstützende Sportsitze, er rollt auch mit dezenten Anbauteilen, 17-Zoll-Mischbereifung und dem segensreichen M-Sportfahrwerk vor.
Die dezente Frontschürze verrät das verbaute Aerodynamikpaket.
Ab 1300/min baut das Triebwerk im
BMW spontan Schub auf, schickt bei mittleren Drehzahlen den Begriff Turboloch endgültig ins Reich der Fabeln und dreht in lichten Höhen munter dem Begrenzer entgegen.
Dass der
120d trotz seiner unscheinbaren Erscheinung für reichlich Glückshormone sorgt, liegt nicht zuletzt an seiner Fahrwerksgüte.
Zielgenau folgt der
120d dem Lenkeinschlag, Traktionsprobleme kennt er nur, wenn es nass ist. Schnell hat man das Gefühl, mit diesem Auto zu verwachsen.
Der 177 PS starke
BMW-Vierzylinder läuft im Stand etwas rau, kompensiert dies aber mit einer hervorragenden Kraftentfaltung.
Im Cockpit herrscht ein sachliches Ambiente. Die Ergonomie könnte kaum besser sein.
Das Doppelspeichenrad ist der Edition Sport vorbehalten. Unterm Strich fährt der 1er auf Platz zwei.
Mit knalliger Lackierung, griffigen 225/45 R 17-Reifen und einem betont knackigen Fahrwerk markiert der
Seat Leon (27.290 Euro) den "unvernünftigen" Dieselvertreter. So ...
... gesehen ist die schnellste Rundenzeit dieses Vergleichs am Sachensring nur Formsache: 1:49:39.
Das zackige Einlenkverhalten macht umso mehr Spaß, je enger der Kurvenradius wird.
Auch der Diesel-
Leon FR wirbt mit zwei verchromten Endrohren um Aufmerksamkeit.
Im
Seat sitzt der bekannte 170-PS-TDI aus dem
VW-Konzern. Er spricht spontan an und bleibt stets laufruhig.
Außen hui, innen ... na ja! Cockpit mit dominantem Plastikcharme.
18 Zoll große Leichtmetallräder gehören beim
Leon FR zum Serienumfang. An der Vorderachse sorgen mit 312 Millimetern vergleichsweise üppig bemessene Scheiben für die beste Verzögerung.
Kurze Betrachtung zum Schluss: die Heckabteile fassen zwischen 330 (
BMW) und 370 Liter (
Opel).
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