Sportwagen auf Limousinen-Basis – geht das überhaupt?
BMW M3 Competition,
Alpina B3 S,
Mercedes C 63 AMG PP+,
Cadillac CTS-V und
Lexus IS-F treten an, um mit Vorurteilen aufzuräumen. Und: Welche der fünf Sport-Limos ist der beste Kompromiss?
Am Ende entscheiden Nuancen das Endergebnis. Haarspalterei? Vielleicht, doch nur so kann man diese fünf Gesamtkunstwerke auseinanderhalten.
AMG spendiert der C-Klasse Werkstuning aller erster Güte. Allein das Performace Paket Plus (PP+) kostet 7081 Euro.
Für 74.950 Euro gibt es beim Cadillac fast alles in Serie. Lediglich ein Doppelkupplungsgetriebe kann gegen die manuelle Sechs-Gang-Box getauscht werden. Ohne Aufpreis!
Mit Competiton-Paket macht der
BMW M3 seine Sache noch ein bisschen besser. Unser Vergleich lüftet ein offenes Geheimnis: Freude am Fahren.
Mit der nominell geringsten Leistung von 400 PS ist der
Alpina B3 S so etwas wie der Underdog im Vergleich. Hält sich dank Alpina-Know-how aber wacker. Von null auf Tempo 100 zieht er mit dem M3 gleich (4,5 Sekunden).
Der
Lexus IS-F muss sich seine Hörner erst noch abstoßen. Noch vermittelt der Wagen zu viele Unausgewogenheiten. Ist aber talentiert.
Dicke Backen, große Kühlluftöffnungen und graue Räder verraten: Das hier ist nicht der übliche Lexus.
Der Fünfliter-V8 des Lexus langt an der Zapfsäule ordentlich zu. Im Vergleich zum Cadillac und Mercedes ist er aber fast ein Sparmeister. 423 PS entwickelt der Vierventiler.
Optisch echt anders – die Auspuff-Architektur. Allerdings: alles nur Schein. Seine Abgase scheucht der IS-F schon viel früher ins Freie.
Die Sitze sind im Lexus etwas weich geraten, stützen im Schulterbereich zu wenig.
Klimaautomatik, Sitzheizung, Leder, Navi: Die Ausstattung des IS-F lässt keine Wünsche offen. Gewöhnungsbedürftig: die Neigung des Lenkrads.
Zwischen Tacho und Drehzahlmesser sind Ganganzeige sowie die Grafiken für Spannung und Motoröltemperatur untergebracht.
Lexus zimmert dem IS-F einen aggressiven Blick ins Serienkleid. Tuner finden hier kaum Gelegenheit sich auszutoben.
Standfest und wirkungsvoll geht die Lexus-Bremse ihre Aufgaben an.
In diesem Vergleich landet der Lexus auf Rang fünf.
Die zweite Generation des Cadillac CTS-V kann einiges besser als der Vorgänger.
Der Cadillac straft alle Zweifler Lügen. Querfahren gerät im serienmäßig mit Sperrdifferenzial ausgerüsteten Cadillac zur leichtesten Übung.
Unter der Haube chauffiert der Ami einen V8 mit Kommpressor-Aufladung spazieren. Mit 564 PS hält er die angetretene Konkurrenz auf Abstand.
Der Achtzylinder hämmert allerdings weicher als das wüst klingende AMG-Triebwerk im Mercedes.
Recaro steuert die unamerikanisch straffen, konturreichen Sitze bei. Schaltknauf und Lenkrad sind serienmäßig mit Alcantara bezogen, Optionen gibt es kaum. Eine Sechsstufenautomatik steht ohne Aufpreis zur Wahl.
Das ESP lässt sich in Teilstufen über eine Lenkradtaste deaktivieren.
Cadillac verzichtet zwecks Belagsschonung auf perforierte Scheiben. Die Bremswirkung ist dennoch sehr solide (35,8 Meter/kalt).
Stolz reckt der Cadillac seinen Maschendrahtgrill samt großem Firmenemblem bei bis zu 308 km/h in den Wind – schneller rennt im Vergleich keiner.
Das Platzangebot ist der größte Nachteil beim CTS-V, wie auch beim Lexus. Gegenüber dem bietet der Amerikaner aber deutlich mehr Dampf und das präzisere Handling. Macht unterm Strich Platz vier im Vergleich.
Handlich, zackig, scharf: Der
C 63 AMG ist dem BMW M3 auf den Fersen. Lediglich sein Preis und der Spritdurst (16,3 Liter SuperPlus im Schnitt) verhindern seinen Sieg.
Im ersten Moment beschert der Benz eine dicke Enttäuschung. Mit ansteigender Reifentemperatur verliert der C 63 trotz Über-Sport-Paket an Performance. Kurzerhand wechseln wir auf serienmäßige 18-Zöller. Lohn der Umrüstung: 1:40,07 Minuten auf der Sachsenringrunde und damit 2,41 Sekunden schneller als zuvor – und Schnellster des Tages.
Offen rennt die C-Klasse satte 280 km/h. Mit 4,4 Sekunden donnert er schneller als die übrigen vier auf Tempo 100. Aber: Mercedes verlangt für Top-Fahrleistungen heftige Zuschläge.
Kokonartig umschließen die schalenähnlichen Sitze ihre Insassen. Zum Performance Package Plus gehört ein Sportlenkrad mit Alcantara-Einsätzen im Griffbereich.
Allgemein fällt die Serienausstattung überschaubar aus.
Den härtesten Soundtrack liefern die vier verchromten AMG-Endrohre.
Rote Bremssättel sind das Markenzeichen der optimierten Verbundbremsanlage. 18-Zöller sind Serie, mattschwarze 19-Zöller kosten 1773 Euro mehr.
Neben der zum Performance Package Plus gehörenden Karbon-Spoilerkante lassen sich auch die Außenspiegel mit dem leichten Werkstoff verzieren.
Im Vergleich teilt sich der zahme und komfortable Alpina mit dem C 63 Platz zwei. Doch: Der "getunte" 3er behält die starken Achtzylinder in sämtlichen Messdisziplinen stehts im Blick.
Ein Hochleistungsölkühler bewahrt die
Alpina-Interpretation des Biturbo-Reihensechsers vor dem Hitzekoller.
Zuweilen vermittelt der Alpina einen unterdämpften Eindruck.
Alpina stellt sich mit doppelt aufgeladenem Sechszylinder (400 PS) den V8. Überzeugende Performance, gepaart mit dem niedrigsten Verbrauch, spricht für das Konzept.
Gut abstützende, etwas hoch montierte Sportsitze zählen im
Alpina B3 zur Serie.
Der Wandlerautomat ist gut auf den drehmomentstarken B3 abgestimmt.
Die Färbung zeigt's: Nur die inneren Rohre fungieren als Auspuff.
Wie der M3 tritt auch der B3 S mit Michelin-Pilot-Sport-2-Bereifung in BMW-spezifischer Stern-Kennung an. Für 19-Zoll-Räder verlangt Alpina 860 Euro.
Ein Vierteljahrhundert Reife verhilft dem
M3 zum Sieg. Alltagstauglich ausgewogen und dennoch messerscharf, bietet er den besten Kompromiss unter den Sportlimousinen.
Selbst im Drift bewahrt der
BMW sein feinnerviges, ausbalanciertes Wesen.
Untermalt von metallisch-harter Tonlage, entschwinden die Abgase durch vier Rohre. Der M3 dreht als Einziger über 8000 Umdrehungen pro Minute.
Hochdrehender Vierliter-V8 mit 420 PS. Und: Mit 66.400 Euro reiht sich das Gestüt der M-GmbH im unteren Preissegment der Testkandidaten ein.
Bequeme, seitenhaltreiche, etwas hoch eingebaute Sportsitze. Gute Ergonomie, einfache Bedienung: Auch beim M3 kommen die Vorzüge der 3er-Reihe zur Geltung. Allerdings fehlen Ablagemöglichkeiten.
19-Zöller im Y-Speichen-Design sind Bestandteil des Competition Pakets.
Sieg für den Altmeister
BMW M3. Ausruhen ist allerdings das falsche Zeichen. Die nächste Generation Lexus IS-F könnte schon ein ernstzunehmender Gegner sein. Und: Auch Cadillac holt stetig auf.
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