Vier Jahrzehnte lassen den Ghibli Spyder noch lange nicht alt aussehen. Mit dem 2+2-sitzigen Nachfahren
GranCabrio schlägt
Maserati ein neues Kapitel der Spyder-Geschichte auf.
Zum Test in Modena tritt das
GranCabrio gegen seinen älteren Bruder Ghibli Spyder an.
Schnörkellose Eleganz von 1970 trifft auf rassiges Design von heute. Gegen den filigranen Ghibli Spyder wirkt das
GranCabrio markant und bullig.
In den 60er-Jahren hatte die individuelle Gestaltung von Heckleuchten offenbar noch keine große Priorität. Ob das geschadet hat, mag jeder für sich entscheiden.
Marcello Candini ist Modeneser Spezialist für
Maserati-Restaurierungen und derzeitiger Besitzer des traumschönen Ghibli Spyder SS.
Das Gaspedal will mit Nachdruck getreten werden, als würde es sich sträuben, doch der V8 mit 335 PS zieht immer noch gewaltig an. Die optionale Servolenkung ist sehr leichtgängig,
Die typische 60er-Jahre-Karosserie entstand bei Ghia unter Federführung des damals gerade aufstrebenden Designstars Giorgetto Giugiaro.
Ein
Maserati sollte immer auch ein Inbegriff von Luxus, Stil und etwas Komfort sein. Was ja nicht ausschloss, dass die damaligen Autos bereits extrem schnell waren.
Diesen Umständen ist es zuzuschreiben, dass
Maserati zu jener Zeit zur bevorzugten Marke der Reichen und Schönen avancierte.
Vier Weber-Doppelvergaser sorgen für rasante Fahrleistungen. Und die optionalen vier Zauberflöten machen einen ganz kirre mit ihrem Sound.
War der Bau möglichst schneller Autos die Pflicht, kann man das Aufschneiden des Daches als gewinnbringende Kür bezeichnen.
Insgesamt wurden nur 125 Ghibli Spyder gebaut, 49 davon mit dem 4,9-Liter-Motor.
Wer fragt hier nach Seitenhalt? Man hält sich einfach am Lenkrad fest.
Wieder typisch 60er-Jahre: schlichtes, aber einstellbares Holzlenkrad, klassische Uhrensammlung und schwere Kippschalter, die "knack" machen.
Top in Schuss: eng hängende Pedalerie; Daneben Lautsprecher und Heizdüse.
Magnesiumräder waren moderner als die schönen Speichenräder.
Den Inbegriff automobiler Begehrlichkeit, das Accessoire des internationalen Jetsets verkörperte die Marke mit Dreizack des Neptuns wie kaum eine andere zu der Zeit.
Keine dicke Tuba, sondern eine Mehrfach-Flöte verhilft dem V8 zu seinem Klang.
Die moderne Interpretation des Ghibli Spyder: Maserati GranCabrio. Das offene Pendant zum GranTurismo.
Nach dem Druck der Sport-Taste heizt der von
Ferrari zugelieferte, 440 PS starke V8-Sauger dem viersitzigen Cabrio mächtig ein. 100 km/h wären nach 5,3 Sekunden erreich.
Das Magnetic-Ride-Fahrwerk erlaubt eine große Spreizung zwischen Komfort und Sport.
Das
GranCabrio kombiniert vier edle Sitzplätze und satten Luxus mit der Möglichkeit, auf Knopfdruck in die sportliche Gangart zu wechseln.
Wie sich die Zeiten ändern: Waren
Ferrari und
Maserati früher harte Konkurrenten, stammt heute der V8-Motor von
Ferrari.
Sportlich-straff und langstreckentauglich: elektrisch einstellbare Sitze.
Der geschmackvoll arrangierte Innenraum des
GranCabrio beweist einmal mehr italienische Stilsicherheit. Mehr Charme versprüht freilich der Ghibli.
Wo beim Ghibli Spyder reine Handarbeit nötig war, hilft heute die Elektronik nach.
Edle Einstiegsleisten mit dem klassischen
Maserati-Schriftzug.
20-Zoll-Mischbereifung auf zeitlos schönen Aluminiumrädern.
Kühlöffnungen in den Kotflügeln machen auf dicke Hose.
Der Sound des Ferrari-Motors ist bestialisch; gar nicht Cabrio-like, aber geil!
Zwei Cabrios mit Gänsehaut-Garantie, die mehr sind und mehr bieten als nur gute Fahrleistungen. Natürlich ist der Alte an Eleganz und elektrisierender Ausstrahlung kaum zu überbieten. Doch auch das GranCabrio betört die Sinne.
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