Mercedes-Benz 190 SL W 121

Sentimentalität, Bequemlichkeit, Geldmangel – es gibt viele Gründe, das Auto des Vaters weiterzufahren. Eine Geschichte über einen 190 SL, der jahrzehntelang nur als Reisewagen benutzt wurde.

Mercedes-Benz 190 SL W 121 Günter Wegener (ganz links im Bild) kaufte den Mercedes 190 SL 1971 für 10.000 D-Mark – auf einem Kegelabend in einer geselligen Männerrunde. Sohn Michael bekam den kleinen SL nach seinem Studium geschenkt. Wegen seiner Lackierung bekam er bald den Kosenamen "Blaue Taube".

Mercedes-Benz 190 SL W 121 Der 190 SL wurde zum Reisewagen des Ehepaars: Laue Nächte auf der Champs-Elysées, raue Nordkap-Touren, Flanieren am Timmendorfer Strand – nur im Sommer verließ der Mercedes-Roadster die heimische Garage in Alfeld.

Mercedes-Benz 190 SL W 121 Die liebevolle Pflege zahlte sich aus: Noch in den 1970er Jahren wurden die stark rostgefährdeten 190 SL noch reihenweise verschrottet. Von 25.881 gebauten Exemplaren haben bis heute circa 2000 überlebt. Für neuwertige Top-Exemplare werden heute sechsstellige Euro-Summen gezahlt.

Die Verwandtschaft zum legendären Bruder 300 SL ist dem vierzylindrigen 190 SL aus jeder Perspektive anzusehen. 105 PS reichen völlig aus, um den Reiz des Offenfahrens im durchaus sportlichen 190 SL zu genießen.

Im für damalige Zeiten luxuriösen Cockpit wird die Nähe zum 300 SL deutlich. Üppige Instrumentierung mit Chromzierringen, Polsterung der Ober- und Unterseite, zahlreiche Schalter und vor allem eine für Fahrer und Beifahrer getrennt regelbare Heizung waren in den 50er und 60er Jahren außergewöhnlich.

Volltreffer: Der 190 SL überzeugt auch heute noch als sportlicher Reisewagen. Der Ponton lieferte die äußerst zuverlässige Basis, der 300 SL die sportliche Optik. Der Roadster von 1962 der Familie Wegener machte bislang keine Probleme, alle Teile sind im Originalzustand.

Baukastensystem: Auch die Rückleuchten stammen vom 220er Ponton. Elegant gelöst: Bei Exemplaren ab Modelljahr 1958 wird das hintere Kennzeichen durch die Stoßstangenhörner beleuchtet.

Bei Mercedes galt schon in den 1950ern: Form folgt der Funktion. Die spitz verlaufenden Ausbuchtungen über den Radläufen sorgen nicht nur für eine gestreckte und elegante Optik, sie schützen die Flanken auch vor aufgewirbeltem Schmutz.

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