Auf der Detroit Auto Show zeigt Mercedes endlich seinen GLK. Das Baby-SUV will BMW X3 und VW Tiguan nass machen. AUTO BILD hat den kompakten Gelände-Benz schon vorab mit seinen beiden wichtigsten Konkurrenten aus Deutschland verglichen.
Offiziell firmiert das kleine SUV noch als "Studie Vision GLK Freeside". Doch jeder weiß: Das ist das neue Kompakt-SUV aus dem Hause Daimler. Bis auf die Showschminke, Sonderräder und LED-Lampen gleicht das Ausstellungsstück dem Serien-GLK, wie er im Herbst kommt.
Ein Charaktertyp mit Ecken und Kanten, der nicht nur auf der ersten Automesse des Jahres die Blicke auf sich ziehen wird. Dem GLK einen Verkaufserfolg vorherzusagen fällt leicht. Besonders dann, wenn er erstmals im Umfeld seiner beiden wichtigsten Konkurrenten betrachtet wird.
Vor allem optisch bringt der GLK Schwung und Abwechslung ins Wachstumssegment der kompakten Offroader. Er ist 4,52 Meter lang und liegt damit zwischen VW (4,43 Meter) und BMW (4,57 Meter). Stilistisch verfolgt der Mercedes eigene Wege.
Statt Kurven und Rundungen gibt es scharfe Sicken und klare Kanten. Von weicher Welle will er nichts wissen. Im Gegenteil: Durch seine maskuline, jeepmäßige Linienführung wirkt der GLK wie ein Monolith; ein Tresor auf Rädern. Einer, den so schnell nichts erschüttern kann.
Die einteiligen (und damit kostengünstigen) Rückleuchten gleichen denen des C-Klasse-T-Modells.
Dennoch will er nicht nur harter Hund sein. Mercedes verspricht, ihm hohen Fahrkomfort und Agilität einzuimpfen. Darum übernimmt der GLK den Antrieb der C-Klasse mit 4Matic. Zum Start kommt er nur mit Sechszylindern auf den Markt.
Noch kräftiger ist der GLK-Benziner mit einem neuen Hightech-V6. Der hat mehr als 300 PS und 360 Newtonmeter Drehmoment. Das Aggregat ist zweistufig aufgeladen, verfügt über eine Direkteinspritzung und die neueste Generation von piezoelektrisch gesteuerten Ventilen.
2009 folgen die Vierzylinder GLK 200 K und 220 CDI. Den Diesel soll es dann auch in einer weiterentwickelten Bluetec-Version mit einem hinten liegenden Nockenwellenantrieb geben, der schon die Euro-6-Abgasnorm erfüllt.
Wie beim BMW sind die GLK-Motoren längs eingebaut und der Antrieb heckbetont ausgelegt. Bemerkenswert ist die neue 4Matic. Mit rund 70 Kilo Gewicht fallen Zentraldifferenzial und Verteilergetriebe sehr leicht aus. Außerdem wurde der Wirkungsgrad des Systems verbessert.
Abseits befestigter Straßen dürfte der GLK dem ranghöheren ML ebenbürtig sein. Er ist leichter, hat den kürzeren Radstand, und verfügt über genügend Bodenfreiheit. Vorausgesetzt, es handelt sich um die "Nature"-Version mit verbesserten Offroad-Funktionen.
Das hier gezeigte Modell ist die "Street"-Ausführung ohne Dachreling, mit geringerer Bodenfreiheit und 20-Zoll-Rädern. Der hat im Gelände nicht viel verloren. Darum hat Mercedes ihn mit dem Agility-Control-Fahrwerk versehen, das ebenfalls aus der C-Klasse adaptiert wird.
Im Cockpit wird erneut große Nähe zur C-Klasse spürbar. Schalter, Hebel, Instrumente, Lenkrad, Comand-Controller, Klimaanlage – kennen wir bereits aus der C-Klasse.
Nur das Zentraldisplay fährt nicht elektrisch aus, sondern ist fest in die Mittelkonsole integriert. Der klotzige Außeneindruck setzt sich beim Interieur fort. Mittelkonsole und Armaturenträger sind von steilen Flächen geprägt. Das Raumgefühl ist gut. Vorn wie hinten ...
... nehmen Insassen auf großen, bequemen Sitzen Platz und genießen dank erhöhter Position einen erhabenen Ausblick. Nur beim Blick nach hinten stört die dicke D-Säule.
Die Heckklappe öffnet gegen Aufpreis elektrisch und gibt einen großen Kombi-Kofferraum frei. Da passt ordentlich was rein. Nur mit sperrigen Gegenständen könnte es Probleme geben. Die breiten Radhäuser schränken die Ladebreite ein.
Auf Zaubertricks mit der Rückbank hat Mercedes verzichtet. Die Sitzanlage ist wie im BMW fest montiert, nur die Lehnen sind geteilt klappbar. Sie bilden eine tiefe und fast ebene Staufläche.
Der GLK hat als erstes Benz-SUV das "Intelligent Light System", das fünf unterschiedliche Lichtfunktionen für optimale Ausleuchtung in der Stadt, auf Landstraßen oder Autobahn bereithält.
Gar nicht erst dran gewöhnen: die Auspuffenden werden noch geändert.
Bleibt die spannende Frage: Was kostet das alles? Da schweigt Mercedes noch. Anhaltspunkte gibt aber die BMW-Preisliste. Dort starten die Dreiliter-X3 bei rund 45.000 Euro.
Bereits seit 2004 ist der X3 vom Erzrivalen BMW zu haben. Die Verwandtschaft zum X5 kann er nicht verhehlen.
Lange war der Bayer Platzhirsch im Segment. Doch schon im ersten Tiguan-Verkaufsmonat musste er dem VW Platz machen. Und auch Spätzünder Mercedes will am Jahresende an seinen Rivalen vorbeiziehen.
Die BMW-Reihenmotoren sind im X3 längs und weit nach hinten gerückt eingebaut.
Nach dem Facelift macht das X3-Cockpit einen soliden Eindruck. Der Monitor klappt elektrisch auf.
Nichts für schmutzige Hundepfoten: Der Kofferraum des X3 ist mit noblem Teppich ausgeschlagen. Eine ebene Ladefläche gibt es nicht.
Eigentlich sind die Wolfsburger bekannt für ihre Spätgeburten. Aber Mercedes hat in diesem Fall tatsächlich noch mehr getrödelt. Nun hat der Tiguan ein knappes Jahr Zeit, eine Fangemeinde aufzubauen, bevor er sich dann mit dem GLK messen lassen muss.
Andererseits: Der Tiguan wird immer den Preivorteil auf seiner Seite haben. Ab 26.700 Euro ist er zu haben. Das ist ein Argument.
Golf-Fahrer fühlen sich auch im Tiguan sofort zu Hause. Die tiefe Mittelkonsole um den Schaltknauf wirkt etwas zerklüftet.
Der VW wird ausschließlich von Vierzylinder-Quermotoren angetrieben. Seine Haldex-Kupplung leitet nur zehn Prozent Antriebskraft an die Hinterräder.
So viel steht fest: In puncto Variabilität bietet der VW mehr als seine teureren Konkurrenten. Neben einem doppelten Ladeboden ist die Tiguan-Rückbank verschiebbar, auch der Beifahrersitz umklappbar. So lässt er sich besser für individuelle Transportaufgaben anpassen.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: Mercedes kommt spät. Fast fünf Jahre nach dem X3 und knapp ein Jahr nach dem Tiguan. Doch es ist nicht zu spät. Denn erstens hat Daimler ein attraktives Modell auf die Räder gestellt. Zweitens trägt es den Stern im Grill. Das zieht.
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