Wir haben getestet, welches Cabrio bei 200 Sachen ökonomischer vorgeht. Ein Vergleich zwischen
Mercedes SLK 250 CDI und Mercedes SLK 250 sowie
Mini Roadster Cooper S und Mini Roadster Cooper SD.
So haben wir gemessen: Die Fahrten fanden auf einem 31 Kilometer langen Autobahnabschnitt ohne Tempolimit statt. Die Strecke hat nur leichte Gefälle- und Steigungspassagen. Tempo 200 wurde per Tempomat konstant gehalten. Zur Verbrauchsermittlung haben wir vor und nach der Messung akribisch vollgetankt sowie zum Vergleich die Bordrechner genullt.
Die Roadster – egal ob Diesel oder Benziner – bieten wie jeder Mini maximalen Fahrspaß. Ob hohe Verbräuche die Fahrfreude dämpfen, klärt der Vergleich.
Mini, da denkt man eher an ein Gokart mit Straßenzulassung als an Dauertempo 200 auf der Autobahn. Kommen wir gleich zum Eingemachten: Bei hohen Geschwindigkeiten fiel uns ein schwammiges Fahrverhalten auf. Womit wir beim Thema 200 wären. Für beide ist dieses Tempo kein großes Problem.
Allerdings fordert der Turbobenziner jenseits von 160 km/h einen ordentlichen Express-Zuschlag. 17 Liter Super Plus kippt er sich auf 100 Kilometern in die Brennräume. Dann die Überraschung: Mit nur 10,1 Litern schluckt der Diesel-Mini sieben Liter weniger als der Benziner; das ergibt eine Einsparung von fast 15 Euro pro 100 Kilometer.
In Reichweiten ausgedrückt: Der S schafft bei Tempo 200 gerade mal 290, der SD kommt immerhin 500 Kilometer weit mit einer Füllung des 50-Liter-Tanks. Auf die Gesamtkosten umgelegt, fährt der Diesel so einen Vorteil von 13 Cent pro Kilometer heraus. Mit 40 Cent pro Kilometer markiert der Mini SD hier den neuen Spitzenreiter.
Trotzdem: Auf der Landstraße bereiten beide allerbestes Mini-Feeling. Hier wird gern am Volant gedreht und lieber öfter als nötig das knackige Sechsganggetriebe bedient.
Zudem entweicht den mittig endenden Doppelfanfaren beider Kandidaten ein kerniger Sound. Ja, der Diesel klingt sportlicher als erwartet. Das Einzige, was uns störte, ...
... war die Besohlung der Testwagen. Mini hatte wohl eher die Verbrauchsfahrten im Blick als den Fahrspaß. Beide Roadster standen auf schmalen 16-Zöllern der Marke Goodyear Excellence. Zwar ist der Pneu nicht unsportlich, doch kratzt ein Mini auf 17- oder 18-Zöllern eben noch deutlich flotter die Kurve.
Der Benziner schafft die Sprints in 7,2 und 30,8 Sekunden, der Selbstzünder braucht dafür 0,9 und 14,7 Sekunden länger. Im Alltag macht sich dieser Rückstand kaum bemerkbar, weil der Diesel-Mini erst dann zäh wird, wenn man ihn ausdreht. Zwischen 1500 und 3500 Touren tritt er ähnlich vehement an wie sein stärkerer Bruder.
Beim SLK täuscht der Partner-Look nicht: Bei Fahrleistung und Fahrspaß rangeln die beiden SLK tatsächlich fast auf Augenhöhe.
Der Diesel schabt seinen Verbrauch nicht über eine temperamenthemmende Schongangcharakteristik herunter, sondern nutzt auch die siebte Stufe seiner weich und sinnvoll schaltenden Automatik als echten Fahrgang.
Anders beim Benziner. Er schiebt sein 310-Newtonmeter-Plateau ins gleiche Räderwerk, ist nur an der Achse etwas kürzer übersetzt. Bei Tempo 200 dreht er mit entspannten 4300/min fast auf Dieselniveau. Mit ein Grund, weshalb sich der kleine Turbobenziner mit 15,2 Liter/100 km souverän an der gesammelten Benziner-Konkurrenz vorbeispart.
Bis Tempo 100 herrscht Gleichstand. Erst danach kann sich der etwas energischer antretende 1.8er einen leichten Vorsprung herausdrehen. Tempo 200 erreicht er 1,5 Sekunden früher als der Selbstzünder. Zudem erweist sich der Benziner ...
... im Vergleich zu seinem Kollegen als audiophile Wohltat, erfreut dank Soundgenerator unter Volllast sogar mit leicht sportlich klingenden Frequenzen. Der Diesel kontert wiederum im Kostenkapitel, balzt mit einem um 2428 Euro niedrigeren Grundpreis.
Einziger Nachteil dabei: Naturbelassen steht er auf relativ schmucklosen 16-Zöllern, während der Benziner von Haus aus schickere 17-Zöller aufgezogen hat. Die auf beiden Testwagen montierte Mischbereifung kostet für den Diesel 1488 Euro, beim Benziner 833 Euro. Ein kleiner Mehrpreis, ...
... der schnell wieder hereingefahren ist. Auf 100 Express-Kilometern spart der Diesel 8,75 Euro. Umgelegt auf die gesamten Unterhaltskosten fährt er sogar glatte zehn Euro günstiger – und dabei kaum langsamer.
Die Automatik hat einen Nachteil: Sie ist eher auf das Drehzahlspektrum des Diesels abgestimmt, serviert dem Benziner teils zu große Drehzahlsprünge. Beide SLK verfügen serienmäßig über ein elegant arbeitendes Start-Stopp-System.
Für den Benziner ist der Charaktersprung zwischen Eco und Sport viel zu groß. Da hilft nur manuell.
Im Kreise automobiler Gourmets disqualifiziert sich der Diesel allein schon aufgrund seiner Akustik. Sieht man davon ab, empfiehlt er sich aber als motorisch ebenbürtige und deutlich günstigere Alternative zum ebenfalls sehr sparsamen Benziner. Ein Fotofinish zugunsten des Selbstzünders.
Die Eingangsfrage war: Kann der Diesel das, was er aufgrund seines schmalen Drehzahlbandes und des wenig betörenden Klangs an Fahrspaß vermissen lässt, im Kostenkapitel kompensieren? Die Antwort lautet: Ja, er kann! Beide Selbstzünder laufen deutlich sparsamer und fühlen sich im Alltag kaum weniger spritzig an.
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