Da staunten die Besucher der Taxi-Messe in Köln nicht schlecht. Ein
Mercedes SLS AMG als Taxi? Es ist zwar nur ein Showcar, doch
Mercedes spricht vom "schnellsten Taxi der Welt". 317 km/h rennt die Droschke, damit überflügelt sie auch den
Porsche Panamera, der AUTO BILD einst als Taxi diente.
Der "Taxamera" mit 500 PS brachte es "nur" auf 303 km/h, also hätte sich der SLS als Taxi den Eintrag ins Rekordbuch durchaus verdient. Aber während der
Porsche tatsächlich als Taxi unterwegs war, ist das Flügeltürer-Taxi auf der Messe in Köln ein reines Showcar. Deshalb bleibt Mercedes nur die Auszeichnung "schnellstes Taxi-Showcar auf einer Messe".
Und hier der Beweis, dass AUTO BILD wirklich auf Kundenfang im schnellsten und teuersten Taxi der Welt – dem
Porsche Panamera Turbo – gegangen ist. Und weil der Porsche wirklich als Taxi unterwegs war, gebührt ihm der Titel "schnellstes Taxi der welt" bis auf weiteres. Bitte einsteigen, anschnallen und gut festhalten!
Unser Panamera sieht nicht nur aus wie ein Taxi, sondern ist tatsächlich eines – allerdings mit 500 PS unter der Haube, 303 km/h schnell und satte 160.000 Euro teuer.
Dieser Porsche "Taxamera" ist ein Einzelstück in Hellelfenbeinweiß. Eine optische Täuschung. Ein Schock im Straßenbild. Abgehoben und doch erreichbar.
Dabei ist das Unikat offen für jeden, der ein paar Euro in der Tasche hat – schließlich wurde es für den rasanten Personentransport gemacht. Um den Panamera zu verwandeln, braucht es nur Klebefolie, ...
... gelbes Dachschild, Taxameter am Innenspiegel, Saugnapf-Schreibblock, Nichtraucher- und Kreditkarten-Aufkleber sowie eine Funkantenne. Schon wird aus der Luxuslimousine ...
... eine banale Straßendroschke. Stopp am Taxistand des Hamburger Flughafens. Mal sehen, ob Kundschaft wartet. Erste neugierige Blicke der vorbeihuschenden Passanten, dann wird schnell klar: Unser Panamera-Taxi ...
... fällt auf wie ein bunter Hund, wird eingekreist – vor allem von den Taxi-Kollegen am Flughafen, die uns mit Fragen überhäufen: "Wie teuer? Warum nur zwei Plätze im Fond? Diesel oder Gas?"
Nee, nee Freunde – 4,8 Liter Hubraum, Super Plus, 20 Liter in der Stadt. Die Taxler sind fassungslos: Wie soll sich dieser wahnsinnige Dienstwagen jemals rechnen? Okay, sie wissen ja nicht, dass er nur drei Tage fährt. Und im Auftrag von AUTO BILD.
Spontanes Bewerbungsgespräch: "Sucht ihr noch Fahrer?", will der Kollege aus Kenia wissen. Andere gehen sogar noch weiter. "Wir tauschen! Du kriegst meine Frau, mein Haus, was willst du noch?", fragt Oliver Gulin.
Shooting Star: Die Kollegen am Hauptbahnhof sind super. Keine Spur von Neid, sie lassen den
Porsche sogar vor. Wo auch immer der weiße Riese auftaucht, wird er freundlich begrüßt.
Das
Porsche-Taxi ist ein kleines Wirtschaftswunder. Es erzeugt Nachfrage, wo eigentlich keine ist.
"Ich fühle mich im siebten Himmel", schwärmt Okan Uyma aus Duisburg, als er mit seinem Vater am Hauptbahnhof zusteigt. "Die Tour ist jeden Cent wert."
Ob der nächste Fahrgast das auch so sieht?
Dörte Spannuth steigt an der Messe ein: "Hab's eilig. Schnell zum Bahnhof." Okay, ...
... kann sie haben – mit Sport-Plus-Taste und Blitzstart, wrroooooaaaaah! Die Ernährungsberaterin ist sichtlich geschockt und stottert beim Bezahlen so etwas wie "extremer Nervenkitzel". Die superscharfe Taxi-Kost bekommt eben nicht jedem.
Zwischendurch gibt's Kontakt mit der Obrigkeit. Ein Polizist versperrt den Weg. Mist, das riecht nach Ärger. Sofort Ihre Nummer!" Was meint er nur? Taxischein? Konzession? "Nein, Ihre Telefonnummer. Heute Abend lasse ich mein Auto stehen." Geht doch.
Vorm noblen Hotel "Vier Jahreszeiten" macht sich unser Panamera-Taxi besonders gut.
Die Faszination des
Panamera gipfelt in der Begegnung mit einem
Prius-Taxi. Völlig baff lässt sein Fahrer die Scheibe runter und ruft mir zu: "Ich sitze definitiv im falschen Auto. Meines mag zwar ein korrekter Öko-Hybrid sein. Tauschen würde ich trotzdem sofort."
Nicht das wuchtige Erscheinungsbild des Panamera macht ihn so sympathisch, ...
... sondern die Tatsache, dass jeder mit ihm fahren darf – schließlich unterliegen Taxen einer allgemeinen Beförderungspflicht. Aber auf Dauer würde der Panamera keinen Taxler glücklich machen.
Denn leider hat der Porsche auch ein paar handfeste Nachteile. Es ist nicht nur der deftige Benzindurst des V8-Turbo, ...
... oder der astronomisch hohe Kaufpreis von über 160.000 Euro. Nein, auch das Karosseriekonzept des
Panamera eignet sich nur bedingt für den Taxibetrieb, ...
... wie die Profis vom Hauptbahnhof erklären: "Drei Fahrgastsitze sind zu wenig. Der Gepäckraum ist für große Koffer zu klein. Und die vielen Schalter im Fond werden schnell kaputtgespielt."
Auch einige Fahrgäste sind skeptisch: Für Manager Thorsten Heimes (links) ist der viertürige Panamera kein echter Porsche. Götz Hufenbach kann ihn sich dagegen gut als Familienauto vorstellen.
Danke, stimmt so! Das Geld, das wir eingenommen haben, geht als Spende an "Tätige Hilfe Hamburg" Der Verein unterstützt unverschuldet in Not geratene Taxifahrer und deren Angehörige – denn leider werden Taxler oft Opfer brutaler Gewaltverbrechen. Wer spenden will: Deutsche Bank, BLZ 20070024, Konto 411114200, Stichwort "Tätige Hilfe".
Und so wurde aus unserem Panamera ein Taxi: Die Firma Ato Autotechnik Ohlsdorf ...
... hat für den Porsche rund 25 Quadratmeter Klebefolie in Hellelfenbeinweiß zurechtgeschnitten. Anschließend ...
... kriegt der ursprünglich blaue Panamera eine geklebt. Das korrekte Anbringen der Folie ...
... ist eine Kunst für sich und beschäftigt zwei Mitarbeiter gut 25 Stunden.
Bloß keine Falten! An schwierigen Stellen wird mit dem Heißluftgerät nachgeholfen.
Stück für Stück verschwindet das Blaumetallic und der Panamera ...
... wird zur Straßendroschke.
Besonders kniffelig: Die Feinarbeit an Spiegeln und Details verschlingt viele Stunden. Eine Limousine in ein konzessionsfähiges Taxi zu verwandeln kostet rund 3000 Euro. Allein die Materialkosten liegen bei 600 bis 700 Euro.
Dazu kommen noch Taxameter, Taxialarmanlage und Videoüberwachung. Natürlich lassen sich spezielle Taxi-Versionen auch direkt ab Werk bestellen.
Wer Taxi fahren will, braucht dazu noch einen Lehrgang (250 Euro) mit anschließender Prüfung (100 Euro). Die Konzession fürs Taxi kostet in Hamburg 160 Euro, ärztliche Untersuchung nochmal 160. Taxi-Vollkasko und Haftpflicht-Versicherung gibt es für rund 400 Euro im Monat.
Ganz wichtig: Jedes Taxi braucht eine Wagennummer, die an der Heckscheibe angebracht wird.
Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber stilecht: Wer viele Stunden im Auto verbringt, mag's gemütlich. Ein cooler Fellbezug fürs Porsche-Volant und Holzauflagen für den Fahrersitz gehören einfach dazu.
Zum Schluss noch das obligatorische Taxi-Leuchtschild aufs Dach, fertig ist das 300-km/h-Taxi!
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