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Mercedes V-Klasse im Dauertest

Mercedes V 220 d
2015 überholte die Mercedes V-Klasse in einem Vergleichstest von AUTO BILD erstmals den VW T6. Das Testurteil erschütterte das Weltbild von Familien und Freiberuflern, der klassischen Bus-Klientel. Und steigerte die Erwartungen an den Dauertester. Wie würde der silbergraue V 220 d die gnadenlose Alltagshölle bei AUTO BILD bestehen? Hier kommt die Antwort.
Bild: Roman Raetzke
Mercedes V 220 d
Lang wie eine S-Klasse, hoch wie eine Garage – trotz imponierender Ausmaße stellte die "Edition lang" im breiten V-Klasse-Programm eher die beliebte Mitte dar: die mittlere von drei Längen, den mittleren von drei Dieselmotoren (136 bis 190 PS), dazu sechs Einzelsitze und eine Serienaustattung, die vom Automatikgetriebe bis zur Klimaanlage im Fond vieles mitbrachte.

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Bild: Roman Raetzke
Mercedes V 220 d
Mit ein paar Extras wie dem exzellenten LED-Licht, der Schiebetür links oder der elektrisch öffnenden Heckkklappe stieg der Preis auf 57.575 Euro. Der ist noch bescheiden, wie Familienväter vom schmerzhaften Studium der Prospekte wissen. Ein echter Mercedes halt, was sich auch im zeitlosen Design äußert.

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Bild: Sven Krieger
Mercedes V 220 d
"Funktion statt Effekt, Komfort statt Krawall. Der V kann für Traditionalisten zum Lieblings-Benz werden", fand Christian Steiger bald. Der Redakteur saß hoch wie im SUV, lobte den Reisekomfort und das besondere Fahrgefühl, ...

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Bild: Claudius Maintz
Mercedes V 220 d
... das viel näher am Pkw liegt als beim VW Bulli und weiter weg vom Transporter. "Die S-Klasse unter den Vans und mit dem feinen Veloursboden eher VIP-Shuttle als Familienauto", so sein Fazit.

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Bild: Claudius Maintz
Mercedes V 220 d
So kommod die Vordersitze, so kapriziös fallen die schweren Einzelplätze hinten aus. Schon das Verschieben überforderte die Arme tatkräftiger Mütter, der Aus- und erst recht der Einbautrieb selbst tapfere Männer an die Tränengrenze. Alles sehr crashsicher, bestimmt, aber 37 Kilo pro Stuhl setzen Umbauwillen und Variabilität schmerzhafte Grenzen.

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Bild: Roman Raetzke
Mercedes V 220 d
Die separat öffnende Heckscheibe (481 Euro extra) überzeugte uns mehr als der harte Laderaumteiler auf halber Höhe – Eintrag im Fahrtenbuch: "Praktisch für kleines Gepäck, aber so schwer auszubauen wie die Sitze".

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Bild: Sven Krieger
Mercedes V 220 d
Den Zugwagen spielte der V 220 d ohne Murren, 2,5 Tonnen Anhängelast dürfen es sein. Allerdings ließ sich die Heckklappe nur öffnen, wenn der Bremshebel des Anhängers gezogen war.

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Bild: Claudius Maintz
Mercedes V 220 d
Mit dem 220 d war der große Stern bestens unterwegs. Auch wenn kombiverwöhnte Familienväter murrten, bei voller Beladung wolle in den Kasseler Bergen der Wechsel auf die linke Spur gut überlegt sein, überzeugte der Diesel doch mit Power und Genügsamkeit.

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Bild: Roman Raetzke
Mercedes V 220 d
In gemessenen 12,3 Sekunden auf Tempo 100, Tacho 200 als Spitze oder bei einem überlegten Gasfuß mit acht Litern zufrieden – erst schnelle Autobahnetappen trieben den Schnitt im Dauertest auf 9,5 Liter. Die 600 Kilometer Reichweite, von Dieselfreunden als zu wenig moniert, waren erst mit dem großen 70-Liter-Tank (88 Euro extra) möglich.

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Bild: Roman Raetzke
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Leichte Vibrationen im Antriebsstrang bei 160 km/h oder das Leistungsmanko (gemessene 156 statt 163 PS) störten weniger als das harsche Lastknurren. "Ein Komfortwunder wird dieser Diesel nicht mehr", so Kollege Mario Pukšec. Auch deshalb, weil der Motor in der V-Klasse näher an der Stirnwand steht und  Mercedes daher weniger Dämmung verbauen kann als in der C-Klasse.

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Bild: Uli Sonntag
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Die Schiebetüren, zum Glück ohne elektrische Schließung, eröffneten ein Geräuschkonzert, das den Dauertester schon nach 12.000 Kilometern begleitete. Später kam ein Klötern aus der Heckklappe hinzu, die schlecht schloss, manchmal ein Schleifen von der Vorderachse, die zweimal vermessen wurde. Ohne Ergebnis. Klang nicht gerade hochwertig, doch kaputt ging bis zum Schluss nichts.

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Bild: Claudius Maintz
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Trotz der Begleitmusik verströmte der V 220 d das bekannte Bulli-Baldrian. Hinterm Lenkrad vergisst du die Welt. Allerdings zeigte die Verkehrs-Info im teuren Comand Online mal einen Stau trotz freier Piste, und die Touchpad-Funktion am Zentralknopf verwirrte mehr, als zu helfen.

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Bild: Roman Raetzke
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Nach 71.289 Kilometern waren die Bremsbeläge rundum verglast – eine Folge hoher Reiseschnitte. Das schwankende Bremsgefühl störte viele Fahrer. Nach dem ersten Pedal tritt wanderte der Druckpunkt nach unten weg. "Fehlkonstruktion!", blieb ein seltener Wutausbruch, ...

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Bild: Claudius Maintz
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... zumal der Bus die Dauertest-Hölle trotz aller Klapperei ohne technische Mängel überstand. Und auch die Zerlegung des Wagens nach 100.000 Kilometern förderte keine bösen Überraschungen zutage.

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Bild: Uli Sonntag
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Der Motor ist messtechnisch im grünen Bereich: Die DEKRA-Profis Marcus Constantin und Günther Schiele sind mit dem Zustand des 220 d voll zufrieden.

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Bild: Uli Sonntag
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Allerdings wurde oberflächliche Korrosion an Bolzen und Scharnieren der vorderen Türen festgestellt

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Bild: DEKRA
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Loser Lärmschutz: Diese Abdeckung kann durch Schwingungen selbst lärmen.

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Bild: DEKRA
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Außerdem ist die Ansaugleitung lose und klappert deshalb. Bei niedrigen Drehzahlen ist das deutlich hörbar.

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Bild: DEKRA
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Abgelöst: Das Gummilager vom rechten oberen Federteller an der Hinterachse.

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Bild: DEKRA
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Vorbildlich: Makelloser Rostschutz in den Hohlräumen (hier im linken Längsträger).

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Fazit: Die V-Klasse ist ein Riese in puncto Platz und Reisekomfort, trotz harter Einsätze gab es keinen Ausfall. Die Qualität ist besser als beim Vorgänger. Doch ihre Robustheit störte, wenn Leichtigkeit gefragt war: Überschwere Sitze begrenzen die Variabilität, einige Klappergeräusche begleiteten den Dauertest. Das passt nicht ganz zu Preis und Anspruch. Note: 1-

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Bild: Manfred Klangwald