Nach fast zwei Jahrzehnten steigt Grand-Prix-König Michael Schumacher aus der Königsklasse aus. Noch ein GP, noch eine Qualifikation, noch ein paar Trainingsrunden und Pressekonferenzen – das war's dann mit der Formel 1.
Keine Trauer, kein Wehmut? "Eher nicht, nein", sagte Michael Schumacher in Sao Paulo, ohne zu zögern. "Ich habe neben der Formel 1 ein Leben, darauf freue ich mich", betonte er vor seinem letzten Rennen. Wir lassen die einzigartige Formel 1-Karriere des erfolgreichsten Rennfahrers aller Zeiten Revue passieren.
1991: Michael Schumacher (hier mit Eddie Jordan) steigt mit 22 Jahren in die Formel 1 ein. Sein erster Arbeitgeber ist das kleine Jordan-Team.
1991: 25. August, Spa-Francorchamps (Belgien), erstes Formel 1-Rennen. Schumacher holt im hoffnungslos unterlegenen Jordan einen sensationellen siebten Startplatz heraus, fällt aber im Rennen schon nach 500 Metern mit Kupplungsschaden aus. Bereits nach seinem ersten Einsatz wirbt ihn das Benetton-Team ab.
1992: erster Sieg in Spa-Francorchamps. In seiner ersten kompletten F1-Saison wird Schumacher gleich WM-Dritter.
1993: ein Saisonsieg, WM-Vierter.
1994: Schumacher gewinnt im Benetton zum ersten Mal den WM-Titel. Überschattet wird die Saison vom Tod Ayrton Sennas (1. Mai) – Schumacher gewann das Rennen in Imola. In der Stunde des WM-Triumphs erinnert Schumacher an Senna. Es wäre sein Jahr geworden, sagt der neue Weltmeister.
1995: Schumacher (hier mit dem damaligen Benetton-Boss Flavio Briatore) verteidigt seinen Titel. Das Duell zwischen dem kompromisslosen Kerpener und dem erneut geschlagenen Damon Hill fesselt die Formel 1-Fans.
1996: Wechsel zu Ferrari. Bei der chaotischen Truppe aus Maranello ist anfangs vor allem Aufbauarbeit gefragt. Schumacher holt drei Saisonsiege, hat aber keine Chance auf den Titel.
1997: Der Skandal von Jerez. Schumacher fährt im letzten Rennen seinem Titelrivalen Jacques Villeneuve ins Auto. Der Kanadier kann aber im Gegensatz zu Schumacher weiterfahren. Der Kerpener wird wegen Unsportlichkeit aus der WM-Wertung gestrichen und verliert alle Punkte.
1998: Mal wieder Spa. Im Regen fährt Schumacher ins Heck des zur Überrundung anstehenden David Coulthard, Teamkollege des WM-Führenden und späteren Weltmeisters Mika Häkkinen, und scheidet aus. Schumacher ist stinksauer – in der Boxengasse kommt es fast zu Handgreiflichkeiten.
1999: Schumachers schwerster Formel 1-Unfall. In Silverstone rast er wegen eines Bremsdefekts in einen Reifenstapel: Schien- und Wadenbeinbruch, Pause für sechs Rennen. Die WM ist damit futsch.
2000: Beginn der sagenhaften Titelserie mit Ferrari. Es ist der erste Triumph für die Italiener seit 1979.
2001: Die Titelverteidigung ist vier Rennen vor dem Saisonende perfekt. Zugleich stellt Schumacher den Rekord von Alain Prost ein, der 51 Grand Prix gewann.
2002: Titel Nummer drei mit Ferrari. Mit seinem persönlichen fünften WM-Triumph zieht Schumacher mit Juan Manuel Fangio gleich.
2003: Mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den damaligen McLaren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen gewinnt Schumacher seine sechste WM.
2004: Titel Nummer sieben. Triumph in Spa perfektgemacht.
2005: Schumacher muss sich Fernando Alonso im Renault geschlagen geben. Dazu noch Bruderzwist in Monaco: Schumacher versucht seinen Bruder noch auf der Ziellinie zu überholen, um Sechster zu werden. Schumi II tobt: "Manchmal schaltet er sein Gehirn nicht ein."
2006: Kein Titel, aber mit der 66. Pole Position überbietet er Sennas Rekord. Und wieder ein Skandal: In Monaco stellt Schumacher seinen Ferrari auf der Strecke in den Weg. Ein paar Monate später folgt die Rücktrittsankündigung.
2007: Schumacher arbeitet seit seinem Rücktritt als Ferrari-Berater.
2008: Weiterhin als Berater der Scuderia im Einsatz.
2009: Schumacher will für den verunglückten Felipe Massa bei Ferrari einspringen. Die Folgen eines Motorradunfalls im Februar durchkreuzen die Pläne. Dann die Kracher-Ankündigung: Schumacher fährt ab 2010 für das Werksteam Mercedes Grand Prix.
2010: Die Rückkehr ins Renngeschehen – nicht aber zu alten Erfolgen. Der neue Mercedes-Bolide ist alles andere als ein WM-Auto, fährt meist nur im Mittelfeld. Am Ende der Saison ist Schumi enttäuschender WM-Neunter. Meist geschlagen vom eigenen Teamkollegen Nico Rosberg.
2011: Das zweite Comeback-Jahr verläuft bis zur Sommerpause erneut frustrierend. Nach wie vor erweist der Mercedes sich als nicht konkurrenzfähig. Doch "Schumi" hofft weiter auf bessere Tage.
2012: Der dritte Anlauf im Silberpfeil, viel besser wird es nicht. Bestzeit in der Qualifikation von Monaco, Platz drei in Valencia – zu wenig. Mercedes mustert Schumi zum Saisonende aus und verpflichtet Lewis Hamilton als Nachfolger. Am 4. Oktober erklärt Schumacher (Mitte, mit Mercedes-Sportchef Norbert Haug und Teamchef Ross Brawn, rechts) sein Karriereende nach der laufenden Saison.
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