Aufmüpfiges Akku-Auto gegen traditionelles Turbo-Tier: Beginnt hier ein neues Zeitalter – der Mindset als Blaupause für die Sportwagen der Zukunft? AUTO BILD hat den Elektrorenner und den Porsche 911 zum Vergleich gebeten.
Beide Sportler folgen ähnlichen Idealen: Sie streben nach Effizienz, Zuverlässigkeit, Qualität und Status.
Ikone trifft auf Avantgarde: Die Silhouette des 911 kennt jedes Kind, sie ist seit 1963 der Inbegriff des Sportwagens. Der Mindset deutet mit seinen freistehenden Rädern und dem hohen Heck einen radikalen Wertewandel an, ...
... der sich beim Blick unter die Hauben vertieft. Im Porsche sorgt ein mächtiges Turboaggregat für Dampf, während der Mindset seine Vortriebskraft aus einem 95 PS starken Elektromotor holt.
Hoch gegen breit: Mindset rollt auf 22 Zoll großen Rädern, der 911er nur auf 19-Zöllern.
Fast schon Gotteslästerung: Das Elektroauto fordert die Turbo-Ikone. Ein Duell zwischen heute und morgen.
Ein echter Hingucker ist er geworden, der hochbeinige Avantgardist. Noch ist er ein 1,5 Millionen Euro teurer Prototyp, aber schon in zwölf bis 18 Monaten soll der Mindset vom Band laufen – wenn ein Investor gefunden wird.
Sein Verbrauch schlägt alles: Umgerechnet 1,2 Liter Benzin soll sich der Mindset auf 100 Kilometer genehmigen – so wenig wie kein anderer.
Anschluss gesucht: Der Stecker ist Serie, einen 23 PS starken Einzylinder, der die Reichweite von 100 auf 800 Kilometer vergrößern soll, gibt es als Option.
Man fährt anders im Mindset: gespeist vom perfekten Motor-Drehmoment (220 Nm), leise dahinsummend. Verzicht ist das falsche Wort: Leicht sein (800 Kilo), nicht langsam sein, nur auf andere Weise schnell – das sind Mindset-Tugenden.
Wenn der Fahrer will, dann ist er mit dem Mindset durchaus zügig unterwegs: Auf den ersten zwei Metern zieht er sogar dem Porsche 911 Turbo davon, erreicht nach glatten sieben Sekunden 100 Sachen und ...
... muss nur bei der Höchstgeschwindigkeit deutliche Abstriche machen. Bei 140 Sachen ist Schluss mit Vortrieb.
Jegliche Aggressivität liegt dem Mindset fern: Die Front mit den netten Scheinwerfer-Augen ist neutral-freundlich gestaltet.
Äußerst unkonventionell: Am Heck leuchtet ein Band aus LEDs.
Versenkt: die Türgriffe des Mindset.
Hereinspaziert: Im Mindset findet der Fahrer ein Lounge-Cockpit, das Gelassenheit verbreitet. Mag dieser eigensinnige Futurismus ...
... den Benzinblüter alter Schule kalt lassen – wer sich auf den Mindset einlässt, spürt den Reiz der Elektromobilität.
Sitzbank, iPod-Cockpit und getrennte Pedale für elektrisches und mechanisches Bremsen schaffen ein neuartiges Fahrgefühl.
Die Alutaster in der Mitte der vorderen Sitzbank sehen edel aus. Der vordere Knopf ersetzt den Schaltknauf – er wählt Vor- oder Rückwärtsgang.
Alles im Blick: Ein großes Display vor dem Tacho übernimmt die ...
... Aufgaben der Instrumente und informiert über die Vitalfunktionen des Mindset. Per Knopfdruck ist Eco-, Sport- oder Normal-Modus wählbar.
Die Passagiere im Fond lümmeln auf einer bequemen Lederbank, aber ...
... hinten ist es im Mindset ähnlich eng wie im Porsche 911.
Statt Handschuhfach: Ein kleines Täschchen schluckt den Krimskrams der Passagiere.
Alles auf Grün: Wenn der Mindset rein elektrisch – also ohne den Reichweitenverlängerer – unterwegs ist, leuchtet die grüne Lampe auf ...
... dem Dach. Allerdings ist fraglich, ob eine solche Leuchte beim Serienmodell auch zugelassen wird.
Preisansage: Wenn der Mindset auf den Markt kommt, soll er fur circa 50.000 Euro zu haben sein.
Fahrdynamisch kann der frontgetriebene Stromer dem Elfer nicht die Kabeltrommel reichen. Und doch haben die Mindset-Macher ...
... den Porsche zum spirituellen Vorbild erkoren. Warum? Ganz einfach: 911-fahren ist eine Geisteshaltung, was Mindset übersetzt ja auch heißt.
Das Kraftwerk des 911 Turbo fällt um Längen gewaltiger aus als das des Mindset. Im Porsche Heck holen sechs Zylinder mit Hilfe zweier Turbolader aus 3,6 Litern Hubraum 480 PS und 620 Nm Drehmoment. So viel Leistung ...
... muss natürlich auch an der Tankstelle teuer erkauft werden. Im Schnitt (EU-Mix) schickt das Turbo-Aggregat 13,6 Liter edles Super Plus durch die Brennräume.
Auch wenn er auf den ersten beiden Metern gegen den Mindset Boden verliert, im Sprint auf Tempo 100 lässt der Porsche dem Elektrokonkurrenten keine Chance: In 3,7 Sekunden ist die Sache erledigt, und ...
... der Turbo joggt lässig im dritten Gang, wenn im Mindset bei 140 km/h Schluss ist. Voll ausgefahren, macht der Elfer erst bei 310 km/h schlapp.
Auf allen Vieren: Der Porsche krallt sich mit seinem Allradantrieb im Asphalt fest.
Ein flacher Blick auf die Straße aus tiefen Siztzschalen – so interpretiert ein Elfer sportliches Fahren.
Geschaltet wird der Turbo über ein automatisches Fünfgang-Getriebe mit manueller Schaltoption.
Typische Uhrensammlung im Porsche: Der linke Zeiger kann tatsächlich über 300 km/h wandern. Das dürfte kein Elektroauto der Welt so schnell nachmachen.
Ein teures Vergnügen: Porsche verlangt für den 911 Turbo mindestens 145.953 Euro. Dafür bekommt man fast drei Mindset – wenn man den Wagen denn irgendwann überhaupt mal bekommt.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Dass CO2-freie Mobilität keine freiwillige Verzichtserklärung auf Fahrspaß sein muss, wissen wir spätestens seit dem Tesla. Der Mindset ...
... setzt noch einen drauf. Dieses Elektroauto könnte den Sportwagenbau revolutionieren. Schon elektrisierend, der Gedanke."
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