Das jüngste Familienmitglied bei den Minis heißt mit Nachnamen
Countryman, hat Allradantrieb und mehr Bodenfreiheit als Limousine, Cabrio und
Kombi. Wer sich Countryman nennt, muss auch dorthin.
AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan hat sich den Countryman – hier noch im dezenten Tarnanzug – deshalb mal vorgeknöpft. Weg vom griffigen Asphalt, rüber über die glitschigen Curbs und rauf aufs Land.
Es scheppert. Steinchen knistern in den Radhäusern. Dann spritzt lehmiges Pfützenwasser über den
Mini und verpasst ihm einen braunen Überwurf. Ja, jetzt ist er wirklich ein Countryman: eher Gummistiefel-Kumpel als Lackschuh-Szenetyp.
Schon nach den ersten Kurven ist zu spüren, dass hier BMW-Ingenieure am Werk waren. Zurück auf der befestigten Ideallinie hat man ganz schnell vergessen, dass der Countryman ein geländetaugliches Auto ist.
Seine Entwickler haben ihm reichlich Allrad-Kompetenz verpasst, ohne dabei die minitypische Agilität zu vernachlässigen. Trotz 245 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem normalen Mini, ...
... deutlich längerer Karosserie und dem höherem Schwerpunkt lenkt der Cooper S Countryman All4 extrem zackig ein, fegt rabiat um Kurven und fährt sich so handlich ...
... wie ein Sportwagen. Ein typischer Mini eben. Und irgendwie doch nicht. Denn erstmalig können zumindest vier Personen in einem Mini anständig sitzen.
Der Fünftürer ermöglicht nicht nur einen würdevollen Einstieg in den Fond, sondern bietet dazu reichlich Platz für Kopf und Beine. Die Rücksitze lassen sich einzeln um 13 Zentimeter verschieben.
Hinten wartet ein Kofferraum im Golf-Format, der sich auf bis zu 1170 Liter Volumen erweitern lässt – so praktisch war ein Mini noch nie. Sieben Zentimeter mehr Sitzhöhe erleichtern zudem den Einstieg ...
... und verbessern die Übersicht. Neben Familien dürfte der Countryman darum auch reifere Semester ansprechen. Schade nur, dass Mini versäumt hat, die fummelige Lehnenverstellung zu überarbeiten und den Sitzen stabilere Seitenwangen zu verpassen.
Entscheidender ist indes die gelungene Fahrwerksabstimmung sowie der hohe Unterhaltungswert am Lenkrad. Wie alle Minis zeigt der Countryman im Grenzbereich nur leichtes Untersteuern; Lastwechsel kennt er noch weniger als die Limousine, sodass er mit maximalen Sicherheitsreserven aufwarten kann.
Und damit in Extremfällen nichts passiert, verfügt das elektronische Stabiliserungssystem DSC selbst im deaktivierten Zustand über eine Restregelung. Ob Schotter, Wiese oder aufgeweichter Feldweg – sobald die Vorderräder Schlupf haben, ...
... leitet ein elektromagnetisches Mittendifferenzial die Antriebskraft stufenlos nach hinten. Bei ausgeschalteter Traktionskontrolle schmeißt der kleine Offroader deshalb an allen vier Ecken fröhlich mit Matsch um sich.
Auch das ist neu: Auf groben Untergrund wird der Country- zum Gentleman. Spürbar geschmeidiger als seine Schwestermodelle steckt der Hochbau-Mini Unebenheiten weg. Das sind richtig gute Manieren, die man von einem Landei, das gerne im Dreck spielt, gar nicht erwartet hätte.
Zum Verkaufsstart im September 2010 gibt es den Mini Countryman mit drei Benzinern und zwei Diesel-Motoren: Der Mini One Countryman bringt 98 PS mit, der Cooper Countryman 122 PS und der Cooper S Countryman 184 PS.
Als Dieselmodelle sind Cooper D Countryman (122 PS) und One D Countryman (90 PS) am Start. Den Allradantrieb "All4" gibt es nur für Cooper S und Cooper D. Die Preise bewegen sich zwischen 20.200 und 25.900 Euro.
Mittlerweile zeigt BMW uns den Countryman auch gänzlich ungetarnt. Nach den Fahreindrücken gibt es hier noch ein paar weitere Impressionen zum Durchklicken ...
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