Der brandneue
Nissan Juke und der ebenso taufrische
Mini Countryman (rechts) sind zwei schräge Typen, die hoch hinaus wollen. AUTO BILD hat die beiden kleinen SUVs zu einem ersten Fahrvergleich gebeten.
Hinterteile mit Charakter: Der Countryman (links) im Kanten-Look mit tiefer Ladekante, der
Juke baut etwas höher. Beim Einparken bieten beide wenig Sicht nach hinten – ein Tribut an die Optik.
Die Jugend schwört auf Mini – wenn sie ihn sich denn leisten kann. BMW hat den Hype geschickt gelenkt, aber klappt das auch beim ungewöhnlichsten Mini – dem Countryman? Die vierte Baureihe der Marke sprengt alle Grenzen.
Als modischer Grenzgänger präsentiert sich auch der neue Nissan Juke, im Prinzip ein geschrumpfter
Qashqai. Nach unserem ersten Eindruck aber eher ein Spaßvogel in der
Polo-Klasse mit mutiger Hauruck-Optik statt dezentem Qashqai-Design.
Wer schaut bei solch schrägen Typen schon auf schnöde Vernunft? Beide leben vom Moment des Auftritts: "Haste den schon gesehen?"
Platz zwei: Dem
Nissan Juke gibt AUTO BILD-Autor Diether Rodatz drei von fünf möglichen Sternen. "Mit der Form habe ich so meine Probleme, ...
... sie wird gern mit exotischen Borstenviechern verglichen. Für ein neues Konzept sehr, sehr mutig. Sonst ist der Juke für einen Neuling prima gelungen."
Was die beiden Aufsteiger so interessant macht, spürt der Fahrer beim Einstieg: In den Juke fällt man nicht, sondern steigt hinauf auf die Sitze, die gut 70 Zentimeter über der Fahrbahn warten. Ahhh! Die Höhe ...
... erlaubt eine gute Sicht nach vorn, wobei vorn nur die Warzen des Standlichts zu sehen sind.
Der Blick nach hinten ist im
Nissan zum Sehschlitz verengt – ein Nachteil der flott abfallenden Dachlinie. Abhilfe schafft eine Rückfahrkamera, ...
... die in der Ausstattungvariante "Tekna" mit an Bord ist. Das Paket beinhaltet außerdem 17-Zöller ...
... und Navigationssystem. Innen ist der Juke nicht so kurvig gezeichnet wie außen, ...
... er gefällt mit seinem sportlich-kleinen Lenkrad und leichter Bedienbarkeit.
Die Rückbank zeigt, dass Nissan seinen Juke eher als Sportcoupé versteht. Auf den Sitzen ohne Seitenhalt fehlt es vor allem an Kopffreiheit, ...
... der Ausstieg hinten ist eng. Die Türgriff-Anordnung hatte übrigens schon Alfa.
Auch in Sachen Kofferraum zeigt sich der Nissan wenig üppig. 251 Liter zwingen bei Vollbesetzung zu Anhänger oder Dachkoffer, ...
... nur 830 Liter passen hinter die Heckklappe, wenn alles umgeklappt ist. Immerhin: Die flache Ladefläche ist eine gute Kombi-Eigenschaft.
Im Nissan Juke arbeitet ein aufwendig gebauter, 1,6 Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 190 PS und 240 Nm, ...
... die im Testwagen nur an die Vorderräder gehen. Was die klaglos verkraften, ohne beim Anfahren schwarze Streifen auf die Fahrbahn zu radieren – ein Kompliment an die Fahrwerk-Entwickler des Juke.
Wer es drauf anlegt, beschleunigt den Nissan Juke in glatten acht Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Spitze: 215 km/h.
Der Lenkung fehlt es zwar etwas an der Mini-Präzision, dafür setzt der Juke mehr auf Komfort denn auf SUV-Ruppigkeit.
Für den Juke 1.6 DI Turbo 2WD verlangt Nissan mindestens 21.190 Euro. In "Tekna"-Ausführung werden 22.240 Euro fällig, der Aufschlag für einen Allrad-Antrieb inklusive stufenloser CVT-Automatik beträgt 2900 Euro.
Auf dem ersten Platz landet mit vier von fünf Sternen der
Mini Countryman. Diether Rodatz über das Lifestyle-SUV: "Fahrwerk, Lenkung und Motoren machen süchtig. Dass er jetzt endlich familientauglich ist, ...
... macht aus Kult die echte Kinderkarre. Aber der Preis! Wer braucht schon Allrad? Wer ihn weglässt, kann 1600 Euro sparen."
Fast ein gewohntes Bild: Gerades Dach, steile Heckscheibe – der Mini bleibt seinem Original näher als der kleine Qashqai-Bruder Juke.
Leicht abgewandelt: Die typischen Kulleraugen bringt
Mini beim Countryman neu in Form. Das charakteristische Markengesicht bleibt aber erhalten.
Reichlich Platz fürs Gepäck: Der Kofferraum fasst mindestens 350 Liter, das ist Golf-Format. Werden die beiden ...
... Rücksitzlehnen umgeklappt, passen 1170 Liter hinter die Heckklappe. Ausgerechnet der modische Mini spielt in diesem Vergleich also den Praktiker, ...
... was vielleicht die Kritik an seiner Form dämpfen wird. Die Frage ist halt: Kann ein 4,11-Meter-Auto noch Mini sein? Aber warum eigentlich darf er nicht erwachsen werden? Das mögen nicht nur ...
... die Mädels am Steuer, sitzen sie doch im Vergleich zum
normalen Mini gut zehn Zentimeter höher. Sie können nicht nur besser nach vorn peilen, ...
... sie können auch die umfangreiche Ausstattung genießen, die von serienmäßiger Spartechnik (Motorabschaltung im Stand) bis hin zur teuren iPhone-Integration reicht.
Teurer Pfadfinder: Das Navigationssystem kostet im Countryman 1950 Euro.
Die Mini-Gemeinde hat sich daran gewöhnt: verspielte Instrumente und fummelig gedrängte Schalter am Arbeitsplatz.
Platz für zwei: Im Fond bietet der Countryman einzeln verschiebbare, ausgeformte Sitze. Dazwischen liegt ...
... die Schiebeleiste für Kleinkram.
Kommen wir nun zur typischen Mini-Domäne, dem Fahrspaß: Der zusätzliche Hinterradantrieb und das Mitteldifferenzial erhöhen das Leergewicht zwar von 1310 auf 1390 Kilo, ...
... den Verbrauch von 6,1 auf 6,7 Liter (alles Werksangabe) – aber das sind Peanuts für die 184 PS und 240 Nm des aufgeladenen 1,6-Liter-Vierzylinders. Bei allem Zuwachs bleibt der "Landmann" wieselflink, ...
... auch in der von uns gefahrenen Allrad-Version "All4". Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der große Mini 7,9 Sekunden, maximal sind 210 km/h möglich.
Dank der elektrisch unterstützten Servolenkung (EPS) umzirkelt der Countryman Kurven punktgenau – typisch Mini eben.
Der Komfort ist für ein Allrad-SUV erstaunlich gut, das in allen Drehzahlbereichen dezente Geräuschniveau schont das Gehör.
Am Ende die Preisfrage: Was kostet der Spaß? Für den Countryman Cooper S mit Allradantrieb verlangt Mini 27.900 Euro.
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