Kugelrund und sauber: der Mitsubishi i-MiEV. Aber mit rund 34.000 Euro ganz schön kostspielig. 2012 wollen die Japaner 30.000 Elektromobile jährlich bauen und so den Preis auf 15.000 Euro drücken.
In einem ersten Alltagstest fuhr AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber das Elektro-Ei vier Tage lang. Seine Eindrücke hielt er in einem Tagebuch fest. Tag 1: Erste Fahrt durch die City. Macht Spaß. Aber mal sehen, was so über Land passiert.
Reichweite laut Hersteller: bis zu 144 Kilometer. Behaupten die. Aber auf längeren Strecken wird die Fahrt zur Dauersuche nach Ladeplätzen. An der Tanksäule gibt es keine Steckdose.
Tanken in der Tiefgarage: Während oben AUTO BILD entsteht, saugt ...
... der i-MiEV unten seinen Strom. Ein Zähler protokolliert jede Kilowattstunde - zur genauen Verbrauchsberechnung.
Cockpit: Der rote Zeiger gibt den Energieverbrauch an. Links der Ladezustand der Batterien.
Ein Großteil des Elektro-Antriebs sind im Unterboden verstaut. Platz für Passagiere wie in einem normalen Kleinwagen.
Vom Zeichenbrett auf die Straße. So stellten sich die Mitsubishi-Designer den i-MiEV zu Beginn vor.
Tag 2 der Tour: Heute erste längere Fahrt mit dem i-MiEV, rüber über die Elbe nach Harburg. Lothar und Elsbeth Ruschmeyer besucht. Beide über 80 Jahre. Sehr nette Leute. Fahren seit 1999 ein Elektroauto. Citroën Saxo électrique.
Weiter zum Mitsubishi-Händler an der B 73. Werkstattmeister Olaf Schielke hat so was noch nie gesehen. Er guckt unter die kleine Motorhaube und sagt: "Das ist die Zukunft." Arbeiten dürfe er am i-MiEV nicht, sagt er. Bei 42 Volt sei Schluss, danach muss ein Elektriker ran.
Platz für viel Saft: Trotz der Batterien fasst der i-MiEV vier Getränkekisten – sogar ohne umgelegte Rückbank.
Nachmittags Anton mit dem E-Auto vom Kindergarten abgeholt. Dass der i-MiEV fast lautlos fährt, ist ihm gar nicht aufgefallen. Nur dass Papa vorn rechts sitzt, hat ihn irritiert. Und mich hat etwas verstört, dass der Lütte 20 Zentimeter vor einer Box unterm Kofferraum hockt, auf der "Vorsicht, Hochspannung!" steht ...
Abends früher nach Hause, damit ich auch direkt vorm Haus einen Parkplatz finde. Aber leider keine Steckdose an der Straße. Hoch in die Wohnung und ein Verlängerungskabel vom Balkon gelassen. Ist aber wirklich keine Lösung. Also wieder zum Verlag und dort getankt. Akkus so gut wie leer – nach 127 Kilometern.
Tag 3 der Tour unter Strom. Für lau auf der Landstraße: Im i-MiEV von Hamburg an die Nordsee kann zu einem echten Abenteuer werden.
Erste Pause auf Golfplatz bei Itzehoe. Nach 60 Kilometern noch etwas weniger als die Hälfte an Saft in den Akkus. Eco und Autobahn neutralisieren sich wohl bei der Reichweite. Frau Laackmann vom Golf-Club Breitenburg ist so nett und gibt mir Strom.
Hilfe in Hemme: In dem kleinen Ort 40 Kilometer vor St. Peter-Ording hilft Ernst Wilhelm Mumm mit Strom aus. Zeit für ein kleines Pläuschchen bleibt auch.
Bitte ein Bund Möhren und eine frische Kilowattstunde Strom: Obst- und Gemüsehändler Markus Kattan aus Katharinenheerd staunt nicht schlecht über das ungewöhnliche Auto.
Am helllichten Tag: AUTO BILD "klaut" Strom für 25 Cent auf dem Damenklo eines Campingplatzes.
Endlich das Meer erreicht! Sitze jetzt im Strandkorb. Vor mir der i-MiEV. Schreibe dies mit einem Lächeln im Gesicht.
So viele nette Menschen kennengelernt. Keiner wollte Geld für den Strom. Bin für lau an die Nordsee gefahren. Sauber!
Nachtstrom: Ausgerechnet eine Tankstelle verhindert kurz vor Husum ein Liegenbleiben. Ein Kaffee für die letzte Etappe zur Pension.
Vierter und letzter Tag unter Hochspannung: Letzte Nacht an der Pension getankt. Mit vollen Akkus nach Eggebek kurz vor Flensburg. Zum Testgelände.
Wie jedes Auto: Der i-MiEV wird auf der Teststrecke nicht geschont. Das kostet Strom.
Das sagt Tester Manfred Klangwald: "Der Mitsubishi i-MiEV macht einen erstaunlich vollwertigen Eindruck. Ich hatte mit weniger Auto gerechnet, mehr mit einem Prototyp. Beschleunigung und Verzögerung entsprechen seiner Fahrzeugklasse."
"Das Ausweichverhalten ist gutmütig, dennoch sollte ESP auf jeden Fall serienmäßig eingebaut werden. 129 km/h in der Spitze reichen völlig, für die letzten zehn km/h muss sich der i-MiEV aber anstrengen. Erstaunt hat mich die Lautstärke im Innenraum. An das Jaulen des E-Antriebs werden wir uns erst gewöhnen müssen."
Vier Tage mit dem i-MiEV zeigten: Als Stadtauto ist der Elektro-Mitsubishi perfekt – wenn man in einem Haus wohnt oder am Arbeitsplatz Strom tanken kann.
Im Mehrfamilienhaus wird's kompliziert. Und sobald es aufs Land geht, braucht der i-MiEV-Fahrer einen Reiseplan und gute Nerven.
Zwar gibt es Tausende von Tankstellen. Aber für die letzten 40 Kilometer zwei Stunden ans Netz? Nee. Doch das Problem ist ja hoffentlich bald gelöst.
Bleibt der Luxus-Preis: 34.000 Euro sind definitiv zu viel. Es sei denn, der Staat gibt was dazu. Hoffentlich bald. Mache jetzt das Licht aus. Bin hundemüde. Mein Akku ist alle.
Das war's dann. Tschüss, Elektroauto. War ne spannende Zeit mit dir.
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