Welcher Kombi spielt die erste Geige?
Opel Insignia Sports Tourer,
Ford Mondeo Tournier,
VW Passat Variant und
Skoda Superb Combi treten zum Wettstreit an – alle mit Zweiliter-Dieselmotoren unter der Haube.
Der modische Insignia ist der Beau unter den vier Familienkutschen – keiner hat mehr Pep. Etwas mehr Volumen und Schliff wären aber trotzdem gut. Im Vergleich kommt der Opel nur auf 343 von 500 Punkten – letzter Platz.
Der Insignia wandelt zwischen den Welten: Sein Preis von 32.335 Euro klingt gerade noch so volkstümlich, wie Opel immer war.
Doch das Design passt eher zu einem Lifestyle-Kombi als zu einem Alltags-Laster.
Opel will weg vom Spießer-Image.
Das FlexRide-Fahrwerk (serienmäßig in der Sport-Version) macht Laune, es beherrscht klassischen
Komfort ebenso wie straffe Präzision.
Der Zweiliter nagelt einen harten Diesel-Blues, fühlt sich nur bei mittleren Drehzahlen wohl. Im Durchschnitt genehmigte er sich 6,4 Liter – der höchste Wert im Test.
Fahrer und Beifahrer sitzen gut und blicken auf ein attraktives Cockpit. Im engen Fond des Insignia verliert man allerdings jeden Humor.
Die Lenkung arbeitet sehr leichtgängig und informiert kaum darüber, was zwischen Reifen und Straße vor sich geht. So lenkt der Insignia zwar ungemein zackig, aber auch sehr spitz ein. Eine Abstimmung für Bushido-Fans, aber nicht für Freunde des gepflegten Bert-Kaempfert-Blues.
Beim näheren Hinsehen fallen zu eng skalierte Instrumente und sehr viele kleine Tasten in der Mittelkonsole auf – das schmälert den Bedienkomfort. Das Navi ist serienmäßig.
Der Preis der Schönheit: Das maximale Kofferraumvolumen von 1530 Litern ist in dieser Fahrzeugklasse eher ein Witz, die unpraktisch wuchtige Ladekante auch.
Der Ford Mondeo Turnier landet im Vergleich mit 357 Punkten auf Platz drei.
Modellpflege – Ford nimmt diesen Begriff ernst. Denn der Mondeo wurde nicht nur mit einem neuen Gesicht den Brüdern
C-Max und
S-Max angeglichen, ...
... sondern gezielt verbessert. Gegen Aufpreis gibt es nun Müdigkeitswarner, Spurhalte- und Spurwechselassistenten.
Geblieben ist das gekonnt abgestimmte Fahrwerk. Es bringt Gutmütigkeit im Grenzbereich, sportliches Handling ...
... und ausgewogenen Federungskomfort unter einen Hut – altbekannte Stärken des Mondeo eben.
Der Motor tritt bullig an, verliert aber jenseits der 4000 Umdrehungen etwas die Lust. Egal, die erlaubten 644 Kilo Zuladung stemmt er locker – und verdient einen Tusch für den Testverbrauch von nur 5,9 Litern, der beste Wert im Test.
Unverändert blieben auch die bequemen Sportsitze der Ausstattung "Titanium".
Im Cockpit hat
Ford kleine Korrekturen vorgenommen, etwa neu gestaltete Tasten rund ums Navi und eine hübschere Mittelkonsole. Den ordentlichen Bedienkomfort ...
... verbessert das aber nicht – und der Qualitätseindruck des 32.205 Euro teuren Kombis bleibt trotzdem nur Durchschnitt.
Der Kofferraum fasst maximal 1745 Liter – ein anständiger Wert. Leider gibt es keine Durchreiche. Der Bodenteppich macht aber einen robusten Eindruck.
Auch
VW hat seinen Dauerbrenner Passat gerade überarbeitet. Die Variant-Version der neuen Generation B7 kommt im Vergleich auf 361 Punkte – Platz zwei.
Was der Passat Variant alles kann, hat er schon bei seinem Sieg im
Vergleich mit Mercedes C-Klasse T-Modell und Audi A4 Avant gezeigt. Die Edelkombis steckte er mit viel Komfort, reichlich Platz und hoher Qualität in den Sack.
In diesem Vergleich aber kann er nicht die erste Geige spielen. Mit 36.220 Euro ist der VW einfach
zu teuer, weil darin 1070 Euro für das empfehlenswerte Adaptivfahrwerk DCC, 700 Euro für 17-Zoll-Aluräder mit 235er-Bereifung und 2175 Euro für das Sechsgang-DSG enthalten sind.
Wer DSG ordert, sollte allerdings noch 50 Euro drauflegen und den Freilauf bestellen. Was das ist? Geht man als vorausschauender Fahrer vom Gas, kuppelt das DSG aus und lässt den leisen, geschmeidig agierenden Motor im Leerlauf tuckern.
Der Passat "segelt" jetzt, nutzt den Schwung und spart. Beim Gasgeben kuppelt er wieder ein – manchmal mit kleiner Verzögerung, doch die stört nur minimal.
Dass der Testwagen trotz Freilaufs und serienmäßigem Start-Stopp mit 6,2 Litern mehr verbrauchte als
der Mondeo, liegt wohl an seinem Übergewicht. Der Motor läuft kultiviert und leise.
Im jüngsten Passat fühlen sich VW-Fahrer sofort zu Hause: Alles hat seine Ordnung, ...
... die großen Instrumente sind sehr gut ablesbar, ...
... die Grafiken des Navigations-Monitors übersichtlich. Besser geht es kaum.
Mit dem optionalen DSG fährt der Passat noch komfortabler, allerdings berechnet VW für sein Hightech-Getriebe happige 2175 Euro Aufschlag.
Das Gepäckabteil des Passat schluckt bis zu 1731 Liter. Praktisch: Die Rücksitzlehnen lassen sich vom Kofferraum aus bedienen. Das Schienensystem kostet 355 Euro extra.
Der Sieger: Platz wie in der Oberklasse, Preis eine Quinte tiefer. Der Superb gefällt mit Komfort und Qualität, macht mit 369 Punkten das Rennen.
Irgendwie unheimlich, diese Skoda. Den Tschechen gelingt es immer wieder, mit Teilen aus dem VW-Baukasten Autos zu komponieren, die in jedem Vergleichstest die erste Geige spielen können.
Der Superb Combi ist wieder so ein Typ. Die gefällige Ouvertüre liefert sein Preis von 30.590 Euro. Damit ist der 2.0 TDI mit Abstand der günstigste Kombi in diesem Vergleich.
Wer braucht da noch einen Van? Zumal sich die meisten Großraum-Autos ...
... nicht so angenehm fahren lassen wie das tschechische Transport-Talent.
Denn der macht auch die sportliche Gangart mit, ohne beim Komfort abzubauen. Hat genügend Druck fürs Überholen oder schnelle Reisen. Durschnittsverbrauch im Test: 6,3 Liter.
Seinen Vorsprung erkauft sich der Superb nicht mit luschiger Verarbeitung ...
... oder billigen Materialien: Nein, in jeder Ecke wirkt der Tschechen-Kombi so sauber und gediegen wie der Passat. Die durchdachte Bedienung hat er von VW geerbt, ...
... die sorgfältige Verarbeitung ist Skoda-Verdienst. Das Superb-Orchester leistet sich keine Misstöne.
Mit 1835 Litern ist der Superb der absolute Lademeister im Vergleich. Die glatten Laderaumwände erleichtern das Verstauen des Gepäcks. Die Schienen sind Serie.
Fazit: Mit dem Superb gewinnt das ausgewogenste Auto. Er bietet mehr Platz als seine Konkurrenten, gefällt darüber hinaus mit Komfort und Qualität zum günstigsten Preis. Nur kalt bremst er schlechter als die Gegner. Der Passat hat bekannte Stärken noch verbessert und neue hinzu gewonnen – etwa Assistenzsysteme oder Freilauf-DSG. Das alles hat aber seinen Preis.
Der runderneuerte Mondeo bleibt das ehrliche Fahrerauto mit tollem Fahrwerk und hohem Nutzwert. Er ist dem Passat dicht auf den Fersen, während der gut ausgestattete Opel durch seinen kleinen Kofferraum verliert. Gewinnen kann er dank umfangreicher Garantie nur die Kostenwertung.
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