24.08.2010
Nissan Murano Cabrio (2010)
Der Frühling ist in Sicht, bald lassen die Cabrios wieder ihre Hüllen fallen. Doch nicht alles, was sich jetzt entblättert, hat die passende Figur. 14 AUTO BILD-Redakteure küren ihre ganz persönlichen Geschmacksträger.
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Gewagt, gewagt: Sollte Nissan tatsächlich ein zweitüriges Murano Cabrio planen, dann könnte es so aussehen. Und es würde mit seinem Design vermutlich die Gemüter spalten – ein offenes SUV ist eben nicht jedermanns Sache.
Ein SUV, wie es im Buche steht: Das wuchtige Outfit des Nissan Murano zielt vermutlich eher auf die US-amerikanische als auf die deutsche Kundschaft. Bei 46.740 Euro geht's los (Stand August 2010).
Cabrio-Fahrer sind Genussmenschen mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik. Doch in einigen Fällen darf der gute Geschmack angezweifelt werden. Auf den folgenden Bildern stellen AUTO BILD-Redakteure ihre ganz persönlichen Tops und Flops unter den Cabriolets vor.
Joachim Staat. Top: Der Mazda MX-5 ist mein Mallorca des Offenfahrens. Leicht zu erreichen (ab 22.090 Euro), luftig und lässig wie ein Tag in der Frühlingssonne. Dafür brauche ich kein großes Chichi, der Mazda beschränkt sich klug auf das Wesentliche: keine Sicken, kein Blechdach, steile Frontscheibe für eine kräftige Brise Fahrtwind.
Das Design des MX-5 wirkt fettreduziert wie ein Teller frischer Meeresfrüchte. Wie schön, dass der Roadster sich über 20 Jahre treu geblieben ist – es gibt eben Dinge, die man nicht verbessern kann. Ich fliege auf ihn.
Flop: Nissan Micra CC. Armer Micra, was haben sie aus dir gemacht?! Erst verwässert Nissan die Knuddelform des japanischen Mini, dann ziehen sie dem Kleinen auch noch das Fell über die Ohren. Oder wie soll ich es nennen, dass der Zweisitzer von hinten aussieht wie eine Krokotasche mit Auffahrunfall?
Sein Kürzel CC steht nicht für Coco Chanel, sondern für Crash Chaos. Der Micra beweist, dass die Hardtop-Mode viele Hässlichkeiten produziert – und zum Glück nun ausläuft. So wie der arme Micra CC.
Martin Puthz. Top: VW New Beetle Cabrio. Nicht jede Limousine wird, wenn man sie aufschneidet, zum schicken Cabrio. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Nicht so beim VW New Beetle. Das moderne Käfer-Remake wird erst ohne Dach so richtig schön.
Wie beim historischen Original faltet sich die Stoffmütze zu einem Wulst über dem Heck zusammen. Der verschwindet dann – hübsch altmodisch – unter einer Persenning. Klasse! Fehlt eigentlich nur noch der bratzelnde Boxer-Sound.
Flop: Audi A3 Cabrio. Als VW mir das Golf Cabrio im Erdbeerkörbchen-Look verkaufen wollte, dachte ich: Schlimmer geht's nimmer. Doch jetzt belehrt mich Konzerntochter Audi eines Besseren.
Der offene A3 sieht aus, als hätte der Designer das Tonmodell des Dreitürers aus Versehen zu weit oben abgeschnitten und nachträglich die Frontscheibe sowie zwei klobige Überrollbügel aufgesetzt. Fertig. Doch ganz so nicht. Das A3 Cabrio wirkt plump und uninspiriert – wenn die Bügel doch wenigstens versenkbar wären.
Gerald Czajka. Top: Audi A5 Cabrio. Schauen Sie mal genau hin. Sie können nichts Auffälliges entdecken? Eben. Genau das ist der Trick, mit dem das A5 Cabrio mich in seinen Bann zieht. Keine fallenden und stürzenden Linien, keine konvexen und konkaven Flächen, kein Design-Gedöns – einfach nur klare, klassische Linien.
Die Linien des A5 Cabrio verbinden sich im Auge des Betrachters zu einem ausgesprochen gefälligen Gesamtkunstwerk. Und sind über jede Effekthascherei erhaben. Herrlich. Ich empfehle das A5 Cabrio dringend als Lehrstück für angehende Designer.
Flop: Lexus SC 430. Ich gestehe: Als der Lexus-Luftikus vor neun Jahren auf unseren Straßen auftauchte, empfand ich ihn als Bereicherung. Weil er anders war als die anderen. Was konkret vor allem aber meint: unförmiger als die anderen.
Dass sich das barocke Blech am Heck auftürmt und in einem Kofferraumdeckel wie ein Doppelkinn mündet, mag technisch dem Blechklappdach geschuldet sein, schrammt optisch aber an den Grenzen des guten Geschmacks. Eleganz und Leichtigkeit gehörten jedenfalls sicher nicht zum Vokabular des verantwortlichen Designers.
Dirk Branke. Top: BMW Z4. Lange Haube, Sitze fast auf der Hinterachse, scharfes Heck – so soll ein Roadster sein. Ein Gesetz seit ewigen Zeiten. Dieser hier transportiert es ins 21. Jahrhundert.
Der Z4 ist breit und flach, mit spitzer Schnauze und rasanten Fugenverläufen. Großartig eingerichtet, mit leisen Anklängen an den legendären Z8. Und – so etwas gibt es ganz, ganz selten – der Z4 sieht auch mit geschlossenem Dach hinreißend aus.
Flop: VW Eos. Keine Frage, der Eos besitzt das genialste Klappdach im großen Hardtop-Universum. Doch sein Design? Alles andere als eine Meisterleistung: schwülstig, schlaff und weichlich, ohne erkennbaren Charakter oder Identität.
Besonders missraten sind den Formgestaltern die füllige Flanke und das klobige, unförmige Heck. Klar, da steckt das Dach drin, doch was nutzt das allerbeste Ingenieurverdeck, wenn es dem Cabrio den kompletten Auftritt versaut? Kein Ruhmesblatt für ein Auto in der Tradition unsterblicher Käfer Cabrios und Golf-Erdbeerkörbchen.
Wolfgang König. Top: Aston Martin V8 Vantage Roadster. Er hat Hüften wie Marilyn Monroe. Und das Gesicht einer Angelina Jolie. Als ich ihn das letzte Mal sah, musste ich mir in den Handrücken beißen, um die Tränen zurückzuhalten. So schön finde ich ihn. Würde er vor meinem Haus parken, würde ich nachts ans Fenster schleichen, um ihn unten stehen zu sehen.
Nur Zweisitzer mit langer Haube, kurzem Heck und niedriger Frontscheibe können aussehen, als wären sie offen geboren. Nicht wie Coupés, die geköpft wurden. Und kein zeitgenössischer Zweisitzer schafft das so formvollendet wie der Aston.
Flop: Peugeot 207 CC. Mag ja sein, dass so ein frisurschonendes Offenauto dem Zeitgeist entspricht. Aber schön? Gut aussehende Blechdachcabrios sind schwerer zu finden als Bücher im Big-Brother-Container. Und dieser Peugeot gehört sicher nicht dazu.
Mal abgesehen von diesem Maul und der Knubbelnase: Geschlossen sieht das Ding aus, als würde es rückwärts fahren. Und offen wie ein Pantoffel. Aber was heißt hier schon offen, wenn sich die Frontscheibe über einen stülpt wie eine Käseglocke?!
Lars Hänsch. Top: Ford Galaxie 500 Convertible, 3.Generation, Baujahr 1965 bis 1968, am liebsten mit 390er oder 428er Big Block. Riesengroß, breit und bärenstark, kein Cabrio hat schönere, weil klarere, schnörkellosere Formen. Cruisen in den Sonnenuntergang kann der Hobel genauso lässig wie auf dem Dragstrip eine amtliche Zeit in den Asphalt brennen.
Flop: Nissan Micra CC. Sellvertretend für viele andere Blechdach-Cabrios, die ihre Schönheit dem festen Dach opfern. Zu klein, zu eng, viel zu dickes Hinterteil, die Proportionen sind nicht stimmig. Dann lieber das Smart Cabrio!
Lars Busemann. Top: Mercedes-Benz 500 K Spezial-Roadster. Eine formvollendete Ikone des Automobilbaus. Jede Linie, jedes Detail von atemberaubender Schönheit. Die herrlich geschwungenen Kotflügel umschmeicheln das Auge des Betrachters wie sanfte Wellen eine malerische Bucht. Heute so eindrucksvoll wie 1934.
Flop: Triumpf TR7 Roadster. British Leyland war mitverantwortlich für den Untergang der englischen Roadster-Kultur. Keilform, Klappscheinwerfer und Kunststoff lassen den TR7 aussehen wie ein chinesisches Spielzeugauto, Rasse und Charakter der legendären Vorgänger blieben auf der Strecke. Ein düsteres und letztes Kapitel aus der Ära British Elend!
Stephan Bähnisch. Top: Volvo C70, schön, elegant und zeitlos, fährt nicht so perfekt wie ein BMW 3er Cabrio, aber entspannt automatisch, wenn man drinsitzt. Dazu ein seltener Gast auf unseren Straßen, das macht ihn umso wertvoller.
Flop: Chrysler PT Cruiser Cabrio. So geht Retro nicht. Ein hässlicher Henkel, das ganze Auto wackelt wie ein Lämmerschwanz und zittert wie Espenlaub. Dazu kommt ein schwachbrüstiger 2,4-Liter-Motor mit einer schlecht abgestimmten Automatik. Der geht gar nicht.
Michael Voß. Top: Aston Martin DBS Volante. Der DBS ist für mich der schönste aktuelle Sportwagen. Nur einer kann ihn toppen: das Cabrio. Zwölf Zylinder mit sechs Litern Hubraum sind für mich schon beim Vorbeifahren ein absolutes Wunschkonzert. Die Vorstellung, diesem Sound dann auch noch im Cockpit bei geöffnetem Verdeck zu lauschen: Speichelsturz!
Christian Beckmann. Top: BMW Z8. Den mag ich, weil er so unaufdringlich elegant, aber auch mächtig aufregend aussieht – ein bisschen wie eine besonders schöne, blech gewordene Interpretation meiner selbst. Ganz großartig finde ich, dass der Wagen ein Stoffverdeck hat. Das muss sein, ein Stahlklappdach zerstört den Cabrio-Charakter.
Flop: Renault Wind. An dem Auto stimmt gestalterisch gar nichts – außer, dass ich es aus wirklich jeder Perspektive konsequent misslungen finde. Jammerschade, dass von der Genf-Studie aus dem Jahre 2004 bis auf das Markenlogo nichts übrig geblieben ist. Was Designer (oder Marketingstrategen) in sechs Jahren anrichten können, ist unfassbar.
Jochen Knecht. Top: Fiat 500 C. Natürlich ist der 500 C "Gay Car of the Year". Na und? Irgend jemand musste ja seine Vorzüge erkennen. Wo andere ein sauschweres Klappdach in ein eigentlich viel zu kleines Auto packen, erinnert sich Fiat an das gute alte Faltdach. Das ist leicht und günstig. Zweckmäßig, eben. Fast wie beim seligen Fiat Panda mit Faltdach.
Flop: Mercedes E-Klasse Cabrio. Der Nachfolger des klassischen 124er-Cabrios ist mehr Luftnummer als Cabrio. Warmluft-Föhn in den Nackenstützen, Luftschutz-Spoiler über (!) der Frontscheibe – das aktuelle E-Klasse Cabrio beantwortet Fragen, die kein Mensch gestellt hat. Wer Angst vor Zugluft hat, darf sich kein Cabrio kaufen. So einfach ist das.
Boris Pieritz. Top: Corvette C6 Convertible. Der V8-Dampfhammer mit 436 PS haut beim Beschleunigen jedem Toupetträger die Kunsthaarpracht von der Platte. Bodennahes Frischluft-Fahren vom Feinsten zu einem prima Preis-Leistungs-Verhältnis!
Flop: Fiat Barchetta. Gott sein Dank wird diese Gurke nicht mehr gebaut. Wie kann ein Roadster nur so unsportlich und unsexy aussehen. Und das von Fiat, die ja sonst durchaus ein Gespür für dynamisches Design haben.
Stefan Voswinkel. Top: Porsche 944 S2 Cabrio. Natürlich, weil ich selbst eins fahre. Und weil es zeigt, wie man aus einem Schrägheck-Coupe ein wunderschön stimmiges Stufenheck-Cabrio mit perfekten Proportionen machen kann.
Flop: Mitsubishi Colt CZC. So muss ein Auto aussehen, wenn der Designer nach einer durchzechten Nacht morgens schnell seinen Entwurf fertig zeichnet und in aller Schnelle abgeben muss. Proportionen Fehlanzeige.
Stephanie Kriebel. Top: Aston Martin V8 Vantage Roadster. Exklusiv, edel, sexy – ein Traum.
Flop: Mitsubishi Colt CZC. Cabrios sollten schön sein. Sie sind zum Genießen da. Zweckmäßigkeit ist nicht ihr Metier und gilt daher nicht als Ausrede für Problemzonen. Und der Colt CZC ... Nun ja. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
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