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Nissan Qashqai im Dauertest

Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Als vor zehn Jahren der erste Nissan Qashqai erschien, war er ebenso ungewohnt wie allein auf weiter Flur. Der aktuelle Qashqai (2014 vorgestellt) ist längst umringt von zwei Dutzend Konkurrenten. Der Allradler bei AUTO BILD im Dauertest!
Bild: Roman Raetzke
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Unser Dauertester ist ein 1,6-Liter-Diesel als Accenta mit Handschaltung. Offiziell ist er für 31.437 Euro zu haben.Schnell stellt man fest: Der Nissan ist zum Vollwert-SUV gewachsen, der sich vorm Klassenprimus Tiguan nicht mehr verstecken muss.
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Geräumig genug auch in der zweiten Reihe, ein variabler Kofferraum (430 bis 1585 Liter) mit doppeltem Boden und wie beim Vorgänger feste, ausladende Sitze – der Qashqai war auf Langstrecken schnell ein beliebter Begleiter. Nur im Fond kam von der Klimaanlage zu wenig an, zudem klagten Passagiere bald über laute Windgeräusche. Ein bekanntes Problem, Nissan soll mittlerweile die Türdichtungen nachgebessert haben.
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Für den Hunde-Test wurde eine Labrador-Dame gebucht. Ihre Transportbox passt perfekt.
Bild: Manfred Klangwald
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Der Qashqai hat ein gutes Konzept mit Schwächen im Detail: So steigt der Fahrer zwar bequem ein, hockt hoch wie auf dem Kutschbock und freut sich über große Außenspiegel, ...
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
... sieht aber nach hinten so schlecht, dass die Rückfahrkamera notwendige Hilfe leistet.
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Der große Touchscreen liefert scharfe Bilder, hat aber so kleine Bedienfelder, dass der Fingertipp öfter danebenliegt. Das Infotainment koppelt sich zuverlässig per Bluetooth und erkennt Nutzer sicher wieder, doch das Navisystem hat uns ebenso zuverlässig in Staus gelotst.
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Nissan hat beim zweiten Qashqai ordentlich aufgerüstet und Assistenzsysteme hineingepackt, doch wirkten die Fahrhilfen nicht ausgereift. "Die übereifrige Spurverlassenswarnung verwirrt nur", monierte Redakteur Alex Cohrs-Henschel. Verkehrszeichen wurden nicht sicher erkannt, der Fernlichtassistent reagierte zu träge.
Bild: Sven Krieger
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Suchspiel im Qashqai-Cockpit: Wo schaltet man ESP und Assistenten aus, den Allradantrieb auf Lock? Antwort: im dunklen Versteck auf Höhe des linken Fahrerknies (links).
Bild: Uli Sonntag
Nissan Qashqai 1.6 dCi 4x4
Für Ruhe an Bord sorgte vor allem der Wunderknabe von einem Diesel. Der 1,6-Liter lief – nach dem üblichen Rumoren beim Kaltstart – nicht nur wunderbar vibrationsarm, sondern auch vorbildlich sparsam (6,5 Liter im Testschnitt). Zudem gab der dCi den Temperamentsbolzen, der auf der Autobahn auch im sechsten Gang noch so zulegte, dass Zweifel an der Leistung aufkamen. "Das sind doch keine 130 PS?!", meinte Testassistent Stefan Mallach. Stimmt, es waren 135, wie eine Messung festhielt.
Bild: Sven Krieger
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Schade nur, dass der Antrieb nicht schadenfrei durchhielt. Erst schwitzte nach 30.512 Kilometern die Ölwannendichtung, dann stand der Nissan sogar zwei Tage in der Werkstatt. Ein defekter Simmerring bei Kilometer 63.109 leckte zwischen Motor und Getriebe und wurde ersetzt. Recht früh, aber "beides sind Einzelfälle", beteuert Nissan.
Bild: Dekra
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Den 1.6 dCi wählt nur jeder fünfte Kunde, zugleich bevorzugt die absolute Mehrheit (83 Prozent) den günstigeren Frontantrieb. Sie liegen richtig, weil nicht mal der Allrad unseres Qashqai das Drehmoment des dCi immer sauber auf den Boden brachte. Auf nassen Straßen scharrten beim Anfahren oft kurz die Vorderräder, bevor die Hinterräder per Visco®-Kupplung unterstützten und den Schlupf beseitigten.
Bild: Sven Krieger
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Doch bei fiesem Wetter und auf Wirtschaftswegen konnte der 4x4-Vortrieb punkten: "Lock" sperrt die Visco®-Kupplung.
Bild: Martin Puthz
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Dass die Schaltung beim Einlegen der Gänge gern kratzte oder die Kupplung manchem Fahrer zu schwergängig erschien – geschenkt, beide boten auch nach Demontage keinen Anlass zu Kritik. Interessanter, wie das Fahrwerk die Geschmäcker spaltete. Was Redakteur Andreas Borchmann als "lautes hölzernes Abrollen" empfand, beurteilte AUTO BILD KLASSIK-Kollege Martin Puthz feinnervig: "Lange Wellen schwingt er schön aus, aber grobe Stöße krachen böse durch. Kopfsteinpflaster kann er wieder gut."
Bild: Sven Krieger
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Und hatte der Lärmpegel im Auto wirklich zugelegt, oder waren wir nur empfindlicher geworden? "Der ist zu laut", waren sich die meisten einig. Dem Nissan fehlt halt die Allround-Reife, ...
Bild: Roman Raetzke
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... das kam auch bei der abschließenden Zerlegung zum Vorschein. Unser Dauertestteam beanstandete schlappe Türdichtungen und mangelhafte Geräuschdämmung in den Radhäusern, auch der Diesel könnte besser isoliert sein. Der machte aus seinem Arbeitsprinzip nie ein Geheimnis.
Bild: Uli Sonntag
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Und hier sehen wir einen der Übeltäter: Die MicroPor-Keile zur Geräuschdämmung zwischen Radhäusern und der Kabine sind unterdimensioniert.
Bild: Uli Sonntag
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Ebenfalls lärmdurchlässig: Die Türdichtungen wirken im Vergleich zu Wettbewerber-Fahrzeugen eher schwach und sitzen lose.
Bild: Dekra
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Haltlos: An der Frontschürze löst sich großflächig der Klarlack. Auslöser sind Steinschläge und ungenügende Haftung.
Bild: Uli Sonntag
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DEKRA-Profi Günther Schiele vermisst den Verschleiß. Alle Zylinder sind im Soll-Maß.
Bild: Uli Sonntag
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Gegensätzlich: Zwei Dieselinjektoren waren bei Ausbau stark korrodiert, zwei strahlten satt ölig.
Bild: Uli Sonntag
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Auf den letzten Kilometern bereits hörbar: Das sehr dünne Abschirmblech am Auspuff war am Ende zum zweiten Mal eingerissen. Inzwischen wird es aber bei der Produktion besser befestigt.
Bild: Dekra
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Fassen wir zusammen: Der Nissan wühlte sich durch, er gab nie auf. Die Zuverlässigkeit stimmte ringsum. Das viele Hartplastik im Interieur, bei Testbeginn argwöhnisch befingert, blieb bis zum Schluss solide montiert und leise wie in einer Kirche. Alles solide Arbeit. Nur außen an der Frontschürze blätterte langsam der Klarlack ab. Hässliche Folge von mangelnder Lackhaftung und Steinschlag. Der Lack drumherum blieb dagegen pickelfrei.
Bild: Sven Krieger
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Eine weitere Überraschung erwartete uns bei der letzten Wartung: Die Bremsen brauchten nur neue Klötze, die teuren Scheiben aber hielten über die ganze Distanz. Oha, das sieht man selten im Dauertest und passt zum Urteil ...
Bild: Roman Raetzke
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... von Redakteur Henning Hinze: "Der Qashqai ist ein Hartplastik-Arbeitstier mit Top-Motor." Eines, das selten zum Listenpreis weggeht und dank Aktionen und Hauspreisen erfreulich günstiger zu haben ist als der Tiguan. In seiner Preisklasse um die 23.000 Euro gehört er zum Besten, was die Hochsitzliga zu bieten hat.
Bild: Roman Raetzke
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Fazit: Dem Qashqai fehlt etwas der Feinschliff. Nissan hat seinen Bestseller in der zweiten Generation modernisiert und zuverlässiger gemacht – abzulesen an der guten 2 als Gesamtnote. Die Schwächen bei Dämmung, Fahrwerk und Assistenten verraten, was zur Spitze fehlt. Mit Qualität bis ins Detail sind die SUVs von Kia und Mazda vorbeigezogen.
Bild: Sven Krieger