Diese drei Kurschatten gibt es leider nicht auf Rezept: Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse verwöhnen als Komfortlimousinen in der automobilen Oberklasse.
Warum zum Achtzylinder greifen, wenn es doch den Sechszylinder-Diesel gibt? Unter den Hauben von E 350 CDI, A6 3.0 TDI und 530d herrscht Einigkeit in Sachen Zylinderzahl. Und auch in der Endabrechnung liegen die drei dicht beieinander.
Den dritten Platz belegt der BMW, er holt 359 von 500 möglichen Punkten. Der 530d überzeugt als Wohlfühlauto mit Biss, agilem Handling und kraftvollem Motor. In Sachen Raumangebot und Gesamtkomfort ist der große Bayer aber nur noch zweite Wahl.
Münchner Sonderweg: Der Sechser im 5er trägt seine Zylinder in Reihe. Ein Turbolader drückt aus den insgesamt drei Liter großen Brennräumen 235 PS und 500 Nm Drehmoment. Der BMW würzt sein Wellnessprogramm mit sportlichem Aroma, ...
... nicht aufdringlich, aber doch spürbar. Das zeigt sich beim Gasgeben, wenn sein Reihensechszylinder noch energischer als die V6-Maschinen der Konkurrenten zubeißt und dabei vernehmlicher grollt. Von 0 auf Tempo 100 braucht der 530d 7,1 Sekunden, Spitze: 248 km/h.
Schnell gefahrene Wechselkurven absolviert der BMW mit neutralem Eigenlenkverhalten, präzise und mit aufrechtem Gang. Das setzt allerdings voraus, ...
... dass der Kunde das sogenannte Dynamic-Drive-Paket (2360 Euro) mit aktivem Wankausgleich ordert. Sportlich sind freilich auch ...
... die vergleichsweise knapp bemessenen Federwege, was beim Überfahren großer Bodenwellen schon mal ...
... für Turbulenzen auf den Sitzen sorgt. Insgesamt also eher belebend als beruhigend, dieser 5er, aber das muss ja kein Fehler sein.
Der Arbeitsplatz: Berg-und-Tal-Design und beengtes Raumgefühl im Cockpit. Der Bildschirm auf der Mittelkonsole ist extrabreit, das iDrive-System leicht beherrschbar.
Gangwechsler: Die sehr gute Sportautomatik kostet 2330 Euro extra, hat sechs Fahrstufen und ...
... lässt sich über Schaltwippen hinter dem Lenkrad auch manuell bedienen.
Körpergerechte Rücksitze mit großer Schenkelauflage und ausreichend Platz finden die Passagiere im BMW-Fond. Für Langarmige gibt es eine üppige, ausklappbare Lehne in der Mitte.
Der BMW-Kofferraum ist nicht ganz so glattflächig wie die Gepäckabteile der Konkurrenz und obendrein mit 520 Litern Fassungsvermögen etwas weniger geräumig. Auch bei der Zuladung wird geknausert: 422 Kilogramm – zu wenig.
Der BMW 530d ist mit 51.590 Euro der teuerste der drei Konkurrenten. Im Preis eingerechnet sind die Sportautomatik (2330 Euro) und Dynamik Drive (2350 Euro).
Auf den zweiten Platz fährt mit 364 Punkten der A6 vor. Der Audi ist groß, schön und gut verarbeitet, kommt dank seines Allradantriebs immer voran. Fahrdynamisch ist er aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.
Kräftig: Der drei Liter große Turbo-V6 schickt 240 PS und 500 Nm Drehmoment in den Antriebstrang.
Die Vorzüge des Audi zeigen sich vor allem bei widriger Witterung. Sein serienmäßiger Allradantrieb hilft ungemein, die vielen Newtonmeter zuverlässsig auf die Straße zu bekommen. Ansonsten bietet er nicht ganz die Ausgewogenheit des Mercedes, ...
... wirkt im Antritt eine Idee weniger kraftvoll (0–100 km/h: 7,1 s.; Spitze: 250 km/h), lenkt weniger präzise, schiebt in engen Kurven stärker über die Vorderräder und reagiert auf kurze Fahrbahnstöße ruppiger (woran auch die im Testwagen eingebaute, 1950 Euro teure Luftfederung nichts ändert). Alles kein großes Malheur, ...
... aber im direkten Vergleich nicht von der Hand zu weisen. Vorbildlich dagegen die Bremsen: Schneller steht in dieser Runde keiner.
Das Cockpit des A6 sieht gut aus, ist übersichtlich und gut verarbietet.
Typisch Audi: Schaltersammlung rings um den Wählhebel. Die Sechsstufenautomatik ist gut abgestimmt, ...
... auch sie bietet eine manuelle Schaltoption über Wippen.
Das passt: Die Sitze sind bequem und bieten viel Seitenhalt.
Im Fond hat der A6 etwas weniger Platz als die E-Klasse, und der Ein- und Ausstieg ist beschwerlicher. Aber dafür sind die Rücksitze bequem geraten.
546 Liter – so groß muss ein Kofferraum in dieser Klasse sein. Die umklappbaren Rücksitzlehnen kosten allerdings wie bei den Konkurrenten Aufpreis. Erlaubte Zuladung: 476 Kilogramm.
Das billigste Auto im Vergleich kommt aus Ingolstadt: Für einen A6 3.0 TDI inklusive Luftfederung (1950 Euro) müssen 51.100 Euro an Audi überwiesen werden.
Auf dem ersten Platz strahlt mit 379 Punkten ein Stern: Die E-Klasse ist als E 350 CDI die Ruhe selbst, außerdem stark, sicher sparsam – ideal also für entspanntes fahren. Da könnte einen höchstens der Preis aufregen.
Auch der Mercedes-V6 baut auf drei Liter Hubraum und Turboaufladung. Der Diesel murmelt so dezent, als arbeite er in einer Meditationskammer. Und wenn es sein muss, entwickelt er mit 231 PS und 540 Nm Drehmoment genügend Schmackes, ...
... um das Gros der Verkehrsteilnehmer hinter sich zu lassen – ganz locker und ohne Hektik. In 6,7 Sekunden stürmt der Benz auf Tempo 100, er erreicht maximal 250 km/h.
Die geschliffenen Manieren des Mercedes ergänzt das Fahrwerk. Er ist keine Sänfte, aber lästige Stöße filtert die Federung zuverlässig raus. Selbst große Verwerfungen der Fahrbahn bringen ihn nicht aus dem Konzept – beeindruckend, noch mehr allerdings ...
... ohne das im Testwagen eingebaute Sportfahrwerk. Den Aufpreis von 500 Euro sollten sich Komfortfreunde unbedingt sparen. Zumal der E-Klasse ohnehin nichts Sportliches anhaftet. Ihre Stärke ist ...
... die Mühelosigkeit des Fahrens. Sie folgt präzise und mit geringem Lenkaufwand dem Kurs, immer leicht untersteuernd, ohne den Kurvenheld zu markieren. Sehr angenehm, diese Mischung, und schonend fürs Nervenkostüm.
Das Tagfahrlicht der E-Klasse ist in Form eines Winkels in der Frontschürze platziert. Für manche sieht aus wie aus dem Zubehör, ...
... auch sonst scheidet das Design die Geister: Mussten die seitlichen Hinterbacken und diese merkwürdig geteilten Scheinwerfer wirklich sein?
Natürlich auch im Mercedes: reichlich Bewegungsfreiheit, Verwöhnsitze mit großem Verstellbereich und die gediegene Atmosphäre eines Qualitätsprodukts.
Sorgenfreie Wohlfühloase: Die Gewissheit, die optimale Sicherheitsausstattung an Bord zu haben, wirkt wie Balsam für ängstliche Gemüter. Das Abstandsradar ist nur ein Beispiel von vielen.
Sachlich: Strenge Funktionalität herrscht im übersichtlichen Mercedes-Cockpit mit Anbau für den Bildschirm.
Kinderspiel: Die Bedienung über den Dreh-Drück-Steller à la BMW ist leicht zu erlernen.
Mit dem V6-Motor unter der Haube trägt die E-Klasse den Wählhebel für die Siebenstufen-Automatik griffgünstig am Lenkrad.
Angenehm auch in der zweiten Reihe: bester Einstieg, bestes Raumangebot und eine entspannte Sitzposition im Mercedes-Fond.
Für die große Reise sehr gut geeignet: 540 Liter Kofferraumvolumen, 504 Kilogramm Zuladung, gut nutzbar und dank breiter Luke leicht zu beladen.
Preis-Leistungs-Sieger: Mercedes verlangt für einen E 350 CDI 51.491 Euro – inklusive Direct-Control-Fahrwerk für 500 Euro.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Nein, der Nobeldiesel unter den E-Klasse-Modellen ist keiner, der die Konkurrenz vernichtet. Dazu ist sein Vorsprung zu gering. Aber er ist einer, ...
... der in den entscheidenden Kriterien ein wenig mehr bietet: den etwas kräftigeren und kultivierteren Motor, das etwas bessere Raumangebot, den angenehmeren Komfort, ...
... Vorteile bei der Sicherheit. Das reicht dann für Platz eins. Der Audi kann dagegen sein fortgeschrittenes Alter im Vergleich nicht mehr verheimlichen. Das kann auch der Vorzug des Allradantriebs nicht wettmachen. Und dem BMW fehlt es zudem an Raum und Komfort."
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