Ein Hoffnungsträger in der Pylonengasse: Der neue Opel Astra muss einschlagen wie der Blitz. Hat er auch das Zeug dazu? AUTO BILD hat den Rüsselsheimer als 1.7 CDTI Cosmo getestet.
Motor der Wahl ist der 1,7 Liter große Turbodiesel mit 125 PS und 280 Nm Drehmoment. Der raue Selbstzünder schiebt nur zwischen 2000 und 3500 Touren anständig voran, darunter und darüber wirkt der Oldie lustlos wie ein GM-Vorstand beim Versuch der Selbstkritik. Vor allem ...
... die 1586 Kilo Fahrzeuggewicht – 200 Kilo mehr als der Vorgänger – machen der Maschine schwer zu schaffen. Bei den Fahrleistungen macht der Neue gegen den Alten keinen Stich, ob beim Sprint auf Tempo 100 in 11,6 Sekunden oder beim Überholen im großen Gang. Kleiner Trost: Mit rund sechs Litern Verbrauch gehört der alte Brummbär nicht zu den Säufern.
Richtig gut gelungen ist Opel das harmonische Fahrwerk, das sich im Testwagen verstellen lässt (FlexRide-System für 930 Euro Aufpreis). Auch ohne Mehrlenker-Hinterachse, wie sie der Golf hat, pfeffert der prima ausbalancierte Astra dank breiter Spur, längerem Radstand und ...
... fein regelndem ESP willig um die Kurven. Dabei untersteuert er kaum, liegt vertrauenerweckend stabil. Bei zügiger Fahrt wünschen wir uns mehr Rückmeldung von der spitz ansprechenden Lenkung. Besser klappt’s im Sport-Modus von FlexRide, der nicht nur die Dämpfung der Federelemente strafft (unnötig), ...
... sondern auch die Rückstellkräfte der Lenkung (empfehlenswert). Doch der Astra hat nicht nur fahrdynamisch spürbare Fortschritte gemacht, sondern auch beim Komfort. Seine geschmeidige Federung ...
... bügelt schon in Normalstellung die meisten Unebenheiten einfach glatt – da freut sich der Tester. Selbst Autobahn-Querfugen haben ihren Schrecken verloren: Quälte der Vorgänger noch mit lästigem Stuckern der Vorderachse, bleibt der Neue die Ruhe selbst. Das macht den Astra zu einem vorzüglichen Reisewagen.
Vorn bietet der neue Astra Platz in Hülle und Fülle, perfekte Sitzpositionen, bequeme Sessel und ...
... ein ansehnliches Cockpit. Der Arbeitsplatz hat Schwung, ist aber nicht unbedingt auf den ersten Blick zu durchschauen. Außerdem stören sich Qualitätsfanatiker mit Recht am vielen Hartplastik.
Lichtspielerei: Während die Astra-Instrumente im Standard-Betrieb in weißem Licht leuchten, ...
... werden sie im Sport-Modus in sattem Rot illuminiert.
Im Fond schrumpft der 4,42 Meter lange Astra auf Kleinwagen-Format: Langen Passagieren fehlt es an Schenkelauflage und Beinfreiheit. Zudem schubbern die Knie genau an den Metallrahmen in den Rücklehnen der Vordersitze.
Unzureichend: Die Kopfstützen im Fond fallen für Erwachsene viel zu kurz aus.
Handbremshebel überflüssig: In der Parkposition lässt sich der neue Astra elektrisch arretieren.
Dürfen heutzutage nicht mehr fehlen: diverse Anschlüsse für Lifestyle-Elektronik über dem Ablagefach.
Moderne Zeiten: Konfigurationsmenü des Opel Astra.
Viel Platz für Kleinkram: Das Handschuhfach ist zweistöckig.
Apropos Platz: Das Gepäckabteil bietet je nach Sitzkonfiguration zwischen 370 und 1235 Liter Fassungsvermögen, ...
... der Ladeboden lässt sich in der Höhe verstellen.
Mit der umfangreichen Cosmo-Ausstattung kostet der Astra 1.7 CDTI ab 24.840 Euro und ist damit kein Sonderangebot. Wahrer Luxus wie Leder oder DVD-Navigation treibt den Preis weiter nach oben.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth: "Der neue Astra sieht attraktiv aus, er fährt spürbar dynamischer als bisher und bietet einen ausgewogenen Federungskomfort – ein klarer Fortschritt. Von gestern sind jedoch ...
... der unharmonische Brumm-Diesel aus dem Reste-Regal und der drastische Gewichtszuwachs von 200 Kilogramm. So hinterlässt der Astra am Ende ein zwiespältiges Bild, ...
... zumal auch der Platz im Fond und die Rundumsicht verbesserungswürdig sind. In dieser Form ist er zwar groß, aber (noch) kein ganz Großer."
Schon einmal war AUTO BILD mit dem neuen Astra unterwegs, um seine Qualitäten zu checken. Zum Beispiel auf der Nürburgring-Nordschleife. 33 Links- und 40 Rechtskurven, die sich auf 20,8 Kilometern durch die Eifel winden. Heiliger Boden des Motorsports. Und unerbittliches Test-Terrain.
Die 15 Runden entsprachen von der Materialbelastung her 3000 Alltagskilometern. In flotten 9:30 Minuten flog der Astra um den Kurs. Respekt.
Quer durch Europa in nur sieben Tagen? Nichts leichter als das! Der neue Astra zeigte sich als prima Reiseauto. Durch die gewachsene Innenbreite fühlt man sich zumindest vorne nicht eingeengt.
Das verstellbare Flex-Ride-Fahrwerk (930 Euro) gleitet im Tour-Modus lässig über die Autobahn, ...
... für 1150 Euro weist ein DVD-Navigationssystem mit Farbbildschirm den Weg durch mehr als 30 Länder.
Raus aus der Kälte, rein in die Hitze – südlich der Alpen hält der Sommer stets ein wenig länger durch. Also ab nach Italien, wo das Thermometer Anfang Oktober noch 28 Grad meldete. Doch im Opel ließ es sich aushalten. Bei unserem Cosmo-Modell ist die Klimaautomatik serienmäßig.
Verbessert: Die Regler sind jetzt höher und griffgünstiger platziert als beim Vorgänger.
Gut gerüstet auch für den mediterranen Sommer: Stand der Opel in der prallen Sonne, ...
... kühlte die Anlage ihn schnell auf Wohlfühltemperatur herunter. Die Cockpit-Kunststoffe dünsteten keine stechenden Gerüche aus. Auf den Lederpolstern gab's bei Tropenhitze aber schon mal schwitzige Hosenbeine.
So ziemlich das Gegenteil von Hitze: Das Quecksilber am Stilfser Joch zeigte für den Astra und seinen Piloten knapp null Grad. Beim morgendlichen Kaltstart auf der Passhöhe ...
... klang der Opel-Diesel wie eine Gruppe Murmeltiere beim Nüsseknacken. Innen kam davon dank guter Dämmung jedoch wenig an. Nach dem Losfahren freute sich die Testcrew ...
... über die schnell ansprechende Heizung. Der dreistufige Sitzwärmer (385 Euro im Cosmo-Komfort-Paket mit Parkpiepsern) hat in der heißesten Stellung fast schon Grill-Qualitäten. Dafür dürfte die laue Lenkradheizung (190 Euro) ruhig ein paar Grad zulegen.
Hundehaare, Schokoladenfinger, Straßenschmutz: Der Familientest entlarvte, wie gut der Astra mit dem Alltag fertig wird. Prima, fanden die Lorenzens. Dass Vierbeiner Blacky mit dreckigen Pfoten ...
... über die Rückbank turnte – kein Problem. Die Ledersitze (1350 Euro im Cosmo) hielten die Krallen dank robuster Oberfläche ohne Kratzer aus. Die Cockpit-Kunststoffe zeigten sich strapazierfähig, die Teppiche mit dem Sauger leicht zu reinigen. Nur in den vielen Fugen, ...
... vor allem der Mittelkonsole, setzte der Staub sich fest. Ein kurzer Wisch reichte da nicht. Urteil zum Platzangebot: na ja. Dass der Opel im Vergleich zum Vorgänger 17 Zentimeter länger geworden ist, ...
... war im Fond nicht zu spüren. Auch damals schon stellte sich die Frage: Wo ist der Zuwachs bloß versickert?
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