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Porsche 911 GT2 RS im Supertest

Porsche 911 GT2 RS
Wie all seine Vorgänger geht auch der neue GT2 RS aus einer Kreuzung der jeweiligen Elfer-Extreme hervor. Auf der einen Seite die angestachelte Antriebsgenetik des Turbo, auf der anderen die gestählte Fahrwerkssubstanz des GT3 RS. Und diesmal zieht Porsche wirklich alle Register. Wir machen den Supertest.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
Antrieb: Und auch wenn man es angesichts von 700 PS und 750 Newtonmetern kaum glauben mag, so markieren die Modifikationen des 3,8-Liter-Boxers eigentlich noch das Harmloseste am gesamten Auto. Basis ist der Turbo-S-Treibsatz, der von zwei größeren VTG-Ladern flankiert wird.
Bild: Toni Bader
Porsche 911 GT2 RS
Ansaugung und Ladeluftkühlung wurden der höheren Ausbeute angepasst, Letztere obendrein mit einer Wasseraufspritzung versehen. Steigt die Ansaugtemperatur über 50 Grad Celsius, werden die Wärmetauscher mit einem feinen Sprühnebel besprinklert, was die Temperatur nochmals um bis zu 20 Grad absenkt, ...
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
... und selbst im Hochsommer konstante Trackday-Leistungen garantiert. Gespeist werden die Düsen aus einem schmucken Carbonbehälter im Kofferraum, der rund fünf Liter fasst.
Bild: Toni Bader
Porsche 911 GT2 RS
Und sonst? Das Doppelkupplungsgetriebe hängt jetzt an einer kürzeren Achse, sitzt obendrein auf aktiven Lagern und weist durchweg schärfere Synapsen auf.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
Die gesamte Abgasanlage räkelt sich als federleichtes Titangeflecht ums Heck und besitzt nach der Staudruck-Optimierung à la Weissach sage und schreibe noch einen ganzen Schalldämpfer – der ab 3200 Touren umgangen wird. 
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
Im Stand raunzt einem das Sextett zwar ein durchaus furchteinflößendes Ständchen, mit steigender Last dämpfen die Lader jedoch einen Großteil des Schalldrucks heraus. Trotzdem: Der Klang hat Charme, besitzt Tiefe, eine sehr raue Note und schnottert schön aggressiv aus den beiden Endrohren. Und ...
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
... er passt perfekt zur Art der Leistungsdetonation – diesem sanften Aufplustern im unteren Drehzahlbereich und dem imposanten 750-Newtonmeter-Schwall, der ab etwa 3000 Touren einsetzt. Danach herrscht schließlich der absolute Ausnahmezustand, wobei weniger die Macht der beiden Lader als vielmehr deren Ausdauer übermannt.
Bild: Uli Sonntag
Porsche 911 GT2 RS
Fahrleistungen: Entsprechend imposant sind schließlich auch die Werte, die der Porsche ins Messgerät presst. Stimmen die Bedingungen, schnalzt der GT2 wie am Bungeeseil gezogen nach vorn. 2,7, 8,1, 22,9 Sekunden – so die Bilanz nach 100, 200 und 300 km/h. Vmax: 340 km/h.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Porsche 911 GT2 RS
Bremse: Die Bremswege an sich enttäuschen fast ein bisschen. Nicht, weil man mit 114,6 Metern aus zweihundert oder 242,6 Metern aus dreihundert schlecht dastünde, Gott bewahre. Sondern einfach, weil man auf jedem dieser vielen Meter merkt, dass der Porsche eigentlich noch weit mehr könnte.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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Das ABS regelt unfassbar schnell, das Pedalgefühl ist ebenso klar wie stabil, die Bremsbalance auf den Punkt perfekt, und ab spätestens 250 km/h merkt man sogar, dass sich der Spoiler stabilisierend an der Verzögerung beteiligt. Aus Tempo 100 steht der GT2 RS nach 30,7 Metern.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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Handling/Fahrspaß: Das Fahrwerk basiert im Prinzip auf dem des GT3 RS, übernimmt faktisch jedoch kaum mehr als ein paar Radträger und die geteilten Lenker. Höhe, Sturz, Spur und die Stabis lassen sich wie gewohnt auf die persönlichen fahrerischen Vorlieben einjustieren.
Bild: Toni Bader
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Der eigentliche Clou sind jedoch die Uniball-Verbindungen, die dem GT2 RS eine praktisch spielfreie "Kinematik" bescheren und damit eine Reaktionsschärfe zutage fördern, die man sonst eigentlich nur von Rennwagen kennt.
Bild: Toni Bader
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Egal wie klein der Impuls an der fein ausbalancierten Präzisionslenkung auch ist, der GT2 RS setzt ihn sofort um. Hoch exakt, messerscharf und derart fix, dass man die eigene Motorik erst einmal auf die verzugfreie Befehlsausführung anlernen muss. Zumal Handling und Grip dem krassen Einlenkverhalten in wirklich nichts nachstehen.
Bild: Toni Bader
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Vor allem in schnellen Ecken biegt der RS wie an der Schnur gezogen ab. Anvisieren, runterbremsen, ein wenig Lenkwinkel – und schwupps, schon findet man sich am Kurvenausgang wieder. Ähnliches Spiel auch in den engen Ecken. Fahrbarer lassen sich 700 PS und eine derart hochgezüchtete Querdynamik eigentlich nicht miteinander vereinen.
Bild: Toni Bader
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Querdynamik: Allerdings – und jetzt kommen wir zum Casus knacktus – erstrahlen die besten Anlagen eben nur dann, wenn man sie auch entsprechend geerdet bekommt. Was uns endlich zur Reifenthematik bringt: Wir beginnen mit der zivileren Variante des Michelin Pilot Sport Cup2.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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Weniger Grip bedeutet weniger Seitenführung, was den GT2 RS insgesamt etwas lastwechselanfälliger macht. Außerdem schmälert es die Traktion, die vor allem ausgangs der langgezogenen Kurven, wenn man noch richtig in der Fliehkraft hängt, dann doch einmal abreißen kann. 
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Und zu guter Letzt wäre da noch das Handling an sich, das eine – wohlgemerkt – leichte Tendenz zum Übersteuern nicht verhehlen kann. Zugegeben, das ist alles Jammern auf extrem hohen Niveau, wenn man die 1:28,56 Minuten bedenkt, die der GT2 auf seinem Serienreifen zeitet. Allerdings geht all das eben noch so viel schneller.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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In diesem Sinne, Vorhang auf für Cup2 den Zweiten, der seinen R(acing)-Zusatz im Namen vollkommen zu Recht trägt. Er beschert dem Porsche ein fast Slick-ähnliches Gripniveau, wirkt ...
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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... beruhigend aufs Handling, stabilisierend auf die Traktion, stachelt gleichzeitig die Einlenkreflexe noch weiter an, erhöht die Kurvengeschwindigkeit auf ein kaum vorstellbares Niveau ...
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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... und harmoniert obendrein auch noch besser mit der Keramikbremse. All das summiert sich Kurve für Kurve zu einem Vorsprung von zwei Sekunden auf – und beschert dem GT2 RS am Ende einen zwar knappen, aber durchweg hoch verdienten neuen Sachsenringrekord. 1:26,61 Minuten, wir gratulieren!
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Komfort: Klar, das spielfrei gelagerte Fahrwerk stellt so einiges durch, was die Fahrbahn zu bieten hat, doch es knüppelt einen beileibe nicht windelweich. Gleiches gilt für das doppelte Flottchen, bestehend aus Biturbo-Boxer und Doppelkupplungsgetriebe. 
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Der Antrieb hängt zwar kein bisschen laxer am Chassis als das Fahrwerk, wirkt daher sehr stramm und klötert zuweilen auch ein wenig rau-mechanisch. Ansonsten jedoch benimmt sich der GT2 RS ähnlich konziliant, wie man das von den Turbos kennt. Einzig die Abgasanlage könnte zwischen 2000 und 2500 Touren weniger dröhnen.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Alltag Nur so viel: Es ginge. Dank des optionalen Nose-Lifts ...
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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... und der kostenfrei abwählbaren Schalensitze sogar besser, als manch einer glaubt. Im Testwagen leider nicht verbaut: der segensreiche 90-Liter-Tank.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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Preis/Leistung: 282.220 Euro hat Porsche für den schnellsten Elfer aller Zeiten aufgerufen. Dennoch ist der bauzeit-limitierte RS längst ausverkauft. Und ja, die meisten Kunden haben wohl auch das 29.750 Euro teure Weissach-Paket geordert, ...
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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... das einen rund 30 Kilo leichteren Beitrag zur Performance leistet als die Standardkonfiguration. Mit an Bord: geschraubter Titan-Überrollkäfig (-9 kg), ...
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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... Magnesiumräder (-11 Kilo), Stabis und Koppelstangen aus Carbon (-5,3 kg),  Fronthaube und Dach aus Carbon (-1 kg) sowie allerhand kohlegefaserter Kleinkram, der der Exklusivität weit mehr dienen dürfte als der Performance.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
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Das Fazit von Manuel Iglisch: "Können Sie sich noch an die DTM der frühen Neunziger erinnern? Damals, als Fahrer ihre Triumphe gern aus dem Seitenfenster heraus mit dem Publikum feierten? Nun, die Pose schien uns diesmal einfach angebracht angesichts eines Autos, das a) kaum näher am Rennsport gebaut sein könnte und b) alle gesteckten Erwartungen schlicht übertroffen hat!"
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD