Dickschiffe wie diese stehen heutzutage in der Kritik. Dabei kann von maßlosen Spritschluckern mit mäßigen Fahrleistungen nicht die Rede sein, wenn Mercedes ML, Range Rover Sport und BMW X6 aufeinandertreffen. Wer hat am Ende die Nase vorn?
Auf dem dritten Platz landet mit 306 von 500 Punkten der urige Typ aus England. Der Range Rover Sport überzeugt als Geländewagen alter Schule mit seiner Form, seiner Offroadtauglichkeit und dem Platzangebot. Weniger begeistern ...
... kann der Sechszylinder-Diesel, dessen 190 PS und 440 Nm Drehmoment aus 2,7 Litern Hubraum an der 2,6-Tonnen-Fuhre zu schwer zu schleppen haben.
Dynamik ist dem edlen Engländer eher ein Fremdwort: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Range Rover Sport 12,3 Sekunden, maximal sind 193 km/h drin.
Der Zusatz "Sport" in seinem Namen ist deutlich zu optimistisch gewählt: Für den Range gilt eher das Churchill-Motto "no sports". Leider gleicht er seine Behäbigkeit nicht ...
... durch überzeugenden Abrollkomfort aus. Schlechte Fahrbahnoberflächen bringen die Karosserie ins Zittern, die 20-Zöller übertragen Schlaglöcher bis ins Lenkrad.
Englisches Jagdschloss: Vollkommenheit ist dem Range Rover Sport fremd, die Instrumente sind nur mäßig ablesbar, die Knöpfe leicht unordentlich verteilt, aber dafür ...
... bietet er die erhabene Sitzposition, die man sich in einem SUV wünscht, und schmeichelt mit Leder und rustikalem Ambiente.
Nach oben offen: In Sachen Kopffreiheit ist der Range Rover Sport von seinen beiden deutschen Konkurrenten nicht zu schlagen.
Das Spezialgebiet des Engländers ist sein Allradantrieb: Das "Terrain Response" genannte System kennt ...
... mit seinen Anpassungsmöglichkeiten für Schnee, Schlamm, Sand und Felsen auf fast alle Geländefragen eine Antwort, ...
... über die Vorgänge im Antriebsstrang informiert eine Grafik im Monitor über der Mittelkonsole.
Das senkrechte Heck und die steilen Glasflächen schaffen ein üppiges Gepäckabteil: Ins Heck des Engländers passen zwischen 450 und 2013 Liter.
Preisfrage: Für den Range Rover Sport TDV6 werden inklusive der 20-Zoll-Bereifung 57.930 Euro fällig. Damit liegt er zwischen M-Klasse und X6.
Auf den zweiten Platz fährt mit 343 Punkten der BMW X6 xDrive 30d. Mit Allrad-Spielereien, Böschungswinkeln und Wattiefe hält sich das Coupé unter den SUV nicht auf, der große Bayer will mehr Sport- als Geländewagen sein.
Kräftig: Mit 235 PS und 520 Nm Drehmoment aus einem drei Liter großen Reihensechszylinder markiert das X6-Aggregat die Leistungsspitze in diesem Vergleich.
Ein BMW in Hochform: In 8,3 Sekunden pulverisiert der X6 die 100-km/h-Marke, maximal sind 220 km/h drin. Der BMW ist ab Werk mit dem DPC-Differenzial ausgerüstet, ...
... das die heckbetonten Antriebsmomente gezielt auf die Hinterräder verteilt. Zusammen mit der blitzschnell schaltenden Automatik (Serie), optionaler Aktivlenkung (1300 Euro) und Wankausgleich (3290 Euro) wird er zum Sportler unter den Panzern.
Mit Abstand der größte Dynamiker: Wenn es flott um die Kurven geht, hastet die Konkurrenz dem X6 vergeblich hinterher. Im Gelände ist sie ihm dafür deutlich überlegen.
Böser Blick: Das Tagfahrlicht in Ringform gehört bei BMW zum gern genommenen Überholprestige.
Serienmäßig steht der X6 auf 19-Zöllern. Ist die Bremsanlage dahinter warm, bringt sie den 2244 Kilogramm schweren Wagen nach 37,4 Metern zum Stehen. Die beiden Konkurrenten brauchen für eine Vollbremsung mehr Platz.
Elegant oder protzig? Das Design des X6 ist ein Steilpass für Stilkritiker, und ...
... die Coupéform hat auch Nachteile für die hinteren Passagiere: Statt einer Bank gibt es Einzelsitze und deutlich weniger Kopffreiheit als bei der Konkurrenz.
Das Cockpit entspricht dem des X5 – abgesehen von den Kniepolstern an der Mittelkonsole und ...
... serienmäßigen Schaltwippen für das Automatikgetriebe.
Gegen die Unübersichtlichkeit: Eine Rückfahrkamera beobachtet beim Rangieren den Bereich hinter dem Auto und schickt ihr Bild an den Monitor auf der Mittelkonsole.
Platz da? Durchaus! Bei voll nutzbarer Rücksitzbank schluckt der Bayer mit 570 Litern in diesem Vergleich am meisten. Die maximal möglichen 1450 Liter reichen aber nur für den letzten Platz.
Wenn am Fahrzeugheck X6 stehen soll, dann wird es teuer: Für den xDrive 30d verlangt BMW eine stolze Ablösesumme von 61.390 Euro. Ein Preis, der sich aber relativiert, wenn man weiß, dass die Aktivlenkung für 1300 Euro und das Adaptive Drive System für 3290 Euro schon eingerechnet sind.
Der erste Platz geht mit 358 Punkten nach Stuttgart: Der Mercedes ML 320 CDI ist ein Alleskönner auf der Straße und im Gelände, der ...
... mit seinem hohen Komfort, dem großen Platzangeboten sowie den guten Fahrleistungen on- und offroad den Begriff Mehrzweckfahrzeug am besten trifft.
Die Zeichensprache ist eindeutig: Unter der Abdeckung sitzt ein drei Liter großer V6 mit 224 PS und 510 Nm Drehmoment, ...
... der den ML 320 CDI in 9,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und ...
... bis auf maximal 215 km/h beschleunigt. Damit ist der Mercedes deutlich näher am X6 als am Range Rover Sport.
Die beste Seite der M-Klasse ist der Komfort. Entspannt federt das Stern-SUV über Unebenheiten aller Art, lenkt leicht, aber verzögert in Kurven ein und wechselt seine sieben Automatik-Stufen gelassen.
Silberstreif im Schwarzwald: Mit Chrom eingefasste Armaturen, Schalter und Düsen schaffen helle Momente im sauber geordneten Cockpit. Alles ist sehr hochwertig, aber auch wuchtig.
Ein schöner Gruß aus der Lusxusklasse: Wie bei der S-Klasse sitzt der Automatik-Wählhebel der 7G-Tronic im ML am Lenkrad.
Ein typischer Mercedes: Sitzkomfort, Platzangebot und Bedienbarkeit machen den ML 320 CDI zum Mister Perfect, ...
... doch dort, wo der Range mit rustikal gummierten Drehreglern zu schmeicheln versteht, sitzen im ML nur gewöhnliche Kunststoffknöpfe. Zum Offroad-Paket für 2130 Euro Aufpreis gehören Geländereduktion und sperrbare Mittel- und Hinterachsdifferenziale.
Der Kofferraum der M-Klasse fasst minimal 551, maximal sehr üppige 2050 Liter. Rückbank und Lehne lassen sich geteilt umklappen.
Wer hätte das gedacht? Der Mercedes ist der preiswerteste Testkandidat. Für den ML 320 CDI 4Matic werden inklusive 19-Zoll-Bereifung (637 Euro) und Airmatic-Paket (1999 Euro) 57.852 Euro fällig.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Die schweren Jungs hatten es schon mal leichter. Gern werden sie als Spritschlucker und Umweltschweine gegeißelt. Das stimmt nur bedingt. Wer so einen Brocken gern fährt, ...
... kommt mit den Einstiegs-Dieseln kraftvoll und dennoch sparsam über die Runden. Das beste Sport-SUV ist der X6, die M-Klasse zeigt die vielseitigsten Talente. Mein persönlicher Favorit ist aber der Range Rover."
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.