So sieht sie aktuell aus, die bezahlbare Elektro-Mobilität: Der
Renault Twizy ist weniger ein Vollwert-Auto, sondern vielmehr ein interessantes Konzept – und bereits ab 7690 Euro zu haben. Was der kleine französische Stromer taugt, klärt ein erster Test.
Schon die Zulassungsunterlagen vermerken, es sei ein "vierrädriges Fahrzeug bis 550 kg". Verstehen wir Twizy also als neue Form der Mobilität, die andere Bedürfnisse als ein Erstauto erfüllt.
Nabelschnur zur normalen Steckdose: Drei Meter Kabel ziehen sich selbsttätig hinter die kleine Bugklappe zurück.
Dass es für den zweisitzigen Zweireiher zwei Türen gibt, erscheint als Luxus. Ist es auch, denn die nach vorn hochklappenden Portale kosten 590 Euro extra, ...
... und sie bedecken Twizys Profil nur unvollständig, selbst ein
KTM X-Bow wirkt da züchtiger bekleidet.
Den Rücksitz vergessen wir gleich. Die enorm unbequeme Sitzschale, der kletterige Zustieg und die klaustrophobische Enge mag man eigentlich keinem zumuten.
Zumindest muss sich der Fahrer nicht vorwerfen lassen, es viel bequemer zu haben. Der nur längs verstellbare, atmungspassiv, aber wasserfest bezogene Monositz ist hart gepolstert und anatomisch herausfordernd geformt, ...
... doch die zentrale Aussicht von dort ist bemerkenswert. Schmale Dachsäulen und die große Frontscheibe ermöglichen beste Sicht voraus, ...
... durch die transparenten Türteile lassen sich sogar die Vorderräder betrachten.
Rangieren freilich erschwert der Verzicht auf eine Heckscheibe.
Nichts für kleines Gepäck: Hinter die schlossgesicherte Rücksitzlehne passen 31 Liter. Das hatten einst US-Cars als Hubraum.
So funktioniert der Twizy: Fangen wir ganz vorn an, denn da positionierten die Entwickler das Ladegerät, das die 6,1 kWh Kapazität des luftgekühlten Lithium-Ionen-Akkus in 3,5 Stunden komplett auflädt. Der Akku selbst sitzt längs unter den Sitzen, senkt so den Schwerpunkt.
Die Batterieenergie wird von der Leistungselektronik für den 13 kW (18 PS) starken Elektromotor angepasst. Quer hinter dem Rücksitz eingebaut, treibt der Motor über ein Untersetzungsgetriebe die Hinterräder an. Am Antriebsstrang konstruierten übrigens Entwickler von Renaults Formel-1-Abteilung mit.
Los geht's: Schlüssel auf Start, Wähltaste D drücken, Fuß von der Bremse, Fahrpedal treten, und Twizy surrt sacht los – alles so leicht zu bedienen wie ein iPod Shuffle.
Alle Fahrsicherheitstests meistert das schmalspurige Gefährt trotz des bemangelnswerten Verzichts auf ESP sorgenlos, wärmt dabei das Fahrerherz mit fixem Handling.
Die servolose Lenkung spricht direkt und präzise an, Kurven umzirpt Twizy mit minimaler Seitenneigung und geringer Untersteuertendenz, ...
... aber wenn jetzt wieder einer schreibt, der Renault führe sich wie ein Kart, zeigt das nur, dass derjenige nie mit einem Kart fuhr.
Bestenfalls der Fahrkomfort lässt sich mit einem Kart vergleichen. Eine Federung ist anwesend, bleibt aber vorwiegend untätig. Was angesichts der Wind-Regen-Kälte-Problematik aber das vernachlässigbarste Komfortdefizit darstellt.
Mit dem Temperament eines gänzlich unfrisierten 80er-Rollers wuselt Twizy locker im Stadtverkehr mit, stromert bei Bedarf noch ein wenig über Land, ...
... rekuperiert dabei im Schiebebetrieb nur schwach, bremst aber energisch, allerdings ohne ABS. Autobahnfahrten verbieten sich wegen der auf 80 km/h limitierten Höchstgeschwindigkeit.
Dass Twizy nur für den Nahbereich gedacht ist, zeigt zudem die knappe Reichweite von 71 km im Test. Auf 100 km gerechnet liegen die Energiekosten übrigens bei rund 2,20 Euro – mit Ökostrom, ...
... denn nur so ergibt ein E-Mobil überhaupt Sinn. Und der Sinn des Twizy? Als Auto unbrauchbar, doch als Revolution unersetzlich.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Sebastian Renz: "Die von vielen so lange herbeigebrüllte Elektromobilität ist in der Realität angekommen. Denn so wird sie aussehen, soll sie bezahlbar sein. Ein Volvo C30 Electric für rund 1500 Euro Monatsleasing und selbst ein E-Smart für 25.000 Euro ...
... wird Elektrofahren niemals massenmarktmöglich machen. Deswegen lässt sich Renaults Twizy auch nicht mit den Maßstäben eines normalen Autos messen, will das Gefährt auch nicht. Da fiele das Urteil verheerend aus – ohne ABS, ESP, mit einem Seitenaufprallschutz stabil wie ein Schokoriegel, ...
... ohne jeden Federungskomfort, zugig, eisig im Winter, hitzig im Sommer. Aber kaum jemand wird Twizy als Erstfahrzeug bewegen. Als Zweitwagenersatz dagegen ergibt das Konzept Sinn. In der Stadt wuselt Twizy mit dem Strom, bietet Platz für einen mit etwas Gepäck oder kurz mal für zwei Idealgewichtige."
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