Update für die Welt der Reichen und Schönen: 2009 lässt Rolls-Royce den Phantom am Lac Léman im neuen Kleid vorfahren. Dabei halten es die Briten gewohnt klassisch dezent.
Aus dem kleinen Schwarzen von Chanel macht Lagerfeld schließlich auch keinen Mini-Rock. Also wurde in Goodwood lediglich der Kühlergrill etwas flacher angestellt als beim Coupé.
Außerdem rollt die Ikone serienmäßig auf 21-Zoll-Leichtmetallrädern, der Kunde darf wählen, ob sie in mattem oder poliertem Finish montiert werden.
Das Statement heißt weiterhin: Hier kommt einer, der es geschafft hat.
Details wie die gegenläufig angeschlagenen Türen darf der Royce natürlich behalten, ...
... auf Wunsch gibt es den Briten mit Bayernherz auch in modischem Weiß.
Wie üblich verschwindet Emily auf Knopfdruck elektrisch im neuen Grill aus rostfreiem Stahl.
Auch ein Rolls muss mit der Zeit gehen, deshalb finden die Fondpassagiere im Phantom mit dem Modelljahrgang 2009 Verbindungsanschlüsse für elektronische Geräte an die zwölf Zoll großen Monitore. Neue Lampen an den C-Säulen erhellen Interieur und Gemüt.
Die Türgriffe werden durch LED-Technik beleuchtet.
Hier lässt der Besitzer fahren, der Chauffeur genießt Holz und Leder satt.
Nicht Neues unter der Haube: Das 6,75-Liter-Kraftwerk – natürlich mit zwölf Zylindern – leistet wie bisher 460 PS.
Oder genug, wie man bei Rolls-Royce sagen würde.
Hier sind zwei potentielle Gegner auf einmal, wenn auch weniger als halb so teuer: Bentley Continental Flying Spur Speed und Maserati Quattroporte S. Ihnen im Duett zu begegnen, ist hierzulande etwa so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto.
Englischer Automobiladel trifft italienischen Charakterkopf. Beide sind Lichtjahre entfernt von den finanziellen Möglichkeiten des durchschnittlichen Automobilisten.
Es ist keine gute Zeit, sich mit einem Bentley oder einem Maserati unters Volk zu mischen. Beide riechen doch sehr stark nach Verrat an der Sozialgemeinschaft, aber ...
... wo sie auftauchen, scheint die Welt für einen Augenblick stillzustehen. Quattroporte S und Flying Spur Speed ziehen jeden in ihren Bann – jeder auf ganz persönliche Art und Weise.
Hauben auf: Hier stehen über vier Tonnen Luxus, die von insgesamt 20 Zylindern und 1040 PS unter Dampf gesetzt werden. Kein Wunder also, dass ...
... hier die schnellsten Viertürer der Welt unterwegs sind. Mit Höchstgeschwindigkeiten weit jenseits von 250 km/h ...
... lassen sich mitunter auch ausgewachsene Sportwagen von der linken Spur scheuchen. Ein Spaß für alle, die auch Verbräuche um die 20 Liter auf 100 Kilomter nicht abschrecken.
Charakter? Davon haben beide reichlich. Nur gute Freunde werden sie bestimmt nicht. Der Bentley kann nichts anfangen ...
... mit dem Latino-Charme des Maserati. Der vom Edeldesigner Pininfarina hingegossene Quattroporte ist eine Art rollender Zirkus mit Raubtieren, die unter der Haube brüllen. Jetzt – in der Version S – stecken noch mehr ...
... Furien hinter dem Kühlergrill, der passenderweise wie ein Käfig aussieht und hinter dem vielleicht eine Tigertatze hervorlugen sollte.
Kraft in schöner Verpackung: Der V8 stammt von Ferrari, er holt aus 4,7 Litern Hubraum ohne Zwangsbeatmung 430 PS und 490 Nm Drehmoment.
Im Grunde genommen ist der Quattroporte ein Sportwagen, der sich in die Familienwelt verirrt hat: In 5,4 Sekunden hat der V8 die knapp zwei Tonnen Auto auf 100 km/h beschleunigt, und ...
... erst bei 280 Sachen muss die Maschine im Bug passen. Dass die meisten den Maserati dann nur noch aus dieser Perspektive sehen, dürfte so klar sein wie das Glas der Heckleuchten. Hier funkeln genauso LED, ...
... wie in den Frontscheinwerfern. Wehe, wenn die im Rückspiegel auftauchen.
Reinschlüpfen und wohlfühlen: Der Maserati passt wie feiner italienischer Stoff. Er sitzt lässig wie ein Armani-Anzug. Seit der Modellpflege im September 2008 ...
... gibt es eine neue Mittelkonsole, die Bedienelemente sind ergonomischer angeordnet. Auch das Multimediasystem wurde komplett überarbeitet.
Um den V8 bei Laune zu halten, verlangt er nach Drehzahl: Der rote Bereich beginnt jenseits von 7000 Touren. Ein Bereich, in dem die 32 Ventile und die vier Nockenwellen ungefähr den Brunftschrei der gesamten Serengeti fabrizieren.
Luxus für die zweite Reihe: Natürlich darf man im Fond sein individuelles Raumklima bestimmen. Wenn man schon nicht vorne links sitzen darf.
Hinreißende Seitenlinie, aber nicht ganz billig: 123.350 Euro verlangt Maserati für einen Quattroporte S – im Vergleich mit dem Bentley fast noch ein Schnäppchen.
Umsteigen in den Engländer, der einen ganz anderen Habitus als der Italiener pflegt. Ein Bentley wirkt wie aus dem Vollen geschnitzt, eine Kathedrale auf Rädern, monumental auch im Detail.
Mächtiger Muskel: Der W12 presst mit seinen beiden Turboladern 610 PS und 750 Nm Drehmoment aus sechs Litern Hubraum. Bei soviel Kraft spielen auch 2475 Kilogramm Leergewicht keine große Rolle, wenn ...
... es um die Beschleunigung geht: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der edle Engländer nur 4,8 Sekunden. Wer den Fuß auf dem Gaspedal lässt, ...
... erreicht maximal 322 km/h – aber besser mit geschlossenem Schiebedach. Den Namen "Speed" trägt der Bentley als schnellste Serien-Limousine dieses Planeten absolut zu Recht.
Bitte ganz tief einatmen: Diese Gerüche nach Leder, Holz und Wolle sind ein Paradies für Supernasen. Einen "Wunderbaum" mit diesem Aroma hätte wirklich jeder gerne in seinem Auto.
Die High Society ist heute nicht mehr so verpäppelt, dass sie das Ticken der Breitling-Uhr als das Lauteste an Bord wünscht. Sie will den vollen Charme einer Steinzeitkeule spüren und durchaus auch etwas hören. Diesen Anspruch erfüllt der Motor locker.
Auf den hinteren Plätzen des Continental Flying Spur Speed geht es dank seiner Außenlänge von 5,29 Metern sehr großzügig zu. Zu den Annehmlichkeiten in Reihe zwei ...
... gehört neben den ultrabequemen Polstern natürlich auch die Schaltzentrale fürs Wohlfühlklima.
Eine klassische Chauffeur-Limousine ist der Bentley nicht wirklich. Dafür macht der Platz am Volant vor allem beim hemmungslosen Spiel mit dem rechten Fuß zu viel Spaß. Wer ihn sich leisten kann, will den Flying Spur auch fahren.
Der Bentley sortiert seine Kraft über eine Sechsstufen-Automatik an alle vier Räder. Wer will, kann das Getriebe auch manuell schalten.
Gewöhnungsbedürftige Position: Der Schlüssel zum Glück gehört im Continental Flying Spur Speed auf die linke Seite. Wer ihn sich in die Hosentasche stecken will, muss vorher 202.062 Euro an Bentley überweisen – das Auto gibt es natürlich dazu.
Und wie fühlt sich das Fahren in Bentley und Maserati nun an? Großartig, Wolke 7, wenn man einen Hang zur Selbstdarstellung hat. Man wird stets rundum betrachtet.
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