Beim Fototermin fährt der neue VW Polo schon mal ganz vorne – doch seine Konkurrenten Hyundai i20, Renault Clio, Honda Jazz, Opel Corsa und Ford Fiesta lassen sich nicht so leicht abschütteln.
Der "Unscheinbare" landet mit 293 von 500 möglichen Punkten auf dem sechsten Platz. Hyundais i20 ist ein braver, ...
... unauffälliger Kleinwagen. Auch im Vergleich bleibt er konsequent blass.
Der 1,2-Liter-Motor (78 PS, 119 Nm) ist einer von der zähen Sorte und erledigt seine Arbeit eher lustlos. Er dröhnt um die 3500 Touren heftig und macht ...
... mehr Lärm, als es die Messwerte aussagen. Manchmal kann die Technik den subjektiven Eindruck eben nicht abbilden.
Beim Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 lässt sich der i20 glatte 13 Sekunden Zeit. Da ist nur der Clio noch langsamer. Mit 165 km/h Spitze fährt der Koreaner dem gesamten Testfeld hinterher.
Der Hyundai fährt sicher und unaufgeregt, besonderes Vergnügen kommt dabei aber nicht auf: Die teigige Lenkung arbeitet ungenau, und ...
... das ESP regelt sehr grob. Schön dagegen die leichtgängige, genaue Schaltung.
Auffällig sind die gut geschnittenen Sitze, die könnten auch aus einem VW stammen. An dessen Qualitäts-Standard ...
... reicht der Koreaner jedoch ansonsten nicht heran: Einige Kunststoffe sehen arg billig aus, tragen teils Grate. Vorn ist der i20 einen Hauch enger als die anderen, hinten aber, nach dem Honda, der Geräumigste.
Gut ausgerüstet: CD-Radio, Kopfairbags, Klima und vieles mehr gehört zur Serienausstattung.
Der Hyundai verpackt immer 295 Liter Gepäckvolumen. Legt man die Sitze um, ...
... vergrößert sich der Stauraum auf 1060 Liter. Dazu müssen allerdings erst die Kopfstützen abgebaut und die Sitzfläche nach vorne geklappt werden.
Pltz für Kleinkram: Unterm Kofferraum liegen eine kleine Ablage und das Notrad.
Koreanische Autos sind extrem günstig? Das war wohl mal. Mit einem Preis von 14.230 Euro liegt der Hyundai i20 in diesem Vergleich zum Beispiel vor Opel, Ford und Renault.
Die "Schlafmütze" fährt mit 297 Punkten auf den fünften Platz vor. Zwar heißt seine Ausstattung Dynamique, ...
... der Rest des Renault Clio kommt aber eher gemächlich in die Puschen.
Der Motor entpuppt sich als lahm, laut und lärmig. Mit seinen 75 und 105 Nm Drehmoment spielt der 1,2-Liter hier den Schwächling und ...
... fährt hinterher. Die fünf anderen ziehen dem Clio teils deutlich davon. 14,2 Sekunden braucht der Franzose von 0 auf 100 km/h, bei 167 km/h ist endgültig Schluss mit Vortrieb.
Der Renault fährt sich so ähnlich wie der Hyundai – sicher und stoisch, aber träge. Er hat ein aufmerksames, ...
... sauber abgestimmtes ESP und standfeste Bremsen, die ihn nach glatten 37 Metern aus Tempo 100 zum Stehen bringen. Als Spaßverderber entpuppen sich die immer noch gefühllose Lenkung und die ausgeleierte Schaltung.
Das Cockpit hat mit dem Facelift des Clio gewonnen. Es wirkt hochwertiger als bisher, lässt sich leicht bedienen.
Die Sitzposition lässt zu wünschen übrig: Vorn sitzt man hoch auf nachgiebig-schwammigen Sitzen mit wenig Seitenhalt. Hinten hat der Renault ungefähr so viel Platz wie VW und Opel – ausreichend, doch die Sitzauflage fällt recht kurz aus und die Lehne (zu) flach.
Mit einem Fassungsvermögen von 288 bis 1038 Litern ist der Clio nicht gerade ein ausgewiesener Schluckspecht – es gibt aber noch kleinere Gepäckabteile in diesem Vergleich.
So fällt die Rückbank: Wie im Hyundai müssen auch im Renault die Sitzfläche nach vorne geklappt und die Kopfstützen abgebaut werden.
Französische Tradition: das Reserverad unter dem Wagenboden.
Leere Worte: 14.400 Euro kostet der Clio als 1.2 Dynamique – doch dieser Name hält wirklich nicht, was er verspricht.
Der "Günstige" kann sich mit 299 Punkten auf den vierten Rang schieben. Der Opel Corsa ist in diesem Vergleich ...
... der preiswerteste Wagen, aber auch nicht mehr der jüngste.
Starkes Stück: Der Motor, ein lebhafter 1,4-Liter mit 90 PS und 125 Nm, fällt vor allem mit seinem kräftigen Durchzug auf. Erst ab mittleren Drehzahlen beginnt der Leisetreter zu rumoren.
Durchaus munter: In 12,2 Sekunden geht es im Opel aus der Parkposition auf Landstraßentempo, erst bei 173 km/h stagniert die Tachonadel. Weniger gefallen haben uns die knorpelige Schaltung mit langen Wegen, ...
... die gefühllose, spitze Lenkung und das unterdämpfte Fahrwerk, das den Corsa stark ins Wanken bringt. In der Summe ...
... ergibt das ein behäbiges Handling. Und den letzten Fahrspaß raubt ein übervorsichtiges, grob regelndes ESP.
Das Interieur des Corsa gefällt mit einem klaren, schnörkellosen Cockpit und ...
... einer schön aufgeräumten Mittelkonsole. Das alles ist bestens zu bedienen.
Platz für Kleinkram: Handschuhfach im Corsa.
Ausreichend Raum hat der Opel, man sitzt vorne und ...
... hinten angenehm. Doch die neigungsverstellbare Rücklehne lässt sich nur in einem Stück umlegen, ...
... und den doppelten Ladeboden gibt es erst gegen 30 Euro Aufpreis. Das Ladevolumen des kleinen Rüsselsheimer liegt zwischen 285 und 1100 Liter.
Preis-Leistungs-Sieger: Für den Preis von 13.280 Euro ist der Corsa immer noch ein reelles Angebot. Andere in dieser Klasse, man muss das deutlich sagen, sind inzwischen aber vorbeigezogen.
Der "Charmeur" erzielt 301 Punkte und besteigt damit den untersten Platz des Siegertreppchens. Mit seinem fröhlichen Design ...
... kriegt der Ford Fiesta jede(n) rum. Und genauso fährt er auch: flott und flink.
Kleiner Giftzwerg: Der 1,25-Liter-Vierzylinder mit 82 PS und 114 Nm Drehmoment hängt gut am Gas, klingt kernig und beschleunigt den Ford gefühlt noch schneller, ...
... als es die Messwerte bestätigen. Beim Standardsprint vergehen 12,8 Sekunden, bei 168 km/h muss sich der Fiesta dem Fahrtwind beugen.
Das Fahrwerk spielt mit, der Fiesta fährt spontan und zackig, zusammen mit dem Polo hier mit Abstand am agilsten. Dazu federt er noch geschmeidig, ...
... souveräner sogar als der VW. Zum Testsieg reicht es trotzdem nicht, ...
... dazu ist er im Vergleich einfach zu eng und zu mager ausgestattet – Klima und Kopfairbags kosten extra. Das farbenfrohe und funktionell ordentliche Cockpit hilft an grauen Alltagen, ...
... auch die Sitzposition vorn passt bestens, doch für die Sitze selbst würden wir uns mehr Seitenhalt wünschen. Und hinten geht es im Ford am engsten zu.
Der Kofferraum des Fiesta schafft zwischen 295 und 979 Liter. Vor allem das Maximalvolumen ist nicht besonders üppig.
Tanken leicht gemacht: Das Easy-Fuel-System kommt ohne Deckel aus.
Günstig: Mit einem Grundpreis von 13.500 Euro liegt der Fiesta nur knapp über dem Opel Corsa.
Das "Raumwunder" belegt den zweiten Platz mit 311 Punkten. Der Honda Jazz hat innere Größe, ...
... und die ist auch noch extrem variabel. Dazu gibt es ...
... einen feinen Motor: Angetrieben wird der Jazz von einem putzmunteren, fröhlich summenden 1,2-Liter mit 90 PS und 114 Nm, ...
... der so spritzig dreht wie sonst kein Konkurrent. So hängt der Jazz den Rest in Sachen Fahrleistungen auch ab: Von 0 auf Tempo 100 braucht er 11,8 Sekunden, maximal sind 177 Sachen drin.
Nicht so gut: Der Jazz poltert auf schlechten Strecken heftig, liegt unruhig und neigt beim plötzlichen Ausweichen zum Aufschaukeln. Umso schlimmer, ...
... da die Lenkung sehr künstlich arbeitet und die Bremsen (40,8 Meter von 100 bis 0 km/h) schwächeln. Da sollte Honda sich ganz schnell etwas einfallen lassen.
Der Honda ist modern und zeigt Mut zu ungewohnten Details – doch am Kunststoff wurde (leider) gespart.
Honda kann zaubern: Mit 3,90 Metern baut der Jazz hier am kürzesten, doch kein anderer hat auch nur annähernd so viel Platz. Besonders im Fond sprengt der Jazz praktisch den Rahmen der Klasse und ist ...
... mehr Van als Kleinwagen. Hier reist auch der hochgewachsene Basketballer bequem – so großzügig sind Kopf- und Kniefreiheit. Dazu kommt ein einfach geniales Klapp- und Faltsystem ...
... für die Sitze: Alles umlegen zu einer völlig ebenen Ladefläche oder die Sitzfläche bei stehender Lehne extra hochstellen (dann passt ein Mountainbike in den Jazz) – das alles ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Großartig. Der Kofferraum ist mit 375 bis 1341 Litern der größte des Vergleichs.
Der Jazz 1.2 i-VTEC Trend steht mit 14.850 Euro in der Preisliste – nur der Polo ist noch teurer.
Der "Klassenbeste" steigt mit 333 von 500 möglichen Punkten mal wieder ganz oben aufs Siegerpodest. Zwar ist der der VW Polo nicht der Größte und ...
... auch nicht der Schnellste – als Gesamtpaket ist er trotzdem unschlagbar.
Der 1,4-Liter-Motor ist ein alter Bekannter, läuft kultiviert und harmonisch. Mit seinen 85 PS und 132 Nm ...
... ist der Polo flott und zügig unterwegs. Bis Tempo 100 braucht der kleine Wolfsburger 12,1 Sekunden, und er schafft 177 km/h Spitze.
Vorteil VW: präzise, gefühlvolle Lenkung, hervorragende Bremsen, Klasse-Schaltung, dazu noch ...
... ein feinfühliges ESP – samt und sonders beste Ware. Ähnlich lässig-handlich wie der VW fährt in diesem Vergleich nur noch der Ford.
Ein schöner Gruß vom Golf: VW legt weniger Wert auf einen spektakulären Auftritt als auf penible Detailarbeit. Eine sorgfältige Verarbeitung zum Beispiel, hohe Funktionalität und ...
... erstklassige Sitze. Die empfehlen sich auch für größere Menschen, vorn besonders und selbst im Fond – auch wenn Honda und Hyundai dort mehr Platz bieten.
Aufpreispflichtiges Musikprogramm: Im Handschuhfach steckt der USB-Anschluss für 170 Euro extra.
Groß geht anders: Mit 280 bis 952 Litern Volumen bietet das Gepäckabteil des Polo das geringste Fassungsvermögen.
Im Kofferraum baut VW ohne Aufpreis (!) einen doppelten Boden ein – zumindest ab Comfortline.
Wenig überraschend: Mit 16.230 Euro – inklusive 15-Zoll-Bereifung für 420 Euro – ist der VW Polo mit Abstand der teuerste Wagen dieses Vergleichs.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Kleinwagen haben diesen Namen längst nicht mehr verdient: Der Polo ist zum gediegenen Kompakten und Sieger gereift, der Jazz zum sympathischen Mini-Van gewachsen. Und der Fiesta ...
... bringt frischen Design-Schick in die Klasse. Da haben es die Kleinwagen im klassischen Sinn richtig schwer. Opel, Renault und Hyundai bestehen als preiswerte und ausgereifte Autos für den Alltag – aber die Konkurrenz hat sie überholt. Sagen wir also besser nie wieder: Na, ihr Kleinen ..."
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