Sechs Kompakte im Vergleich: Der brandneue Renault Mégane fordert den ewigen Klassenprimus VW Golf sowie Kia Cee'd, Seat Leon, Toyota Auris und Fiat Bravo heraus. Mit welchem der kleinen Benziner ist man am besten unterwegs?
Vorn ein bisschen Maserati, die Seitenlinie wie bei einem Coupé und dazu ein starker Abgang: Wer sagt eigentlich, dass Kompakte brav und bieder aussehen müssen? Der Fiat Bravo bringt Italo-Flair ins Spiel und landet mit 302 Punkten auf dem sechsten Rang.
Bestes Stück am Bravo ist der kleine, aufgeladene 1,4-Liter-Motor mit 120 PS und 200 Nm Drehmoment. Das muntere, lebhafte Triebwerk macht jede Menge Spaß und ...
... verhilft dem Fiat zu den besten Fahrleistungen. Den Sprint auf Tempo 100 absolviert der kleine Italiener in glatten zehn Sekunden, ...
... maximal sind 197 km/h drin. In dieser Disziplin ist nur der Seat ebenbürtig, der VW marginal überlegen.
Nicht ganz so gelungen wie der Motor ist die Abstimmung des Fahrwerks. Das soll wohl sportlich sein, doch der Fiat Bravo liegt eben nicht so trocken wie der Seat, sondern poltrig und unruhig. Außerdem verhageln die gefühllose Lenkung und die schlecht geführte Schaltung den Fahrspaß.
Im Bravo gibt es vorn ordentlich Platz, auch die Position stimmt, allerdings bieten die harten Sitze wenig Seitenhalt. Im Fond jedoch wird es eng: Dort sitzen Erwachsene regelrecht eingeklemmt.
Hier sind schmutzige Finger programmiert: Die Heckklappe hat außen keinen Griff. Da heißt es in den kleinen Spalt greifen, ...
... wenn der zwischen 400 und 1175 Liter große Kofferraum be- oder entladen werden soll. Ein Golfbag inklusive Schläger passt nur über die Diagonale ins Fiat-Heck.
Mit einem Grundpreis von 19.100 Euro ist der Fiat Bravo nicht der Günstigste in diesem Vergleich, dafür aber gut ausgestattet und mit fünf Jahren oder 500.000 Kilometer Garantie auf Härtefälle vorbereitet.
Mit 304 Punkten belegt der neue Renault Mégane den fünften Platz. Seine knappen Platzverhältinisse und ...
... der müde Motor verhindern eine bessere Platzierung. Der 1,6 Liter große Vierzylinder ist mit 110 PS nicht nur die schwächste Maschine im Testfeld, er dreht auch noch zäh hoch und dröhnt zwischen 3500 und 4500 Touren.
Mit 10,8 Sekunden braucht der Mégane 1.6 16V 110 am längsten für den Sprint auf Tempo 100. 195 km/h Spitze bedeuten einen Platz im Mittelfeld des Vergleichstests.
Anders als sein Vorgänger – der mit dem spektakulären Heck – tritt der neue Mégane zurückhaltend auf: schlank, modern und mit viel Familienähnlichkeit zum Laguna. Sichtlich Mühe haben sich die Formgestalter ...
... auch beim schwungvollen Cockpit gegeben. Kleiner Spleen: Dort beglücken sie uns mal wieder mit digitalem Kino. Tacho, Temperatur- und Tankanzeige strahlen als grelle LCDs.
Gut: Platzangebot und aufklappbare Komfortkopfstützen vorn. Schlecht: Beim Platzangebot im Fond liegt der Renault unter dem Klassendurchschnitt, ist fühl- und messbar schmaler als alle anderen, mit weniger Kniefreiheit und auch noch ziemlich flach.
Gewohntes Bild: Die etwas überfrachtete Fernbedienung fürs Radio hat bei Renault Tradition.
In der fünfsitzigen Konfiguration ist der Renault-Kofferraum mit 405 Litern der größte. Maximal fasst das Gepäckabteil 1162 Liter.
Grundsätzlich liegt der Mégane recht straff und bleibt auf langen Wellen auch souverän, nach kurzen Stößen gerät er aber schnell ins Stuckern. Die Lenkung spricht zwar präziser an als bisher, vermittelt aber zu wenig Gefühl. Trotzdem, für vergleichsweise günstige 18.850 Euro wird der charmante Renault seine Freunde finden.
Geräumig und preiswert – zwei gute Gründe, den Kia Cee'd mal Probe zu fahren. In diesem Vergleich landet er mit 305 Punkten auf dem geteilten dritten Platz.
Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern auf 100 Kilometer zeigt der 1,6 Liter große Vierzylinder den größten Sparwillen aller Konkurrenten. Seine 126 PS und 154 Nm Drehmoment ...
... machen den Cee'd aber maximal ausreichend schnell. Der Prestigesprint ist in 10,4 Sekunden erledigt, bei 192 km/h endet die Beschleunigung. Das unterdämpfte Fahrwerk belästigt Insassen nur bei groben Fahrbahnfehlern.
Innen findet eine vierköpfige Familie ausreichend Platz, auf den Rücksitzen geht es so luftig zu wie in keinem anderen. Nur schade, ...
... dass die Sitzfläche etwas kurz ausfällt. Die Bedienbarkeit bereitet abgesehen vom versteckten ESP-Schalter und dem zu kleinen Verstellbereich des Lenkrades keinerlei Probleme, die Verarbeitung hinterlässt einen routinierten Eindruck, ...
... Abstriche müssen allerdings bei der Materialauswahl gemacht werden.
340 Liter reguläres Fassungsvermögen markieren in diesem Test das untere Ende in Sachen Kofferraumvolumen. Aber der Stauraum lässt sich auf großzügige 1300 Liter vergrößern.
Gut gelöst: Unter der stabilen kofferraummatte stecken praktische Fächer für allen möglichen Kleinkram und Ersatzteile.
In EX-Ausstattung kostet der Kia Cee'd 18.390 Euro – das günstigste Angebot im Feld. Preiswert sind Koreaner wirklich. Aber nicht billig gemacht.
Schnörkellos und großzügig: Der Toyota Auris spielt weiter seine Rolle als fernöstliche Golf-Kopie. 305 Punkte bringen ihn gemeinsam mit dem Cee'd auf den dritten Platz.
Der 1,6-Liter-Motor mit 124 PS und 157 Nm Drehmoment kann mit den Triebwerken der Besten nicht mithalten. Er tritt zurückhaltender an, erwacht erst bei hohen Touren richtig zum Leben und wird dann laut und brummig. Trotzdem ist der Japaner ...
... in Sachen Sprintvermögen bei der Musik: Aus der Parkposition auf Landstraßentempo braucht der Wagen 10,2 Sekunden – Platz zwei. Nur für den letzten Platz reicht es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h.
Der Auris fährt sich nicht so agil wie etwa Leon oder Golf, sondern so ähnlich wie Kia und Renault: unauffällig und etwas schwerfälliger. Die Lenkung wirkt zwar nicht ganz so künstlich wie im Mégane, spricht aber verzögert und zäh an.
Äußerlich in bewährter Toyota- Manier unaufgeregt gestaltet, innen durchaus mit Liebe zum Detail. Praktisch zum Beispiel die hoch liegende Mittelkonsole mit dem Fach darunter, ...
... gut abzulesen die orangefarbenen Instrumente in 3D-Optik. Eine der Stärken des Auris ist sein gutes Platzangebot.
Der Schluckspecht dieses Vergleichs: Mit einem Maximalvolumen von 1335 Litern liegt der Auris ganz vorne. 354 Liter als Fünfsitzer reichen für einen Platz im Mittelfeld.
Mit einem Preis von 18.950 Euro bewegt sich der Auris etwa auf dem Niveau des Renault, hat aber die schlechtere Ausstattung. Und alle anderen bieten inzwischen umfangreichere Garantien als Toyota.
Das Design mit spanischem Feuer, die Technik von Konzernmutter VW – da kann man schwach werden. Auch nach Punkten überzeugt der Seat Leon: 322, Platz zwei.
Interessante Antriebsquelle: Für Dampf im Leon sorgt der 1.4 TSI aus dem VW-Konzern, der auch den Golf beschleunigt. Im Seat holt der Turbo-Vierzylinder aus 1,4 Litern Hubraum 125 PS und 200 Nm Drehmoment. Das ist stark genug, ...
...um den Spanier in 10,2 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Spitze: 197 km/h.
Auch wenn Golf und Bravo noch besser gehen, bügelt der Leon seinem Piloten ein Dauergrinsen ins Gesicht. Gleichmäßig zieht der Turbo los, nimmt willig Gas an und verliert auch auf der Autobahn nie die Lust. Die sechs Gänge flutschen beinah von allein in die Gassen, ...
... und die Lenkung verwandelt kurvenreiche Landstraßen in einen Vergnügungspark. Nur das Sportfahrwerk (145 Euro) sollten sich Fans des Spaniers sparen. Der Leon wird dadurch so hart, dass der Fahrspaßgewinn den Komfortverlust nicht aufwiegt.
Hübsch: Die Griffe für die hinteren Türen verstecken sich in der C-Säule.
Auch wenn das schlichte Cockpit weder beim Design noch bei der Qualität mit dem großen Bruder Golf mithalten kann, überzeugt es doch mit hoher Funktionalität.
Hilfreich: Ins Fach unterm Vordersitz passen nicht nur Papiertaschentücher.
Ausreichend: Der Kofferraum des Leon schluckt zwischen 341 und 1166 Liter.
Selbstbewusst: In der empfehlenswerten Stylance-Ausstattung müssen für den Seat Leon 20.835 Euro auf den Tisch gelegt werden (inklusive des Sportfahrwerks).
In der Schule würde er als Streber gehänselt, im Job als karrieregeil gemobbt. Sei's drum: Auf der Straße macht er einfach nur Spaß – der Golf, der mit 352 Punkten mal wieder Testsieger wird. Warum? Weil er bis auf ...
... eine schlecht eingepasste Motorhaube keine Fehler macht. Darunter arbeitet der 1,4 Liter große Turbo-Vierzylinder mit 122 PS und 200 Nm Drehmoment.
Geht gut: Beim Sprint von 0 auf Tempo 100 in 10,2 Sekunden ist der Golf vorne mit dabei, maximal 200 km/h bedeuten einsame Spitze.
Der kleine Turbo des Golf steht wirklich gut im Futter. Mit der exakten Sechsgangschaltung lässt sich die Kraft perfekt portionieren, die gefühlvolle Lenkung findet die Ideallinie fast von allein, das meist im Hintergrund agierende ESP lässt nichts anbrennen.
Wolfsburger Sänfte: Aufgerüstet mit dem anpassungsfähigen Dämpfersystem DCC (925 Euro), schwebt der Golf im Komfortmodus geradezu durch die Republik – und das weitgehend unabhängig vom Straßenzustand.
Klapp-Trick: Für 255 Euro fährt unter dem VW-Emblem eine Rückfahrkamera mit, deren Bild ...
... auf dem Navigationsmonitor zu sehen ist.
Der Golf-Kofferraum schluckt in der Standard-Konfiguration 350 Liter. Wer die Rücksitze umklappt, darf sich über das mit 1305 Litern zweitgrößte Gepäckabteil dieses Vergleichs freuen.
Der Haken am glänzenden Golf-Stück ist wie so oft der Preis. Mit 22.350 Euro (inklusive DCC) kostet der VW mindestens zehn Prozent mehr als seine Gegner.
Das Fazit von Gerald Czajka und Dirk Branke: "Am Ende geht der Golf mit einem mehr als deutlichen Punktevorsprung durchs Ziel. Bei Antrieb, Komfort und Qualität kann er seine Rivalen klar hinter sich lassen. Ein toller Erfolg, der allerdings durch den hohen Preis des Golf getrübt wird. Auf Platz zwei ...
... landet der Seat Leon, der die Sportlichkeit jedoch etwas übertreibt. Gemeinsam auf Platz drei fahren die Asiaten Kia Cee'd und Toyota Auris. Beide praktisch, geräumig und ordentlich gemacht. Dahinter als Vorletzter der neue Renault Mégane: ein schickes Auto mit Charme, ...
... aber zu wenig Platz im Fond und einem müden Motor. Die rote Laterne trägt der Fiat Bravo, der aber dennoch nicht tief enttäuscht. Vor allem der lebhafte Turbomotor sorgt für jede Menge Fahrspaß."
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