Wenn diese sieben Krawallbrüder von AC Schnitzer, Dähler, Dieselspeed, Kelleners, Laptime, Lightweight und Manhart eines nicht sind, dann unbewaffnet: Von 400 PS im Schnitzer bis hin zu gewaltigen 440 PS unter der unauffälligen Dieselspeed-Haube reicht das Leistungsspektrum.
Während Dieselspeed mit 440 PS den stärksten Vertreter des Septetts stellt, baut ...
... AC Schnitzer mit seinem Komplettumbau den teuersten Quertreiber. 91.507 Euro rufen die Aachener für ihr Valencia-oranges Spielzeug auf. Allein in den Recaro-Schalen und der dazugehörigen Volllederausstattung lassen sich über 7000 Euro versenken.
Der Schweizer Wiesmann-Importeur und BMW-Veredler Dähler greift für seine Interpretation des perfekten 1er M Coupés zu hauseigenen Komponenten, wie einem vielfach einstellbaren Sportfahrwerk, welches mit Eibach-Komponenten verfeinert wurde, einer mächtigen Achtkolben-Bremsanlage und dem in Kleinserie gefertigten Titan-Endschalldämpfer.
Zwar hat die heutige Firma Kelleners Sport nur noch wenig mit ihrer klangvollen Historie zu tun, doch auch die neuen Eigner schaffen es, mit dem KS1-RS ein Auto auf die 19-Zöller zu stellen, das dem großen Namen mehr als gerecht wird. Ein optimiertes Motormanagement und die herrlich metallisch klingende Vierrohr- Edelstahlabgasanlage sorgen für 420 PS und 590 Newtonmeter.
Der MH1 von Manhart ist ein außergewöhnlich rundes Produkt, kann aber nur beim Bremsentest ein Ausrufezeichen setzen. Auf dem Sachsenring hagelt es die langsamste Zeit – hier kostet das früh leicht werdende Heck viel Zeit. Schuld daran sind ein für den Sachsenring zu übersteuernd ausgelegtes Fahrwerk und die holzigen 20-Zoll-Contis.
Der mit Sicherheit kurioseste Kandidat im Feld ist der LR 135 Sport aus den Hallen von Laptime Racing im ostfriesischen Detern, denn er ist nicht wie die anderen von Geburt an ein
1er M Coupé, das gern ein bisschen mehr Dampf hätte, sondern ein 135i im 1er-M-Pelz, der die versammelte Meute einmal so richtig mit Anlauf verblasen möchte.
Die Fahrbarkeit des Lightweight 1er M Coupé sucht ihresgleichen, die Rundenzeit (1:39,25 min) wäre mit einem etwas härteren Fahrwerk sicher einige Zehntel schneller ausgefallen. Und damit letztlich auch eine bessere Platzierung möglich gewesen.
Anekdote: Der TÜV des Laptime war seit einem halben Jahr abgelaufen, sodass wir den LR 135i per Trailer an den Sachsenring karren lassen mussten. Mit Ausnahme des Dähler, der über eine komplette Zulassung in der Schweiz verfügt, lieferten alle Tuner ihre Fahrzeuge mit mindestens einer nicht eingetragenen Modifikationen zum Test an.
Woran liegt es, dass für den 400 PS starken Laptime nur die fünftschnellste Rundenzeit herausspringt? Punkt eins: Beim Serien-1er-M sorgen kleinere Räder an der Vorderachse für leichtfüßiges Einlenkverhalten. Punkt zwei: Die S1-Evo-Pneus von Hankook erwiesen sich als weitaus weniger haftungsfreudig als die originalen Michelin.
Die optisch eher einfache Doppelrohr-Auspuffanlage verrät es: Der Laptime ist eben kein 1er M.
Filigrane Motec-Alus in 18 Zoll stehen dem
1er Coupé hervorragend. Die Hankook-S1-Evo-Pneus stellten sich auf der Rennstrecke als Hemmschuh heraus.
Das Performance-Lenkrad mit Schaltpunktanzeige, Stoppuhr und allerlei weiteren Spielereien stammt aus dem BMW-Performance-Programm.
Trotz leicht unterlegener Basis reiht sich der veredelte 135i nahtlos in die Schar der 1er M Coupés ein. Der Grenzbereich kommt recht spät, aber dafür rabiat. Endergebnis: Platz sieben 3,5 Punkte).
Auf der Straße wirkt der Lightweight wie ein 100-Meter-Sprinter auf Kopfsteinpflaster: Es hoppelt, es knarzt, es quietscht. Nein, für den Alltag ist er wahrlich nicht gebaut. Auf der Rennstrecke dagegen fühlt sich der Paradiesvogel am direktesten an und bleibt dabei so herrlich neutral, ...
... dass auch heikle Ecken wie die hängende Links vor der Audi-Kurve voll auf Anschlag und ohne Mucken gehen. Im Kurvengeschlängel Omega machte der Lightweight eine gute Figur. Dabei ist die neutrale Abstimmung – der ...
... 401 PS starke Lightweight erschien zum Test in Nordschleifen-Konfiguration – ...Segen und Fluch zugleich: Die Fahrbarkeit sucht ihresgleichen, die Rundenzeit (1:39,39 min) wäre mit einem etwas härteren Fahrwerk aber einige Zehntel schneller ausgefallen.
Die Hitzeverfärbungen des infernalisch klingenden Titanauspuffs passen perfekt zu den Farben der M GmbH – ist aber purer Zufall, ehrlich.
Brechen auch nach zig Runden nicht ein: gelochte Rennsportbremsen.
Die tollen BMW-Schalensitze sorgen für Seitenhalt bei hohen Kurventempi.
Auf der Piste ist der Lightweight am leichtesten zu beherrschen – aber leider nicht sehr schnell. Schuld daran: die zu weiche Nordschleifen-Abstimmung. Macht Platz sechs (3,6 Punkte).
Der MH1 Biturbo als Einziger auf geschmiedetem 20-Zoll-Fuße, und auch der eigens konstruierte Diffusor und der ultratiefe Frontsplitter aus Karbon machen ihn einzigartig.
Insgesamt ist der MH1 Biturbo ein rundes Gesamtpaket. Die schwache Streckenperformance (1:39,51 min) kostet ihn jedoch eine bessere Gesamtplatzierung.
415 PS verrichten im Manhart-1er ihr Tagwerk. Dazu gesellen sich bärige 600 Newtonmeter Drehmoment.
Am Heck des MH1 entweichen die Abgase über ein vierflutiges System mit Sportkat. Manhart schraubt es unter den hauseigenen Karbondiffusor.
Die einteiligen 20-Zoll-Schmiederäder Concave One kosten 7489 Euro.
Auch an der deutsch-niederländischen Grenze setzt man auf das LED-bestückte BMW-Performance-Sportlenkrad, von dem sich Rundenzeiten, Fliehkräfte sowie Öl- und Wassertemperatur ablesen lassen. Endergebnis: Platz vier (3,7 Punkte).
Der ACS1 Sport ist da zu Hause, wo das stimmige Gesamtpaket an der Eisdiele die Kugeln zum Schmelzen bringt, der kernige Sound an der Ampel die GTI-Fraktion in spontane Schockstarre verfallen lässt und die karoorange abgesteppten Leder-Schalensitze Augenweide und Popometer-Messinstrument gleichermaßen sind.
Ein stufenlos einstellbares Sportfahrwerk sorgt dafür, dass sich der AC Schnitzer auf dem Sachsenring trotz Leistungsdefizits ordentlich schlägt (1:39,21 min). Dennoch: Mehr als ein Mittelfeldplatz ist damit nicht drin.
Zurückhaltend: Mit 400 PS liegt AC am unteren Ende der Leistungsskala.
Das Heck zieren Echtkarbon und eine elegante Vierrohr-Auspuffanlage.
Im Cockpit gibt sich der Schnitzer mit orangefarbenen Akzenten, lackierten Blenden sowie einem griffig in der Hand liegenden Schaltknauf individuell. Die Schalensitze mit orangen Karonähten stützen hervorragend.
Eine zweite Seitenfinne und firmentypische 19-Zöller prägen die Flanke. Platz vier (3,7 Punkte).
Wenn Sie sich über den Namen Dieselspeed wundern – keine Panik: Im P 440 Evo nagelt kein Selbstzünder. Selbst bei Mönchengladbach lässt man die bayerische Biturbo-Drehorgel munter weiterjubeln – so ist's brav.
Quertreiber: 682 Newtonmeter Drehmoment an der mit verhältnismäßig schmalen 265er-Michelins besohlten Hinterachse, das kann nur im Drift enden. Das einstellbare KW-Fahrwerk sorgt für allzeit beherrschbare Manieren und bändigt das bärige Drehmoment sowie den höchsten Leistungswert souverän.
440 PS und fast 800 Newtonmeter Drehmoment – dieser
1er M kann vor Kraft kaum geradeaus fahren. Wer den Berserker beherrscht, macht Zeit gut.
Karbondetails rund um die Auspuffanlage runden den insgesamt dezenten Look ab.
Dieselspeed vertraut auf die 19-zollige Serien-Rad-Reifen-Kombination.
Seinen namensgebenden Leistungswert verdankt der P440 Evo einem zweiten Steuergerät. Dadurch müssen die Nordschleifen-Spezialisten als Einzige mit abgeregeltem Topspeed leben, wobei Dieselspeed selbst gemessene 260 km/h angibt. Rundenzeit: 1:38,46 min. Trotz bester Zeit nur Dritter (3,8 Punkte).
Der gut ausbalancierte Dähler ist schwerer aus der Ruhe zu bringen – irgendwann kapituliert aber auch er vor den Driftkünsten unseres Rennfahrers. Im Alltag handzahm, auf der Strecke sauschnell (1:39,09 min): Der Serie nimmt Dähler über eine Sekunde pro Runde ab.
Dähler kitzelt 408 homogen fahrbare PS aus dem 1er M-Triebwerk.
Den Titanauspuff lässt Dähler in Kleinserie fertigen. Die strengen Richtlinien in seiner Heimat zwingen den Schweizer zu einer dezenteren Stimmlage.
Dähler ist auch Wiesmann-Importeur für die Schweiz – daher der Gecko. Auf der Strecke ist der Eidgenosse mit verstärkten Stabis und bissigen Bremsen einer der Schnellsten – und das trotz suboptimaler Continental-Pneus.
Der Dähler bleibt zurückhaltend – sieht man von seiner Ganzkörperfolierung ab. Die Abgasanlage ist selbst nach den strengen schweizerischen Richtlinien zulässig und daher nicht zu penetrant, das Fahrwerk verfügt über ausreichend Restkomfort, um gerade als Alltagslösung durchzugehen. Platz zwei (4,0 Punkte).
Das Kelleners-Gesamtpaket beläuft sich auf 77.346 Euro. Die Beschleunigungswerte sind – subjektiv wie objektiv – schlicht abartig. Gemessene 4,2 Sekunden auf 100 und unter 15 Sekunden bis Tempo 200, das ist eine Ansage.
Gerade die kurvigen Sektoren der sächsischen Berg-und-Tal-Bahn liegen dem Kelleners. Geht es dagegen bergauf, büßt er entscheidende Zehntel ein (1:39,09 min).
Ein optimiertes Motormanagement und die herrlich metallisch klingende Vierrohr- Edelstahlabgasanlage sorgen für 420 PS und 590 Newtonmeter.
Vrrooom: Der KS1-RS klingt am ehesten nach Rennwagen.
Für die schicken 19-Zöller ruft Kelleners vergleichsweise humane 4070 Euro auf – inklusive erfreulich klebriger Michelin-Pilot-Sport-2-Pneus. Namensgeber Ralf Kelleners höchstpersönlich half bei der Abstimmung des in Zug- und Druckstufe einstellbaren Gewindefahrwerks mit.
Überzeugendes Gesamtpaket: Im Innenraum bleibt Kelleners dem Außendesign mit geschmackvollen Ledersitzen und weiß lackierten Blenden treu. Platz eins (4,1 Punkte).
So knapp: Sechs Zehntel entscheiden zwischen Sieg und Niederlage. Emotional ist der Lightweight unschlagbar, doch der infernalische Sound kostet entscheidende Punkte in der Alltagswertung. So gewinnt der pfeilschnelle Kelleners vor dem ausgewogenen Dähler. Bei Dieselspeed überzeugen der günstige Preis und die Streckenperformance, ...
... im Detail wirkt der P440 Evo aber weniger ausgereift als die Konkurrenz. AC Schnitzer und Manhart finden sich im unauffälligen Mittelfeld wieder, wobei Ersterer allein durch seinen Preis Boden verliert. Laptime zeigt, dass auch für 135i-Fahrer 1er-M-Performance kein Traum bleiben muss.
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