Die Ruhe vor dem Sturm: Sieben der derzeit abgefahrensten Supersportwagen treffen sich am Nürburgring zum Showdown. Sie suchen den Schnellsten von null auf 200 km/h und wieder zurück auf null.
... kämpfen um den Sieger im Start-Stopp-Duell. Für eine Fotofahrt dürfen die wilden Sieben auch einmal gemeinsam auf die legendäre Nordschleife. Im Beschleunigungs-Brems-Test sind die in der "Grünen Hölle" geforderten Kurvenqualitäten allerdings irrelevant.
Einer von zwei Japan-Racern im Feld ist der
Nissan GT-R. Ihn kennen Kids aus Computerspielen, in denen der massige Japaner in seiner Paraderolle des Underdogs ...
... selbst vordergründig überlegene Modellathleten von der Piste schubst.
Auch im Innern herrscht Playstation-Atmosphäre. Dennoch ist der Nissan ein höchst potenter Supersportler, wenngleich er in diesem Test das Nachsehen hat.
Das Herz des Nippon-Sportlers: Im Nissan arbeitet ein 3,8 Liter großer V6-Biturbo, der 485 PS und 588 Nm Drehmoment an alle vier Räder schickt.
Mit enormem Druck beginnt der GT-R seine Vorstellung. Schaltet dank Doppelkupplung blitzartig, ...
... verliert aber bei hohen Touren die Spiellaune. 12,9 Sekunden bis 200 km/h reichen nicht für eine Traumrolle in unserem Blockbuster "Die glorreichen Sieben".
Die Brems-Performance ist mit 133 Metern von 200 auf 0 km/h zwar sehr gut, ...
... insgesamt 17,78 Sekunden von 0-200-0 km/h degradieren den Nissan jedoch zum ambitionierten Statisten. Oder um es anders auszudrücken: Am Ende landet der GT-R auf Platz sieben.
Der zweite Japaner im Testfeld ist der
Lexus LFA. Nach intensiver, zehnjähriger Ausbildung ist die Asphaltrakete von Toyotas Edel-Ableger ...
... ein ganz heißer Anwärter auf eine Traumrolle. Mit rauchigmaskulinem Timbre und ...
... der Kraft von 560 PS und 480 Nm aus einem ultraleichten, 4,8 Liter großen Zehnzylinder (200 kg) spekuliert er nicht zu Unrecht auf eine tragende Rolle bei den Supersportlern.
Interessantes Detail: Die Karosserie des LFA besteht aus kohlefaserverstärktem, gewobenem Kunststoff. Trotzdem wiegt der Bolide 1580 Kilogramm.
Abgefahren: Die futuristische Innenlandschaft des LFA erfordert mindestens eine kurze Kennenlernphase.
Mit Spannung erwarten wir den austrainierten LFA auf der Piste, aber der hat trotz Launch-Control zunächst Mühe, in die Gänge zu kommen und ...
... reißt erst nach 416 Metern (12,4 Sekunden) die 200-km/h-Marke. Der Versuch, dabei mit markanter Stimme zu punkten, ist legitim, bringt aber keine Bonuspunkte ein, ...
... schon eher der Abgang in den Stand. 133,5 Meter. Applaus. Gesamtzeit: 17,36 Sekunden. Reicht allerdings nur für Platz sechs.
In einer Disziplin ist der LFA allen anderen überlegen: Mit satten 375.000 Euro hat der Lexus den mit Abstand höchsten Kaufpreis. Im Vergleich zu seinem japanischen Konkurrenten Nissan GT-R (85.200 Euro) ist er 289.800 Euro teurer – für diese Summe könnte man sich ganz locker noch einen der anderen Testteilnehmer kaufen.
Den
Wiesmann GT MF5 dürften nur wenige auf der Rechnung haben, obwohl er bei kleineren Rollen bereits gezeigt hat, ...
... was unter seiner außergewöhnlichen Hülle steckt. Auch er hat kräftig trainiert und will endlich sein Image vom schnellen Schönling in Richtung Macho aufpolieren, ...
... wobei der Muskel aus dem BMW-Regal ganz eindeutig hilft. Der aus dem
M5 bekannte V10 holt aus fünf Litern Hubraum 507 PS und 520 Nm Drehmoment, die bei Wiesmann an der Hinterachse zerren.
Der Innenraum des GT ist liebevoll gestaltet. Klassisch schön: die Uhrensammlung auf der Mittelkonsole.
Gegen Bewegung: Die dünn gepolsterten Sitzschalen sorgen für guten Seitenhalt.
Der Wiesmann hat sich locker gemacht und buhlt mit seiner Performance um Aufmerksamkeit. Er kommt schneller in die Gänge als LFA und GT-R ...
... und ist in zwölf Sekunden auf 200 km/h. Mehr als beachtlich für einen Newcomer, ...
... beim Bremsen hängt er mit 133,6 Metern sogar einige Konkurrenten ab. Doch mit einer Gesamtzeit von 16,74 Sekunden reicht es noch nicht ganz für die Hauptrolle – Platz fünf.
Für den Wiesmann werden 179.800 Euro fällig. Interessenten müssen sich allerdings beeilen: Weil BMW den Zehnzylinder einstellt, sind nur noch ganz wenige GT MF5 zu haben. Der Dülmener Autobauer muss sich nach neuen Motoren für sein Coupé umschauen.
Beim jüngsten deutschen Star liegt das Talent in der Familie, doch sieht er sich nicht im Schatten seines legendären Opas: Der
Mercedes SLS AMG, ...
... besser bekannt als der neue Flügeltürer, empfiehlt sich für Charakterrollen ebenso wie für brüllende Actionfilme. Dazu setzt er auf eine unwiderstehliche Optik und ...
... auf einen 6,2 Liter großen V8-Sauger, der 571 PS und 650 Nm Drehmoment in den Antriebsstrang schickt.
Wer's mag: Die schwarz-weißen Ledersitze sind sicherlich Geschmackssache, ....
... Fakt ist hingegen die sportliche Potenz des SLS, die der Fahrer an diesem Arbeitsplatz abrufen kann. Türen schließen, Launch-Control rein, ...
... und der SLS schießt mit grollendem V8-Bass die Bahn entlang. Ein starker, von gleichmäßiger Steigerung und schnellen Schaltvorgängen geprägter Auftritt, ...
... der den Flügeltürer nach elf Sekunden auf Tempo 200 bringt. Routiniert! Doch er zeigt Schwächen im Finale, ...
... 138 Meter braucht der mit Stahlbremse (Keramik optional) angetretene SLS. Am Ende steht für den Stuttgarter eine Gesamtzeit von 16,13 Sekunden zu Buche. Das reicht für Platz vier – knapp am Siegertreppchen vorbei.
Preislich im Mittelfeld: Für den SLS AMG berechnet Mercedes 183.260 Euro – drei Autos in diesem Testfeld sind billiger, drei teurer.
Italienisches Heißblut: Lamborghini schickt den
Gallardo LP 570-4 Superleggera ins Rennen, ...
... das derzeit fahraktivste Modell aus Sant'Agata. Er hat 70 Kilogramm weniger Speck auf den Rippen als seine "zahmeren" Brüder und ...
... einen um zehn PS stärkeren Motor unter der gläsernen Haube. Der 5,2-Liter-V10 entlässt 570 PS und 540 Nm in den Allradantrieb.
Kohlefaser beherrscht den Lambo-Innenraum. Insgesamt entfallen 40 der 70 gesparten Kilos auf das leichte Material.
Uuuuuund Action: Auftritt Lamborghini Superleggera. Rein in die engen Schalensitze, das Wildlederlenkrad umklammert, Launch-Control aktiviert, ...
... und ab dafür. Der Gallardo setzt sich sofort mächtig in Szene, spielt auf, als gäbe es kein Morgen. Er schreit, spuckt sogar, knallt einem jeden Gangwechsel in den Rücken ...
... und ist nach 10,6 Sekunden auf 200 km/h. Dazu braucht er nur gut dreieinhalb Fußballfelder (361,24 Meter).
Jetzt voll in die Keramik(bremsen), 4,66 Sekunden später – exakt 124,4 Meter – ist sein Vortrag vorbei. Für die Beschleunigung auf Tempo 200 und das Herunterbremsen in den Stillstand braucht der Italiener insgesamt 15,2 Sekunden – Platz drei.
Der giftgrüne Gallardo LP 570-4 ist der zweitteuerste Sportler in diesem Vergleich: Lamborghini ruft für den Allradler 208.736 Euro auf.
Zweiter Anwärter auf die Hauptrolle des Latin Lovers ist ebenfalls ein Italiener: Beim
458 Italia hat Ferrari-Hausschneider Pininfarina die ausgeklügelte Aerodynamik der Alu-Karosserie ...
... mit italienischer Grazie verschmolzen. Das Design des Supersportlers aus Maranello polarisiert, ...
... die Maschine im Heck eher nicht: Der Ferrari wird von einem Achtzylinder befeuert, der aus 4,5 Litern Hubraum 570 PS und 540 Nm Drehmoment schöpft. Damit ist der 458 Italia exakt so kräftig wie der Gallardo.
Innovativ: Der Arbeitsplatz 458 Italia kommt völlig ohne Lenkstockhebel aus. Selbst Blinker und die Lichtsteuerung werden über das Volant betätigt, ...
... wo auch der rote Knopf zum Paradies wartet.
Ganz Italo-Macho räuspert sich der 458 geräuschvoll und setzt an: Sein heiseres Organ zieht sofort die Blicke auf sich, ...
... dann läuft er zu Hochform auf: 10,4 Sekunden braucht der Ferrari bis zum 200-km/h-Höhepunkt, ...
... und nach 15,11 Sekunden steht er schon wieder entspannt da. Das bringt den rassigen Italiener auf den zweiten Platz.
Fahrspaß in der roten Rakete hat einen reichlich hohen Preis: Der Ferrari 458 Italia steht für 194.000 Euro in der Preisliste.
Die Elfer-Ahnen kennen Generationen aus Heimat- und Autorenn- Filmen. Nach schweißtreibendem Aufenthalt in einer Edel-Muckibude ...
... erscheint der
911 Turbo S gestählt zum Casting, um sich für die Hauptrolle in "Die glorreichen Sieben" zu empfehlen. Bis auf seine Lackierung ist der Porsche der Unscheinbarste in diesem Vergleich, ...
... aber auch er hat es natürlich faustdick unter der Haube. Mit einem doppelt aufgeladenen Sechszylinder-Boxer, der 530 PS und satte 700 Nm Drehmoment entwickelt, will der Zuffenhauser der Konkurrenz ein für alle Mal zeigen, wem hier die Hauptrolle gebührt.
Mit verhaltenem Donner und unter vollem Einsatz der Launch-Control setzt sich der Biturbo in Szene.
Nach schlanken zehn Sekunden ist Tempo 200 erreicht, dann folgt ...
... der Tritt auf die Bremse, der die Beläge an die Keramikscheiben presst, und weitere fünf Sekunden später steht der knallgelbe Bolide wieder. In nur 15,01 Sekunden hat der Elfer den Hammer aus- und wieder eingepackt. Eine bühnenreife Vorstellung. Die Hauptrolle geht nach Stuttgart.
Kaum zu glauben: Mit 173.241 Euro ist der Porsche 911 Turbo S das zweitgünstigste Auto in diesem Vergleich
Das Fazit: "Zugegeben: Der Test 0–200–0 km/h ist so extrem wie alltagsfern. Doch um Extreme geht es in dieser Rubrik. Und ein bisschen Alltag findet sich ebenfalls. Denn natürlich haben wir auch die Bremswerte aus Tempo 100 ermittelt, ...
... der im Schnitt bei sensationellen 32,9 Metern lag – sowohl kalt als auch nach der zehnten, der 'heißen', Messung. Was für eine Leistung. Und was für ein Sicherheitsgewinn. Das zeigt auch die Tatsache, dass es mindestens 350 Meter braucht, um auf 200 km/h zu beschleunigen. Im Schnitt reichen aber 132 Meter, um wieder zu stoppen."
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