Jetzt wird es wild:
Smart streckt den
fortwo und macht für die
Detroit Auto Show 2012 aus dem Stadtflitzer einen Pick-up.
Die Abmessungen sind äußerst kompakt. Länge, Breite und Höhe (3,55/1,51/1,70 Meter) bleiben im Rahmen, ...
... trotzdem sollen zwei eBikes nach Art des Hauses auf die Ladefläche passen. Die ragen zwar ein Stück über die kurze Ladefläche des Bonsai-Pick-ups, aber wen stört das schon bei einer serienfernen Studie.
Beim Antrieb setzt Smart auf den aus dem Smart ed bekannten Elektromotor mit 75 PS, der mit einer 17,6 kWh starken Lithium-Ionen-Batterie rund 120 km/h schnell fahren soll.
Der Innenraum: Auch hier kommt ganz klar der Studiencharakter durch. Poppiges Design, knalliges Gelb in den Türverkleidungen und Sitzschalen trifft auf kühles Grau und Silber.
Das Zwei-Speichen-Lenkrad ist oben offen. An die Stelle des klassischen Innenspiegels tritt beim Smart for-us ein Smartphone, das in einer Halterung oben auf dem Instrumententräger untergebracht ist. Mit Hilfe der integrierten Videokamera ...
... kann der Fahrer das Geschehen hinter dem eigenen Fahrzeug beobachten. Bevor Smart die Fotos der Studie gezeigt hat, ...
... existierte der for-us nur als Zeichnung. Übrigens: Während der for-us bislang reine Fantasie ist, gibt es für die mitreisenden ebikes schon konkrete Pläne.
Im Frühjahr 2012 wird die Marke ein Serien-Bike mit 250 Watt starkem Elektromotor an der Hinterachse auf den Markt bringen.
Durch die Docking Station auf der Ladefläche des for-us sind die Batterien der eBikes immer geladen, damit die Passagiere des Stromers auch abseits normaler Straßen mobil bleiben.
Bei der Optik spielt der Smart Pick-up mit dem Design klassischer Pritschenwagen mit überwölbten Karosserieflächen und Unterfahrschutz.
Dazu wird der Radstand des fortwo auf 2,48 Meter gestreckt (61 Zentimeter mehr als das Original) und die Spur um insgesamt zehn Zentimeter verbreitert.
Innen wird das gesamte Cockpit selbst als Durchströmungskörper für die Innenraumbelüftung genutzt. Die Sitzschalen sollen laut Smart an Hängematten erinnern und sind mit einem Stoff bezogen, der sich leicht auswechseln lässt. Soweit die Theorie, ...
... hier kommt die Praxis: Hält der Smart electric drive, was er verspricht? 135 Kilometer Reichweite soll der Mini-Stromer schaffen. AUTO BILD-Tester Dirk Branke kämpft sich durch den Asphaltdschungel von Monaco.
Erster Teil des Tests: Vollgas-Fahrt auf der Formel 1-Strecke. 3,34 Kilometer durchs Häusergewirr, mal sehen, wie lange der Smart durchhält. Tempo ist angesagt, Vollgas, so oft es geht, Bremsen, nur wenn es sein muss, Klima und Radio natürlich an.
Das E-Mobil klingt ein bisschen nach Straßenbahn, ein feines Pfeifen, das mit höherer Drehzahl etwas lauter wird. Nicht wirklich laut, aber auf Dauer doch nervend. "Wir arbeiten dran", sagt Projektleiter Volker Störkmann, "es soll schon nach E-Technik klingen, aber auf alle Fälle noch angenehmer."
Der Kurs zermürbt dich. Fast wie im richtigen Rennen. Start am Hafen, St.-Devote hoch zum Casino, Mirabeau scharf runter, Grand Hotel, ...
... in den Tunnel stechen (ich hab' mal Tempo 80 geschafft), Hafen-Schikane, Rascasse – fertig.
Eng hier, verdammt eng. Dazu der normale Alltag: rote Ampeln, Vorfahrt beachten, Zebrastreifen, Leute, die vors Auto springen ...
Der Smart schlägt sich tapfer, aus dem Stand bin ich oft der Schnellste. Tempo 60 schafft er in 6,5 Sekunden. Damit würde er sogar dem 61-PS-Benziner-Smart wegziehen (6,8 s).
Dass der Stromer höchstens Tempo 100 läuft, stört in der Stadt wenig. Das Schöne: Mit E-Motor fährt sich der Smart recht angenehm. Dank 130 Kilo Mehrgewicht der Batterien federt er komfortabler, das lästige Schaltruckeln entfällt.
Die Batterie erweist sich als zäh. Trotz reichlich Vollgas und ständigem Stop-and-go hält der Akku lange durch: Am späten Abend und nach 88 Kilometern hat er noch knapp 20 Prozent seiner Ladung, das würde für 20 Kilometer mehr reichen, wir machen trotzdem Schluss.
Am nächsten Tag folgt die Sparfahrt: Wie weit kommt der E-Smart bei betont schonender Fahrweise? Also kein Vollgas, rollen lassen, keine Hektik. Die Teststrecke entspricht genau der angegebenen Reichweite von 135 Kilometern von Monaco...
... nach Saint-Tropez über Küstenstraßen, größere Städte wie Nizza, kleinere Badeorte, ein paar Hügel, viel Verkehr. Ich streichle das Pedal, bremse selten, rolle langsam auf die Ampeln zu, lass das Auto laufen.
Zum Verkehrshindernis wird der Smart auch jetzt nicht, im Gegenteil, er läuft in Kurven oft auf langsamere Autos auf.
In Saint-Tropez stehen 138 Kilometer auf dem Zähler, der Akku zeigt 24 Prozent
Rest-Kapazität, 40 Kilometer wären noch drin. Theoretisch, denn leerfahren würde
man ja auch einen Benziner kaum.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Elektro-Smart kaum von seinen Benzin- oder Dieselgetriebenen Schwestermodellen.
Auch im Innenraum haben die Designer fast alles beim alten belassen. Über den Zustand der Akkus und die verbleibende Reichweite ...
... informieren zwei Zusatzinstrumente über der Mittelkonsole. Anders als eine Tankuhr arbeiten die Anzeigen absolut exakt.
Der 41 kW starke E-Motor im Heck beschleunigt den Smart auf maximal 100 km/h. Das reicht für die Stadt und kurze Überlandfahrten aus.
Wie beim konventionell angetriebenen Smart liegt die Antriebseinheit im Heck. Dazu kommen Leistungselektronik, Ladegerät und Kühler.
In der Heckklappe liegt das Zubehör sauber und ordentlich verstaut. Auch das Ladekabel geht stets mit auf Reise.
Kabel aus der Heckklappe ziehen, Stecker rein – so tankt der E-Smart seinen Saft. Die Lithium-Batterien sitzen zwischen den Achsen und stammen vom US-Hersteller Tesla.
So ähnlich wird eine öffentliche Ladestation mal aussehen: eine fast normale Steckdose, an der man auftanken kann.
Die Grafik verdeutlicht: Selbst im Vergleich zum Spar-Smart mhd mit Mildhybrid und 4,4 Liter Durchschnittsverbrauch fährt der electric drive um mehr als die Hälfte günstiger. Trotz des Vorteils bei den reinen Energiekosten ...
... rechnet sich der E-Smart noch nicht. Bei einem geschätzten Mehrpreis von 13.000 Euro würde er sich – rein theoretisch – erst nach 380.000 Kilometern lohnen. Vorausgesetzt, es gibt keine staatliche Förderung.
Derzeit können den E-Smart nur 100 Berliner Kunden für 700 Euro monatlich leasen, der Rest der 1000 Autos geht ins Ausland. Erst 2012 startet der Bau der Großserien-Autos, bis dahin sollen Batterie-Kosten und Preis sinken.
Fazit von Dirk Branke: Rund 180 Kilometer schafft der E-Smart unter idealen Bedingungen. Mehr als die Werksangabe! Verglichen mit einem sparsamen Diesel ist das nicht viel.
Doch für die Stadt reicht es allemal. Unser Versuch zeigt aber vor allem, dass man inzwischen Vertrauen haben kann in die E-Technik, sie funktioniert bestens – wenn sie so konsequent gebaut ist wie beim Smart.
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