Start frei zum ersten Teil des großen Sechs-Liter-Vergleichs: Eine kunterbunte Modellpalette tritt an, um den Spar-und-Spaß-König zu küren.
Kein Test wie jeder andere: In zehn Kapiteln geht es auf dem Contidrom bei Hannover ausschließlich um Fahrspaß und Verbrauch. Die Kandidaten: Mini Cooper, Opel Insignia 2.0 CDTI, Renault Laguna Coupé 2.0 cDi, Daihatsu Copen, BMW 330d, Morgan 4/4 Sport und Audi TT Coupé 2.0 TDI (von links).
Oh my dear! Ein ergrauter Walzertänzer unter flippigen Techno-Kids – der mit 109 von 200 Punkten siebtplatzierte Morgan ist von vorgestern. Da verbietet eigentlich der Respekt vor dem Alter den Vergleich mit der Jugend von heute. Wer schleppt schon ...
... Uropa mit in die Disko? Trotzdem: So offen, tief und puristisch wie das Fossil dasteht, sendet es unwiderstehliche Signale: einsteigen, losfahren, Spaß haben! Dafür reichen ...
... seine 112 PS aus dem 1,6 Liter großen Ford-Vierzylinder allemal. Sensationell, was für ein Spektakel Morgan dem Motor mittels Sportauspuff (300 Euro) entlockt, ...
... nach 8,4 Sekunden steht die Tachonnadel bei Tempo 100, maximal sind 185 Sachen drin. Schon bei 80 km/h fegt ein Orkan durchs Cockpit, und das alles fühlt sich doppelt so schnell an.
Tempo gleich Lustgewinn? Nicht beim Morgan. Selten hat uns eine Sparfahrt so viel Spaß gemacht. Schon bei Zuckeltempo gehen die Mundwinkel weit nach oben, ...
... und an der Tankstelle ermitteln wir im Sparmodus 6,2 Liter Minimalverbrauch. Das ist wahrlich nicht von gestern.
Den Handlingkurs dagegen mag er nicht. Die Rundenzeit (1:56,35 Minuten) ist miserabel. Er schiebt, giert, schwänzelt, ...
... driftet und stampft in alle Richtungen. Der Fahrer kämpft und reitet Rodeo auf Blattfedern und Starrachse. Der Morgan ist eben kein iPod, sondern ein Grammophon. Wer Antiquiertes schätzt, ...
... handelt mit dem Kauf dieses Autos sogar ökologisch: In einer Studie der Universität Cardiff wird der Morgan 4/4 Sport als grünes Auto gelobt. Er ist leicht, langlebig, und sein Eschenholz-Chassis mit Aluaufbau stammt aus handwerklicher Produktion.
Minitüren öffnen wie große Scharniere, dann fällt der Fahrer tief in Ledersitze und blickt auf vier Smith-Rundinstrumente.
Das Dreispeichenlenkrad von Moto Lita hat keinen Airbag, dafür ein klassisches Lochmuster.
Der Tacho ist so weit vom Cockpit entfernt, dass er eigentlich nur den Beifahrer informiert. Hinterm Lenkrad muss man das Tempo am Fahrtwind spüren.
Das Fazit: "Yes, der macht an. Ein Roadster uralter Schule. Knorriger Spaß pur für Kenner und Könner." Ab 39.900 Euro ist der Morgan 4/4 Sport zu haben.
Vier Türen, Platz für fünf, riesiger Kofferraum, starker Motor – früher nannten wir so was rasende Familienkutsche. Mit Startnummern beklebt gingen einige am Wochenende auch bei Tourenwagen-Rennen an den Start. Mit etwas gutem Willen kann man den Insignia in dieser Tradition sehen. Mehr als 117 Punkte sind trotzdem nicht drin. Platz sechs.
Die Rüsselsheimer packen dem Insignia 2.0 CDTI einen exakt 1956 cm³ großen, aufgeladenen Vierzylinder mit 160 PS und 350 Nm Drehmoment unter die Haube. Der Motor geht nach einem klitzekleinen Turboloch beherzt und drehwillig zur Sache, ...
... bringt den Opel in 9,6 Sekunden auf Tempo 100, bis auf maximal 218 km/h und in 1:49,33 Minuten um den Rundkurs. In schnell gefahrenen Kurven ...
... schiebt der Insignia stur über die Vorderräder und wogt bei abrupten Richtungswechseln wie einst der Opel Kapitän. Vor allem die unverbindliche Lenkung verdirbt den Spaß. Für dynamische Fahrweise ist die 4,83 Meter lange Limousine zu massig, kann aber ...
... als 2.0 CDTI richtig knausern, denn bei unserer Schleichfahrt sinkt der Verbrauch auf 5,4 Liter. Angesichts von Größe und Gewicht ein toller Wert.
Das Cockpit-Design ist schwungvoll, die Mittelkonsole mündet bogenförmig in die Armaturentafel, ...
... geschaltet wird der Opel mit einem manuellen Sechsganggetriebe.
Nettes Detail: Wenn der Fahrer die Sporttaste (930 Euro extra) drückt wechselt die Instrumentenbeleuchtung von Weiß in feuriges Rot, ...
... das Fahrwerk strafft sich, der Motor wird giftiger, die Lenkung direkter – alles abzulesen auf dem großen Monitor.
Wie ernst Opel es mit der Sportlichkeit meint, zeigt, dass auch die Elektronik-Fahrhilfen wie bei BMW zweistufig abstellbar sind: Stufe eins deaktiviert die Traktionskontrolle, Stufe zwei das gesamte ESP.
Das Fazit: "Spritziger Dieselantrieb, aber der Insignia tendiert zum souverän-gemütlichen Auftritt. Ein Sportler ist er nicht. Dafür zeigt er im Verbrauch viel Knauser-Talent." Als 2.0 CDTI steht er ab 31.575 Euro in der Opel-Preisliste.
Schneller Schönling aus Frankreich: Stilistisch gehört das Laguna Coupé zu den schönsten Autos, die links des Rheins gebaut werden. Der tief gezogene Frontgrill sowie ...
... das Heck mit seinen schmalen Rückleuchten sowie zeigen sogar einen Schuss Aston Martin. Dieser Renault macht schon beim Anschauen Freude. Und landet mit 122 Punkten auf dem fünften Platz.
Der Zweiliter-Diesel (150 PS, 340 Nm) verlangt Gelassenheit: Im Test schluckte der Renault 6,9 statt der versprochenen 5,9 Liter – kaum einer weicht so stark von seinem Normverbrauch ab. Dafür sind ...
... die Fahrleistungen in Ordnung: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der schicke Renault 9,5 Sekunden, bei 210 km/h kommt die Tachonadel endgültig zum Stillstand.
Die Lenkung zeigt überraschende Direktheit. Auf dem Handlingkurs legt der Renault mit 1:48,51 Minuten eine gute Rundenzeit hin, aber ...
... der Funke will nicht so richtig überspringen. Da nur die Traktionskontrolle deaktivierbar ist, ...
... setzt die Elektronik dem sportlichen Laguna-Fahrer enge Grenzen. James Bond hätte auf seinen hitzigen Verfolgungsjagden nur bedingt Freude am 2+2-Coupé.
Seine Insassen zu verwöhnen, das ist die wahre Stärke des Franzosen. Sein aufgeräumtes Cockpit und ...
... die schönen Instrumente schaffen eine gediegene Atmosphäre. Aber: Die Sitze bieten nur schlechten Seitenhalt, ...
... die langen Schaltwege rauben Zeit und Nerven, wenn es schnell gehen soll.
Das Fazit: "Form? Aber hallo! Ein Rasse-Coupé. Fahren? Na ja, der Laguna ist schnell, aber eine rennmäßige Gangart liegt anderen besser." Der Preis: ab 30.300 Euro.
Auf den ersten Blick ist der Bonsai-Roadster ein Witz, ein Micky-Maus-Auto, das scheinbar vom Jahrmarkt-Karussell gefallen ist. Aber der Daihatsu Copen macht Spaß, erzielt im Vergleich 142 Punkte und landet auf dem vierten Platz.
Trotz des 1,3 Liter großen Geiz-Motors ist der Fahrspaß riesig. 87 PS und 120 Nm treffen auf 878 Kilo, ...
... die immerhin in 10,6 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 180 km/h beschleunigt werden. Mit jedem Kilometer wächst die Freude und auch der Respekt vor dem Daihatsu, ...
... der einem selbst bei Schleichfahrt noch ein Dauergrinsen ins Gesicht pflanzt. Sowohl im Minimal- (5,0 Liter) wie im Durchschnittsverbrauch (6,3 Liter) erzielt der kleine 1300er-Motor Bestwerte. Selbst bei Vollgas auf der Handlingstrecke (Bestzeit: 1:55,20 Minuten) hatte der Bonsai mit 15,1 Litern den geringsten Verbrauch.
Die dunkle Seite des Copen: Es gibt kein ESP, die Lenkung müsste direkter sein.
Guter Arbeitsplatz: Die Sitzposition ist für Personen bis 1,80 Meter makellos, und das elektrische Klappdach funktioniert auch ganz prima. Das zweifarbige Momo-Lenkrad und ...
... der auf Hochglanz polierte Schaltknauf beweisen Liebe zum Detail – kosten aber auch Aufpreis.
Hingucker: Die Instrumente sitzen in drei ineinander verschachtelten Röhren.
Das Fazit: "Der Copen ist ein moderner Austin-Healey Sprite. Er bietet jede Menge sportlichen Frischluft- Fahrspaß bei sehr geringem Verbrauch. Klasse!" Und die Investionskosten von 17.990 Euro halten sich auch in Grenzen.
Flach, schnell, sparsam – das ist der Audi TT 2.0 TDI. Mit 145 von 200 möglichen Punkten fährt das Ingolstädter Coupé auf den dritten Platz vor.
Kein rauchiger Sechszylinder oder fauchender Turbo, sondern sanftes Nageln von vorn – daran müssen sich Sportfahrer erst mal gewöhnen, die kriegen viel zu wenig auf die Ohren. Doch dann geht’s rund: Mit 170 PS und bis zu 350 Newtonmeter Drehmoment ...
... durchbricht der Audi nach 7,7 Sekunden die 100-km/h-Marke und erreicht maximal 226 Sachen. Ebenso souverän fegt er über den Handling-Parcours. Da er seine großen Kraftreserven ...
... auf alle vier Räder überträgt, sind ihm Traktionsprobleme selbst auf rutschigem Belag fremd. Nur in schnellen Kurvenpassagen kommt auch beim TT quattro der geborene Fronttriebler durch, und er schiebt leicht über die Vorderräder. Das lässt sich ...
... mit einem beherzten Gasstoß ändern – dann zeigt er sogar eine leichte Tendenz zum Übersteuern. Waschechtes Sportwagen- Feeling also, ...
... besonders wenn das Magnetic-Ride-Fahrwerk (1230 Euro extra) an Bord ist. Per Sporttaste wird der Audi spürbar straffer. Kein Wunder, dass er mit 1:44,75 Minuten eine Toprundenzeit hinlegt.
Vorbildlich ist der Diesel-TT auch beim Verbrauch. Mit viel gutem Willen kann man den Dieselkonsum des Audi sogar unter die Fünf-Liter-Marke dücken.
Das Gefühl im Innenraum hat etwas Höhlenartiges: Geborgen sitzt der Fahrer hinter einer hohen Seitenlinie und ...
... blickt auf ein sehr edles Cockpit. Bei Qualität und Materialanmutung gibt’s ohnehin kaum Besseres.
Hier ist Handarbeit gefragt: Der Ingolstädter lässt seine Kraft über ein manuelles Sechsgang-Getriebe sortieren.
Das Fazit: "Dieses Auto tut alles, damit man mit ihm verwächst. Ein Klasse-Spar-Sportwagen, der aber leider ziemlich teuer ist." Inklusive Magnetic-Ride-Fahrwerk kostet der TT 2.0 TDI 36.630 Euro.
So handlich wie der Mini Cooper ist sonst kaum ein anderer: Die englische Fahrspaßmaschine holt 146 Punkte und damit den zweiten Platz.
Der Mini wird von einem 1,6-Liter-Motor in bewegung gesetzt. 120 PS und 160 Nm Drehmoment für 1120 Kilo Leergewicht – klingt gut. Trotzdem wirkt der Mini Cooper ohne S, also ohne Turbo, untermotorisiert. Das ist kein Tadel für den Vierzylinder, ...
... sondern ein Lob fürs Fahrwerk. Denn es könnte deutlich mehr Leistung vertragen. Trockene Federung und kurzer Radstand machen den Mini äußerst agil. Und dann diese superdirekte Lenkung: Fast scheint es, als sei sie an die Augäpfel des Fahrers gekoppelt. Ein Blick nach links, ...
... schon flitzt der Cooper in die angepeilte Richtung – was für ein Riesenspaß! Aber: Um richtig schnell zu sein, fordert er Gefühl. Beim Einlenken zeigt er spürbare Lastwechsel. Wer die gekonnt zu nutzen weiß, schaltet ESP aus und wischt noch schneller um die Kurven.
Wer den Schaltempfehlungen folgt und das Start-Stopp-System einschaltet, ist mit 5,4 Litern unterwegs. Bei Dauervollgas indes zeigt sich auch beim Cooper, dass hier ein Saug-Benziner und kein Turbodiesel am Werk ist. Dann verheizt er mal eben locker über 21 Liter pro 100 Kilometer, ...
... weil zügige Runden hohe Drehzahlen erfordern. Die Bestzeit des Mini auf dem Handlingparcours des Contidroms: 1:51,75 Minuten.
Eine Frage des Geschmacks: Das Design des Mini ist sicher nicht jedermanns Sache. Das Lenkgefühl dürfte hingegen absolut mehrheitsfähig sein.
Hier lässt sich der Fahrspaß in nackten Zahlen ablesen: In 9,3 Sekunden erreicht die Tachonadel die 100-km/h-Marke, bei 203 km/h bleibt sie stehen.
Knackig und exakt: die Sechsgang-Schaltung des Mini Cooper.
Das Fazit: "Lachsalven garantiert. Der Mini Cooper fordert seinen Fahrer zum Dialog und gibt viel zurück. Stil, Fahrspaß und Spartechnik sind das Geld wert." Auch wenn wir hier von 19.200 Euro Grundpreis reden.
An dem hier führt im ersten Teil des Fahrspaß-Vergleichs kein Weg vorbei: Der BMW 330d landet mit 151 Punkten ganz oben auf dem Siegertreppchen.
Wenn es einen Erfinder für maximale Fahrfreude bei minimalem Verbrauch gibt, dann BMW mit seiner Spartechnik Blue Efficiency. Nun setzen die Bayern ...
... mit dem 330d Blue Performance noch einen drauf. Für 1190 Euro Aufpreis hat der 245 PS und 520 Nm starke Sechszylinder einen Speicherkat für Stickoxide. Das macht ihn zum schnellsten Saubermann der Welt, weil er sogar EU 6 erfüllt. Mit kernigem Dieselsound legt der Sechszylinder gewaltig los, ...
... fegt in 6,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht mühelos 250 Sachen. Noch Fragen? Auch um den Handlingkurs jagt er mit extremem Bums bei jeder Drehzahl und fast jeder Fahrstufe. Seine Rundenzeit von knapp 1:42,53 Minuten ...
... distanziert die Konkurrenz so klar wie ein Olympia-Sieger die Amateure beim Volkslauf. Er ist nicht nur schnell, sondern ein prickelndes Fahrvergnügen. Im Prinzip beherrscht er das gleiche Repertoire wie sein PS-stärkerer Benzinbruder 330i: ESP aus, ...
... Gas geben, schon driftet er spektakulär um die Ecken. Präzise Lenkung und Leistungsüberschuss an der Hinterachse machen den Diesel-3er zum vorzüglichen Spielzeug für Erwachsene.
Extrem nüchtern: Das Cockpit des 3ers ist an kühler Klarheit kaum zu überbieten, ...
... auch die Instrumente zeigen sich frei von jeglicher gestalterischer Spielerei.
Der rastet satt ein: iDrive-Drehregler im 3er vor dem Schaltknüppel des Sechsgang-Getriebes.
"Der 330d fährt allen um die Ohren. Ein Spaßmacher erster Güte, der mit hohem Sparpotenzial und moderner Umwelttechnik überzeugt."
Das Gesamtfazit: "Der BMW mit seinem Dick-Diesel macht’s. Er ist schneller, agiler und trotzdem sparsam. Leider kostet er 42.090 Euro. Wer soll das bezahlen? Den Mini gibt’s für weniger als die Hälfte. Er macht ähnlich viel Freude, ist noch knauseriger und beweist damit, dass auch ein Benziner großes Sparpotenzial haben kann."
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