Auf exakte Peilung kommt es an – beim Autotest genauso wie auf hoher See. Dort visierte man früher per Sextant die Sonne an – und berechnete aus ihrem Stand die eigene Position. AUTO BILD hat für den
Dacia Duster eine Standortbestimmung vorgenommen und ...
... das rumänische Kompakt-SUV (vorne) mit
Opel Astra,
Citroën C3,
Nissan Cube und
Nissan Qashqai (von links) verglichen. Was kann der
Duster besser als seine Konkurrenten, wo ist er schlechter? Hat er wirklich das Zeug zum Grenzgänger zwischen den Klassen?
Vergleich Nummer eins: gleiches Raumangebot. Na gut, nicht ganz. Der Laderaum des
Nissan Cube (260–1563 Liter) schluckt 73 Liter weniger Gepäck beim Maximalvolumen als der
Duster. Aber Klapplehnen und ein Kastenheck haben sie beide.
Den rustikalen SUV-Charme des
Duster kontert der
Nissan mit markanter Kastenoptik im iPod-Stil. Auffällig, aber Geschmacksache.
Der
Nissan Cube will witzig wirken, verfehlt aber die Pointe: zwölf Cupholder, in die nur Mini-Becher passen, ...
... ein nutzloser und Staub fangender Flokati-Teppich auf dem Armaturenträger, bunte Haltegummis in den Türen. Selten so gelacht!
Es geht doch! Schade, dass nicht mehr Ideen so stilsicher und landestypisch umgesetzt wurden wie das Sonnenrollo im Reispapier-Look.
Die Passagiere des
Cube reisen auf breiten Plüschpolstern ähnlich bequem wie im
Dacia. Auch der Federungskomfort ist erste Sahne.
In Reihe zwei bietet der
Cube eine verschiebbare Rückbank mit neigungsverstellbaren Lehnen. Die Polster sind weich, aber die Beinauflage ist zu kurz.
Der 1,6 Liter große
Nissan-Vierzylinder wirkt mit 110 PS und 153 Nm recht aufgeweckt, ...
... er beschleunigt den japanischen Kastenwagen in 11,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 175 km/h. Richtig Laune ...
... macht der
Cube trotzdem nicht, denn um Kurven eiert er so eckig, wie er aussieht.
Der Japan-Würfel überzeugt mit guter Raumausnutzung und zartfühlender Federung. Preis und Verbrauch sind aber zu hoch, und für originelle Optik gibt es keine Punkte. 290 von 500 Punkten reichen am Ende zu Platz vier.
Vergleich Nummer zwei: gleicher Preis. 13.250 Euro verlangt
Citroën für den
C3, dann fehlen dem kleinen Franzosen aber immer noch Nebelscheinwerfer und Klimaanlage. Im
Duster ist für 13.400 Euro beides schon drin.
Der Umstieg vom
Duster in den
Citroën C3 ist erst einmal ein Abstieg: vom ersten Stock ins Erdgeschoss. Eben noch souverän über den Dingen thronend, wird man jetzt auf Augenhöhe mit der Masse durch den Stadtverkehr gespült, ...
... und stochert mit der gefühllosen Lenkung des Franzosen noch viel mehr im Nebel als mit dem teigig-indirekten
Dacia-Steuer. Immerhin: In die Parklücke schlüpfen – das geht mit dem
C3-Ruder wunderbar leicht. Kurven anpeilen ist dafür Glückssache.
Für den Vortrieb im
C3 sorgt ein 1,4 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 73 PS und 118 Nm Drehmoment. Dass man mit dieser vergleichsweise kleinen Maschine ...
... in Sachen Fahrleistungen natürlich keine Bäume ausreissen kann, dürfte klar sein. Der
C3 sprintet in 13,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und ...
... erreicht maximal 163 km/h. Die Instrumente sind nur mäßig ablesbar.
Apropos mäßig: In Reihe zwei genießt man zwar genug Kopffreiheit, aber die Knie drücken durch die weichen Sitze in den Rücken des Vordermanns. Bequem ist anders.
Nicht unbedingt ein Typ für Großeinkäufe: Hinter die Heckklappe des Citroën
C3 passen zwischen 300 und 1121 Liter. Da hat der
Duster deutlich mehr zu bieten.
Der kleine Franzose trumpft vor allem mit niedrigen Unterhaltskosten auf – trotz des selbstbewusst kalkulierten Kaufpreises. Fahrspaß ist nicht die stärkste Seite des neuen
C3. Aber es reicht zu 292 Punkten und Platz drei in diesem Vergleich.
Vergleich Nummer drei: gleiche Leistung – zumindest fast. 100 PS haben im
Opel Astra 1396 Kilogramm Leergewicht zu schleppen. Im
Dacia treffen 105 PS auf 1234 Kilogramm.
Fahrspaß? Dafür war
Opel stets eine gute Adresse. Und ist es auch beim neuen
Astra wieder, aber nicht mit diesem Motor. 100 PS? Weiß der Teufel, wo die Ingenieure die versteckt haben! Nach 14,1 Sekunden erreicht der Wagen Tempo 100, schafft maximal 178 km/h.
Der 1,4-Liter (100 PS, 130 Nm) wirkt, als habe jemand Schlafmittel statt Super in den Tank gekippt, ...
... viel Kraft versickert im lang übersetzten Getriebe. Und das bisschen, was übrig bleibt, ...
... hat schwer am Wohlstandsspeck zu schleppen. Mit fast 1,4 Tonnen bei 4,42 Meter Länge verfehlt der
Astra den idealen Body-Mass-Index der Kompaktklasse.
Wenigstens geizt er nicht mit Wohlfühl-Qualitäten. Auf den rückenfreundlich straff gepolsterten Sitzen reist es sich ermüdungsfrei und der Geräuschpegel am Arbeitsplatz bleibt niedrig. Kein Wunder, ...
... bei 130 km/h wälzt sich die
Astra-Kurbelwelle noch mit entspannten 3100 Umdrehungen in den Lagern – gut für Spritverbrauch und Nerven. Doch wehe, es naht die nächste Steigung, dann verhungert der
Opel.
Das Raumgefühl im
Opel ist großzügig, die Qualität verlangt noch Feinschliff. Und die Mittelkosole ist überfrachtet.
Für ein 4,42 Meter langes Auto bietet der
Astra im Fond enttäuschend wenig Platz. Immehin dürfen sich die Passagiere in Reihe zwei über sehr bequeme, leicht konturierte Lehnen freuen.
Durchschnittlich groß: Im Kofferraum des
Astra lassen sich zwischen 370 und 1235 Liter verstauen.
Harmonisches Fahrverhalten, zielgenaue Lenkung und bequeme Sitze sprechen für den
Opel. Doch sein zäher Motor verhindert ein besseres Abschneiden. Macht 318 Punkte und Platz zwei.
Vergleich Nummer vier: gleiches Konzept. Hoch sitzen, bequem fahren – das ist der Reiz von SUVs. Gelände? Muss nicht sein.
Dacia Duster (links) und
Nissan Qashqai gibt es daher auch mit Frontantrieb.
Nissan hat sein Crossover-Auto
Qashqai sorgsam auf Komfort getrimmt. Wie beim
Duster steigt man hoch ein, ...
... sitzt dann aber vergleichsweise tief, umarmt von einem trutzigen Kokon aus Blech. Das Gefühl der Unverwundbarkeit, für viele Käufer maßgeblicher Teil der SUV-Faszination, ...
... prägt das Fahrerlebnis. Die Qualität am Arbeitsplatz des
Nissan wirkt deutlich akkurater als beim
Duster. Die Bedienung ist erfrischend einfach geraten.
Hier sitzt man aufecht: Im Fond des
Qashqai gibt es ein steile Rücksitzlehne, ...
... aber dafür lässt sich auf den hinteren Plätzen die Aussicht aus dem Panorama-Glasdach (900 Euro) besonders gut genießen.
Im Bug passiert mehr als erwartet: Trotz bescheidener 114 PS legt der
Nissan-Motor (156 Nm) überraschend munter los, ...
... auch hier vor allem dank der kurzen Übersetzung, die aber weder Durst (Testverbrauch 7,5 Liter) noch Geräuschpegel in
Dacia-Höhen treibt.
Ordentlich: Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 erledigt der
Nissan Qashqai in 11,4 Sekunden, ...
... er kann seine Nase mit maximal 178 km/h durch den Fahrtwind schieben.
Stramme Fahrleistungen, zupackende Bremsen, sensible Federung und niedriger Verbrauch – das reicht zum Sieg mit 322 von 500 möglichen Punkten. Da kann es sich der
Qashqai leisten, dass er nicht der Größte ist.
So sexy, wie der
Dacia Duster daherkommt, sieht man ihm die Herkunft aus dem Billigland Rumänien erst einmal nicht an. Aber Optik ist halt nicht alles – vor allem, wenn es um Punkte geht.
Der
Dacia wird von einem 1,6 Liter großen Vierzylinder aus dem
Renault-Regal in Bewegung gebracht. Mit seinen 105 PS und 148 Nm Drehmoment schiebt der Motor den
Duster ...
... in 11,6 Sekunden auf Tempo 100 und bis auf maximal 164 km/h. Auch ein Billigauto kann übrigens sehr bekömmlich federn. Je schlechter die Straße, desto besser der Komfort. Kopfsteinpflaster? Der
Dacia steckt es locker weg. Buckelpisten? Werden ganz geschmeidig glatt gebügelt.
Abrupte Schlenker bringen den soft, aber nicht schwammig in den Federn ruhenden
Duster zwar nicht aus der Ruhe. Dennoch müsste ESP an Bord sein. Wenn es bei Nässe, Schnee oder ...
... plötzlichen Überraschungen ernst wird, bietet die Elektronik einen Extra-Rettungsanker. Der fährt in der Konkurrenz serienmäßig mit.
Dacia spendiert ESP nur dem Top-Diesel mit Allradantrieb – in anderen Versionen wird es später nachgereicht. Mehr als nur ein Schönheitsfehler.
Begeisterungsstürme löst der
Duster-Fahrerplatz nicht aus. Die braunen Zierblenden sehen aus, als hätten die Rumänen die Reste von Handyschalen aus der Nokia-Produktion recycelt. Ziemlich schlicht das Ganze, aber zweckmäßig. Immerhin sind ...
... in der gehobenen Lauréate-Ausführung Klimaanlage und Seitenairbags mit an Bord. Die ordentlich konturierten Sessel mit allerdings kurzer Beinauflage ermöglichen eine angenehme Position, man thront hoch über dem Verkehr.
Im Fond gibt es ordentlichen Sitzkomfort, bei der Beinfreiheit ist der
Dacia aber der Zweitschlechteste im Vergleich.
Mehr bietet in diesem Vergleich niemand: Der
Duster-Kofferraum schluckt zwischen 475 und 1636 Liter.
Der Komfort begeistert. Aber schwache Bremsen, mäßiger Qualitätseindruck und fehlendes ESP verhindern, dass sich der Rumäne über den günstigen Preis weiter nach vorn punktet. Am Ende fährt der
Duster mit 274 Zählern auf den fünften Platz.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin G. Puthz: "Der
Duster ist ein schillernder Typ, nicht nur in Mahagonibraun-Metallic. Auch wenn er hier nach Punkten Letzter wird, geht er als Sieger der Herzen vom Platz. Mit seinem Mix aus günstigem Preis, ...
... flotter Optik und bodenständigen Alltagsqualitäten kommt der von Wohlstands-Fett entschlackte Rumäne für kostenbewusste Käufer jeder Couleur in Betracht. Ganz sicher wildert er nicht nur ...
... im durchweg hochpreisigen SUV-Revier. Auch für manchen Konkurrenten aus der Klein- und Kompaktwagenklasse könnte es künftig ganz schön duster werden."
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.