Hoppla, baut
Porsche jetzt plötzlich Kleinwagen? Im Vergleich zum gepanzerten Geländewagen AMPV (rechts) wirkt selbst der massige
Cayenne wie ein Knirps. Beide stammen vom Porsche-Reißbrett. AUTO BILD lässt die beiden Super-SUVs gegeneinander antreten.
Ein ungleiches Duell: Der AMPV (steht für Armoured Multi-Purpose Vehicle) ist nur fürs Militär gedacht, wiegt 7,3 Tonnen und kostet stolze 500.000 Euro. Dagegen ist der 115.526 Euro teure Cayenne Turbo fast schon ein Schnäppchen.
Mit 2260 Kilo Leergewicht wiegt der Cayenne weniger als ein Drittel des mächtigen AMPV. 500 Turbo-PS wuchtet der Porsche auf alle vier Räder. Der AMPV muss mit 272 PS auskommen. Das ist ausreichend, denn ...
... zum Rasen ist der AMPV ohnehin nicht gemacht. Bei Tempo 110 streicht die rollende Trutzburg die Segel.
Der AMPV wird von den deutschen Rüstungsschmieden Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall gebaut, doch gezeichnet hat ihn
Porsche.
Warum sieht ein Militärfahrzeug fast aus wie ein Pkw? Gert Ernstberger, Projektleiter bei Krauss-Maffei erklärt: "Design spielt auch im militärischen Fahrzeugbau eine immer wichtigere Rolle – auch wenn der Schutz und die Sicherheit der Insassen natürlich an erster Stelle stehen."
Jetzt aber ab ins Gelände! Hier ist der AMPV zuhause. Fährt er dem Luxus-SUV Porsche Cayenne davon?
Plötzlich werden Passagen, die bei einer Begehung des Geländes zu Fuß unpassierbar waren, ganz problemlos bezwungen. Die eben noch zerkraterte Strecke ...
... wirkt plötzlich topfeben. Klar, die Kuppen sind trotzdem noch da und lösen ein Achterbahngefühl im Magen aus.
Nur nicht täuschen lassen: Das kleine Loch vor dem linken Vorderrad ist über einen halben Meter tief – kein Problem für den AMPV. Der Trumm macht einen Satz, landet mit dem ganzen Gewicht von über sieben Tonnen auf der Vorderachse.
Der AMPV schüttelt sich nur kurz und zieht mit brummelndem Motor seine Bahn – Fahrwerkstechnik aus dem Panzer Lepoard II macht es möglich.
Wenig Platz im Cockpit: Die Panzerung fordert hier wegen der selbsttragenden Sicherheitszelle ihren Tribut, ...
... auch im Fond geht es beengt zu. Und wie sieht es mit der Übersichtlichkeit des Allrad-Giganten aus?
Im AMPV geht es fast zu wie im U-Boot: Ohne Rückfahrkamera lässt sich das Vehikel nicht navigieren, ...
... denn es gibt keine Heckscheibe.
Provisorisch: Die Schalter im Cockpit stammen von Mercedes und sind von Hand beschriftet – AUTO BILD war mit einem Prototypen des AMPV unterwegs.
Das Sechsgang-Automatikgetriebe lässt sich so einfach schalten wie im Pkw.
Sollte es wider Erwarten mal nicht weitergehen, helfen Metallketten für maximale Traktion.
Mit geöffneter Haube sieht der AMPV aus wie ein böses Krokodil. Der V6-Turbodiesel stammt aus dem Hause Steyr, hat 3,2 Liter Hubraum, 272 PS und 610 Nm Drehmoment.
Das Gelände, an dem der AMPV scheitert, muss erst noch erfunden werden. Die Konstrukteure wollten ihm alles mit auf den staubigen Weg geben, was nötig ist, Soldaten in den Krisenregionen der Welt sicher von A nach B zu bringen. Der Porsche Cayenne parkt zu Recht abseits auf der Wiese.
Mit dem Cayenne ins Gelände? Klar hat der Porsche Allradantrieb und ein höhenverstellbares Luftfahrwerk, ...
... das allerdings mehr auf den Kompromiss zwischen Dynamik und Komfort abgestimmt ist als auf extreme Steigungen und dreckige Pisten.
Spätestens beim Blick auf die schicken 21-Zoll-Räder für 3635,45 Euro Aufpreis vergeht die Lust auf den Abenteuertrip endgültig. Und eigentlich traut man der Bereifung, die bei der Anfahrt auf der Autobahn für Geschwindigkeiten bis weit über 280 km/h taugt, auch nicht mehr Traktion als für eine feuchte Wiese zu.
Der Cayenne ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Die weichen Ledersitze riechen förmlich nach neuem Reichtum und weiter Welt.
Im Innenraum schweift das Auge über fein gezeichnete Instrumente, ...
... alles ist schön verarbeitet und vollendet gestylt, mit dem gewissen Etwas versehen, das Oligarchen und andere Großgrundbesitzer schätzen, um mal eben 115.000 Euro auszugeben.
Rein in den Matsch? Das wäre, wie mit Smoking und Lackschuhen im Steinbruch zu malochen. Netter Gag, geht bestimmt eine Zeit lang gut, ist aber völlig sinnbefreit. Einen tiefen Kratzer im Lack würde der AMPV wohl als Tapferkeitsorden tragen – beim typischen Cayenne-Besitzer löst er eher Schnappatmung aus.
Im Gelände geschlagen, macht sich der Cayenne auf den Heimweg. Seine wahre Bestimmung findet er eher in der Stadt: als gekonnter Granturismo, mit sonorem V8-Sound und genug Leistung in jeder Lage – ideal für lange Strecken.
Lässt man es schnell angehen, verbraucht der Porsche allerdings 25 Liter und mehr. Zu viel?
Ein Blick zum AMPV genügt. Der nimmt sich in schwerem Gelände einen Liter – allerdings pro Kilometer. Bei diesem ungleichen Paar ist eben alles relativ. Sie stehen auf richtig dicke Brocken? Dann lesen Sie auch die Artikel über den
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