Angriff in der Boomklasse: Mit dem neuen
CR-V will
Honda bei den kompakten SUVs gegen
Audi Q3,
BMW X1 und
VW Tiguan punkten. Ein Vergleich mit Diesel.
Während der Honda CR-V mit über fünf Millionen verkauften Fahrzeugen in den USA und Asien fest zum Straßenbild gehört, ist er in Deutschland ein Exot. Die vierte Generation, ...
... die seit Anfang des Monats im Handel ist, soll auch hierzulande Boden gutmachen. Die Chancen stehen nicht schlecht, ...
... denn der Honda ist deutlich geräumiger als seine Konkurrenten – das kommt nicht nur bei Familien gut an.
Üppig: Mit einem Fassungsvermögen von 589 bis 1669 Litern ist das Honda-Gepäckabteil mit Abstand das Größte.
Anders, aber nicht schlechter: XXL-Tacho, hochgesetzter Schalthebel und ordentliche Qualität im Honda-Cockpit. Die Bedienung erfordert ein wenig Gewöhnung.
Auch beim Fahren überzeugt der neue CR-V. Der 2,2-Liter-Diesel (150 PS, 350 Nm) ist eine Wucht und punktet mit feinen Manieren.
Dazu passt das komfortabel abgestimmte Fahrwerk, das sich übertriebener Sportlichkeit entzieht. Eine harmonische Kombination. Kein Wunder, ...
... dass der Honda in der Eigenschaftswertung knapp hinter dem Tiguan auf Platz zwei landet. Nur der zu hohe Wertverlust und die jährliche Wartung werfen den Japaner wieder bis auf den letzten Platz zurück.
Platz vier mit 512 von 700 Punkten: Der Modellwechsel hat dem Honda CR-V gutgetan; er bietet viel Platz und Komfort. Der laufruhige Dieselmotor im 2.2i-DTEC 4WD ist eine Empfehlung. Aber der hohe Wertverlust kostet Punkte.
Käufer entscheiden nicht immer rational. Anders ist es nicht zu erklären, warum sie statt Tiguan den Q3 wählen. Technisch sind sich die beiden nämlich erstaunlich ähnlich, ...
... auch wenn beim Audi optisch kaum etwas an den Technikspender aus Niedersachsen erinnert.
Dazu trägt auch der enge Innenraum bei, den die Ingolstädter gekonnt neu eingerichtet haben.
Nobel, nobel: Der Q3 punktet mit der besten Qualität und übersichtlicher
Bedienung, ...
... auch wenn manche Details nicht dem hohen Audi-Anspruch genügen: Das Navi mit dem manuell ausklappbaren Monitor passt nicht so recht zum Anspruch der Marke.
Viel Nutzwert sollte man vom Q3 auch nicht erwarten – den hat Audi dem Design geopfert. Der Kofferraum fasst zwischen 460 und 1365 Liter.
Kurze Fondtüren erschweren den Einstieg, das Platzangebot ist vor allem im Fond spürbar geringer als bei der Konkurrenz.
Dafür fährt der Audi mit quirligem Motor (zwei Liter Hubraum, 140 PS, 320 Nm) ...
... und straffem Fahrwerk dynamischer als der Rest des Feldes. Das reicht aber nicht, ...
... um auf den vorderen Plätzen zu landen – zumal der Q3 teuer ist.
Platz drei mit 519 von 700 Punkten: Obwohl der Audi Q3 2.0 TDI Quattro auf dem Tiguan basiert, fällt er deutlich hinter ihn zurück. Das liegt vor allem an dem eingeschränkten Platzangebot und den höheren Preisen.
Jaja, wir wissen es doch. BMW verkauft Freude am Fahren. Selbst wenn es sich um ein kleines SUV ...
... mit Dieselmotor handelt. Der zwei Liter große Vierzylinder versorgt den Münchner mit 143 PS und 320 Nm Drehmoment.
Entsprechend dem Markenslogan fährt der X1: Direkte Lenkung, kurvenhungriges Fahrverhalten und ein präzise rastendes Sechsgang-Schaltgetriebe. So agil fährt hier sonst nur der Audi.
Anders als beim Ingolstädter geht das im BMW aber sehr zu Lasten des Komforts – auch wenn die Bayern beim jüngsten Facelift den X1 ein wenig gnädiger abstimmten.
Auf kurze Wellen reagiert der BMW trotzdem immer noch staubtrocken, vor allem an der Hinterachse. Im Alltag nervig.
Zumal der X1 Familien nur bedingt zu empfehlen ist. Die geringe Aufbauhöhe zwingt die Passagiere im Fond auf zu niedriger Bank in eine unbequeme Sitzhaltung, ...
... der Kofferraum ist klein. 420 bis 1350 Liter bedeuten den letzten Platz in diesem Vergleich.
Licht und Schatten: Die Bedienung mit iDrive gelingt mittlerweile intuitiv, die Verarbeitung geht in Ordnung. Die billigen, harten Kunststoffe hingegen nicht.
Preis-Leistungs-Sieger: Das Kostenkapitel kann der X1 wegen des niedrigen Wertverlusts gewinnen.
Platz zwei mit 521 von 700 Punkten: Der X1 xDrive 18d ist ein Fall für Dynamiker – kein anderer Kompakt-SUV fährt so agil. Der muntere Motor ist sparsam. Schwächen hat der BMW beim Platzangebot und beim Komfort.
Ja, mal wieder landet ein VW ganz vorne. Aber nicht, weil wir die Marke so mögen. Sondern weil es die Niedersachsen geschafft haben, ...
... den Tiguan über die Jahre frisch zu halten. Zwar wirken die Karosserie ...
... und das aus dem Golf Plus entliehene Cockpit etwas staubig – technisch ist der Tiguan aber taufrisch.
Er bietet ähnlich viel Platz wie der Honda, glänzt mit der verschiebbaren Rücksitzbank, ...
... und der Kofferraum ist mit 470 bis 1510 Liter der zweitgrößte in diesem Test.
Und auch beim Fahren bleibt der VW auf der Höhe der Zeit. Der Diesel (zwei Liter Hubraum, 140 PS, 320 Nm) erledigt seinen Job brav, aber weitestgehend träge, bleibt dabei ausreichend sparsam.
Glanzpunkt ist das 1100 Euro teure verstellbare Fahrwerk DCC, das einen tollen Kompromiss zwischen Komfort und Sport bietet. Dazu passt die gefühlvolle Lenkung.
Wie ausgewogen der Tiguan letztlich ist, zeigt die Punktetabelle: Obwohl der VW nur das Karosseriekapitel gewinnt, fährt er ganz oben aufs Treppchen.
Platz eins mit 528 von 700 Punkten: Der Tiguan 2.0 TDI 4Motion leistet sich keine Schwächen. Er ist gut verarbeitet, bietet den meisten Platz, fährt komfortabel und bleibt sparsam. Einziger Kritikpunkt ist der etwas müde Motor.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Stefan Voswinkel: "Große Überraschung: Der neue Honda CR-V fährt in der Eigenschaftswertung auf den zweiten Platz ...
... und kann mit viel Raum, komfortablem Fahrwerk und dem tollen Dieselmotor BMW und Audi hinter sich lassen. Schade: Die hohen Kosten verhindern ein besseres Abschneiden des Japaners.
Audi Q3 und BMW X1 sind zu klein und zu dynamisch abgestimmt, um gegen den Tiguan bestehen zu können. Der VW gewinnt zwar nur eines von sechs Wertungskapiteln, ist aber ausgewogen."
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