Sie sind etwas schicker als andere Kompakte – und doch erschwinglich. Wer Designermode auch beim Auto bevorzugt, muss nicht im Geld schwimmen.
AUTO BILD hat vier Modelle ausgesucht: den neuen Audi A3 2.0 TDI, BMW 118d, Honda Civic 2.2i-CTDi und Volvo C30 2.0 D. Welcher wirkt am anziehendsten?
Nehmen wir den BMW 118d: Das Label stimmt, sein Design wird gern kopiert - und finanziell stresst er kaum mehr als ein Golf. Kein Wunder, dass die Dinger beim Händler weggehen wie warme Semmeln.
Ähnlich der Audi A3 2.0 TDI: etwas zahm im Design vielleicht, aber dennoch flott. Und mit dem imageschweren Audi-Grill - der kommt noch besser als das Calvin-Klein-Logo auf der Unterhose.
Aber es müssen nicht unbedingt die Markenidole sein. Nehmen wir den Honda Civic Type S 2.2i-CTDi: Sicher, einen Honda-Schlüssel legt man eher nicht auf den Tresen. Aber dafür sieht er aus wie ein Auto, das der Designer seiner Familie empfiehlt.
Wer aus dem Rahmen des Üblichen fallen möchte, kommt in dieser Preisklasse schließlich auch bei Volvo auf seine Kosten. C30 2.0D heißt das passende Outfit, eine Art Kombi-Coupé mit gläserner Heckklappe, aber viersitzig.
Vier erschwingliche Designer-Diesel also, wir haben sie mal auf uns wirken lassen. Erster Eindruck beim Honda: Innen durften sich die Designer offenbar so richtig austoben. Das zweistöckige Cockpit wirkt avantgardistisch, aber verwirrend. Übung macht hier den Meister.
Die Sitze sind nicht ganz so bequem ausgeformt, wie es hier den Anschein hat.
Übersichtlichkeit auch, denn beim Abbiegen stören die dicken Fensterpfosten. Und hinten durchkreuzt der Heckspoiler das Blickfeld. Dafür entschädigt der Civic mit ungeahnter Raumfülle.
Das reicht bequem für vier inklusive Gepäck, denn auch der Kofferraum (456 Liter) sprengt das klassenübliche Maß.
Bei den anderen heißt es dagegen: mit leichtem Gepäck reisen und hinten die Beine anziehen. Zu dritt geht es, wenn es sein muss, nur im Fond des Honda und des Audi. BMW und Volvo (Foto) installieren dagegen zwei Einzelsitze.
Weil aber die Rücksitze dieser Autos ohnehin die meiste Zeit verwaist sein dürften, bestellten wir alle Kontrahenten als Zweitürer: Das macht dank großer Türen den Einstieg für die vorn Sitzenden bequemer (Foto: BMW).
Im Vergleich zum Honda kommen uns die Designer-Einrichtungen der deutschen Kandidaten Audi und BMW ziemlich normal vor. Trotzdem gut gemacht: die beiden Cockpits. BMW: flott gestylt und dennoch praktisch. Den iDrive-Knopf gibt es nur in Verbindung mit Navi.
Beim Gepäck lautet die Devise Maßhalten. Auch wegen der mickrigen Zuladung von 410 Kilo.
Gutes Design kann auch streng sachlich sein – siehe Audi A3. In seinem Cockpit kennt sich jeder auf Anhieb aus.
Tadellos auch die Sitzpositionen hinter dem Steuer. Die Sitze sind straff gepolstert aber bequem.
Der Kofferraum des Audi ist mit 350 bis 1080 Liter ausreichend groß und bietet reichlich Reserven bei der Zuladung.
Der C30 empfängt uns mit nordischer Kühle. Keine Extravaganzen, nur schlichte Formen, die in einer frei schwebenden Mittelkonsole gipfeln. Auch nicht schlecht, selbst wenn hier alles etwas beengter ausfällt, coupéhafter eben.
Die Sitze sind bequem gepolstert, geben aber zu wenig Seitenhalt. Wer nach hinten einsteigen will, muss gelenkig sein.
Wer zu viert reist, hat im Volvo gerade mal 251 Liter Kofferraum zur Verfügung.
Designer-Autos müssen natürlich auch dynamisch etwas draufhaben. Den vier Kompakten lässt sich zumindest attestieren, dass sich beim Fahren keiner blamiert. Trotz Spar-Diesel. Der 118d erreicht immerhin in nur 8,9 Sekunden Tempo 100.
Fürs Nageln entschädigt das fette Drehmoment des Diesel, sofern nicht gerade der sechste Gang eingelegt ist. Denn der ist beim BMW allzu lang, sprich drehzahlschonend ausgelegt. Wer schnell vorankommen will, muss runterschalten.
Ein echter Augenöffner aber ist der Verbrauch des mit Start-Stopp-Automatik ausgestatteten 118d: Sparsamster mit nur 5,4 Litern pro 100 Kilometer. Sein berühmter Vorfahre schluckte mehr als das Doppelte.
Zum munteren Wesen passt das Handling: Als Hecktriebler wetzt der kleine BMW stets ohne lästiges Untersteuern um die Ecken, und seine Lenkung ist frei von Antriebseinflüssen - das macht Laune.
Beim Umsteigen in den Audi zeigt sich dann freilich, dass es ein A3 nicht schlechter kann. Zwar zieht es beim Gasgeben mitunter im Lenkrad, aber dafür reagiert er noch eifriger auf Lenkbewegungen.
Der neue Common-Rail-Diesel im A3 profitiert von seinem höheren Drehmoment und der kürzeren Übersetzung. Er ist immer noch kein Leisetreter, aber er geht betont willig ans Werk, selbst in den hohen Gängen.
Da ist er auch dem Honda-Diesel überlegen, der zwar noch mehr Drehmoment abliefert, aber Leistungswünsche verhaltener beantwortet. Seine Stärke ist die Laufruhe, er rumort in dieser Runde am wenigsten.
Die fahrdynamischen Qualitäten des Civic profitieren von der "Type S"-Behandlung: Etwas tiefer, etwas sportlicher als der gewöhnliche Civic soll er sein. Das gelingt nur ansatzweise, was am synthetischen Lenkgefühl, aber auch an der Neigung, zu untersteuern liegt.
Damit ist er nicht nennenswert besser als der Volvo, der im Handling auch nicht brilliert, schon wegen seiner indirekten Lenkung.
An Kraft fehlt es dem Diesel im C30 dagegen nicht, wohl aber an Laufkultur. Ziemlich rau wirkt er, und beim Tanken genehmigt er sich obendrein einen Schluck extra.
Wer möglichst unbehelligt sein Ziel erreichen möchte, kommt übrigens in keinem der vier Designer-Diesel auf seine Kosten. Etwas derb federn sie alle. BMW und Volvo versprechen durch schonendes Anfedern zunächst Komfort, ...
... der sich beim Überfahren gröberer Unebenheiten freilich in Luft auflöst, vor allem beim C30.
Bei Audi und Honda verhält es sich dagegen umgekehrt: Ihre Federung spricht ziemlich unwirsch an, zeigt aber auf schlechten Belägen größere Reserven.
Fazit: Wenn's vom Designer ist, wird der Nutzwert manchmal zur Nebensache. Da sind die vier kompakten Designer-Diesel rühmliche Ausnahmen, vor allem der Audi. Er ist praktisch, alltagstauglich, fährt flott und verbraucht wenig. Da freut sich auch der Stilmuffel.
Der engere BMW verlangt da schon mehr Zugeständnisse, und beim Honda verspricht das starke Design mehr, als das Auto beim Fahren halten kann. Gleiches gilt für den Volvo, dessen sportlicher Auftritt die falschen Erwartungen weckt.
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