Zündende Neuigkeiten von der Insel: Jaguar packt einen neuen V6 in den XF. Die britische Nobelmarke, im Besitz des indischen Herstellers Tata, bringt den überarbeiteten V6-Motor erstmals mit zwei Turbos auf Topleistung.
Die Register-Technik, ein Musterbeispiel moderner Diesel-Kunst, hat in dieser Klasse sonst nur BMW zu bieten. Im 535d pumpen ebenfalls zwei Lader, der eine bei niedrigen Drehzahlen, der zweite später bei höheren.
Das klingt – zumindest auf dem Papier – nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen des XF 3.0 Diesel S (275 PS) mit dem BMW 5er (286 PS).
Geht es zunächst ums Geld, wird der BMW böse verblasen. Denn allein in der 55.200 Euro teuren Basisversion kostet der 535d rund 1000 Euro mehr als der XF – und das bei magerer Ausstattung.
Der Engländer bietet in der unteren Linie (Luxury) Ledersitze, schlüsselloses Starten und Sitzheizung ab Werk.
Moderne Zeiten im XF: klares Design, cooles Ambiente. Praktisch ist das XF-Cockpit auch, inklusive ausreichend bemessener Ablagefächer.
Herrliche Landschaften: Alu-Glanz neben dezentem Holzschmuck.
i-Drive auf Englisch? Nix da. Am heraussurrenden Knopf legen XF-Fahrer die Gänge ein.
Die feinen Ledersessel des 535d mit elektrischer Verstellung und Heizung kosten 2390 Euro. Auch andere Extras lässt sich BMW teuer bezahlen.
Im Vergleich zum schlichten Jaguar-Cockpit wirkt die Armaturenlandschaft im BMW nahezu barock. Materialqualität und Verarbeitung jedoch sind erstklassig, besser noch als im XF.
Die programmierbaren Lenkrad-Tasten entsprechen dem üblichen BMW-Muster: praktisch.
Das kostet extra: Wer die Sportautomatik mit Wählhebel zum antippen haben möchte, muss 280 Euro Aufpreis bezahlen, inklusive Sportlenkrad. Das i-Drive wird im 5er von fünf Tasten unterstützt.
Die 5er-Fahrer dürfen sich im Gegenzug sicherer fühlen. Eine Reifendruckkontrolle etwa hat der XF nur gegen Aufpreis, Seitenairbags im Fond oder Kurvenlicht überhaupt nicht, Bi-Xenonlicht nur im Paket.
Safety first? Nicht bei Jaguar. Das sieht bei der Fahrdynamik ganz anders aus. Obwohl der XF leer rund 100 Kilogramm mehr auf die Waage bringt, fühlt er sich beim "Fliegenlassen", also bei sportlicher Fahrweise, leichter, handlicher, agiler an. Aber das täuscht. Die direkter ansprechende und leichtgängigere Lenkung gaukelt mehr Dynamik vor, als tatsächlich dahintersteckt.
Der BMW teilt mehr von der Straße mit, die Lenkung arbeitet gefühlvoller – insgesamt lässt sich der 5er damit leichter beherrschen.
In schnell gefahrenen Kurven neigt sich der BMW weniger, das ESP schreitet behutsamer ein – unter dem Strich bestätigt der weniger kopflastige 535d sein Image als bester Sportler in der Nobelliga. Aber der Luxus der schweren Limousine, der souveräne Diesel, Leistung bis zum Abwinken – das schreit geradezu nach gelassenem Kreuzen, nach Kilometersammeln auf der Autobahn.
Wird der Engländer beim Komfort punkten? Auch nicht. Denn er ...
... federt störrischer, lässt bei hohem Tempo kleine Beben ins Auto. Gefühlt nutzt er auf Bodenwellen nur wenige Zentimeter seines Federwegs, zu trocken fängt er Stöße auf. Immerhin rollt er über die weicheren Reifen feiner ab.
Lange Beine ruhen vorn im größeren Fußraum entspannter. Gleichzeitig säuselt der V6 des XF immer einen Hauch sanfter und subjektiv leiser als der 535d – speziell unter Last.
Erstaunlich, dass ausgerechnet der Reihenmotor, dem die Laufruhe im Blut liegt, hier den Lauten spielt. Nicht, dass der Dreiliter derbe läuft. Aber hörbar, in jeder Drehzahl als Diesel zu identifizieren.
Der 5er spurtet dank kürzerer Achsübersetzung einen Wimpernschlag schneller, hakt Überholmanöver flinker ab, ohne beim Durst über die Stränge zu schlagen. Selbst das minimal höhere Drehzahlniveau treibt den Verbrauch nicht über 8,2 Liter.
Im XF macht die Automatik an. Der elektrisch versenkbare Dreh-Wählknopf ist eine Schau, das Sechsstufen- Getriebe (wie bei BMW von ZF) schaltet im manuellen Modus sportlich-rastend und schneller runter. Da haben wir sie ja doch noch gefunden, die Raubkatze im Jaguar.
Ein Blick nach hinten: Das Gepäckabteil des BMW schluckt 520 Liter, für mehr Volumen können die Rücksitzlehnen per Hebel im Kofferraum umgelegt werden. Die Zuladung lässt mit rund 400 Kilo aber zu wünschen übrig.
Die Entriegelung der Rücksitzlehnen ist im XF etwas fummelig. In der Standardkonfiguration schluckt der Kofferraum 540 Liter.
Fazit: Straffes Fahrwerk, potenter Motor, entschlossene Automatik – so rückt der XF Diesel S weit in die Sportler-Ecke, also dem 5er dicht auf die Pelle. Aber verdrängen kann er den Bayern nicht.
Der BMW fährt die entscheidende Spur direkter, druckvoller, schneller. Dazu kommen handfeste Vorteile im Umgang: Mehr Platz im Fond, einfachere Bedienung und besserer Federungskomfort lassen den 535d unterm Strich als Sieger aus diesem Diesel-Duell fahren.
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