Man könnte ja ... Man könnte einfach rein ins Gelände, sich durch Schlamm und Matsch wühlen. Die Wahrheit lautet aber: Das macht niemand mit den schicken Allradautos, die immer mehr in Mode kommen. Ihr wahrer Lebensraum ...
... liegt irgendwo zwischen Biergärten und Boutiquen, Schulen und Sportstudios. Warum also protzt der neue Freelander damit, der beste Offroader in dieser Softi-Liga zu sein? Weil die Briten etwas Besonderes bauen wollen: herzhaft, ...
... aber edel. Quasi ein SUV nach Reinheitsgebot – und eine urwüchsige Alternative zum X3. Macht jetzt der frische Freelander dem BMW wirklich das Terrain streitig? Wenn der Freelander so dasteht, wirkt er gleich ein halbes Stockwerk höher als der X3.
Seine breite Haube könnte als Büfett für eine ganze Jagdgesellschaft herhalten. Daneben wirkt der X3 wie ein Hänfling – obwohl er sieben Zentimeter länger ist. In den BMW steigt man ein, in den Freelander hinauf.
Die Passagiere sitzen deutlich höher und genießen auf den breiten Sitzen ein Erfolgsgeheimnis der SUV: die "command position". Auf Deutsch und sehr frei übersetzt: Hier oben bin ich König!
Der Freelander bietet zwar die bessere Aussicht, aber bis auf die Breite nicht mehr Platz als der BMW.
Wenn's hart würde, käme der Freelander mit höherer Bodenfreiheit ...
... und größeren Böschungswinkeln etwas weiter als der BMW – aber lange nicht so weit, wie der Name Land Rover suggeriert.
Im Alltag geht es doch eher darum, Ausblick und Komfort dieser gelassenen Riesen zu genießen. Und da hat Land Rover ein schönes Paket geschnürt, ...
... mit dem Besten, was das konzernweite Regal von Mutter Ford hergibt: einen wohl erzogenen und ausreichend sparsamen 2,2-Liter-Diesel aus der Kooperation mit Peugeot.
Dazu eine feine, fahraktive Lenkung, die ähnlich bei Ford und Volvo eingesetzt wird. Und schließlich einen Segen von gut abgestimmter Federung. Endlich mal kein harter Prügel sondern eine Art fahrendes Himmelbett, das sanft und straff zugleich verwöhnt.
Allerdings sollten die Bremsen unbedingt besser mitspielen. Der Freelander steht erst nach 40,5 Metern, der BMW braucht im Test drei Meter weniger. Da hat Ford doch bestimmt Bissigeres im Lager! Schließlich wurde bei der Ausstattung ...
... ja auch nicht gespart: Knieairbag, Fensterairbags hinten, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Stoff-Leder-Sitze und Einparkhilfe gehören zum Serien-Paket der SE-Version. Die Mittelkonsole wirkt voll, ...
... überzeugt aber mit großen Schaltern. Das Display beim Tacho zeigt das gewählte Geländeprogramm. Der "Terrain Response"- Knopf ...
... liegt hinterm Schalthebel. Ein Dreh stellt den Antrieb auf Straße, Schnee, Sand oder Schlamm ein. So wird etwa für Sand die Drehzahl erhöht und die Haldex-Kupplung gesperrt. Eine Geländeuntersetzung gibt es nicht.
Gute Aussicht und bequeme Sitze im Freelander-Fond, der höher steht als die vorderen Sitze.
Der Land Rover ist letztlich kaum etwas anderes als ein hochgelegter Kombi, und an manchen Ecken sogar ein unpraktischer. Ständig die Sprudelkisten über eine 81 Zentimeter hohe Ladekante wuchten zu müssen, ist kein Spaß. Der Kofferraumboden ...
... lässt sich für Schmutzgepäck wenden. Darunter liegt ab HSE-Version ein vollwertiges Ersatzrad.
Der Freelander rückt dem X3 dicht auf die Pelle, holt ihn letztlich aber doch nicht ein. Der Bayer behält sein Krönchen – wenn auch leicht angekratzt.
Im BMW ist vor allem die straffe Federung zu bemängeln. Auf schlechten Straßen reicht sie jede Kante an die Passagiere weiter.
Der X3 ist halt die Fahrmaschine unter den SUV – ein Auto, das auf glattem Asphalt zum zackigen Fahren verführt und auf der Autobahn laut Tacho 200 rennt.
Dazu passt die Schaltung mit ihren kurzen Wegen und die präzise Lenkung des BMW.
Nervig ist aber das ausgeprägte Turboloch beim Anfahren. Das sollte der neue Zweiliter, der Ende 2007 mit 177 PS kommt, wirklich besser können.
Alles schön und gut, aber wer fährt denn ein SUV in Nick-Heidfeld-Manier?
Und wer biegt mit den 40.000-Euro-Preziosen ins Gelände ab? Kaum jemand. Wenn aber doch, ...
... dann zieht der X3 gegenüber dem Freelander den Kürzeren. Er liebt defintiv den Asphalt. Die 18-Zoll-Räder kosten üppige 1800 Euro. Beim Freelander ...
... werden dafür nur 610 Euro fällig. Solche Aufpreise machen den X3 am Ende teuer. Die Käufer stört es nicht, sie stecken beim kleinen Diesel im Schnitt weitere 4000 Euro in Extras. Gut möglich, dass der Freelander solche Kunden künftig zum ...
... Nachrechnen bringt. Über die Hälfte aller X3-Kunden wählen den kleinen Diesel, dessen Anfahrschwäche in der Stadt stört. Zum Herbst 2007 kommt das neue Aggregat mit 177 PS.
Seit dem Facelift sieht das Cockpit hochwertiger aus. Doch vieles, was man hier sieht, kostet extra.
Auch wenn der BMW kuscheliger wirkt: Er bietet genauso viel Platz wie der Range Rover. Das Coupé-ähnliche Heck vermiest beim Parken leider die Sicht nach hinten.
Vorteil X3: Die Ladekante liegt 15 Zentimeter niedriger als im Freelander. Aber: Nur die Sitzlehnen sind umklappbar, ein ebener Ladeboden entsteht so nicht. Darunter liegt nur ein Notrad versteckt. Fazit: Wo Land Rover draufsteht, ...
... steckt heute jede Menge Luxus drin. Der neue Freelander ist kein Klettermaxe mehr, sondern ein komfortbetontes SUV der Premium-Liga. Der Einsatz von Fords Großserien-Technik bringt spürbar mehr Qualität: Was die Briten für diesen Preis ...
... an Luxus reinstecken, ist eine deutliche Kampfansage an den X3. Der bleibt der dynamische Maßstab der Klasse – aber es wird eng für den Bestseller. Der sanfte Komfort des Freelander überzeugt. Nur die Bremse muss besser werden!
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