Wenn Sie auf der Straße gut aussehen wollen, dann gibt es im Moment nur eine Wahl: Fiat 500. Der kleine Italiener verdreht Köpfe, als würde Halle Berry im Zweiteiler vorbeijoggen. Oder besser: die frühe Lollobrigida, denn an ihre Zeit erinnert er.
Wer ihn sieht, dem wird es warm ums Herz – ein Trick, den Fiat vom Mini lernte. Nostalgie als Stimulanz zum Zugreifen: Der Mini ist klein, eng und teuer, doch jeder liebt ihn. Der Fiat 500 ist kleiner und kostet weniger – beste Voraussetzungen für eine Kult-Karriere.
Beim dritten im Bund der herzigen Zwerge dürfte die Erfolgs-Vorhersage schon weniger gesichert sein. Auch der Renault Twingo wurzelt in der Vergangenheit, wenn auch in der jüngeren. Sein Problem: Der Witz des Urmodells ist dem Nachfolger abhandengekommen.
Wie bewähren sich die lieben Kleinen im profanen Alltag? Und was an ihnen geht einem – Kult hin, Retro her – auf den Wecker? In diesem Vergleich dürfen es die besseren Versionen sein: Das Topmodell des Fiat 500 leistet 100 PS und kostet 12.500 Euro.
Ein Mini One mit 95 PS ist deutlich teurer: Die Einstiegs-Version kommt auf 15.850 Euro.
Und Renault bleibt im Rahmen, bietet den Twingo GT mit 100 PS für 12.400 Euro an.
Mit seinem Aussehen erobert der neue 500 alle Herzen im Sturm. Die bange Frage: Ist er auch dann noch der Schenkelklopfer, wenn er fährt? Die Antwort ist ein klares Jein.
Darf er sich in urbanen Gegenden herumtreiben, gibt er ganz den wuseligen Topolino. Flitzt mit Schmackes in die engsten Lücken, während sein Herrchen dank der direkten Lenkung, kräftiger Bremsen und der hohen Sitzposition immer weiß, wo es langgeht.
Auf freier Wildbahn stößt der Fiat rasch an seine Grenzen. Dann lässt er die Insassen nämlich selbst auf gut ausgebauten Straßen auf den Polstern hopsen. Außerdem ist das Lenkgefühl so, als gelte es, einen dicken Gummistrang zu verdrehen.
Auch die wählbare Servounterstützung (Normal und Sport) kann das nicht verhindern. Folglich fallen auch forcierte Kurswechsel weniger reizvoll aus, ...
... als es die ordentlichen Reserven erwarten ließen. Zumal der Fahrer mangels Halt schon mal vorzeitig vom Sitz rutscht.
Beim Motor, in unserem Fall das Spitzenaggregat mit 1,4 Liter Hubraum und 100 PS, halten sich Lust und Last die Waage. Er legt sich tapfer ins Zeug, Leistung ist sicher genügend vorhanden. Doch dürfte er etwas aufgeweckter zur Sache kommen.
Der Fiat hat ihn, den Spielzeug-Appeal: Ein Blick auf sein schlichtes, lackiertes Cockpit, und man möchte beim Losfahren am liebsten Brumm-Brumm machen.
Zu den vielen Extras gehören auch ein Duftspender ...
... sowie ein Glasschiebedach.
Verblüffendes Platzangebot: Auf der Rückbank können Erwachsene bis 1,80 Meter Größe gut reisen.
Der steckt was weg: Der Kofferraum bietet mit 185 Litern ausreichend Platz, er lässt sich auf maximal 610 Liter vergrößern.
Der neue Fiat 500 ist süß, knuddelig, kultig – aber nicht der Sieger dieses Tests. Werden seine Eigenschaften nüchtern betrachtet, muss er die beiden Konkurrenten vorbeiziehen lassen.
Der Twingo mag ja vergleichsweise langweilig aussehen, er ist es aber nicht. Deshalb gelingt es ihm hier, die beiden Retros auf die Plätze zu verweisen. Seinem Bonsai-Antrieb (1,2 Liter) bläst ein Turbo derart den Marsch, dass 100 PS herausspringen.
Und es sind gesunde Pferde, denn im Gegensatz zur Konkurrenz kommt der Twingo schon untenherum gut zur Sache. Bei hohen Drehzahlen geht ihm dann zwar früh die Puste aus, aber immerhin reicht es, um die Konkurrenz abzuhängen.
Dumm nur, dass Renault ihm keinen sechsten Gang gönnt. Das führt dazu, dass der Twingo auf der Autobahn immer in den höchsten Tönen wummert - zusammen mit den übrigen Fahrgeräuschen laut genug, um Langstrecken tunlichst zu meiden.
Speziell beim Kurvenfahren zeigt der Twingo Talent und macht Freude. Vorausgesetzt, wir werden nicht übermütig. Wer in der Kurve das Gaspedal lupft, muss mit Heckmeck rechnen - und vermisst das ESP (nicht lieferbar). Zum fröhlichen Grinsen langt es aber doch.
Und es hält länger an als im Fiat, denn bei aller Sportlichkeit bleibt genügend Restkomfort. Nur die Kutschbock-Haltung hinter dem Lenkrad, die muss einer mögen.
Aufgepflanzter Drehzahlmesser wie beim Mini, ...
... ansonsten blickt der Twingo-Fahrer auf ein Meer von Hartplastik.
Praktisch: Mit einem Griff kann der Beifahrer-Airbag deaktiviert werden.
Wer öfter mal zu dritt oder viert unterwegs ist, braucht den Twingo. Der ist zwar auch klein, aber dennoch ein vollwertiger Viersitzer.
Anders als die Kontrahenten offeriert er hinten keine Thrombose-Sitze, sondern verstellbare Polstermöbel (gegen Aufpreis), auf denen es sich auch Langbeinige bequem machen können.
Außerdem ist die Einrichtung dann fast so variabel wie im Van, ...
... sod ass Stückgut unterschiedlichster Ausprägung Platz findet.
Platz zwei gibt es für den kleinen Briten. Er brilliert mit seinen dynamischen Talenten: Der 500 mag fixer durchs Verkehrsgewühl flitzen, aber der Mini wetzt besser um die Kurven. Das ist seine Paradedisziplin - kein Schwanken, kein Wanken, nur zielen und rum.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Lenkung: linear, präzise, gefühlsecht. Hinzu kommt, dass sich das Repertoire der Mini-Vorzüge keineswegs auf schnelles Abbiegen beschränkt.
Um es klar zu sagen: Er ist der Einzige in diesem Trio, mit dem wir auch vor langen Fahretappen nicht zurückschrecken.
Die tiefe, entspannte Position auf sauber ausgeformten Sitzen, die straffe, aber gut gedämpfte Federung, das erträgliche Geräuschniveau - im Mini lässt es sich am besten aushalten. Zumindest auf den vorderen Plätzen.
Klar, dass der 95-PS-Saugmotor, die Mini-Basis, keine Bäume ausreißt. Aber immerhin gibt er sich Mühe, dreht schön, reagiert beflissen aufs Gas und schluckt wenig.
Letzteres auch wegen der serienmäßigen Start-Stopp-Automatik, die beim Anhalten den Saft abdreht. Daran muss man sich erst gewöhnen, funktioniert aber tadellos. Neben der Start-Stopp-Automatik gibt es übrigens auch einen eher unpraktischen Start-Stop-Knopf.
Gag, lass nach: Für machen Geschmack ist das Mini-Cockpit optisch zu überladen. Ungeübte senken hier schon mal die Temperatur statt des Seitenfensters. Aber immerhin fällt das Design aus dem Rahmen.
Nach den kleinen verchromten Kippschaltern zu greifen oder in das tellergroßes Zentralinstrument zu schauen, das hebt einfach die Laune.
Wenn man als Erwachsener hinten sitzt, senkt sich die Laune allerdings etwas. Die Beine passen nur vor die Rücksitze, wenn der Vordermann ganz nach vorrückt.
In Sachen Raumausnutzung enttäuscht der Mini. Da ist er das Gegenteil vom Ur-Mini.
160 bis maximal 680 Liter kann der Brite fassen.
Fazit: Natürlich würden wir auch am liebsten den Fiat 500 nehmen. Er ist so freundlich, so knubbelig, so stimmig. Und kostet nicht die Welt. Genau das ist auch sein entscheidender Vorzug gegenüber dem Mini. Der reizt uns zwar ebenfalls stets aufs Neue, geht aber ins Geld.
Wer ihn sich leisten kann, bekommt jedoch das hochwertigste Auto in diesem Vergleich. Der Twingo setzt dagegen auf Habhaftes: mehr Platz, mehr Mumm, mehr Alltagstauglichkeit für weniger Geld. Damit erntet er zwar keine Emotionen, ...
... aber Punkte. Nur kultig ist er halt nicht. Nicht mehr. Auf diesem Gebiet gewinnt klar der Fiat. Erstens, weil schon das Urmodell ganz oben rangierte, zweitens, weil der Neue den Geist des Alten punktgenau trifft, und drittens, weil er völlig außer der Reihe ist.
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