Kleinwagen liegen im Trend. Von diesem Kuchen möchte sich der neue Ford Fiesta seit dem 11. Oktober 2008 ein großes Stück abschneiden. Hat der Neue das Zeug, sich gegen die Größen der Kleinwagen-Klasse durchzusetzen?
Das gilt es zu überprüfen. VW Polo, Seat Ibiza, Mazda2, Toyota Yaris, Suzuki Swift, Skoda Fabia und Opel Corsa haben sich eingefunden, um den neuen Fiesta auf die Probe zu stellen.
Mit dynamischem Design und sportlichem Anspruch eifert der Swift dem Mini nach. In diesem Vergleich landet er allerdings auf dem letzten Platz.
201 Liter im Normalzustand und bestenfalls 870 Liter Gepäck passen in den Swift. Das ist wenig und schränkt den Alltagsnutzen erheblich ein. Der Suzuki-Fahrer steht also vor der Wahl: entweder vier Personen ohne oder nur zwei Insassen mit Koffern zu befördern.
Schade, denn insgesamt macht der Japaner einen sympathischen Eindruck. Die klassisch gestalteten Rundinstrumente, einfache Bedienung und das gute Raumgefühl sprechen für den Swift. Ab 140 km/h machen sich durch die mäßige Aerodynamik Windgeräusche bemerkbar.
Stark im Sprint, lahm im Durch- Zug – beim drehfreudigen und kultivierten Vierventiler des Swift wechseln Licht und Schatten. Wer auf der Landstraße überholen will, muss fleißig das leichtgängige und exakte, aber in den oberen Gängen sehr lang übersetzte Getriebe bemühen.
Dennoch, der quicklebendige Charakter des Japan-Minis macht an. Willig pfeilt der Swift durch sämtliche Radien, solange die Oberfläche glatt ist. Bodenwellen regen die stößige, unterdämpfte Federung jedoch zum Schaukeln an. Und bei Lastwechseln bekommt das ESP zu tun.
Nach dem VW Polo ist der Opel Corsa der beliebteste Kleinwagen in Deutschland. Hier reicht es aber nur für Platz sieben. Ordentlich Platz, großer Kofferraum, gutes Raumgefühl, prima Ausstattung – der Corsa punktet mit einer gelungenen Konstruktion.
Trotzdem will keine Begeisterung aufkommen. Zwar hat das Lenkrad einen großen Verstellbereich, trotzdem ist es unmöglich, eine optimale Sitzposition zu finden. Scharfe Kunststoffkanten trüben den Wohlfühlfaktor – genau wie die schlecht ablesbaren Instrumente.
Obwohl noch nicht alt, wird der Corsa inzwischen links und rechts überholt. Schwach ist besonders das Fahrverhalten. Keiner der Testkandidaten stolpert auf Holperpisten stärker als der Opel mit seinem unterdämpften Fahrwerk. Dabei bleiben Komfort und Fahrspaß auf der Strecke.
Beim Gaswegnehmen in Kurven und schnellen Spurwechseln kann es eng werden, weil das Heck unangenehm nach außen drängt. Unverzeihlich: Der beim Corsa dringend empfehlenswerte Rettungsanker ESP kostet 400 Euro Aufpreis. Dafür gibt es die Rote Karte.
Außerdem Punktabzüge für die gefühllose Lenkung, die knorpelige Schaltung, das zähe Triebwerk und die schwachen Bremsen.
Tja, und auf Platz sechs findet sich dann auch schon der Ford Fiesta. Flott sieht er aus. Ford nennt das "Kinetic Design". Mit keilförmiger Front und knackigem Po wirkt der Fiesta frisch und sportlich.
Doch das expressive Design hat seinen Preis. Im Fond geht es eng zu. Knie und Kopf finden wenig Platz. Für große Mitfahrer werden lange Strecken zur Qual.
Cockpit mit Schwung: Das Armaturenbrett mit seiner modern konzipierten Mittelkonsole wirkt stylisch, lässt sich aber nicht intuitiv bedienen. Die Sitzposition hinter dem höhen- und weitenverstellbaren Lenkrad ist ausgezeichnet.
Einfach Sprit fassen: Dank des serienmäßigen Easy-Fuel-Systems muss beim Fiesta kein Deckel mehr entfernt werden. Der Einfüllstutzen liegt hinter der Tankklappe.
Bei der Kofferraumerweiterung patzt der Fiesta. Wer die Rücksitze umlegt, verstaut maximal 979 Liter – das ist deutlich weniger, als Fabia oder Yaris schlucken. Dazu kommen eine 71 Zentimeter hohe Ladekante, sowie eine nur durchschnittliche Zuladung.
Nein, einen Grund zum Feiern liefert dieser Fiesta nicht. Von einem neuen Auto erwarten wir mehr. Das gilt auch für den Motor: Wo sind die versprochenen 96 PS? Der laufruhige 1,4-Liter wirkt unter 3000 Touren verschlafen – ohne bei höheren Drehzahlen wirklich aufzuwachen.
Mittelmaß auch beim Fahrverhalten. Kleine Unebenheiten pariert die schluckfreudige Federung gut, gerät auf Wellen aber in Wallung.
Zum Glück ist das spät eingreifende ESP Serie, das agil ausgelegte Fahrwerk kann es gut gebrauchen. Übertrieben direkt arbeitet die stoßanfällige Lenkung: Schon kleine Ausschläge führen zu großen Schlenkern.
Unaufgeregt und mit vielen Talenten ist der VW Polo Deutschlands Kleinwagenkönig. Doch gegen moderne Konkurrenten tut er sich schwer. Hier landet er auf Platz fünf. Innen wie außen gibt er sich VW-typisch konservativ. Das ist nichts Schlechtes: Alles ist funktional und solide.
Durch die konventionelle Form ist sein Platzangebot überdurchschnittlich. Wer viele Zementsäcke zu transportieren hat, ist beim Polo richtig. Mit 484 Kilo Zuladung erzielt er den Bestwert und glänzt mit niedriger Ladekante.
Ebenso zeigt er sich für lange Reisen gut gerüstet. Große Sitze mit problemlosen Verstellmöglichkeiten bieten guten Langstreckenkomfort. Freuen dürfen sich auch Fond-Passagiere. Der Polo bietet Figuren bis 1,85 Meter gute Bein- und Kopffreiheit.
Gar nicht bieder sind die Fahreigenschaften des Altmeisters. Kurz vor dem Modellwechsel fährt der Polo noch immer vielen jüngeren Konkurrenten mit seinem ausgewogenen Fahrwerk in die Parade und muss sich nur dem Seat geschlagen geben.
Trotz des narrensicheren Fahrverhaltens unverfroren: ESP ist nur gegen Aufpreis zu haben (420 Euro). Erstaunlicherweise hält der auf dem Papier mit 80 PS schwächste Motor munter mit, der VW ist sogar spritziger als die stärkeren Brüder von Seat und Skoda.
Weg mit dem Grauschleier, hier kommt der flippige Japaner. Nach dieser Devise möchte der kleine Mazda gegen die etablierten Konkurrenten punkten. Hier landet er auf Rang vier.
Die abfallende Dachlinie schränkt die Kopffreiheit im Fond ein. Immerhin sitzen Fahrer und Copilot akzeptabel. Das Lenkrad ist nur höhenverstellbar, und die flach nach hinten gezogene A-Säule stört das Raumgefühl. Dafür lässt die niedrige Fensterkante viel Licht in den Innenraum.
Auch der Kofferraum kann nicht überzeugen. Das Volumen beträgt 250 Liter – nur der Suzuki hat weniger. Außerdem stören die hohe Ladekante und die starken Karosserieeinzüge beim Verstauen von Gepäck. Mazda nimmt den Begriff Kleinwagen offenbar wörtlich.
Die Fahrdynamik zählt zu den Stärken des Mazda. Denn der drehfreudige 1300er hat mit dem 2er leichtes Spiel, reagiert spontan auf Gasbefehle. Wird der ideal positionierte, exakt geführte Schalthebel eifrig betätigt, sprintet der Mazda den meisten Kontrahenten davon.
Sportliche Ambitionen weckt ferner das kurvengierige Fahrwerk, das technisch eng mit dem Fiesta verwandt ist. Auch hier spricht die stoßempfindliche Lenkung ziemlich giftig an, außerdem greift das ESP erst spät ein. Der Fahrkomfort reicht allerdings nicht an den Ford heran.
Es folgen die Medaillen-Ränge. Bronze geht an den Toyota Yaris. Er sieht liebenswert aus mit seiner Stupsnase und dem gedrungenen Körperbau.
Mit nur 3,75 Meter Länge ist er kürzer als alle seine Mitbewerber. Dennoch glänzt der Yaris mit sehr gutem Platzangebot. Selbst ein fünfter Passagier kann auf dem Fond-Mittelplatz dank fehlenden Bodentunnels einigermaßen sitzen.
Weniger schön ist das lieblos zusammengesteckte Cockpit. Zwar gibt es jede Menge Ablagen und Fächer, doch die kratzempfindlichen Plastik-Oberflächen machen einen Toyota-unüblichen Eindruck. Pluspunkt: Als Einziger hat er verschiebbare Rücksitze.
Auch im Kampf um die Sprinter-Krone landet der antrittsstarke und drehfreudige Yaris weit vorn. Das traut man dem knuffigen Japaner ebenso wenig zu wie den souveränen Abrollkomfort, den er trotz des kurzen Radstands bietet.
Egal ob lange Wellen oder fiese Frostaufbrüche, seine ausgewogene Federung schluckt fast alles. Dennoch flitzt der Toyota erstaunlich behände um Kurven, unterstützt vom wachsamen ESP. Sportliche Ambitionen weckt er aber weniger, dazu fehlt es Lenkung und Fahrwerk an Präzision.
Von Bronze geht's direkt zu Gold. Warum, kommt gleich. Der Skoda Fabia belegt in diesem Vergleich den ersten Platz. VW-Technik verpackt in einer praktischen Karosserie ergibt eben eine leckere Kombination. Der Fabia streckt sich hoch und ist eher schachtelförmig. Keine x-beliebige Form also, womöglich sogar attraktiv.
Innen zeigt der Fabia, wie groß ein Kleinwagen sein kann. Einzig das etwas freudlos gestaltete Cockpit- Ambiente und die schlichte Instrumentierung trüben den guten Qualitätseindruck.
Obwohl er unter vier Meter Länge bleibt, bietet der Skoda vorn wie hinten üppig Platz.
Auch das Kofferraumvolumen ist rekordverdächtig. Ergänzt durch hohe Zuladung, große und bequeme Sitze sowie fast tadellose Bedienung, erweist sich der Fabia seinen Konkurrenten in diesem Testabschnitt weit überlegen.
Nicht ganz so souverän schneidet der Fabia beim Antrieb ab. Seinem etwas rau laufenden 1,4-Liter-Vierventiler geht die quirlige Drehfreude eines Swift oder Mazda2 gänzlich ab. Zudem stemmt sich die hohe Karosserie stärker gegen den Wind, was Kraft kostet.
Im städtischen Alltag gefällt der Fabia dennoch mit seiner leichtgängigen und präzisen Schaltung sowie dem problemlosen Fahrverhalten. Die gut gedämpften Federelemente sollten jedoch Querfugen und Frostaufbrüche softer schlucken.
Silber geht an den Seat Ibiza. Da er sich hier aber den Preis-Leistungssieg schnappt, führt er die Riege an. Endlich: Mit dem neuen Ibiza scheint wieder Sonne ins VW-Schattenreich namens Seat. Die Spanier haben ein gelungenes Auto auf die Räder gestellt. Ein rassiges Design gehört glücklicherweise immer noch zum Markenkern.
Außen wie innen macht der Ibiza einen ansprechenden Eindruck. Sein schickes Lenkrad und anthrazitfarbene Ringe um die Luftdüsen verbreiten freundliches Cockpitflair. Die zu kleine Klimabedieneinheit wirkt allerdings wie nachträglich montiert.
Vorn bieten die Sitze guten Komfort, quietschen aber auf schlechte Straßen. Kofferraum und Platzangebot im Fond sind knapp bemessen, ansonsten leistet sich der Seat keine gravierenden Schwächen.
Einen überzeugenden Eindruck hinterlässt der Spanier darüber hinaus beim Fahrverhalten: gefühlvolle und präzise Lenkung, behändes Fahrwerk ohne Tücken, straffe, aber nicht harte Federung sowie kräftig zupackende Bremsen.
Im direkten Vergleich die beste Kombination für ein sportlich-dynamisches Fahrerlebnis. Das serienmäßige ESP muss selten eingreifen.
Nicht ganz ins Bild passt der 1.4er aus dem VW-Konzernregal. Der Vierventiler ist ein braver und angenehmer Alltagsmotor, der aber hohe Drehzahlen scheut.
Fazit: Hoppla, Ford, das war eine farblose Vorstellung. Ehrlich gesagt, wir haben euren Neuling auf dem Podest erwartet. Und nun das: Nur Platz sechs – die Fiesta findet ohne den Fiesta statt. Leider kann der Ford weder mit gutem Platzangebot noch mit flotten Fahrleistungen überzeugen.
Der Fiesta bietet in fast allen Disziplinen immer nur Mittelmaß. Und im Kostenkapitel wird er mit mäßigen Garantien und ungünstiger Versicherungseinstufung sogar Letzter. Das darf einem neuen Auto nicht passieren. Selbst in der Ford-Domäne Fahrwerk erzielt er nur ein durchschnittliches Ergebnis.
Alles richtig macht einmal mehr Skoda. Der Fabia siegt mit dem besten Kompromiss aus Platzangebot, Fahreigenschaften und niedrigen Kosten.
Vorn mit dabei sind auch Seat Ibiza (Foto) und Toyota Yaris. Der Spanier kann im Kapitel Motor und Fahrwerk punkten, der Japaner überzeugt mit viel Komfort und bester Variabilität.
Erstaunlich der fünfte Platz des alten VW Polo (kommt im März 2009 neu). Auch er schafft es noch vor dem brandneuen Fiesta ins Ziel.
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