Regen kennt keine Jahreszeit. Deshalb ist der Nässetest so wichtig. Stichwort Aquaplaning: Winter- und Ganzjahresreifen schwimmen meist schneller auf als Sommerreifen. Ihr geschlossenes Profil, das einem Winterreifen ähnelt, kann nicht genug Wasser beiseiteschaufeln. Auch bei Nieselregen ist der Sommerreifen unschlagbar.
Kreisbahn: Am besten greift auf nasser Piste erwartungsgemäß der Sommerreifen. Die Ganzjahresreifen von Hankook, Goodyear, Toyo und Sava liegen aber dichtauf. Schlusslichter beim Thema Nässegrip sind Billigreifen Marke Maxxis und Federal. Mit ihrer veralteten Gummimischung können sie nicht mithalten.
Bremsen: Aus Tempo 100 abgebremst, steht der beste Ganzjahresreifen von Hankook knapp eine Wagenlänge später als der Sommerreifen. Der Barum verliert schon über sechs Meter auf den Sommerspezialisten – das wird in Notsituationen schon mal eng. Gefährlich lang ist der Bremsweg mit dem Federal Super Steel.
Handling: Natürlich fährt unser Test-Fiesta mit Sommerreifen die schnellste Runde. Er sammelt bei der subjektiven Bewertung von Anlenkverhalten und Lenkpräzision ebenfalls die meisten Pluspunkte. Aber auch mit den Reifen von Goodyear, Sava, Hankook und Toyo ist man gut, sicher und schnell unterwegs.
Aquaplanning: Überraschung, im Aquaplaningtest schwimmt der Allseason von Goodyear als Letzter auf. Vorsicht in Kurven: Hier können sich aufgrund der weichen Gummimischung des Ganzjahresreifens die Profilrillen, die das Wasser ableiten sollen, schließen. Schlechteste Reifen im Test: Maxxis, Kumho und Federal.
Auf trockener Piste ist der Sommerspezialist dem Ganzjahresreifen nur in den dynamischen Disziplinen Bremsen, Kurvenstabilität Lenkpräzision und Handling überlegen. Im normalen Autoalltag jedoch wird davon wenig spürbar. Im Gegenteil: Gute Allseasons rollen nicht nur komfortabler und leiser ab, sie helfen mit ihrem niedrigeren Rollwiderstand sogar beim Spritsparen.
Bremsen: Zugegeben, gegen einen regulären Sommerreifen hat der Ganzjahresreifen mit seiner weicheren Gummimischung und vielen Lamellen keine Chance. Der zusätzlich benötigte Bremsweg hält sich aber in akzeptablen Grenzen. Erfreulich: Alle Ganzjahresreifen kommen noch zum Stehen.
Handling: Auch auf dem Handlingkurs geht der Sommerreifen erwartungsgemäß in Führung. Die Allwetterreifen von Hankook und Maxxis bleiben in Lenkpräzision und Kurvenstabilität aber nicht weit zurück. Zäh und unpräziser reagiert unser Test-Fiesta dagegen auf Lenkbefehle mit Barum- oder Vredestein-Bereifung.
Abrollkomfort: Reifen mit einem 65er-Querschnitt zeichnen sich durch einen guten Abrollkomfort aus. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Kandidaten. Besonders geschmeidig rollt unser Fiesta auf den Reifen von Goodyear, Sava und Maxxis über die speziell präparierte Komfortpiste.
Vorbeifahrgeräusch: Moderne Winterreifen und die ähnlich konstruierten Ganzjahresreifen sind in der Regel leiser als die Sommergummis. Ein Blick nach rechts zeigt: Es ist nicht immer so. Ein echter Flüsterer ist der Kumho aus Korea. Am lautesten rollen die Ganzjahresreifen von Hankook (bei 60 km/h) und Vredestein (bei 80 km/h) ab.
Rollwiderstand: Konstruktionsbedingt liegt der Rollwiderstand von Ganzjahresreifen meist unter dem eines Sommerreifens. Faustformel: Fünf Prozent weniger Rollwiderstand sparen etwa ein Prozent Kraftstoff. Hankooks Ganzjahresreifen würde im Vergleich zum Sommerreifen den Verbrauch also um etwa zwei Prozent senken.
Die Härteprüfung: Handlingtest auf Schnee und Eis. Der Sommerreifen ist mit seinen Künsten schnell am Ende, nach wenigen Metern bleibt unser Test-Fiesta an der ersten Steigung stecken. Mit Ganzjahresreifen passiert das nicht. Denn sie ähneln mit Lamellen und weicherer Gummimischung konstruktiv einem richtigen Winterreifen.
Traktion: Beim Anfahren am Berg bereiten Ganzjahresreifen keine Probleme. Lediglich der Federal dreht schnell durch, der brandneue Sava Adapto krallt sich dagegen sogar besser in den Schnee als der normale Winterreifen.
Bremsen: Bei der Vollbremsung auf Schnee und Eis kommen alle Kandidaten sicher zum Stehen. Der neue Adapto von Sava verliert dabei nur 40 Zentimeter auf den Winterreifen, selbst der Billigreifen Federal liefert ein befriedigendes Ergebnis. Ganz ohne Lamellen in der Lauffläche, wird der Sommerreifen zum Sicherheitsrisiko.
Handling: Auf dem Handlingkurs geht es neben einer schnellen Runde um ein ausgewogenes und sicheres Fahrverhalten. Die Kandidaten von Vredestein, Toyo und Sava gehen knapp hinter dem Winterreifen in Führung.
Slalom: Eine gute Seitenführung vermittelt dem Fahrer Fahrstabilität und Sicherheit. Der Winterreifen überträgt wie erwartet die höchsten Seitenführungskräfte. Doch auch die mit "Gut" bewerteten Allseasons sorgen für sicheren Kurvenhalt.
Der Hankook kostet ca. 55 Euro. Stärken: überzeugendes Allroundtalent mit kurzen Nass– und Trockenbremswegen, guten Aquaplaningreserven, niedrigster Rollwiderstand. Schwächen: erhöhtes Vorbeifahrgeräusch. Note: vorbildlich.
Der Goodyear kostet ca. 65 Euro. Stärken: ausgewogener Allrounder mit sehr guten Sicherheitsreserven bei Aquaplaning, sehr gutem Abrollkomfort, niedrigem Rollwiderstand. Schwächen: leicht verlängerter Trockenbremsweg. Note: vorbildlich.
Der Sava kostet ca. 55 Euro. Stärken: hervorragende Fahreigenschaften auf Schnee, gute Aquaplaningreserven, niedriger Rollwiderstand. Schwächen: verlängerte Bremswege und Untersteuern auf trockener Fahrbahn. Note: gut.
Der Toyo kostet ca. 55 Euro. Stärken: ausgewogenes Handling mit guter Traktion und stabiler Seitenführung bei Nässe und Schnee. Schwächen: verlängerte Nass– und Trockenbremswege, durchschnittlicher Komfort. Note: gut.
Der Vredestein kostet ca. 60 Euro. Stärken: dynamische Fahreigenschaften mit bester Seitenführung auf verschneiter Piste. Schwächen: eingeschränkte Seitenführung und untersteuerndes Fahrverhalten auf nasser und trockener Strecke. Note: befriedigend.
Der Barum kostet ca. 55 Euro. Stärken: gute Traktion auf Schnee und gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning. Schwächen: mäßige Fahreigenschaften auf Schnee und verlängerte Bremswege auf nasser und trockener Piste. Note: befriedigend.
Der Kumho kostet ca. 55 Euro. Stärken: kurze Schneebremswege, leises Abrollgeräusch. Schwächen: eingeschränkte Seitenführung, nur durchschnittliche Nässequalitäten, geringe Aquaplaningreserven. Note: befriedigend.
Der Maxxis kostet ca. 45 Euro. Stärken: gute Traktion und kurze Bremswege auf Schnee. Schwächen: unharmonisch untersteuerndes Fahrverhalten und lange Bremswege auf nasser Fahrbahn, geringe Aquaplaningreserven. Note: nicht empfehlenswert.
Der Federal kostet ca. 45 Euro. Stärken: kurze Trockenbremswege. Schwächen: kritisches Fahrverhalten und gefährlich lange Bremswege auf nasser Strecke, eingeschränkte Wintertauglichkeit. Note: mangelhaft.
Fazit von AUTO BILD-Reifenexperten Henning Klipp (links) und Dierk Möller-Sonntag: "Sieger im Ganzjahresreifen-Test wird der Hankook – ein rundum überzeugendes Allroundtalent für 55 Euro. Der Goodyear kostet zehn Euro mehr, zeigt eine leichte Schwäche auf Schnee – 2. Platz. Ebenfalls gute Reifen kommen von Sava und Toyo. Vom Kauf der Billigheimer Maxxis und Federal raten wir ab."
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